Unterschätzt nicht die Gebühren

Ihr könnt nicht beeinflussen, wie sich eure Aktien und Indexfonds entwickeln. Doch an einer Schraube könnt ihr drehen: die Gebühren. Unterschätzt sie nicht.

Das gilt beispielweise

  • bei der Wahl der Bank bzw. des Brokers,
  • bei der Auswahl eines ETFs,
  • bei der Bestimmung des Ordervolumens,
  • bei der Frage, ob ihr eine Aktie / einen Aktienfonds verkauft,
  • bei der Bestimmung des Handelsplatzes und der Uhrzeit eines Kaufs (aufgrund des Spreads).

Manche Banken verlangen 8 Euro pro Order, andere 12.
Manche Anleger kaufen immer für 1000 Euro, andere warten bis sie 2500 Euro angespart haben.
Manche Anleger kaufen US-Aktien außerhalb der Öffnungszeiten der US-Börse und nehmen einen deutlich höheren Spread in Kauf.
Manche Anleger kaufen Aktien von Schweizer Unternehmen und holen sich die zu viel bezahlte Quellensteuer nicht von den Schweizer Behörden zurück.

Sagt nicht: „Die paar Euro machen den Kohl nicht fett!“. Wenn ihr Kosten akzeptiert, die höher sind als sie sein müssten, setzt ihr eine negative Zinseszinslawine in Gang, die euch langfristig viel Geld kosten kann.

Rechnen wir es durch.

Max Mustermann hat gerade sein Studium an der Muster-Universität abgeschlossen, ist 24 Jahre alt und startet sein Berufsleben mit einem Jahresgehalt von 40.000 Euro brutto.

Er ist smart. 6000 Euro im Jahr investiert er einen Aktienfonds. Da sein Gehalt jährlich um 5% steigt, passt er sein Investitionsvolumen jedes Jahr entsprechend an. Als Rendite werden 7% angenommen (vor Gebühren).

Was glaubt ihr, wie stark sich sein Vermögen (vor Steuern) an seinem 65. Geburtstag unterscheidet – abhängig von Gebühren in Höhe von 1%, 2% und 3% vom Investitionsvolumen?

Max Mustermann ist clever. Er akzeptiert nur Gebühren in Höhe von 1%.
1% Gebühren – 2.413.903 €

Sehen wir uns an, wie hoch sein Vermögen bei 2% oder 3% Gebühren wäre:
2% Gebühren – 1.955.920 €
3% Gebühren – 1.602.933 €

2% Gebühren zu akzeptieren anstatt 1% macht einen Unterschied von 457.983€ aus, bei 3% sind 810.970€ verloren (vor Steuern).

Nun haben einige von uns nicht bereits mit 24 Jahren angefangen in Aktien zu investieren. Einige wollen/können nicht 6000 Euro im Jahr investieren. Einige glauben nicht an 7% Rendite. Bei einigen steigt das Gehalt um weniger als 5% pro Jahr.

Mir geht es auch vielmehr um die Relationen als um absolute Zahlen.

Die 1.602.933€ bei 3% Gebühren sind 66% von den 2.413.903€ bei 1% Gebühren.

Und wo sind die übrigen 34%? Die wurden den Banken überlassen. 2% höhere Gebühren vernichten im Beispiel 34% des Vermögens.

Da fällt mir ein Witz ein, der bereits vor 76 Jahren zu Papier gebracht wurde, aber heute ebenso gut passt:

Ein erfolgreicher Broker der Wall Street namens William Travers bewundert während seines Urlaubs in Newport, Rhode Island, die vielen schönen Jachten. Jede Jacht, nach der er sich erkundigt, gehört einem Börsenmakler, Banker oder Wertpapierhändler. Dann fragt er: Und wo sind die Jachten der Kunden?

Im genannten Beispiel mit Max Mustermann werden laufende Kosten angenommen, wie es bei Aktienfonds der Fall ist. Gebühren fallen dort jährlich an und sind auf den Bestandswert im jeweiligen Jahr bezogen. Dadurch entsteht ein negativer Zinseszinseffekt.

