Raus aus dem Hamsterrad!

Einige von euch dachten heute vielleicht dasselbe wie ich: „Donnerstag frei! Wie geil ist das denn?! Wäre das doch jede Woche so!“.

Spätestens am nächsten Tag ist dieser Gedanke wieder verflogen und man ist zurück im Hamsterrad. Arbeiten, Geld ausgeben, arbeiten, Geld ausgeben. Bis man 67 Jahre alt ist und eine mickrige Rente bekommt.

Geht es vielleicht auch anders? Ja, aber nicht von allein.

Die ersten Schritte sind

1.)   Ziele definieren.
2.)   Beantwortung der Frage: Wie viel von meinem monatlichen Einkommen muss ich zur Seite legen, um diese Ziele zu erreichen?
3.)   Schulden tilgen.
4.)   Sparen.
5.)   Risikoprofil erstellen.

Lasst mich etwas zu den 5 Schritten schreiben und euch anschließend von der Geschichte um Sabine und Burkhard Koch berichten.

1.) Ziele beim Vermögensaufbau

Ohne Ziele geht es nicht. Dabei können die persönlichen Ziele ganz unterschiedlich aussehen, zum Beispiel

a) Ich möchte bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter arbeiten und anschließend meine Lebensqualität halten. [Das Erreichen dieses Ziels ist für Menschen meines Alters bereits schwierig genug angesichts des demografischen Wandels und der damit einhergehenden Renten-Problematik.]

b) Ich möchte nur bis zum Alter X arbeiten (40 Std./Woche) und anschließend meine Lebensqualität halten.

c) Ich möchte ab dem Alter X nur noch Y Stunden pro Woche arbeiten, bereits im Alter Z in Rente gehen und anschließend meine Lebensqualität halten.

Ziele setzend) Ich möchte einen neuen, roten Ferrari besitzen.

e) Ich möchte Millionär werden.

Mein Ziel fällt in die Kategorie c).

 

2.) Sparquote festlegen

Der Durchschnittsdeutsche legt monatlich 9% seiner Nettoeinkünfte zur Seite. Damit könnten die meisten von uns die Erreichung einiger potentieller Ziele schon mal vergessen. Bei mir sind es derzeit etwa 45%. Dieses Geld investiere ich in meine Zukunft – in Form von Unternehmensbeteiligungen.

 

3.) Schulden tilgen

Wer Schulden hat – beispielsweise weil er eine Hypothek abbezahlt – der braucht an Vermögensaufbau nicht denken. Die schnellstmögliche Schuldentilgung hat höchste Priorität.

 

4.) Sparen

Wer sein Geld in den 30ern, 40ern und 50ern verplempert, der muss sich nicht wundern, wenn er bis 67 arbeiten muss und anschließend auf staatliche Hilfe zur Rentenaufstockung angewiesen ist.

Wer im Rentenalter nicht seinen Kindern und den Steuerzahlern auf der Tasche liegen will, der sollte frühzeitig damit beginnen, etwas dagegen zu unternehmen.

Sparen

Ob man im Alter arm oder reich ist, hängt weniger vom vorherigen Einkommen ab, als von den tausenden Entscheidungen, die man in den Jahrzehnten zuvor getroffen hat. Trefft die richtigen Entscheidungen.

 

5.) Risikoprofil erstellen

Investments werden unterteilt in einen schwankungsarmen Anteil (z.B. Festgeld, Tagesgeld, deutsche Staatsanleihen) und einen schwankungsreichen Anteil (z.B. Aktien, Aktien-ETFs).

Die Wertänderungen des schwankungsreichen Anteils lassen euer Vermögen – wie der Name schon sagt – schwanken. Überlegt euch, wie stark die Schwankungen ausfallen dürfen, ohne dass ihr die Nerven verliert und eure Aktien(-ETFs) frustriert verkauft.

Risiko

Daten aus den vergangenen 50 Jahren zeigen, dass selbst ein breit gestreuter Aktienindex wie der MSCI World (ca. 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern) 55% an Wert verlieren kann.

Haltet ihr nur die Hälfte davon aus, dann sollte euer schwankungsreicher Anteil die 50% nicht übersteigen.

Der Kauf der ersten Aktie oder des ersten Aktien-ETFs ist dann erst Schritt Nummer 6.

Lasst mich noch Folgendes zum schwankungsreichen Anteil sagen:

  • Lange Haltedauer! Kein Geld investieren, das man möglicherweise in den kommenden Jahren braucht.
  • Breit streuen! Mit Indexfonds ist das einfach.
  • Auf die Kosten achten! Finger weg von aktiv gemanagten Fonds! Auf ein gesundes Verhältnis von Ordergebühr und Ordervolumen achten.
  • Niemals einen großen Betrag auf einen Schlag investieren, beispielsweise nach einer Erbschaft. Monatlich, quartalsweise oder halbjährlich investieren.
  • Nerven behalten. Nicht ständig auf die Kurse schauen.
  • Immer im Hinterkopf behalten: Eine Aktie ist kein Lottoschein, sondern eine Beteiligung an einem Unternehmen.

