Was euch andere Finanzblogger über Bitcoin verschweigen

Die Türkische Lira erlebte einen dramatischen Absturz gegenüber dem US-Dollar, wie die meisten von euch in den deutschen Zeitungen gelesen haben dürften: 79% Abwertung in den letzten 8 Jahren. (30.10.2013 bis 30.10.2021)

Doch was ist eigentlich mit unserem Euro?

Der verlor im selben Zeitraum 99,72% seines Wertes gegenüber Bitcoin, und handelt aktuell bei mickrigen 0,000019 Bitcoin.

[Selbst gegenüber Gold ist der Euro in dieser Zeit um 37% abgerauscht, und seit Euro-Einführung Anfang 2002 um 80%. Danke Mario Draghi. Danke Christine Lagarde. Danke Richard Nixon.]

Die Finanzsystem-Pandemie und damit die Gründe für die Bitcoin-Einführung 2009 hatte ich vor einem halben Jahr in meinem Beitrag „Bitcoin. Eine Liebeserklärung.“ ausführlich beschrieben. Inzwischen ist viel passiert.

Das kleine Land El Salvador mit seinen 6,5 Millionen Einwohnern hat Bitcoin als zweite offizielle Landeswährung (neben dem US-Dollar) eingeführt. Jeder El Salvadorianer kann sich nun in Bitcoin bezahlen lassen und seine Steuern in Bitcoin zahlen. Jede Geschäftsfrau und jeder Geschäftsmann – egal ob Tante-Emma-Laden oder McDonald‘s – muss Bitcoin von seinen Kunden akzeptieren.

Bitcoin El Salvador

Wichtig dabei: Nirgendwo muss mit Bitcoin bezahlt werden. Und jeder Händler kann, wenn er möchte, die vom Kunden erhaltenen Bitcoin innerhalb von Sekunden automatisch in US-Dollar zurücktauschen lassen.

Hintergrund hierbei: Unglaubliche 24% seines Bruttoinlandsprodukts erzielt El Salvador durch Überweisungen aus dem Ausland, größtenteils von verwandten Auswanderern, die Geld an die Familie senden. Diese Transfers in US-Dollar sind unglaublich teuer (bis zu 50% Gebühren!). In Bitcoin kosten sie fast nichts. Zudem besitzen 70% der El Salvadorianer kein Bankkonto.

Bereits vor einem Monat hatten 44% der Einwohner ab 15 Jahren die Chivo Wallet App heruntergeladen.

Internationale Unternehmen wie McDonalds, Starbucks und Pizza Hut können müssen nun in El Salvador ihre Erfahrungen mit Bitcoin-Zahlungen sammeln, wodurch die Hemmungen sinken, dies auch in anderen Ländern einzuführen.

Zudem hat jeder El Salvadorianer Bitcoin im Wert von 30 USD (für jemanden mit deutschem Einkommen entspricht das etwa 340 Euro) vom Staat geschenkt bekommen und konnte so von der immensen Wertsteigerung der letzten Monate profitieren.

Es handelt sich nur um ein kleines Land, doch im Erfolgsfall kann der Schneeball schnell zu einer Lawine werden. 90% des Welthandels werden in US-Dollar abgewickelt: ein inflationierendes System mit einer Hand voll Menschen an der Macht. Ein System, aus dem man schnell ausgeschlossen werden kann, siehe Iran.

Bitcoins werden geschaffen durch Energie und Zeit. Zu jedem Coin und zu jedem Block kann gesagt werden, wie viel Energie und Zeit hier aufgewendet wurden.

Alles von Wert basiert auf Energie und Zeit. Euer Schlaf letzte Nacht hat Energie (in Form von Kalorien) und Zeit gekostet. Das Zähneputzen am Morgen ebenso. Der Bau eures Hauses. Einen Klumpen Gold aus der Erde zu holen. Und so weiter.

Nur eure Euros, Dollars und Schweizer Franken fallen nicht in diese Kategorie, denn seit Richard Nixon 1971 den Goldstandard abgeschafft hat, kann jede Zentralbank in Bruchteilen von Sekunden auf Knopfdruck Unmengen neues Geld aus dem Nichts schaffen und damit alles zuvor vorhandene Geld entwerten.

Bitcoin hingegen ist selten und dezentral und man benötigt eine ganz bestimmte Menge Energie und Zeit, die dann im Coin „gespeichert“ ist. Seltenheit und Dezentralität sind die beiden Hauptgründe für seine Existenz. Und da verwundert es auch nicht, dass die SEC (die US-Börsenaufsicht) kürzlich ankündigte, Bitcoin müsse wie ein Rohstoff reguliert werden, während alle anderen Kryptowährungen wie Aktien bzw. börsennotierte Unternehmen zu behandeln sind.

Es gibt keine andere Kryptowährung, deren Menge technisch limitiert ist und die zugleich eine solche Dezentralität aufweist. Alles andere sind Shitcoins!

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Proof-of-stake (z.B. bei Ethereum) ist zwar weniger energieaufwändig als Proof-of-work, aber auch gefährlicher. Bei Proof-of-stake bestimmt die Anzahl deiner Coins deine „Macht“. Ein einzelner Spieler wie Elon Musk oder eine Gruppe wie die Europäische Union könnte 51% der Coins erwerben und würde damit für immer die Spielregeln bestimmen. Bei Proof-of-work (z.B. bei Bitcoin) benötigt man dafür 51% der Hash Rate, und niemand wird je 51% der weltweiten Rechenleistung (bzw. deren Hardware) besitzen, schon gar nicht über längere Zeit.