Anders sieht die Sache aus, wenn man in Einzelaktien investiert, wie ich es mache. Ordergebühren und Spread sind einmalige Kosten, die nicht auf den gesamten Bestandswert, sondern lediglich auf die Höhe der jeweiligen Investition bezogen sind. Sind die Aktien erst mal im Depot, fallen keine laufenden Verwaltungskosten an.

Hier werden 2% höhere Gebühren das Vermögen zum Ende des Investitionszeitraumes „nur“ um 2% senken.

Doch auch hier sollte man versuchen zu sparen. Wer will schon freiwillig 2% seines Vermögens der Bank schenken?

Dazu zwei Beispiele, die Sparpotential offenbaren.

Beispiel 1 – Die Höhe des Ordervolumens

Bei 10 € Gebühren pro Order und einem Ordervolumen von 500€ betragen die Gebühren 2%.

Erhöht ihr euer mittleres Ordervolumen auf 1.000€, so senkt ihr eure Gebühren um 1%. Bei 2.000€ pro Order sind es bereits 1,5% die ihr gespart habt.

Das Verlangen, ständig neue Aktien ins Depot zu legen, kenne ich sehr gut. Doch Investieren ist kein Sprint – es ist ein Marathon.

Kauft ihr nicht jeden Monat für 500€, sondern alle 4 Monate für 2.000€, so ist euer Vermögen am Ende 2% höher.

Beispiel 2 – Der Spread

Spread bedeutet, dass ihr einen schlechteren als den echten Kurs bekommt. Es ist die Differenz zwischen dem was der Käufer zahlt und dem was der Verkäufer bekommt. Die Differenz sind Gebühren, die zur Ordergebühr hinzukommen.

Je mehr gerade am jeweiligen Börsenplatz gehandelt wird, desto geringer der Spread. Sucht euch Aktien und Börsenplätze mit hohen Handelsvolumen.

Kauft ihr beispielsweise US-Aktien nicht zwischen 15:30 Uhr und 22 Uhr, während die US-Börse geöffnet ist, sondern bereits vorher auf außerbörslichen deutschen Handelsplätzen wie Lang & Schwarz oder Tradegate, so bekommt ihr womöglich einen Kurs, der um 0,5% weiter vom echten Kurs entfernt ist als zu den Öffnungszeiten der US-Börse.

Gehen wir zurück zum Beispiel mit Max Mustermann und nehmen nun an, er investiert in Einzelaktien. Dann würde die Befolgung meiner beiden Ratschläge aus den 2 Beispielen sein Vermögen zum 65. Lebensjahr um mehr als 50.000€ erhöhen.

Beim Pferderennen würdet ihr vermutlich auch eher auf das Pferd mit dem 70kg schweren Jockey setzen als auf das Pferd mit dem 140kg schweren Jockey. Macht es beim Investieren genauso.

Pferderennen Jockey

Anmerkung: Die ursprüngliche Fassung des Beitrags wurde am 08.05. korrigiert. Siehe Kommentare.

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6 Gedanken zu „Unterschätzt nicht die Gebühren

  1. Hallo Stefan,
    ich kann Deine Rechnungen nicht ganz nachvollziehen. Du sprichst in Deinen Beispielen hauptsächlich von einmaligen Orderkosten, oder? Für mich sehen die Unterschiede nach Peanuts aus:
    1%: http://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php?paramid=3bo0xzpmj6
    2%: http://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php?paramid=wf45oeyl48
    3%: http://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php?paramid=5vkzilnx4g

    Nur wenn die Gebühren dauerhaft an der Rendite knabbern komme ich zu größeren Auswirkungen:
    1%: http://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php?paramid=9tbpkfpdp7
    2%: http://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php?paramid=m4f9a67dvb
    3%: http://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php?paramid=4o5gv2lomp

    Oder was übersehe ich hier? Für mich sieht das eher so aus, dass die Rendite (und damit hauptsächlich die Wahl der Assetklasse) einen entscheidenden Einfluss hat, während die Auswirkungen der Orderkosten (vgl. das Streben nach kostenlosen Sparplänen bei ETF-Käufern) überschätzt werden.