Ich habe starke Nerven, bin kinderlos und absolut überzeugt davon, dass Aktien in den kommenden 20 bis 30 Jahren die Anlageklasse mit der höchsten Rendite sein werden – so wie sie es in einem solchen Zeitraum immer gewesen sind. Deshalb lag mein schwankungsreicher Anteil in den letzten Monaten stets zwischen 80% und 92%.

 

Die Geschichte von Sabine und Burkhard Koch

Sabine und Burkhard Koch sind schon sehr viel weiter.

Sie wollten zeitlich und finanziell unabhängig werden und die Welt bereisen. Dafür brach Herr Koch sein BWL-Studium ab, nahm einen Job als Hilfsarbeiter an, machte Überstunden, arbeitete nachts und hatte einige Nebenjobs.

Das Ersparte investierte er in Aktien – regelmäßig und langfristig. Den Rest erledigte der Zinseszins.

Sabine und Burkhard Koch sind finanziell frei seit ihrem 33. Lebensjahr. Seit 12 Jahren sind sie im Dauerurlaub, bereisen die Welt. Eine beeindruckende Geschichte.

Sabine Burkhard Koch

„Für die zeitliche Unabhängigkeit benötigt man finanzielle Unabhängigkeit, sofern man nicht auf Kosten anderer leben will. Uns war klar: Wir wollen finanziell unabhängig werden.

Dafür gibt es 3 Wege: Lottogewinn, Erbschaft, Bankraub. Also habe ich mir gesagt: Ich knacke die Bank. Ich habe BWL studiert, habe ausgerechnet: Wie viel muss in der Bank sein.

Ich bin auf eine Summe gekommen, die gar nicht so hoch ist und dachte mir: Das könnte man vielleicht auch mit Arbeit schaffen. Und mit Sparen. Dann bin ich zur Bank gegangen, habe ein Depotkonto eröffnet und angefangen zu sparen.
 
Die Idee war, dass Sabine und ich 20 Jahre arbeiten, von einem Gehalt leben und das andere Gehalt anlegen.
 
Durch das BWL-Studium war klar: Das geht nicht mit Anleihen, sondern damit dass man sich am Produktivkapital beteiligt in Form von Unternehmensbeteiligungen.“
 
(Burkhard Koch)

Durch Sparsamkeit, die hohen Renditen am Aktienmarkt und mithilfe des Zinseszinses erreichten sie ihr Ziel nicht erst nach 20 Jahren, sondern bereits nach knapp 12.

Seit 2004 sind sie im Dauerurlaub. Herr Koch sagt, das Geld wird nicht nur bis zum Lebensende reichen – es wird auch etwas zum Vererben übrig bleiben.

Weiter sagt er, einer der wichtigsten Schritte zur finanziellen Unabhängigkeit sei eine genaue Kosten- und Ausgabenkontrolle, insbesondere zu Beginn der Sparphase.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich Burkhards Aussage: „Es ist keine Einbahnstraße. Es gibt auch Strecken, da kann man nachts nicht schlafen, denn eine Aktie ist ja eine Unternehmensbeteiligung. Das weiß jeder, der ein Unternehmen hat. Es gibt Phasen, in denen man sich fragt, ob das alles richtig ist, was man da macht.“

Ein Haus oder eine Wohnung haben die Kochs nicht. Sie reisen im Wohnmobil durch die Welt.

Um hohe Benzinpreise müssen sie sich keine Sorgen machen – mit ihrem 900 Liter Tank haben sie zuletzt im Iran vollgetankt und sind mit iranischem Sprit bis Deutschland gekommen.

Quellen-Links:
Homepage Familie Koch
Video Familie Koch
Tim Schäfer Media

Wer nicht sein ganzes Leben im Hamsterrad verbringen möchte, der muss etwas dafür tun. Nicht ab dem nächsten Jahr. Nicht ab morgen. Ab heute!

Paradies

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8 Gedanken zu „Raus aus dem Hamsterrad!

  1. Hey Stefan,
    die Familie Koch hatte ich auch vor kurzem im TV gesehen. Waren schon echt sympathisch von der Art. Auch wenn ich mir selbst so ein Lebensstil nicht vorstellen könnte.

    Ich selbst würde mich mittlerweile auch in Gruppe C einteilen. D&E wären toll. Aber anderes Thema. Ich möchte am liebsten selbst bestimmten, was, wo und wie viel ich arbeite. Glaube ohne Arbeiten würde ich eingehen. Merke ich immer mal im Urlaub, wenn ich wirklich mal nichts mache.

