Geheimnis gelüftet

Gestern präsentierte ich eine Reihe beeindruckender Kennzahlen mit dem Versprechen, heute das Geheimnis zu lüften, zu welchem Investment diese Kennzahlen gehören.

Außerdem stellte ich die Frage, ob ihr dort investieren würdet.

Nun.. ich würde nahezu mein gesamtes Vermögen dort investieren. Das habe ich auch getan.

Es handelt sich um die Kennzahlen meines Portfolios. Die Werte sind gewichtet nach dem aktuellen Depotwert meiner 14 Unternehmensbeteiligungen.

Die Werte sind überaus interessant. Am meisten vermutlich für mich selbst. Ich empfehle jedem Privatanleger, der in Einzelwerte investiert, ebenfalls eine solche Auswertung vorzunehmen. Die Berechnung kostete nur wenig Zeit. Als Quellen nutzte ich morningstar.com, finanztreff.de, finanzen.net sowie de.4-traders.com.

Werfen wir einen genaueren Blick auf die einzelnen Werte.

Marktkapitalisierung

68 Mrd. EUR

Wenn ich ein Unternehmen daraufhin analysiere, ob ich dort investiere, dann bereitet mir eine Marktkapitalisierung von weniger als 2 Mrd. EUR ein wenig Bauchschmerzen. Bei Unternehmen, die mir zuvor unbekannt waren, liegt die Schwelle sogar noch ein wenig höher.

2 meiner 14 Unternehmensbeteiligungen haben eine Marktkapitalisierung von weniger als 7 Mrd. EUR: Jungheinrich (1,4 Mrd.) und Cancom (0,8 Mrd).

Bei solch kleinen Unternehmen rate ich euch, vor dem Kauf eine besonders gründliche Unternehmensanalyse durchzuführen.

Kurioserweise sind diese beiden Unternehmen die Positionen mit der (bisher) höchsten Rendite in meinem Portfolio. Doch das ist nur eine Bestandsaufnahme und kann sich schnell ändern. Die Aktien kleiner Unternehmen neigen zu höherer Volatilität.

Hätte ich nur Unternehmen wie Cancom und Jungheinrich in meinem Depot, könnte ich kaum ruhig schlafen. Mit meiner gewichteten Marktkapitalisierung von 68 Mrd. EUR bin ich sehr zufrieden.

Umsatzanteile

Europa 31%, Nordamerika 46%, Asien 21%, Rest 2%

Auch hier kann ich nur jedem in Einzelwerte anlegenden Privatanleger empfehlen: Ermittle diese Werte für dein Portfolio!

Eine Betrachtung nach Hauptsitz reicht nicht aus. Wichtiger ist, wo die Umsätze herkommen.

Da 10 meiner 15 Beteiligungen in den USA beheimatet sind, war ich ein wenig in Sorge, das Land überzugewichten und meine Vermögensentwicklung somit von der US-Wirtschaft (und dem US-Dollar) stark abhängig zu machen.

Nun kenne ich meine Werte und bin mit der Aufteilung zufrieden.

EBT Marge (Vorsteuergewinn geteilt durch Umsatz)

Die EBT (Earnings Before Tax) Marge ist ein Indikator für die Profitabilität eines Unternehmens.

Meiner Einschätzung nach liegt die EBT Marge meiner 14 Unternehmen mit 19% weit über einem nach Marktkapitalisierung gewichteten Durchschnitt bspw. eines S&P 500 Index.

Diese Kennzahl ist mir wichtig. Ich sehe sie mir vor jedem Kauf an.

Meine Top-Werte sind Gilead Sciences (66%) und Amgen (37%). Am schlechtesten stehen Cancom (4%) und Tyson Foods (5%) da.

Eigenkapitalquote

49 %

Verdammt wichtig! Die Zahl gibt den Vermögensanteil an, auf den das Unternehmen keine Zinsen zahlen muss.

49% sind hervorragend. Meiner Einschätzung nach dürfte ein nach Marktkapitalisierung gewichteter Durchschnitt des S&P 500 Index im Bereich zwischen 30% und 35% liegen.

Meine Top-Werte sind Skyworks (85%) und Cerner (70%). Schwach: Airbus (6%) und Jungheinrich (31%).

Jährliche Steigerung Umsatz und Gewinn (letzte 10 Jahre)

Mit +11% (Umsatz) und +16% (operativer Gewinn) steht mein Portfolio wirklich hervorragend da.

Die Zeitspanne von 10 Jahren sollte einen vollständigen Konjunkturzyklus ganz gut abbilden.

Zwei extrem wichtige Werte beim Investieren! Woher sollen Kurs- und Dividendensteigerungen kommen, wenn nicht von der Erhöhung von Umsatz und Gewinn?

