Ein gutes Jahr (Teil 1)

Meine Geburtsstunde als Investor war der Vormittag des 25. August 2015. Ich nutzte den weltweiten Marktcrash, um meine ersten Positionen zu eröffnen – mit dem Ziel, langfristig an diesen Unternehmen beteiligt zu bleiben.

Seitdem ist ein Jahr vergangen – ein guter Zeitpunkt, um zurückzublicken und meine Rendite für das erste Jahr zu ermitteln. Doch eines nach dem anderen.

Die Vorgeschichte

Im ersten Halbjahr 2014 fühlte ich mich wohl damit, mein Vermögen auf dem Girokonto herumliegen zu haben. Ich hatte kein Depotkonto und noch nicht mal ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto. Über Vermögensaufbau machte ich mir keine Gedanken. Und für den Beginn der Altersvorsorge hätte ich noch ein paar Jahre Zeit, dachte ich mir. Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, wird mir schwindelig. Wer war dieser Typ, der sein Vermögen zinslos vergammeln ließ?

Den Aktienmarkt hielt ich für eine Spielwiese reicher Schnösel und gieriger Spekulanten. Börse war für mich Gordon Gekko.

Gordon Gekko
Alles änderte sich mit dem Mitarbeiteraktienprogramm meines Arbeitgebers. Ich bekam einige Aktien geschenkt, weitere Aktien zu einem reduzierten Preis. Alles gebührenfrei. Warum sollte ich da Nein sagen?

Doch wann würde ich die Dinger wieder verkaufen? Ich musste Wissen über die Börse aufbauen.

Je mehr ich las, desto mehr faszinierte mich diese neue Welt. Anstatt zu verkaufen, kaufte ich nach. Wenig später traute ich mich, Aktien eines weiteren Unternehmens zu kaufen.

Doch ich war ein blutiger Anfänger. Die Finanzindustrie Finanzpornographie hatte mich voll im Griff.

Günstig kaufen, teuer verkaufen. So schwierig könne das doch nicht sein, dachte ich. Die ganze Börse hängt davon ab, ob es mehr Aktien als Idioten gibt oder mehr Idioten als Aktien, wusste schon André Kostolany.

Ich fand Gefallen an der charttechnischen Analyse. Ich verschlang Videos, ein Buch sowie unzählige Artikel zu diesem Thema und war überzeugt davon, dass diese Strategie der Fundamentalanalyse und dem Buy & Hold überlegen war. Meine Helden waren nicht Warren Buffett und John Bogle, sondern Michael Borgmann und Rocco Gräfe.

Innerhalb von fünf Monaten öffnete und schloss ich 24 Positionen. Die durchschnittliche Haltedauer betrug 10 Tage.

Wer vermutet, ich hätte das Trading aufgrund von Verlusten aufgegeben, den muss ich enttäuschen. Ich schloss zwar lediglich 8 von 24 Positionen in der Gewinnzone, doch diese 8 Gewinne reichten aus, um trotz der 16 Verlust-Positionen letzten Endes einen kleinen Gesamtgewinn zu verbuchen, und zwar nach Gebühren, Steuern und Ausgaben für Fachliteratur.

Nichtsdestotrotz kann ich nur jedem vom Trading abraten. Übrigens waren die Trading-Gewinne ein Witz gegen das, was mir Buy & Hold mit vorheriger Fundamentalanalyse  in den folgenden 12 Monaten eingebracht hatte. Doch dazu später mehr.

Im Sommer 2015 spürte ich, dass ich dem Trading bereits nach wenigen Monaten entwachsen war. Ich begriff Aktien als Unternehmensbeteiligungen. Als wichtigen Baustein einer flexiblen, kostengünstigen, renditestarken Altersvorsorge-Strategie. Als Sprungbrett zu finanzieller Unabhängigkeit. Als Möglichkeit, aus dem Hamsterrad herauszutreten. Man muss es nur richtig anstellen.

Ich wusste, wie man für Geld arbeitet. Nun wollte ich lernen, wie ich Geld für mich arbeiten lasse.

Warren Buffett Vermögen
Der Blog von Tim Schäfer war mir eine große Hilfe. Er sagt, die Haltedauer seiner Aktien ist: für immer. Das faszinierte mich.

Doch mit welchen Aktien beginnt man Buy & Hold? Ich analysierte viel und schließlich blieben 7 Unternehmen übrig. Nun brauchte ich einen guten Einstiegszeitpunkt. Ich dachte mir: Die ersten Monate als Buy & Hold Anleger sind vermutlich die Schwierigsten. Die Wahrscheinlichkeit, das Handtuch zu werfen, ist dann am Höchsten. Wenn Verkäufe für mich nicht infrage kommen, dann starte ich am besten nach einem Crash.

Und der kam dann auch recht bald. Hier seht ihr die Tagestiefs des DAX in diesem Zeitraum in 2015 (Handelsplatz: Lang & Schwarz).

Di., 11. August: 11.264 (Hoch: 11.615)
Mi., 12. August: 10.894
Do., 13. August: 10.980
Fr. 14. August: 10.910
Mo., 17. August: 10.814
Di., 18. August: 10.880
Mi., 19. August: 10.662
Do., 20. August: 10.281
Fr., 21. August: 9.980
Mo., 24. August: 9.319

Innerhalb von 9 Handelstagen verlor der DAX etwa 2.300 Punkte bzw. rund 20 Prozent vom Hoch am 11. August bis zum Tief am 24. August. In anderen Ländern sah es nicht viel besser aus. Unzählige Aktien befanden sich auf dem tiefsten Stand der vergangenen Monate. Es zog sich durch alle Branchen. Ein richtiger Sommerschlussverkauf. Wenn ich mich recht erinnere, gab es am 24. August einen ARD-„Brennpunkt“ zum Crash im Anschluss an die Tagesschau.

Im 15-Jahres-Chart seht ihr den neuntägigen 20%-Crash des DAX rot markiert. Langfristig ziemlich unbedeutend, oder?

DAX
Am folgenden Morgen befand sich der DAX vorbörslich schon wieder bei etwa 9.750 Punkten. Jetzt muss ich reingehen, sagte ich mir, und eröffnete meine ersten Positionen. Seitdem arbeitet mein Geld für mich.

Im zweiten Teil des Beitrags erfahrt ihr etwas über

  • meine Rendite der letzten 12 Monate anhand verschiedener Berechnungsmethoden,
  • die fiktive Rendite meiner Benchmark-Indizes,
  • meine Rendite aller 14 Beteiligungen,
  • die Entwicklung meines Eigenkapitals (definiert als Summe aus Depotwert und Bankguthaben abzüglich Schulden) in diesen 12 Monaten.

Hier geht es zum zweiten Teil des Beitrags.

Anbei noch eine Grafik, auf die ich vor kurzem gestoßen bin. Zu sehen ist der S&P 500 Aktienindex, der die 500 größten US-amerikanischen, börsennotierten Unternehmen enthält. Der Chart zeigt den Verlauf des Index seit dem Jahr 1950. Eingezeichnet sind mehr als 50 historische Ereignisse, die sinnvolle Begründungen für Aktienverkäufe waren: Rezessionen, Kriege, Finanzkrisen, Staatspleiten, Öl-Schocks, die Kuba-Krise, terroristische Anschläge und vieles mehr. In dieser Zeit hat sich der Index verhundertfacht, und zwar inflationsbereinigt.

Verhundertfachung

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