What The Fuck happened in 1971?

Zwischen 1898 und 1971 kostete eine Dose Campbells Tomatensuppe jederzeit zwischen 7 und 12 Pennys. In den nächsten 50 Jahren stieg der Preis von 11 auf 100 Pennys. Was hat sich Anfang der 1970er geändert?

1950, 1960 und 1970 reichten 2,4 bis 2,6 Jahresgehälter, um sich ein Haus (in den USA) zu kaufen. Inzwischen sind es 6,9 Jahresgehälter. Was hat sich Anfang der 1970er geändert?

Von 1948 bis 1972 stiegen Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner und der Stundenlohn (in den USA) gleichmäßig. In den nächsten 50 Jahren stieg die Produktivität weiter wie zuvor, während die Kompensation praktisch unverändert blieb. Was hat sich Anfang der 1970er geändert?

1945 bis 1971 lag der Anteil der Ersparnisse der US-Amerikaner am Bruttonationaleinkommen stets zwischen 5 und 13 Prozent. Inzwischen liegen wir bei 2 bis 3 Prozent. Was hat sich Anfang der 1970er geändert?

Zwischen 1860 und 1971 reichten 10 bis 40 Arbeitsstunden, um den Index der 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA zu kaufen (Indexpunkt gleich Dollar). Heute sind es 120 Stunden. Was hat sich Anfang der 1970er geändert?

1940 bis 1970 sind die Einkünfte von Mittelschicht und Geringverdienern erheblich stärker gestiegen als die der Top-1%. Danach hat sich das Blatt gewendet.

Was also hat sich Anfang der 1970er geändert?

Das kann ich euch sagen. Die Kosten des Vietnamkriegs sind den US-Amerikanern so dermaßen über den Kopf gewachsen, dass Richard Nixon 1971 den Goldstandard und das Bretton-Woods-System abschaffte. Seitdem können die Zentralbanken überall auf der Welt immer neues Geld aus dem Nichts schaffen und ihren Bürgern damit ihre in Geld gespeicherte Lebenszeit stehlen, mit allen oben aufgeführten negativen Konsequenzen. In den USA, in Deutschland, überall.

Was sind die Eigenschaften eines guten Geldes?

  • Langlebigkeit: Dein Gut sollte nicht verderben können. Zusätzlich sollte es nicht oder schwer zerstörbar sein.
  • Mobilität: Du solltest deinen Wertspeicher leicht transportieren können. Außerdem sollte dieser kompakt sein, damit du ihn leicht einlagern kannst. (Eine Kuh ist schwer zu transportieren und verbraucht viel Platz beim Einlagern. Ein Goldbarren ist kompakter und kann besser transportiert und eingelagert werden.)
  • Fungibilität (Austauschbarkeit): Eine Einheit deines Wertspeichers sollte einer anderen Einheit des gleichen Guts entsprechen oder ineinander austauschbar sein.
  • Überprüfbarkeit (Verifizierbarkeit): Deinen Wertspeicher musst du leicht identifizieren können. Mit einer Überprüfung solltest du das Gut schnell als authentisch verifizieren können.
  • Teilbarkeit: Ein guter Wertspeicher ist leicht teilbar. Du solltest ihn in möglichst kleine Stücke aufspalten können.
  • Seltenheit: Dein Wertspeicher sollte kostbar und fälschungssicher sein. Er sollte ein rares Gut darstellen, welches nicht oft auf dieser Welt existiert.
  • Lange Historie: Dein Gut sollte bereits lange von der Gesellschaft als wertvoll angesehen werden. Mit einer langen Historie wächst das Vertrauen in der Gesellschaft in den Wertspeicher.
  • Zensurresistenz: Wie schwer ist es für einen Staat oder ein Unternehmen an dein Gut zu kommen? Dies ist die neueste der acht Eigenschaften, die einen guten Wertspeicher ausmachen. Mit dem Aufkommen von einer immer stärker digitalisierten Welt folgt eine immer größere Überwachung. Daher benötigst du in der heutigen Gesellschaft zusätzlich ein zensurresistentes Gut.

Unser Fiat-Geld, aber auch Gold, sind unheimlich schlecht in einigen dieser Bereiche. Bitcoin hingegen fehlt lediglich die lange Historie.

Ich glaube, ich komme langsam zum Ende meines Beitrags. Längere Blogbeiträge liest heutzutage leider eh kaum noch jemand.

Ich habe mich in den letzten 13 Monaten etwa 200 bis 300 Stunden mit Bitcoin beschäftigt, und ich habe noch längst nicht jeden Aspekt verstanden, denn man muss sich tief in Physik, Mathematik, Geldpolitik, Informatik, Kryptographie und Ökonomie (die von Mises/Hayek, nicht die von Keynes/Friedman die an den Hochschulen gelehrt wird) einlesen, um Bitcoin umfassend zu verstehen.

Um es mit den Worten von Bitcoin-Entwickler Satoshi Nakamoto zu sagen: „If you don’t believe me or don’t get it, I don’t have time to try to convince you, sorry“. Ich werde aber immer wieder solch kurze Blogbeiträge nutzen, um Leser zu triggern, sich selbst einzulesen. Und am Ende dieses Beitrags trage ich noch eine erstklassige Liste an weiterführender Literatur zusammen, die Gold Bitcoin wert ist.

Blau oder Rot? Du entscheidest.

Quellen für diesen Beitrag:

Weiterführende Quellen:

6 Gedanken zu „What The Fuck happened in 1971?

  1. Unter einem Bitcoin-Standard gäbe es weniger Kriege. Was glaubt ihr, wie Adolf Hitler die militärische Aufrüstung finanziert hat? Durch eine Verzehnfachung der Steuern? Nein, mit demselben Trick, den heute Scholz, Biden, Macron & Co. benutzen: Gelddrucken 24/7.

