Meine Reaktion auf „Bitcoin verschwendet Energie“

Wer im Bitcoin-Space unterwegs ist, der stößt häufig auf den Satz: Bitcoin verschwendet Energie. Dazu möchte ich heute endlich einen Beitrag schreiben.

Zunächst mal behalten wir für den Rest des Beitrags im Hinterkopf, dass Energie nicht erzeugt oder vernichtet, sondern nur von einer Energieform in eine andere umgewandelt werden kann (Erster Hauptsatz der Thermodynamik).

Beginnen wir mit einigen Fakten zum Bitcoin-Mining.

• Bitcoin-Mining ist der sauberste Industriesektor der Welt mit 59,5% Anteil regenerativer Energien (Quelle)
• Dieser Wert steigt seit Jahren (von 36,8% in Q1/2021 über 22 Prozentpunkte), und das ohne politischen Zwang, sondern auf Basis der Anreize des freien Marktes.
• Bitcoin-Mining wird immer effizienter: von 877193 J/Th mit CPUs in 2009 auf 21,5 J/Th mit dem Antminer S19 Pro, dem neuesten auf Bitcoin-Mining spezialisierten ASIC. (Quelle)
• Das traditionelle Finanzwesen verbraucht 56x mehr Strom als Bitcoin-Mining. (Quelle)

Was wollen Miner? Geld verdienen.

Welche Kosten haben Miner? Hardware und Energie.

Welche Energie ist am günstigsten? Überproduzierte Energie aus regenerativen Energien, denn die ist (nahezu) gratis. Während du schläfst, ist dein Licht ausgeschaltet, dein Fernseher und Computer ebenso wie dein Herd, deine Waschmaschine und dein Trockner. Doch der Wind weht und das Wasser fließt.

Produzenten Umwandler regenerativer Energien müssen ihre überproduzierte Energie, die vom Netz nicht aufgenommen werden kann, entweder in Form von Wärmeenergie an die Umwelt abgeben, oder ans Ausland abgeben (und dafür häufig noch 1 c/kWh für die Abnahme bezahlen).

Daher siedeln sich Bitcoin-Miner am liebsten dort an, wo Energie häufig überproduziert wird.

Und selbst Unternehmen wie Exxon Mobil steigen ins Bitcoin-Mining ein, weil sie dann ihr überschüssiges Gas nicht mehr abfackeln müssen. (Quelle)

In der jüngsten Hitzewelle in Texas funktionierte die Abstimmung von
Netzbetreibern und Bitcoin-Minern ganz hervorragend. (Quelle)

El Salvador nutzt Vulkanenergie fürs Bitcoin-Mining. (Quelle)

In Kanada gibt es ein Pilotprojekt, in dem ein Mining-Unternehmen, das zu 97% über Wasserkraft schürft, mit einem städtischen Fernwärmeversorger zusammenarbeitet, um die beim Mining entstehende Wärme beim Heizen nutzen zu können. (Quelle)

Bitcoin ist das beste, was Umwelt und Klima passieren kann. Bitcoin inzentiviert die Energiewende dadurch dass überproduzierte Energie direkt in Geld umgewandelt werden kann. Positive Effekte kann dies nicht nur dort bewirken, wo bereits heute Energie überproduziert wird, sondern auch dort wo noch gar keine Menschen leben, es aber sehr viel Wasser- oder Sonnenenergie gibt. Dort wird die Entstehung von Oasen inzentiviert. Ein Miner erhält derzeit für jeden Block 6,25 Bitcoin plus Transaktionsgebühren.

Ein weitere positiver Effekt von Bitcoin auf die Umwelt ist, dass ohne permanente Geldentwertung im Nacken die Menschen eine niedrigere Zeitpräferenz haben. Sie konsumieren bewusster. Inflation hindert uns daran, die Früchte unserer Arbeit dann zu ernten wenn wir wollen, denn es bringt diese Früchte zum verfaulen.

Abschließend möchte ich noch auf den Begriff „Energieverschwendung“ eingehen.

