Investiere in Erlebnisse, nicht in Zeug

Heute bin ich auf einen Artikel gestoßen, den Andrew Blackman im November 2014 im Wall Street Journal unter dem Titel „Can Money Buy You Happiness?“ veröffentlicht hat. Den Artikel könnt ihr hier aufrufen: https://www.wsj.com/articles/can-money-buy-happiness-heres-what-science-has-to-say-1415569538

Da sich einige von euch sicher mit einer deutschen Übersetzung des englischsprachigen Originalartikels wohler fühlen, habe ich Google den Artikel übersetzen lassen. Die Stellen, an denen die Übersetzung hakte, habe ich angepasst.

Da der Artikel lesenswert, aber auch recht lang ist, halte ich meine einleitenden Worte kurz und stichpunktartig.

Wofür ich kein Geld ausgebe:

  • Zigaretten
  • Neuwagen
  • Autowäsche
  • Starbucks
  • Flaschenwasser (der Preisaufschlag gegenüber Leitungswasser beträgt etwa zehntausend Prozent)
  • Ketchup
  • Zinsen (Ich habe in 31 Jahren noch keinen einzigen Cent für Zinsen ausgegeben. Ich brauche keine Kredite. Was ich haben möchte, bezahle ich von dem, was ich habe.)
  • Staubfänger in meiner Wohnung
  • Laptop/Tablet, DVD-Player, Blu-Ray-Player, Kamera, iPod, Mikrowelle, Smart-Watch, Sky-Abo (Meine Alternativen heißen PC, Smartphone, Herd, draußen.)

Wofür ich liebend gern Geld ausgebe:

  • Erlebnisse mit Freunden (Reisen, Sport, Konzerte/Festivals, Bar-/Kino-/Restaurantbesuche)

Romy Hausmann bringt es in ihrem Artikel auf mymonk.de auf den Punkt:

„Wir sind nicht unsere neuen Schuhe, auch nicht unser Auto, der Inhalt unserer Brieftasche oder eine blöde Cargo-Hose, wie Brad Pitt im Film „Fight Club“ so treffend bemerkt hat. Was unsere Persönlichkeit wirklich ausmacht, sind die Dinge, die wir gesehen haben. Die Dinge, die wir getan haben. Die Orte, an denen wir gewesen sind und die Leute, die wir kennengelernt haben.

Klar, die neue Smart-Watch ist toll. Aber sie wird – auch wenn die Werbung uns das gerne glauben machen möchte – mit ziemlicher Sicherheit keine anderen Menschen aus uns machen.

Für ein paar Wochen aus dem Job auszusteigen, um den Kilimandscharo zu erklimmen, dagegen vielleicht schon. Die Bilder, die du da siehst. Dein Herz, das vor Aufregung stolpert. Dein Körper, der an seine Grenzen gerät. Die Gemeinschaft, die du unter den Mit-Bergsteigern erfährst. Das Gefühl, dass du es nicht schaffst und die Entschlossenheit, trotzdem weiter zu machen.

Das sind die Geschichten, die wir über Jahre mitnehmen und eines Tages unseren Enkeln erzählen. Erlebnisse, die uns als Erinnerungen für immer bleiben werden, während die Smart-Watch nach dem letzten Update längst den Geist aufgegeben hat.“

Ziele setzen

Was aus dieser Denkweise heraus entstehen kann, seht ihr in meinem Blog-Bereich „Depot“, wo meine Vermögensentwicklung und seit heute auch die Entwicklung meiner Einnahmen und Ausgaben seit 2013 dargestellt ist.

Im Folgenden nun der Artikel von Andrew Blackman.

Es ist eine uralte Frage: Kann man Glück kaufen?

In den vergangenen Jahren hat uns neue Forschung ein viel tieferes Verständnis der Beziehung zwischen dem, was wir verdienen und wie wir uns fühlen vermittelt. Ökonomen haben die Zusammenhänge zwischen Einkommen und Glück in zahlreichen Ländern untersucht, und Psychologen haben Einzelpersonen befragt, um herauszufinden, wie wir wirklich ticken, wenn es um Geld geht.

Die Ergebnisse scheinen auf den ersten Blick offensichtlich zu sein: Ja, Menschen mit höheren Einkommen sind im Großen und Ganzen glücklicher als diejenigen, die kämpfen müssen. Gräbt man ein wenig tiefer in den Erkenntnissen, kommt jedoch Überraschendes zum Vorschein – und Nützliches.