Zudem muss man sich nur mal ansehen, wie die Coins bei anderen Kryptowährungen verteilt sind, und wie häufig dort Transaktionen zurückgerollt werden.

Keine andere Kryptowährung wird jemals die Dezentralität von Bitcoin erreichen, weil Bitcoin sich in den Anfangsjahren unter dem Radar entwickeln konnte, ohne dass jemand davon ausgehen konnte, hier würde mal 1 Billion Euro an Wert entstehen. Abgesehen vielleicht von Satoshi Nakamoto, und der hat sich nur 1 von 21 Millionen Coins gesichert.

Bitcoin Bulle

Noch ein Wort zum Energieverbrauch, weil das häufig Thema in unseren deutschen „Qualitätsmedien“ ist: Bitcoin-Mining wird bereits zu weit über 50% aus regenerativen Energien betrieben. Das ergibt auch absolut Sinn, denn die Miner wollen ja Geld verdienen mit ihrer teuren Hardware, und der billigste Strom ist überproduzierter Strom aus regenerativen Energien. (Nachts braucht ihr kein Licht, keinen Herd, keine Waschmaschine, keinen Fernseher, aber der Wind weht und das Wasser fließt.)
(hier mehr dazu)

In El Salvador wird sogar Bitcoin-Mining aus Vulkanenergie betrieben, witzigerweise in einem Ort namens Berlín. (hier mehr dazu)

In Kanada gibt es ein Pilotprojekt, in dem ein Mining-Unternehmen, das zu 97% über Wasserkraft schürft, mit einem städtischen Fernwärmeversorger zusammenarbeitet, um die beim Mining entstehende Wärme beim Heizen nutzen zu können. (hier mehr dazu)

Es gibt unheimlich viel Bewegung in der Bitcoin-Welt.

Bei PayPal kann man in den USA und UK bereit Bitcoin kaufen, halten und verkaufen. (mehr hier und auch hier)

Selbst bei Twitter kann man inzwischen Bitcoin versenden. (hier mehr dazu)
Twitter-Gründer und -CEO Jack Dorsey sagte dieses Jahr: „Bitcoin changes absolutely everything. I don’t think there is anything more enabling for people around the world. I don’t think there is anything more important in my lifetime to work on.“

Auch Mastercard wird Bitcoin integrieren. (hier mehr)

Walmart, das umsatzstärkste Unternehmen der Welt, stellt Bitcoin-Automaten auf, mit denen man Fiatgeld gegen Bitcoin tauschen kann, und umgekehrt. (hier mehr dazu)

Zahlreiche Profisportler (v.a. in den USA im Football, Basketball, Baseball und Eishockey) lassen sich ihre Gehälter inzwischen in Bitcoin auszahlen, weil das seit 12 Jahren der mit weitem Abstand beste Wertspeicher ist. Tom Brady, der beste Footballspieler aller Zeiten, ist ein großer Bitcoin-Fan. In England bietet der Fußballclub Southampton FC sogar allen Spielern Bitcoin-Gehälter an. Watford FC wurde von seinem Sponsor in Bitcoin bezahlt.

Die Tatsache, dass jeder Bitcoin-Block nur 1 MB groß ist und somit deutlich weniger Transaktionen pro Stunde möglich sind als z.B. mit VISA, ist dank Second Layer Lösungen wie Lightning inzwischen auch kein Problem mehr. (hier erklärt)

Und die „China-Verbote“, von denen die deutschen finanzpornografischen Medien so gern sprechen? Hier 14 China-Bitcoin-“Verbote“ von 2013 bis 2021 auf einen Blick, zusammen mit der nachfolgenden Preisentwicklung.

China Bitcoin

Die Kursentwicklung spricht Bände, hier gegenüber dem US-Aktienmarkt über die letzten knapp 7 Jahre mit 27900% gegenüber 225%.

Bitcoin Price

Auch das Narrativ, Bitcoin sei für Kriminelle, was von deutschen Medien gern immer wieder ohne jegliche Belege angeführt wird, ist längst widerlegt, wie Forbes hier berichtet.
0,34% aller Krypto-Aktivitäten lassen sich auf kriminelle Handlungen zurückführen, während dies laut der Vereinten Nationen bei 2-5% der Fiatgeld-Transaktionen der Fall ist.

So. Das waren jetzt gerade einmal etwas über 1.000 Wörter von mir zu einem komplexen Thema. Entscheidet selbst, wie tief ihr in den Bitcoin-Kaninchenbau einsteigen wollt.

Weitaus besser als ich können euch Roman und sein Team hierzu Wissen vermitteln. Einen ersten Eindruck bekommt ihr in diesem 8-minütigen Pflichtvideo:

10 Gedanken zu „Was euch andere Finanzblogger über Bitcoin verschweigen

  1. Ich wäre für den Hinweis auf ein gutes, verständliches Einstiegsbuch dankbar. Mir ist der innere Wert immer noch nicht klar und die Volatilität zu groß.
    Danke für die Links und den Artikel.
    Wieviel hast du persönlich in % in Bitcoin geparkt?

    Ich lese immer, der Bitcoin sei von gestern, die neuen Coins sind das Wahre. Viele Fragen, viele Unsicherheiten.

    Gefällt mir

  2. Pingback: Bitcoin. Eine Liebeserklärung. | Stefans Börsenblog

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