    Wenn ich die Schulden getilgt habe am Ende des Jahres werde ich mich wirklich mal hinsetzten und ein genauen Wert berechnen. Mal gucken, was am Ende dabei rauskommt. Ich habe ne Schätzung im Kopf. Mal sehen, wie nah ich dort rankommen kann. Aber so im Überschlag wäre das gar nicht so weit entfernt.

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    • Hi Max,

      für mich wäre ein solches Leben auch nichts. Ich möchte weder jahrelang im Wohnwagen leben, noch möchte ich mit 33 Jahren aufhören zu arbeiten.

      Nach 1,5 Wochen Urlaub vermisse ich die Arbeit bereits.

      Doch wer weiß, wie lange das so bleibt. Und es ist sicher ein fantastisches Gefühl, frühzeitig an den Punkt zu gelangen, an dem passives Einkommen (Dividenden und irgendwann die gesetzliche Rente) und Vermögen eine Höhe erreicht haben, bei der man weiß: Ich muss nicht mehr arbeiten, um meine Lebensqualität bis ans Lebensende zu halten.

      Hat man diesen Punkt erreicht, kann man ja trotzdem weiter arbeiten, aber eben weil es Spaß macht.

      Grüße, Stefan

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  2. Bisher tue ich mich Zukunftsprognosen sehr schwer. Mein junges ETF-Depot ist im Minus, sodass ich an die durchschnittlichen 5-8% im Jahr noch nicht so recht glauben mag. Das Paar Koch hatte in den 12 Jahren vielleicht einfach Glück, dass die Kurse stiegen. 12 Jahre ab jetzt gesehen bringen vielleicht nicht mehr solche Renditen, wenn die Kurse das nächste Jahrzehnt vielleicht wieder fallen. Mittelfristig gesehen verlasse ich mich nicht auf mein Depot. Dafür bin ich zu jung, um der Börse vertrauen zu können. Bei einem langfristigen Zeitraum von 30-40 Jahren schon eher. Das einzige, auf was ich mich jetzt verlasse, ist die Sparrate, die jeden Monat von meinem Konto abgeht.

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    • Hi Jenny,

      mein Bauch sagt auch, dass die Aktienmarktrenditen der kommenden 30 Jahre geringer ausfallen werden als in den vergangenen 30 Jahren.

      Doch ich bin überzeugt davon, dass Aktien(-ETFs) auch in den kommenden – sagen wir mal 20 – Jahren die Anlageklasse mit der höchsten Rendite sein werden.

      Vor der Entscheidung, mit dem Arbeiten aufzuhören, würde ich das Ganze auch nur mit einer extrem pessimistischen zukünftigen Rendite-Erwartung und einem riesigen Sicherheitspolster durchrechnen 🙂

      Grüße, Stefan

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  3. Hallo Stefan!

    Ich ordne mich auch in der Kategorie c) ein.
    Ich möchte zwar nicht aufhören zu arbeiten, aber ab einem gewissen Punkt möchte ich für mich selbst arbeiten, und nicht für jemand anderen.
    Ich habe kein Problem mit schwerer körperlicher Arbeit, wenn ich weiß wofür ich das tue.

    Es ist nicht angenehm lange und schwer zu arbeiten, wenn der Chef die ganzen Lohrbeeren bekommt.

    Außerdem möchte ich die Welt sehen und nicht geografisch von einem Ort abhängig sein.
    Läuft momentan ganz gut.

    Ich habe noch knappe 5000 Euro in aktiven Fonds (Ich weiß, ich sollte mich schämen). Aber damals wusste ich es eben nicht besser. Dieses Geld werde ich mir jetzt heraus nehmen und auf mein eigenen Depot überweisen.

    Allen weiterhin viel Erfolg!
    mfG Chri

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  4. Pingback: Dummes deutsches Geld | Stefans Börsenblog

  5. Hi Stefan,

    sehr gut zusammengefasst. Vielen Dank. Ich belese mich auch wie ein verrückter zu dem Thema und investiere schon knapp 3 Jahre aktiv. Für mich ist die Wertsteigerung, welche Jenny ein wenig bezweifelt, nur 2. Haupt Kriterium. Titel, die einen regelmäßigen guten Rückfluss bringen (Dividende und Co) liegen eher in meinem Focus. Dadurch schaffe ich es bereits 150 Euro im Monat an passiven Einkommen zu generieren und langsam macht sich der Zinseszinseffekt bemerkbar. Am Anfang heißt es für einige Jahre konsequent und am Limit zu sparen und zu investieren und dann kommt der Punkt an dem man merkt … „Mensch es scheint zu funktionieren“. Und das Geld kann man herrlich in Freizeit (Typ C) wandeln. Und ja – nicht erst morgen 🙂

    Meine Gedanken zu diesem Thema findest du auf: http://selbst-schuld.com/raus-aus-dem-hamsterrad/

    Auf jeden Fall ein spannendes Thema.

    Grüße Christian

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