Rückblick: Meine ersten 5 Jahre als Aktionär

Vor fünf Jahren ging mein Arbeitgeber an die Börse. Das geschah zu einer Zeit, als Aktien für mich Teufelszeug waren.

Und hier stehen wir nun, 5 Jahre und 214 Börsenblogbeiträge später. Es ist an der Zeit, diese halbe Dekade Revue passieren zu lassen.

Zum IPO erhielt ich damals eine kleine Zahl an Aktien geschenkt – und darüber hinaus das Angebot, zusätzliche Aktien 25% unter dem Zeichnungskurs zu zeichnen, und zwar bis zu einer Höchstgrenze. Diese lag, wenn ich mich recht erinnere, im fünfstelligen Euro-Bereich. Beide Angebote waren mit einer Mindesthaltedauer verknüpft.

Die Bonusaktien nahm ich natürlich gern, doch das Discount-Angebot in Verbindung mit der Haltedauer war mir nicht geheuer. Damals war ich so planlos, dass ich nicht einmal ein Tagesgeldkonto hatte! Ein Girokonto war alles, was ich in finanzieller Hinsicht vorzuweisen hatte.

So bin ich also zufällig in der Börsenwelt gelandet. Die Kette der verrückten Zufälle reicht sogar noch weiter: Bei diesem Arbeitgeber bin ich erst mit meiner dritten Bewerbung gelandet, nachdem ich zwei bzw. drei Jahre zuvor jeweils nicht eingeladen wurde. Diese späte Einladung hätte ich ohne die beiden ersten Jobs nicht erhalten. Diese Jobs hätte ich ohne das Studium nicht bekommen, zu dem mich meine Tante überredet hat. Hinzu kommt, dass mich meine Eltern überreden mussten, aufs Gymnasium zu gehen, als alle meine Grundschulfreunde sich gegen das Gymnasium entschieden hatten.

Mein Leser Sebastian, mit dem ich mehr über Finanzen und Aktien gesprochen habe als mit jedem anderen Menschen, sagt mir immer: „Stefan, du hast all diese dummen Fehler, die jeder von uns beim Vermögensaufbau gemacht hat, einfach irgendwie übersprungen.“

So ganz stimmt das aber nicht.

Nachdem ich mit den Bonusaktien Blut geleckt hatte, versuchte ich die kurzfristigen Kursentwicklungen zu verstehen. Schnell kam der Übermut: Hey, du arbeitest hier und bist von der guten Zukunft dieser Firma überzeugt, kauf doch noch mehr Aktien, sagte ich mir.

Da ich auf der Insiderliste stand, sprach ich mit einem unserer Firmenanwälte darüber, was erlaubt ist und was nicht. Im grünen Bereich kaufte ich nach.

Bedenken von Kollegen, am Aktienmarkt müsse man diversifizieren, schlug ich in den Wind mit dem Gedanken, ich wisse über kein Unternehmen so viel wie über dieses, warum sollte ich streuen?

Einige Monate später fing ich an, Aktien anderer Unternehmen zu traden mit einer durchschnittlichen Haltedauer pro Position von anderthalb Wochen. Ich kaufte sogar ein dickes Buch über Trading und hing täglich an den Lippen einiger deutscher Trading-Ikonen. In Schweden saß ich in einer traumhaften Gegend in einer Hütte am See und stöberte in der Trading-Bibel.

Ich zahlte Lehrgeld und legte im August 2015 den Schalter auf langfristige Investitionen um. Drei Monate später rief ich den Blog ins Leben.

Auch die Aktionärszahl (direkt über Aktien oder indirekt über Aktienfonds) hierzulande hat eine erfreuliche Entwicklung genommen in den letzten Jahren.

 

Weiterbildung

Seit dem Umstieg auf richtiges Investieren las ich folgende Bücher mit Bezug zum Thema Geld.

Allgemeines zum Vermögensaufbau:
„Money“ (Robbins)
„Rich Dad, Poor Dad“ (Kiyosaki)

Geschichte und Datenanalyse zum Aktienmarkt:
„Aktien für die Ewigkeit“ (Siegel)

Konkrete Strategien:
„Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“ (Kommer)
„Warren Buffett – Sein Weg, seine Methode, seine Strategie“ (Hagstrom)
„Warren Buffetts fundamentale Investment-Geheimnisse“ (Miller)
„So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen“ (Buffett/Clark)
„Aktien richtig bewerten“ (Hasler)
„Die Profi-Investment-Strategie“ (Fisher)

Einzelne Unternehmen/Branchen:
„Shoe Dog“ (Knight)
„Der letzte Führerscheinneuling ist bereits geboren“ (Herger)
„Wie Elon Musk die Welt verändert“ (Vance)
„Insane Mode – Die Tesla Story“ (McKenzie)

In der Auflistung fehlen noch fünf Bücher, die in die Kategorien Biografie bzw. Politik fallen. Vor meinem ersten Aktienkauf habe ich Bücher übrigens gehasst.

