Mein erster ETF-Kauf nach 4 Jahren als Aktionär

Gestern, vier Tage nachdem Konsumenten rund um den Globus den „Cyber Monday“ zu Amazons umsatzstärkstem Tag der Firmengeschichte machten, habe ich mir ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk gemacht.

Jenny hat es schon. Nico auch. Und Oliver, Holger, Albert, um nur einige zu nennen.

Die Rede ist vom exchange-traded fund.

Nun ist ein ETF-Kauf eines Finanzbloggers nichts Besonderes. Wenn man allerdings in seinen bisherigen 4 Jahren als Aktionär der ETF-Versuchung widerstehen konnte, dann ist das einen Blogbeitrag wert.

Dabei möchte ich drei Fragen beantworten: woher der Sinneswandel; für welchen Index habe ich mich entschieden und warum; und welcher ETF auf diesen Index ist es geworden und aus welchen Gründen.

Warum plötzlich ein ETF?

Diejenigen, die in einzelne Unternehmen, nicht aber in ETFs investieren, haben gleich mehrere diskussionswürdige Argumente:

  • Ein breit gestreuter Indexfonds zwingt mich, Geld in Branchen und Unternehmen zu stecken, in die ich nicht investieren möchte. (aus welchen Gründen auch immer)
  • Ich möchte keine laufenden Verwaltungskosten (TER) haben und mich nicht mit Swap, Sampling, Tracking Error, Wertpapierleihe, Steuerhässlichkeit und anderen merkwürdigen Dingen auseinandersetzen.
  • Index Investing ist das Gegenteil von Value Investing. Von dem was teurer wird, kauft man mehr. Von dem was günstiger wird, kauft man weniger.
  • Es ist ein Bankprodukt.

 

Ein Vorteil überwiegt dies jedoch in meinen Augen: Ich möchte auch an der Wertschöpfung von Branchen beteiligt sein, die ich für aussichtsreich halte, in denen ich jedoch keinen Favoriten ausmachen kann und die ich auch nicht über Berkshire-Aktien im gewünschten Ausmaß abdecken würde (z.B. aufgrund des „circle of competence“ Arguments).

Johnson & Johnson, Pfizer, Merck, Amgen, Medtronic, Abbott Laboratories, Abbvie, Eli Lilly, Thermo Fisher, Bristol-Myers Squibb, Walgreens, Gilead Sciences, Celgene, Intuitive Surgical, ResMed, Henry Schein und Cerner sind alles tolle US-Unternehmen rund um das große Thema Gesundheit. Doch vor allem bei den Medikamenten-Herstellern ist es extrem unwahrscheinlich, dass man als Privatanleger die großen Gewinner auf Sicht von 10, 15, 20 Jahren vorhersagt.

Beim autonomen Fahren ist es noch schwieriger. Oder generell beim „Internet of things“.

Auch beim Thema Bezahlen ziehe ich es vor, meine Investitionen schön breit zu streuen über Visa, MasterCard, PayPal, Apple, Google und wen es da noch so gibt und geben wird.

Wie werden die Marktanteile beim Streaming über Netflix, Amazon, Disney und Apple verteilt sein in 15 Jahren? Muss ich darauf eine Antwort haben, um davon zu profitieren? Nicht als ETF-Anleger.

Auch in anderen Bereichen ist eine breite Diversifikation sinnvoll, wie etwa Finanzwesen, Software, Energie, Immobilien oder Halbleiter.

 

Warum dann 19+1?

Nun werden einige fragen, warum ich dann überhaupt 19 Unternehmen in meinem Portfolio durch Einzelinvestitionen übergewichtet habe.

Es ist schwierig, diese Frage pauschal zu beantworten. Das diskutieren wir am besten anhand eines konkreten Beispiels, d.h. im Kommentarbereich unter einer meiner Unternehmensanalysen, in denen ich ausführlich begründet habe, warum ich in dieses Unternehmen investiert habe.

 

Warum ausgerechnet dieser Index?

Meine Wahl fiel nach reiflicher Überlegung auf den S&P 500. Die Begründung wäre eine Wiederholung dessen, was ich 2017 in einem Beitrag in 1.600 Wörtern erklärt hatte:

USA

 

Warum ausgerechnet dieser ETF?