Kurz gesagt: Die neueste Forschung zeigt auf, Reichtum allein gebe keine Garantie für ein gutes Leben. Was weit mehr zählt als ein hohes Einkommen ist die Frage, wie die Leute es ausgeben. Beispielsweise macht Spenden die Menschen viel glücklicher als Konsum. Und wenn sie Geld für sich selbst ausgeben, sind die Menschen viel glücklicher, wenn sie es für Erlebnisse wie Reisen verwenden anstatt für materielle Güter.

Im Folgenden werdet ihr erfahren, was die neueste Forschung darüber aussagt, wie die Menschen ihr Geld intelligenter nutzen und ihr Glück maximieren können.

Erfahrungen sind mehr wert als du denkst

Ryan Howell hatte etwas nicht verstanden. Zahlreiche Studien, die in den vergangenen 10 Jahren durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass Lebenserfahrungen uns mehr anhaltende Freude als materielle Dinge bescheren – und doch ziehen Menschen häufig den Kauf von Zeug der Investition in Erlebnisse und Erfahrungen vor.

Also beschloss Prof. Howell, Assistenzprofessor für Psychologie an der San Francisco State University, sich anzusehen, was da los ist. In einer Studie, die Anfang dieses Jahres veröffentlicht wurde, fand er heraus, dass die Leute denken, der Kauf von Dingen hätte einen höheren Wert, weil die Erfahrungen flüchtig sind und die materiellen Güter länger halten. Obwohl sie gelegentlich in einen großen Urlaub oder Konzertkarten investieren, beharren sie doch letzten Endes auf dem Kauf von Zeug.

Prof. Howell stellte jedoch fest, dass, wenn die Menschen auf ihre Käufe zurückblickten, sie erkannten, dass die Erfahrungen tatsächlich ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bedeuteten.

„Die Erwartungshaltung vor dem Kauf stellt sich am Ende als falsch heraus“, sagt er. „Die Leute denken, dass die Erlebnisse nur vorübergehend Freude bereiten werden, aber sie bieten ihnen auch mehr Glück und einen dauerhafteren Wert.“ Und doch investieren wir immer noch beträchtliche Beträge in materielle Dinge, sagt er, weil sie greifbar sind.

Psychologie-Professor Thomas Gilovich  von der Cornell University hat ähnliche Schlussfolgerungen gezogen. „Die Leute machen oft eine rationale Berechnung: Ich habe eine begrenzte Menge an Geld, und ich kann entweder an den Ort X reisen, oder ich kann die Sache Y besitzen“, sagt er. „Wenn ich reise, wird es toll sein, aber es wird auch nach kurzer Zeit vorbei sein. Wenn ich hingegen diese eine Sache kaufe, werde ich es wenigstens für immer haben. Das ist faktisch wahr, aber nicht psychologisch. Wir passen uns an unsere materiellen Güter an.“

Es ist dieser Prozess der „hedonischen Anpassung“, die es so schwer macht, Glück durch Materialkäufe zu erwerben. Das neue Kleid oder das Traumauto bieten einen kurzen Nervenkitzel, doch schon bald sehen wir es als selbstverständlich an.

Erfahrungen neigen dazu, mehr von unseren zugrunde liegenden psychologischen Bedürfnissen zu erfüllen, sagt Prof. Gilovich. Sie werden oft mit anderen Leuten geteilt und geben uns ein größeres Gefühl der Verbindung, und sie bilden einen größeren Teil unserer Identität. Wenn du im Himalaja klettern warst, dann wirst du dich immer daran erinnern und darüber reden, lange nachdem alle deine Lieblings-Gadgets auf die Mülldeponie gewandert sind.

Außerdem neigen wir nicht dazu, unsere Erfahrungen mit anderen Menschen so sehr zu vergleichen. „Stellen Sie sich vor, Sie haben gerade einen neuen Computer gekauft, den Sie wirklich mögen, und ich zeige darauf und sage, dass ich dasselbe Gerät mit einem größeren Monitor und schnellerem Prozessor für denselben Preis bekommen habe. Wie viel würde dir das ausmachen?“

Experimente zeigen, dass man sich sehr über so etwas ärgert. Aber wenn man in Neuseeland war und jemand anders berichtet von einem noch außergewöhnlicheren Urlaub, dann hast du dennoch deine eigenen, großartigen Erfahrungen und Erinnerungen.