    Lieben Gruß
    Dummerchen

    PS: Die Grundaussage, dass man Kosten beachten sollte, ist natürlich trotzdem richtig, aber laufende Kosten sollten zunächst beachtet werden. Ihr Einfluss ist größer als einmalige Kosten in prozentual gleicher Höhe.

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Dummerchen,

      ich ging von monatlichen Investitionen und von Renditen von 6%, 5% und 4% aus.

      Du hast Recht. Diese Berechnung ist nur dann korrekt, wenn die Gebühren laufend anfallen wie bei Fonds.

      Bei Einzelaktien müsste man die Gebühren vom Investitionsvolumen abziehen und den Rest mit 7% verzinsen.
      Die Endvermögen deines 1. und 3. Links liegen damit „nur“ etwas mehr als 50.000€ bzw. 2,02% auseinander. Müsste es nicht mehr sein, wenn 2% des Investitionsvolumens viele Jahre lang nicht mitverzinst werden?

      Viele Grüße, Stefan

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      • Hallo Stefan,

        nein, es müssten nicht mehr sein. Es müssten sogar EXAKT 2% sein. Wer 1% Gebühren am Anfang zahlt, erhält am Ende 1% weniger, wer 3% Gebühren am Anfang zahlt, erhält am Ende 3% weniger. Ein Rechenbeispiel mag hier helfen:

        Anlage von Betrag X ohne Gebühren für 3 Jahre zu 7% ergibt am Ende einen Betrag Y von
        Y = X*(1,07)*(1,07)*(1,07)
        Zahlt man jedoch am Anfang 2% Gebühren, so legt man nur X*(0,98) an und erhält somit am Ende einen Betrag Z von
        Z = X*(0,98)*(1,07)*(1,07)*(1,07) bzw
        Z = (0,98) * Y *(1,07)*(1,07)*(1,07)
        Das entspricht dann genau dem Betrag (0,98)*Y, also 2% weniger als im Fall ohne Gebühren.

        Legt man nun zu verschiedenen Zeitpunkten an, so erhält man eine Summe, bei der man bei jedem Summanden den Faktor 0,98 ausklammern kann (wie im obigen Beispiel). Somit erhält man 0,98 mal den Betrag wie im Fall ohne Gebühren.

        Klarer?

        Liebe Grüße,
        Dummerchen

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  2. Hallo Stefan,

    man muss bei seinem Depot auch das Kleingedruckte beachten. Es gibt ein Anbieter, der wirbt mit 5€ pro Order. Klingt erst mal verlockend. Guckt man sich aber das Preis/Leistungsverzeichnis, dann sieht man, dass man, wenn man eine Dividendenzahlung aus dem Ausland erhält, 1,5€ Gebühr zahlen muss, wenn der Gegenwert kleiner 15€ und 5€ bei mehr als 15€. Da können sich die Kosten auch ganz schön summieren… Da zahle ich lieber für eine Order mehr, aber habe dafür keine bei den Dividenden.

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo Stefan,

    natürlich ist es wichtig die Kosten bei der Geldanlage im Blick zu halten. Denn jede Gebühr die zu viel gezahlt wurde, belastet am Ende die Rendite. Eine Ergänzung möchte ich allerdings noch anführen. Ich bin der vollen Überzeugung, dass ein Privatanleger seine Wertpapiere, ETF`s und Fonds so auswählen sollte, dass ein ständiges Kaufen und Verkaufen nicht notwendig ist. Allein das ständige umschichten kostet schon eine Menge Rendite. Sind die Gebühren dann auch noch hoch, wird es noch schlimmer. Wenn man also seine Geldanlage so ausrichtet, dass sehr wenig umgeschichtet werden muss, tritt der Kostenfaktor immer mehr in den Hintergrund.

    Viele Grüße Klaus-Dieter

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