JustETF führt derzeit 14 ETFs auf den S&P 500. Wichtig sind mir

  • ein hohes Fondsvolumen (um die Wahrscheinlichkeit gering zu halten, dass der Fonds geschlossen wird, was zwar kein Weltuntergang wäre, aber anstrengend),
  • geringe laufende Kosten (wobei auch auf den Tracking Error zu achten ist),
  • ein Anbieter mit gutem Ruf (Vanguard liegt bei mir vorn; die Deutsche Bank hinten; BlackRock und Commerzbank dazwischen),
  • viertel- oder zumindest halbjährliche Ausschüttungen (Stammlesern wird hier ein Sinneswandel auffallen gegenüber meiner Sicht von vor zwei Jahren)

Meine Wahl fiel schließlich auf den Vanguard S&P 500 UCITS ETF (WKN: A1JX53):
2012 aufgelegt; hohes Fondsvolumen (20 Mrd. USD); TER 0.07%; vollständig replizierend; vierteljährliche Ausschüttungen; Outperformance gegenüber dem Vergleichsindex in jedem der letzten 5 Jahre.

Eine Investition, wie sie Warren Buffett seinem Urenkel empfehlen würde.

 

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11 Gedanken zu „Mein erster ETF-Kauf nach 4 Jahren als Aktionär

  1. Du hast einen Grund vergessen der gegen etfs spricht: Laaaaangweilig! 😉 Also für manche ist das sicher auch ein Vorteil genau genommen.

    Für mich ist aber der wesentliche Grund der, dass ich denke schon ein paar offensichtlich schlechte Unternehmen aus seinem Depot auszuschließen kann langfristig überrendite bringen. Also wenn man schon 19 Werte hat bei denen (hoffentlich) keine faulen Eier drin sind kann man eigentlich auch die weiter besparen.

    Abgesehen davon glaube ich, dass es nichts bringt jede Chance ergreifen zu wollen – wenn man nur ein paar wirklich gute findet macht man auch satten Gewinn. Aber als beimischung mit wirklich keinen Kosten wird’s dir bestimmt nichts schaden

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    • Sehe Ich genauso: Du musst nicht auf jeder Party dabei sein, aber bei denen du dabei bist muss du es krachen lassen 🙂

      Noch ein Punkt, der mich jedenfalls abhält in den breiten Markt zu investieren: Moral.
      Ich halte selbst nichts davon meinen Moralkompass zum Maßstab der Welt zu erklären oder wem meine Sichtweise aufzuzwingen (also Linker bin ich schon mal nicht :-). Für mich jedenfalls möchte Ich nicht in z.B. Rüstungsfirmen oder Tabak investieren, die du in deinem ETF auf den S&P500 mit dabei hast.
      Also wenn ETF dann branchenspezifisch, weil nicht klar ist wer sich durchsetzen wird oder man sich an mehreren gute Unternehmen beteiligen will und die Branche aussichtsreich erscheint.

      Gruß
      Valueer

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  2. Jeder von uns wird wohl im laufe seines Anlegerlebens die Stellschrauben modifizieren. Finde ich völlig in Ordnung. Ich investiere heute auch anders als vor zehn Jahren.

    Bei dir klingt heraus, dass du auf verschiedenen aussichtsreichen „Spielfeldern“ dabei sein möchtest, ohne einzelne Titel herauspicken zu müssen. Dazu habe ich einige Anmerkungen.

    Zum einen ist – wenn es nur um die Rendite geht – gar nicht gesagt, dass die Zukunftsbranchen (von dir oben genannt) die dicke Kohle einfahren. In der Vergangenheit ist man mit den „öden“ Gesundheits- und Konsumaktien am besten gefahren (siehe hierzu Jeremy Siegel).

    Dann sorgt deine ETF-Beimischung für eine reichlich homöophatische Dosis. Wie Nike, J&J und Disney in Zukunft abschneiden ist bei dir entscheidend. Wenn du im ETF eine Performancerakete der Zukunft hast, macht sie vielleicht 0,005% deiner Rendite aus. Lohnt doch kaum.

    Verstehe das bitte nicht als Kritik an deiner Entscheidung, die finde ich in Ordnung. Aber vielleicht versprichst du dir mehr davon, als wirklich eintritt.

    Es kommt ja öfter die Kritik, man könne als Einzelinvestor nicht sicher sein, ob die eigenen Unternehmen auch in 25 Jahren noch so gut sind wie heute. Investieren ist aber ein Prozess. Wenn mir meine jetzigen Toptitel das Kapital heranschaffen, um in den nächsten 20 Jahren in ganze andere Geschäftsbereiche zu investieren, reicht mir das aus.

    Wer heute in 20 Toptitel branchengestreut investiert, ist m.M.n. ähnlich gut diversifiziert wie mit einem ETF. In meinem Portfolio befinden sich z.Z. 35 Titel (8 machen 50% aus). Auf der Watchlist stehen noch 45 weitere. Ich bin zuversichtlich, dass einige wenige davon eine außergewöhnliche Rendite erbringen werden. Unter 500 Unternehmen wäre das aber nicht der Rede wert.