Aufpassen! Nicht das arithmetische Mittel verwenden, sondern das geometrische Mittel.

Spitzenwerte bei der jährlichen Umsatzsteigerung sind Gilead Sciences (32%) und Stericycle (17%). Schwach sind Nestlé (0%) sowie Johnson & Johnson (3%).

Beim jährlichen Wachstum des operativen Gewinns liegen Skyworks (35%) und Gilead Sciences (35%) vorn. Hinten liegen Nestlé (2%) und Airbus (2%).

KGV

18

Laut dem Factsheet des Vanguard S&P 500 UCITS ETF vom 30.04.2016 liegt das KGV des S&P 500 Index bei 20,6.

Nebenbei: Ich nehme den S&P 500 hin und wieder als Benchmark, da 10 meiner 15 Werte in diesem Index gelistet sind. Gewichtet nach Depotwert sind es 66%. Man kann darüber streiten, ob sich der MSCI World besser als Benchmark eignet. Leider konnte ich das aktuelle KGV des MSCI World auf die Schnelle nicht finden.

Mein KGV liegt deutlich darunter. Diese Erkenntnis stimmt mich sehr zufrieden und ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt dass meine Beteiligungen (wenn man das Portfolio als Ganzes betrachtet) überdurchschnittlich profitabel sind, überdurchschnittliche Eigenkapitalquoten besitzen, überdurchschnittlich viel Cash besitzen, überdurchschnittlich stark wachsen und unterdurchschnittlich volatil sind.

Die höchsten KGVs weisen Church & Dwight (28) und Cerner (24) auf, die Niedrigsten Gilead Sciences (7) und Continental (12).

KGVs ermittelt als Quotient des aktuellen Aktienkurses geteilt durch den Mittelwert des von den Analysten geschätzten Gewinns je Aktie für das Jahr 2016.

Kursentwicklung 31.10.2007 bis 09.03.2009

  • minus 32 %

In den genannten Zeitraum fällt der Maximum Drawdown des MSCI World Index, der heute etwa 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern umfasst. Der Kurs des Index verlor in dieser Zeit 57,5%.
Der Maximum Drawdown einer Aktie oder eines Index gibt die Höhe des Kursverlustes an, als die Nacht am Dunkelsten war, also die maximale Entfernung vom Allzeithoch.
Es handelt sich um eine hochinteressante Zahl, die leider nur bei wenigen Finanzbloggern Beachtung findet.

Vergleichbar mit den 57,5 % des MSCI World sind meine 32% wirklich mickrig. Der S&P 500 und der DAX erreichten ähnlich hohe Kursverluste wie der MSCI World im Bereich von 55%.

Der geringe Wert freut mich sehr. Man sollte ihn allerdings nicht überbewerten. Keine Krise ist wie die vorherige. Vielleicht erwischt es meine Unternehmen im nächsten Bärenmarkt besonders hart.

Und eines ist klar: Mit meinen 14 Werten bin ich weniger gut diversifiziert als jemand, der auf Indexfonds setzt.

Die beste Kursentwicklung in diesem Zeitraum wiesen Church & Dwight (+15%) und Gilead Sciences (+10%) auf. Schlusslichter waren Continental (minus 88%) und Jungheinrich (minus 79%).

Erstaunlich, dass 2 meiner 14 Unternehmen es schafften, im schlimmsten Börsencrash der vergangenen 80 Jahre zweistellige Kursgewinne zu verbuchen.

Meine Empfehlung: Ermittelt Maximum Drawdowns nicht allein anhand eurer Aktien-Portfolios, sondern anhand eurer Gesamtvermögen. Lasst also bspw. Festgeld und Tagesgeld in die Berechnung einfließen.
 
Kurze Markteinschätzung

Nachdem du bereits so weit gelesen hast, gebe ich dir noch einen kurzen Einblick in meine Gedanken zum Markt.

Im vergangenen Jahr schrieb ich, dass ich für 2016 und 2017 keine überdurchschnittlich guten Aktienjahre erwartet. Dabei bleibe ich. Ich schrieb jedoch dazu, dass ich mit dieser Meinung wohl nur zu 50% richtig liegen werde 😉

Vor allem der US-Aktienmarkt scheint derzeit recht hoch bewertet zu sein (anhand des KUV und des Shiller-KGV noch mehr als anhand des normalen KGV).

Gigantische Aktienrückkaufprogramme der US-Unternehmen sind ein Grund dafür, dass sich die US-Indizes sehr viel näher an ihren Allzeithochs befinden als die großen europäischen Aktienindizes.