    Unter einem Bitcoin-Standard ginge es der Umwelt besser. Milliarden Menschen würden bewusster konsumieren ohne permanente Geldentwertung im Nacken.

    Unter einem Bitcoin-Standard würde die Schere zwischen Arm und Reich wieder zusammengedrückt. Es sind gerade Geringverdiener und Mittelschicht, die am stärksten unter der politisch verursachten Inflation leiden. (Diejenigen die nicht ihr gesamtes Vermögen in Aktien und Immobilien halten können/wollen.)

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    • Hallo Stefan,

      du gibst die Antwort warum genau das (leider) nicht kommen wird indirekt selbst. Weil Staaten kein Interesse daran haben sich selbst ihrer Macht zu berauben.

      Ich denke es läuft sogar auf das exakte Gegenteil raus:
      Digitales Zentralbankgeld und Konten direkt bei der Zentralbank, die damit alles und jeden kontrollieren kann wie sie will. In ihrer Hybris denkt sie, sie könnte damit auch alles steuern was sie will – die Geschichte zeigt wie gut oder eher schlecht zentrale Steuerung funktioniert. Der Versuch ist zum Scheitern verurteilt, die Frage ist wie viele Jahrzehnte es diesmal dauert, denn die Kontrolle mit den Instrumenten wird umfassender als je zuvor.

      In dem Atemzug sollte man noch erwähnen dass die EU-Kommission (oder die Zentralbank bin mir nicht sicher) den Auftrag erteilt hat eine Machbarkeitsstudie zu erstellen mittels derer festgestellt werden soll wie man alle Vermögenwerte (Immobilien, Grundstücke, Unternehmensbeteiligungen, Gold, Kunst, Krypto) der Bürger registrieren kann. Getreu dem Motto erst wird registriert, dann konfisziert.

      Die andere Frage die Ich mir stelle: Welche Ausweichmöglichkeiten gibt es derzeit und bis dahin noch und wie kann man sie nutzen?

      Grüße aus dem heute sonnigen Wien
      Valueer

      Gefällt 1 Person

      • @Stefan: Gelungener Beitrag. Wenn man einmal mit Bitcoin infiziert ist, gibt es kein Weg zurück. Und zwar nicht nur der eventuellen Vermögensgewinne wegen (man sollte ohnehin nur noch in Satoshis zählen :P), sondern weil Bitcoin im meinen Augen DAS Vehikel ist, das mal eben beiläufig die Misstände in der Welt aufzeigt!

        @Valueer: Es ist das Europäische Parlament: https://ted.europa.eu/udl?uri=TED:NOTICE:358265-2021:TEXT:DE:HTML&src=0
        Wie man sieht, dürfte man danach auch regelmäßig über den Wert seiner Bilder und Teppiche an der Wand Auskunft geben müssen. Man kann nur hoffen, dass der Verwaltungsapparat zur Erfassung die Steuereinnahmen bei weitem übersteigt und man davon wieder abkommt.

        Beste Grüße
        Dividendenstrategie_ohne_mich

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    • Hallo Stefan,

      ich muss Valueer leider zustimmen, obwohl es mir voll gegen den Strich geht: Aktuell sieht es so aus, als ob Zentralbanken das „next big thing“ in einer digitalen Staatswährung sehen. Die Vorteile für die Zentralbanken liegen klar auf der Hand:

      + Man behält Kontrolle über die Bürger.
      + Man kann das Nullzinsregime in ein Minuszinsregime umgestalten, da die elendigen Lagerkosten für Bargeld mit einem digitalen Euro vollends entfallen.
      + Man kann durch die Politik weiterhin das Narrativ „Böses Bargeld“ mit Scheinargumenten schüren: Bargeld ermöglicht Geldwäsche und die die Finanzierung vom ‚Bösen‘ (= jeder Mensch, der nicht vom Kollektivismus beeinflusst selbt Entscheidungen treffen will).
      + Die Etablierung eines Hardcore-Moral-Kollektivsystems mit Hilfe von ’social credit scores‘ ist möglich. Wenn der Bürger nicht tut, was die moralisierende Mehrheit aus Politik, Bankern und geblendetem Proletariat tut, dann kann er nichts mehr kaufen, weil ihm sein Konto gesperrt wird. So bringt man (fast) alle auf Linie.

      Deshalb muss die Politik Bitcoin auch immer wieder runterziehen und schlechtmachen; es geht um Deutungshoheit durch kreative Informationsgestaltung, nicht um Wahrheit.

      Die Russen versuchen ihre entwerteten Rubel in BTC zu tauschen, um ihre Finanzen zu retten. Aber die Medien des Westens verbreiten: „Bitcoin muss staatlich reguliert werden, damit PUTIN sein Geld nicht aus Russland ausschleusen kann.“ Wer’s glaubt…

      In den USA sind mit Bidens „Build Back Better“ Agenda neue IRS Anträge unter der Hand eingeführt worden, die dich als BTC Hodler oder Börse absolut nackt vor dem Staat darstehen lassen. Dir wird die Knarre auf die Brust gesetzt: „Entweder wir wissen alles über dich, oder du lässt von Bitcoin die Finger weg.“ Ist klar, wofür sich die ängstliche Masse entscheiden wird.

      Ich hodle weiter, halte meine Kryptos in Cold Wallets und hoffe wie du auf die Macht der kleinen Leute und der Dezentralität.

      Viele Grüße,
      der Gute Verwalter

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Die Reise in den Bitcoin-Kaninchenbau | Stefans Börsenblog

  3. Pingback: Meine Reaktion auf „Bitcoin verschwendet Energie“ | Stefans Börsenblog

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