    Allerdings verstehe ich dich nur zu gut. ich bin auch ein Sammlertyp und hätte gerne viele, viele tolle Unternehmen aus vielen, vielen, tollen Geschäftsfeldern in meinem Besitz. Das schmälert aber die Renditeaussichten. Wobei ich auch nicht pfiffig genug bin, die fünf Toptitel der Zukunft auszuwählen. Passt also für mich.

    Würde ich heute neu beginnen, würde ich wahrscheinlich ganz easy auf einen All World ETF setzen und gut ist. Wobei, öde ist das schon….. 😉 .

    Verfolgst du denn für die Zukunft die Idee, Underperfomer gegen einen ETF auszutauschen?

    Alles Gute!

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    • Hi Sebastian,

      zu deiner Frage, ob ich Underperformer gegen einen ETF austauschen werde:
      Ich habe Verkaufsentscheidungen noch nie vom Kurs abhängig gemacht, sondern immer davon, ob ich langfristig vom Unternehmen überzeugt bin. Ob die Aktie in den letzten 3, 5, 10 Jahren besser oder schlechter als der S&P 500 abgeschnitten hat, spielt bei meinen Verkaufsentscheidungen keine Rolle.

      Was Käufe angeht, so setze ich Monat für Monat drei Dinge zueinander ins Verhältnis: Qualität, Preis und Portfoliogewichtung. Das sah vorgestern bei meiner Kaufentscheidung z.B. so aus:

      CHD, MKC, PSA, HSIC, SBUX, JNJ, GNTX, PCLN, CERN, SKWS, TSCO, VFC, CON habe ich nicht nachgekauft, weil ich mit der aktuellen Portfoliogewichtung zufrieden bin und diese aktuell nicht erhöhen möchte.

      NKE, DIS, BRK, GOOG, HESAF, TJX habe ich nicht nachgekauft, weil der aktuelle Preis für mich keine Erhöhung der Portfoliogewichtung rechtfertigt. NKE muss z.B. schon verdammt günstig werden, damit ich die 7,7% erhöhe, ebenso DIS mit 7,6%. Der aktuelle Preis von GOOG war nah dran, meine 3,9% weiter aufzustocken.

      Bei meinen Watchlist-Werten (CNI, AMZN, RMD, ROL, RAA, ISRG) rechtfertigt der aktuelle Preis für mich derzeit noch keinen Einstieg.

      Somit ist es vorgestern der ETF geworden. Mit einem vergangenheitsorientierten KGV von 22 nicht gerade günstig, aber immerhin günstiger als in 33 der letzten 36 Monate 🙂

      Viele Grüße

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    • Leider krankt der Artikel daran, dass er die Performance mit der falschen Benchmark vergleicht. Der passende Benchmark für Top-5 US-Aktien ist der marktbreite US-Aktienindex S&P 500 und nicht der MSCI World.

      Da die Performance vom MSCI World in der jüngsten Vergangenheit in der Regel vom US-Anteil kam, geht der Vergleich von „Top-5 US-Aktien heute kaufen und 20 Jahre liegenlassen“ mit dem Index letztendlich doch zu Gunsten des Index aus. Was natürlich nichts für die Zukunft heißen muss.

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      • Mir geht es nur um den häufig gehörten Vorwurf, man wisse doch gar nicht, ob die eigenen Titel von heute in 20 Jahren überhaupt noch eine Rolle spielen, der Index umgehe dieses Problem durch automatischen Austausch.

        Ich halte dagegen, dass die 20 Toptitel von heute, wo immer sie in 20 Jahren stehen mögen und wer immer sie ganz vorne ersetzt haben mag, eine sehr ordentliche Rendite erzielen werden, die „dem Index“ in nichts nachstehen wird. So die Auswertung im Artikel.

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  3. Eines, was mir noch aufgefallen ist:

    Diejenigen, die nur oder überwiegend in ETFs statt Einzelaktien investieren (Ex-Studentin Jenny, Finanzglück-Nico, Frugalist Oliver, Zendepot-Holger, Finanzwesir Albert, Alexandra (Sauerkraut und Zaster), Leser Dummerchen, Madame Moneypenny Natascha usw.)

    strahlen (und zwar alle!) eine ungeheure Ruhe, Entspanntheit, Zufriedenheit, Souveränität und Professionalität aus.

    Muss natürlich nicht heißen, dass die ETFs dazu geführt haben 😀 Bemerkenswert ist es aber schon.

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  4. Der S&P 500 ist ein sehr guter Index…allerdings glaube ich dass er nach ca. 10 Jahren Lauf gegenüber Europa, Asien & Emergings evtl. nicht der beste Index für die nächsten 10 Jahre sein wird. Beim KGV und anderen Bewertungskennzahlen sieht man auch die Unterschiede…

    Ob die Zukunft so eintreten wird, weiß natürlich keiner.

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