Bye, Bye, Tesla!

Dies ist mein 219. Tagebucheintrag, der mich einmal daran erinnern wird, warum ich am Wochenende des 17. und 18. August 2019 den Entschluss fasste, mich von meiner zweitgrößten Aktienposition zu verabschieden.

Spaß

Aktionär von Nike oder Disney zu sein, bereitet mir jede Woche enorme Freude – und das ganz unabhängig davon ob die Aktie gerade 30% gestiegen oder 30% gefallen ist. Von Tesla kann ich das nicht behaupten.

Kapitalintensität

Im Automobilgeschäft werden gewaltige Mengen an Kapital benötigt. Der Free Cash Flow ist bei allen großen Herstellern entweder negativ oder nur ein paar Prozentpunkte über Null. Auto-Aktien waren fürchterliche Investments in den letzten 30 Jahren.

Neue Spieler wie Tesla, Rivian, Nio, Lucid Motors, Faraday Future oder Byton brauchen extrem lange, um ihre Produktionskapazitäten hochzufahren. Tesla ist in den letzten Jahren stark gewachsen und immer noch gibt es mehr als 25 Automarken mit höheren Stückzahlen. Man kann das Geschäft nicht so gut skalieren wie z.B. Booking Holdings.

In Shanghai wird in Q4 oder Q1 die Produktion langsam mit kleinen Stückzahlen gestartet. Für ein drittes Werk nach Fremont und Shanghai ist noch kein Baubeginn in Sicht. Es fehlt schlicht das Geld für eine dritte Fabrik oder auch für traditionelle Werbung. Zudem sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 18% auf 6% (vom Umsatz) gesunken seit 2015.

Finanzierung

Eine Finanzierung über Kapitalerhöhungen (und damit die Verwässerung meines Anteils) sowie über die Ausgabe von Hochzinsanleihen – wieder und wieder – ist etwas, was ich anderen Unternehmen in meinem Depot nicht durchgehen lassen würde.

Der 420$ Tweet

Elon Musk hat klargestellt, dass er das Unternehmen am liebsten von der Börse nehmen würde. Damit bildet er den Gegenpol zu Unternehmen, an denen ich so gern beteiligt bin, weil sie seit Jahrzehnten im Sinne langfristig orientierter Aktionäre entscheiden.

Unsicherheit

Teslas Zukunft hängt stark vom Autopiloten ab. Musks Masterplan ist voll darauf ausgerichtet. Und obwohl ich mich eingehend mit dem autonomen Fahren beschäftigt habe, kann ich absolut nicht einschätzen, ob man in einigen Jahren in einer Liga mit Google-Waymo und GM-Cruise spielen wird, die derzeit führend sind und einen anderen Ansatz (Lidar statt Kameras) haben.

Waymo hat 96-97% der über 17 Millionen Kilometer, die man bereits ohne Eingriffe menschlicher Fahrer auf öffentlichen Straßen zurücklegte, im Stadtgebiet getestet.

Wenn man sein Geld breit streut über verschiedenen Anlageklassen und Vehikel innerhalb dieser Klassen, dann kann man auch eine Prise Bitcoin, eine Prise Small Cap und eine Prise P2P einstreuen. Ich setze jedoch zu 90-95% auf Aktien und betreibe dabei Fokus-Investing. Den Portfolio-Anteil von Unternehmen mit unsicherer Zukunft möchte ich dabei klein halten. Außerdem möchte ich nicht mit hohem Anteil an konjunktursensiblen Unternehmen in meinen ersten Bärenmarkt gehen.

Sentiment

Es macht wenig Spaß, an einem Unternehmen beteiligt zu sein, wenn die Medien es hassen und wenn die Desinformierten darauf anspringen und einen ständig auf die „Probleme“ ansprechen. Sogar in den USA wird auf CNBN ein regelrechter Krieg gegen Tesla geführt.

Leider muss man sich als Tesla-Aktionär mit jeder Menge FUD herumschlagen.

Verliebtsein

Ich habe hier auf dem Blog über Tesla – mit weitem Abstand – mehr Positives geschrieben als über jedes andere Unternehmen. Man sollte sich nie in eine Aktie verlieben. Emotionale Entscheidungen nach dem Motto „Jetzt erst recht“ oder „Euch Kritikern zeig ich‘s“ haben an der Börse nichts verloren. Chancen und Risiken sollten nüchtern analysiert und abgewogen werden.

FAZIT

Einige meiner 7 Punkte mögen stärker sein, andere schwächer, aber in SUMME führen sie zu meinem Entschluss, mich morgen Nachmittag nach knapp vier Monaten von meiner gewaltigen Tesla-Position zu trennen mit einem Mini-Verlust von 3 Prozent. Leidenschaftlicher Tesla-Fan werde ich in jedem Fall bleiben.

Mal sehen, wie ich den freien Platz im Depot füllen werde.

47 Gedanken zu „Bye, Bye, Tesla!

  1. Das war wahrscheinlich deine teuerste (Fehl)Entscheidung. seit deinem Austieg hat sich die Aktie verzehnfacht. Ich bin dabei geblieben. Danke dir für die tollen Analysen zu Tesla, die ich gerne gelesen habe und welche Teil meiner Kaufentscheidung waren

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