Ich finde es merkwürdig, dass dies in jedem Mainstream-Bitcoin-Nachrichtenbeitrag erwähnt wird. Wie viel Energie verschwendet denn das Streamen von Katzenvideos auf Youtube? Oder die Schminkvideos von Instagram-Sternchen mit Millionen Followern? Wäschetrockner in den USA verbrauchen mehr Energie als Bitcoin-Mining weltweit. Wenn die neue Playstation rauskommt oder das neue iPhone, dann geht es in der öffentlichen Debatte seltsamerweise nicht um Energie, bei Bitcoin hingegen schon. Ein Fall von „Wes Brot ich ess, des Lied ich sind“? Bitcoin hat weder Lobbyisten, noch zahlt Bitcoin für Anzeigen beim Spiegel.

Wenn Olaf Scholz sich im Bundestag hinstellt und sagt, wir drucken jetzt zusätzliche 100 Milliarden Euro und stecken diese in die Bundeswehr, warum rechnen die Mainstream-Medien da nicht vor, wie viel Energie verbraucht wird für Panzer, Kampfjets und Drohnen für 100.000.000.000 Euro? Wahrscheinlich liegt ihnen der Cantillon-Effekt mehr am Herzen als die Umwelt.

Ob ein Energieverbrauch gerechtfertigt ist, wird durch den Nutzen bestimmt. Und der Nutzen von Bitcoin für die Menschheit ist sehr hoch (hier meine 36 Gründe Bitcoin zu kaufen).

Die Erhöhung des Lebensstandards über Jahrhunderte und Jahrtausende geht nunmal einher mit einer Steigerung der Energienutzung. Ich möchte nicht mit der Pferdekutsche zur Arbeit reiten wie vor 120 Jahren, und du sicher auch nicht.

Auf der Kardaschow-Skala steht die Menschheit noch nicht mal auf der untersten Stufe der Zivilisation, denn dafür müssten wir 100% der auf unserem Planeten verfügbaren Energie nutzen.

Bitcoin-Mining nutzt nur etwa 0,44% der auf der Erde überproduzierten Energie. (Quelle)

Nicht dass wir uns falsch verstehen: Ich bin ein sehr ressourcenschonender Mensch. Ich gehe davon aus dass ich 20-40% weniger Energie verbrauche umwandle als der Durchschnittsdeutsche.

Hier findet ihr meine anderen Bitcoin-Beiträge in der empfohlenen Lesereihenfolge:

Die Reise in den Bitcoin-Kaninchenbau
Bitcoin. Eine Liebeserklärung.
What The Fuck happened in 1971?
Was euch andere Finanzblogger über Bitcoin verschweigen
36 Gründe, Bitcoin zu kaufen

4 Gedanken zu „Meine Reaktion auf „Bitcoin verschwendet Energie“

  1. Das kannst du doch wirklich nicht alles ernst meinen. Du zitierst Bicoin nahe Quellen, die nicht objektiv sind oder wissenschaftlich fundiert recherchieren. Bitcoin wandelt mehr Energie um als das Land Norwegen.
    In vielen Ländern werden Bitcoinminer aus Kohlestrom gespeist. In manchen Ländern haben die Miner das Stromsystem fast in den Kollaps geführt.
    Ich verstehe deinen Enthusiasmus und man kann manche Kritik auch auffangen und abschwächen. Aber Bitcoin als gut für die Umwelt hinzustellen ist unverschämt und falsch.

    Auch ich mag die Idee vom Bitcoin, aber ich weiß, dass das Mining nicht gut für die Umwelt ist. Ich könnte auch bei anderen Bereichen die gleichen Rechnungen anstellen und diese als gut oder neutral für die Umwelt darstellen, aber auch in diesen Beispielen wäre es so, dass ein Konsumverzicht trotzdem die bessere Wahl wäre. Selbes gilt für das Bitcoin Mining.

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  2. Mir gefällt es, dass du von „Regenerativer Energie“ und nicht von „Erneuerbarer Energie“ sprichst. Das macht fast keiner mehr, auch keine der sogenannten Wissenssendungen.
    Der (aufmerksame) Schüler lernt bereits im frühen Physikunterricht, dass man Energie nicht einfach erschaffen, sondern lediglich in eine andere Form umwandeln kann.
    Dieser Begriff wurde gerne und vornehmlich von einigen Politikern (bis in die Gesetzestexte (EEG)) übernommen und ist imho auch ein Indiz fehlenden Grundlagenwissens an oberster Stelle.

    Bitte gerne weiter über Bitcoin bloggen.

    Cheers!

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  3. Pingback: Links der Woche KW 34/2022 › Fuseboroto.info

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