In einer Arbeit mit dem Titel „Waiting for Merlot“ zeigten Prof. Gilovich und Kollegen, dass wir auch mehr Freude haben, Erfahrungen zu antizipieren als den Kauf von materiellen Dingen vorwegzunehmen. Die Leute, die auf ein Ereignis warten, waren in der Regel aufgeregt, während das Warten auf materielle Dinge sie ungeduldig werden ließ.

Don’t Adapt to What You Buy

Einer der Hauptgründe, warum mehr Sachen uns nicht immer glücklicher werden lassen, ist, dass wir uns anpassen. „Die Menschen sind bemerkenswert gut darin, sich an Veränderungen in ihrem Leben zu gewöhnen, besonders positive Veränderungen“, sagt Sonja Lyubomirsky, Psychologieprofessorin an der University of California. „Wenn dein Einkommen steigt, gibt es dir einen Schub, aber damit steigen auch deine Sehnsüchte. Vielleicht kaufst du eine größere Wohnung in einer neuen Nachbarschaft, wo du dann feststellst, dass deine neuen Nachbarn reicher sind als du. Willkommen im Hamsterrad. Der Versuch, das zu verhindern oder zu verlangsamen, ist wirklich eine Herausforderung.“

Spende

Das Paradoxon des Geldes ist, dass, obwohl ein Gehaltsanstieg unser Wohlbefinden erhöht, Spenden uns glücklicher macht als Konsum.

Das ist der Befund aus einer Reihe von Studien von Prof. Dunn. Sie fing an, Bargeld an Studenten auf dem Campus zu verteilen. Die eine Gruppe sollte das Geld ausgeben, die andere Gruppe sollte es jemand anderem geben. Diejenigen, die Geld an andere verteilten waren glücklicher als diejenigen, die es für den eigenen Konsum verwendet haben.

Prof. Dunn hat seither das Experiment in anderen Ländern auf der ganzen Welt wiederholt und hat es erweitert, um zu sehen, ob die Leute immer noch glücklich waren, wenn sie ihr eigenes Geld weggeben würden, anstatt es selbst auszugeben. Sie fand, dass in Ländern so vielfältig wie Kanada, Südafrika und Uganda das Verschenken von Geld die Menschen glücklicher macht. Dies traf sogar zu, wenn es sich nicht um geschenktes Geld handelte.

Sie arbeitete auch mit Ökonomen zusammen, um Daten aus 100 Ländern in der Gallup World Poll zu analysieren und stellte fest, dass Menschen, die Geld für wohltätige Zwecke gespendet hatten, glücklicher waren und zwar in armen und reichen Ländern gleichermaßen.

„Die Tatsache, dass wir den gleichen Effekt in all diesen unterschiedlichen Ländern beobachtet hatten, war wohl die größte Überraschung meiner Karriere“, sagt sie.

Was die Freude hervorruft, ist nicht so sehr der Betrag, den Sie geben, sagt Prof. Dunn, aber die wahrgenommene Wirkung Ihrer Spende. Wenn du sehen kannst, dass dein Geld das Leben anderer Menschen verbessert, wird es dich glücklich machen, auch wenn der Betrag relativ klein ist.

Stelle sicher, dass du auch Zeit kaufst

 Es ist auch wichtig zu überlegen, wie das, was Sie kaufen, beeinflussen wird, wie Sie Ihre Zeit verbringen. Das große Haus in den Vorstädten mag wie eine gute Idee erscheinen, aber eine Studie aus dem Jahre 2004 von Alois Stutzer und Bruno Frey von der Universität Zürich stellte fest, dass Pendler eine geringere Lebenszufriedenheit aufweisen. Sie berechneten, dass Sie einen 40%-Gehaltsaufschlag benötigen, um den Ärger des einstündigen Pendelns (2x täglich) auszugleichen.

„Nutze Geld, um dir Zeit zu erkaufen“, sagt Prof. Dunn. „Kaufen Sie nicht das schickere Auto, so dass Sie während Ihres zweistündigen Pendelns beheizte Sitze haben. Versuchen Sie, in der Nähe der Wohnung zu arbeiten, so dass Sie die letzte Stunde vor dem Sonnenuntergang verwenden können, um mit ihren Kindern im Park zu spielen.“

Halte zunächst deinen Kopf über Wasser

Einige Studien haben mittlerweile gezeigt, dass Schulden eine nachteilige Auswirkung auf das Glück haben, während Sparen und finanzielle Sicherheit dazu neigen, es zu erhöhen. Eine Umfrage der britischen Haushalte stellte fest, dass diejenigen mit höheren Schulden unglücklicher waren und auch häufiger Konflikte mit dem Partner hatten.