Die Gewinne der US-Unternehmen stagnieren bzw. sind sogar leicht rückläufig. Das Produktivitätswachstum ist auf einem langjährigen Tiefstand. Jobs werden zwar geschaffen (die Arbeitslosenquote ist extrem niedrig) – allerdings vor allem im Niedriglohnsektor.

Die Schulden haben Rekordhöhen erreicht. Es herrscht Unsicherheit (möglicher Brexit, möglicher US-Präsident Donald Trump).

Doch es gibt auch die andere Seite. Es herrscht ein Mangel an vernünftigen Anlagealternativen. Wohin soll das Geld, das in Aktien angelegt ist, umgeschichtet werden? Beim Vergleich der heutigen KGVs mit historischen KGVs sollte man bedenken, dass früher die Zinsen für Festgeld, Tagesgeld und Staatsanleihen sehr viel höher lagen als heute. Es gab noch Alternativen zu Aktien. Auch die Immobilienpreise in den Großstädten sind derzeit nicht gerade niedrig.

An einen derart schlimmen Bärenmarkt wie 2000-2002 oder 2007-2009 glaube ich nicht.

Außerdem zeigen die Zahlen, die ich oben präsentiert habe (die starke Kursentwicklung von Church & Dwight und Gilead Sciences während der schlimmsten Wirtschaftskrise der vergangenen 80 Jahre):
JEDERZEIT gibt es Aktien, bei denen eine Kurssteigerung in den folgenden Monaten und Jahren bevorsteht. Man muss nur richtig suchen.

Oder wie Warren Buffett es formulierte:

„Ich denke nicht darüber nach, ob ein Markt nach oben oder nach unten geht. Ich kümmere mich nur darum, ob ich ein Unternehmen zu einem akzeptablen Preis kaufen kann. Ich sehe mich nicht als Teil eines Bullenmarkts, sondern als Teilhaber an wunderbaren Firmen. Ich muss zu einem Preis kaufen, der mich glücklich macht.“

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7 Gedanken zu „Geheimnis gelüftet

    • Interessante Nachkaufkandidaten sind zurzeit Gilead Sciences und (wieder einmal) Cerner. Johnson & Johnson kann man im Prinzip immer kaufen. Bei Church & Dwight ist mir der Kurs aktuell zu hoch. Bei Stericycle sind mir die vielen Übernahmen nicht ganz geheuer. Cancom nimmt schon 14% meines Depots ein. Bei Jungheinrich ist gerade nicht die richtige Konjunkturphase für einen Nachkauf. Bei Nestlé hält mich die hohe Quellensteuer vom Nachkauf ab. Skyworks ist seit Wochen hochinteressant, bin aber mit meinem aktuellen Depotanteil zufrieden.

      Ansonsten (zufällige Reihenfolge):
      – Novo Nordisk – hier stört mich allerdings die dänische Quellensteuer und die Fokussierung auf Diabetes
      – Fielmann – interessant, aber leider verdammt teuer und scheinbar mit keiner vernünftigen Online-Strategie
      – Coloplast – leider hohes KGV und dänische Quellensteuer
      – Ross Stores – nett, aber evtl. durch Onlinehandel bedroht
      – Associated British Foods – recht hoch bewertet, evtl. bei einem Marktcrash interessant
      – Alexion – bisher erst 3 Medikamente auf dem Markt, später vielleicht interessant (bärenstarke Marge, EK-Quote, Wachstumsaussichten, Maximum Drawdown)
      – Comcast
      – Alphabet
      – Cognizant
      – Kraft Heinz
      – Walt Disney
      – Henkel
      – Ecolab
      – Nike
      – SAP

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          • OK, da habe ich mich getäuscht, also Apple KGV 12, Google 22, trotzdem lieber Google? Die sind zwar kreativer, verbrennen aber sehr viel Kapital und keine Dividende.
            Ich habe jetzt übrigens mal IBM gekauft, auch KGV 11.
            Einfach weil ich glaube, die Digitalisierung aller Geschäftsfelder kommt erst noch.

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  1. Meine Depotaufteilung nach Branchen fehlt noch. Es sieht aktuell etwa so aus:

    34% – Gesundheit
    22% – Technologie
    20% – nichtzyklischer Konsum
    14% – Industrie
    10% – zyklischer Konsum

    Bei manchen Unternehmen ist es schwierig, sie in eine Schublade zu stecken.
    Cerner landete in Gesundheit, hätte ebenso gut unter Technologie einsortiert werden können.
    Continental sehe ich unter zyklischem Konsum, aber Industrie passt auch.
    VF Corp ist für mich zyklisch, aber grenzwertig zu nichtzyklisch.
    Stericycle steckt in den 14% der Industrie, aber passt auch zu Gesundheit.

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