Wo ich mich heute online auf dem Laufenden halte, hatte ich vor kurzem einem Leser geschrieben. (hier im Kommentar)

Zur Weiterbildung gehört auch, dass sich die Sicht auf gewisse Dinge verändert. 2016 schrieb ich noch einen bösen Anti-Dividenden-Artikel (hier) und heute freue ich mich über die motivierende Wirkung stetig steigender Dividendeneinnahmen. Meine Disney-Dividenden bezahlen meine Kinobesuche; meine Starbucks-Dividenden bezahlen meinen Kaffee; meine Nike-Dividenden bezahlen meine Sneaker; und so weiter. Es macht Spaß, einem Kollegen der aus dem Disneyland Paris zurückkommt, auf die Schulter zu klopfen und zu sagen: Danke dass du da warst!

Ebenfalls in 2016 erklärte ich, warum ich nicht in ETFs investiere (hier) und heute ist ein ETF meine mit Abstand größte Position im Portfolio.

 

Interaktion

Leser- und Bloggertreffen, an denen ich teilnahm, bekomme ich schon lange nicht mehr aufgezählt.

Darüber hinaus erinnere ich mich an mindestens 9 Treffen, bei denen ich mein Wissen im Einzelgespräch mit Freunden/Kollegen geteilt habe und wir zusammen an deren Vermögensaufbau-Strategie gefeilt haben. Dafür setze ich seit einiger Zeit auch eine Powerpoint-Präsentation ein. Herzstücke dieser Präsentation sind Olivers 300-Euro-Regel sowie Nicos Geschichte von Kalle und Knut. Leuchtende Augen sind dabei garantiert.

Apropos Interaktion: Mein Blog hat vorgestern die Marke von 500.000 Aufrufen geknackt. 182.000 Besucher hinterließen 2.400 Kommentare in 214 Beiträgen. Euer Interesse und eure Teilnahme überwältigen mich 🙂

 

Erfolg

Schauen wir auf den Erfolg, genauer gesagt meine Vermögensentwicklung (Aktien plus Bankguthaben minus Schulden):

Bitte seht mir nach, dass ich keine konkreten Zahlen auf einem öffentlichen Blog teile. Nur drei Menschen kennen die Zahlen hinter den dargestellten Relationen.

Rückblickend hat der Börsengang meines Arbeitgebers mein Leben also grundlegend verändert. Diese Erkenntnis hatte ich anderthalb Jahre nach dem IPO auch mit den drei Vorstandsmitgliedern (von denen jeder ein 9-stelliges Vermögen hat) geteilt, mich bedankt und freudige Reaktionen bekommen.

Ich bin nicht so naiv, zu glauben es würde ewig so weitergehen wie in der gezeigten Grafik. Früher oder später wird der Preis (nicht zu verwechseln mit dem Wert) meines Portfolios zeitweise um 40, 50 oder 60 Prozent zurückgehen. Mein Fotoalbum für Bärenmärkte wartet schon. Dann wird sich zeigen, ob ich heil durch das Tal der Tränen komme.

Der Erfolg hat mich auch etwas nachlässiger entspannter werden lassen. Nachdem ich meine Arbeitszeit um 20% reduzierte, werde ich dieses Jahr mehr Geld für Urlaubsreisen ausgeben als jemals zuvor.

 

Nächster Beitrag

Der Beitrag ist vergleichsweise kurz geraten. Ich war nicht sicher, welcher Teil euch so sehr interessiert, dass ich dort tiefer eintauchen soll. Daher machen wir eine kleine Umfrage.

 

Bis dahin empfehle ich euch diesen wunderbaren Text von Morgan Housel.

 

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3 Gedanken zu „Rückblick: Meine ersten 5 Jahre als Aktionär

  1. Ich schaue hier immer gerne rein, wenn mein RSS-Feed was anzeigt – auch weil wir uns offenbar recht ähnlich sind.
    5 Jahre sind schon eine schöne Zeit als Investor. Wie viele Leute standen während all dieser Zeit mit Cash in der Hand am Spielfeldrand und warteten und warteten auf den nächsten Crash…?

    Gefällt 1 Person

  2. @Stefan

    „Zur Weiterbildung gehört auch, dass sich die Sicht auf gewisse Dinge verändert.“

    Ja, mit zunehmendem Alter (wenn man denn bereit ist sich selbst und gewisses „Wissen“ oder bestimmte „Quellen“ zu hinterfragen…) ändern sich Ansichten.

    Hierzu muss nicht immer die monetäre, intrinistische & egoistische Motivation (z. B. Dividende) nötig sein.

    Sondern man könnte z. B. wissenschaftlichen Mainstream als aktuell wahrscheinlich genauestes Wissen halten.. 😉

    Alles Gute Dir weiterhin!

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