„Ersparnisse sind gut für das Glück; Schulden hingegen sind schlecht. Doch das miese Gefühl von 10.000 Euro Schulden ist stärker als das gute Gefühl von 10.000 Euro an Ersparnissen“, sagt Prof. Dunn. „Aus der Glücksperspektive sollte man zunächst seine Schulden tilgen und erst dann Ersparnisse aufbauen.“

Also bevor du ausgehst und dein ganzes Geld auf einen Traumurlaub verwendest, vergewissere dich, dass du dich um die Grundlagen gekümmert hast, deine Schulden bezahlt hast und genug Geld hast, um dich vor den größten Schwierigkeiten des Lebens zu schützen.

„Finanzberater liegen eigentlich richtig“, sagt Prof. Howell. „Das erste, was du mit deinem Geld machen solltest, ist, ein Sicherheitsnetz aufzuspannen. Wenn du Schulden aufnimmst, um diese großartigen Lebenserfahrungen zu machen, wird der Stress, den die Kreditkartenrechnung hervorruft, wahrscheinlich die guten Gefühle zunichtemachen.

 

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5 Gedanken zu „Investiere in Erlebnisse, nicht in Zeug

  1. Bei mir stehen Erlebnisse und Reisen auch ganz klar vor Statussymbolen!
    Ich denke es ist aber ne coole Sache, sich mal Dinge zu gönnen nach beispielsweise einem erfolgreichen Investment. Das dient dazu, sich zu motivieren, weiter zu investieren.

    Vor allem wenn Renditen von bis zu 4.000%, wie es die US-amerikanische Wall Street Legende Peter Lynch schafft.

    Seine Strategie aus seinem Buch gibts hier zum Nachlesen: https://danielbusinessblog.wordpress.com/2017/04/30/4-000-rendite-oder-mehr-moeglich/

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  2. Danke für die Verlinkung & Übersetzung dieses interessanten Artikels.

    Muss auch sagen, dass ich von schönen Ereignissen aller Art, wie ein gutes Gespräch, ein Kinoabend, Restaurantbesuch oder dem großen Sommerurlaub immer zerren kann. In Erinnerungen schwelgen zu können und mit anderen Leuten darüber zu reden möchte ich nicht vermissen.

    Als Zugpendler bereue ich die „unnütze“ Zeit auf dem Weg zur Arbeit ab und zu auch. Ich muss mich dann einfach daran erinnern, dass man diese Zeit aber durchaus sinnvoll nutzen kann. Ob Lernen, Lesen, Musik hören oder auch einfach mal etwas entspannen (ja ich kann das auch zum großen Teil während der Zugfahrt!) ist definitiv auch als Pendler möglich. Vielleicht kann ich auch mit dem damit gesparten Geld früher aus dem Arbeitsleben aussteigen oder meine Wochenarbeitszeit reduzieren. Somit hole ich mir rückwirkend wieder enorm viel Zeit zurück.

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  3. Hallo Stefan,

    die Überschrift sollte lauten: Investiere in Erlebnisse, nicht in Zeug und auch nicht übertrieben in deinen ETF-/Aktiensparplan. 😉

    Ich habe mich die letzte Zeit nochmal viel mit meinem eigenen Verhalten beschäftigt. Nicht, dass ich auf viel verzichten musste. Dennoch gibt es einige Dinge, die ich schon hätte machen können, wenn ich mal zwei oder drei Monate nicht gespart bzw. investiert hätte.

    Denn auch die Zeit die ich durch einen vorzeitigen (teilweisen) Ausstieg aus dem Job erhalte, bringt mir nicht die Zeit des Verzichts bis dahin zurück.

    Gruß,
    Marco

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  4. Danke für den Link zum Artikel und auch für die knappe Zusammenfassung! Da ist viel Wahres enthalten. Sowohl der Aspekt, dass viel in dummes Zeug „investiert“ wird als auch, dass eine solche „Investition“ weitere Kosten hervorrufen kann, ist finde ich sehr kritisch zu betrachten.

    Zum zweiten Aspekt siehe auch folgende weiterführende Gedanken: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/09/22/ihr-buchhalter-hat-unrecht-ihr-hausihre-eigentumswohnung-und-ihr-auto-sind-verbindlichkeiten/

    Viele Grüße
    FF

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