(Lesedauer 7 Minuten; geschrieben mit GPT-5.6 Luna)
Seit 2019 berichte ich über die Robotaxi-Revolution. Seit meinem letzten Beitrag in 2025 ist viel passiert.
Nach meiner aktuellen Recherche sind es Stand September 2026 insgesamt 25 Städte, in denen kommerzielle Fahrten mit einem Robotaxi ohne Sicherheitsfahrer möglich sind. Noch wichtiger als die exakte Zahl ist allerdings das Tempo, mit dem neue Städte hinzukommen.
2020: Phoenix macht den Anfang
Der historische Wendepunkt kam im Oktober 2020. Waymo öffnete in Phoenix seinen kommerziellen Ride-Hailing-Service für die Öffentlichkeit. Erstmals konnten Fahrgäste im normalen Straßenverkehr ein Fahrzeug bestellen, in dem kein Mensch hinter dem Steuer saß.
Die damalige Flotte war klein. Die Bedeutung des Starts war dennoch enorm. Aus einem Forschungsprojekt war ein Produkt geworden.
2022: China zieht nach
2022 folgte der nächste große Schritt. Baidu erhielt in Wuhan und Chongqing Genehmigungen für kommerzielle fahrerlose Robotaxi-Fahrten. Damit war vollständig autonomes Ride-Hailing nicht mehr nur ein US-amerikanisches Experiment.
China entwickelte zunehmend ein eigenes Robotaxi-Ökosystem aus Technologieunternehmen, Fahrzeugherstellern und lokalen Behörden. Gerade Wuhan wurde später zu einem der wichtigsten Test- und Skalierungsmärkte weltweit.
2023 und 2024: Die Technologie erreicht die Großstädte
2023 ging Waymo in San Francisco in den breiteren kommerziellen Betrieb. Gleichzeitig expandierte Baidu nach Beijing und Shenzhen.
2024 folgte Los Angeles.
Damit war klar: Robotaxis funktionieren nicht nur in relativ überschaubaren Servicegebieten. Sie können auch mit dichterem Verkehr, komplexen Kreuzungen, Fußgängern, Radfahrern und unvorhersehbaren Situationen umgehen.

Parallel kam mit Pony.ai ein weiterer ernstzunehmender Entwickler hinzu. Der Wettbewerb beschränkte sich nicht länger auf Waymo und Baidu.
2025: Der internationale Durchbruch
2025 wurde die Entwicklung noch interessanter.
Waymo brachte seine fahrerlosen Fahrzeuge in Austin und Atlanta über die Uber-Plattform auf die Straße. Technologisch kommen die Fahrzeuge von Waymo, die Bestellung erfolgt über Uber.
Noch wichtiger für die globale Entwicklung war die zunehmende Expansion chinesischer Anbieter. Pony.ai und WeRide bauten ihre Dienste in mehreren chinesischen Metropolen aus.
Auch der Nahe Osten begann, eine bedeutende Rolle zu spielen. In Abu Dhabi starteten WeRide und Uber Ende 2025 vollständig fahrerlose kommerzielle Robotaxis. Damit entstand außerhalb der USA und Chinas ein weiterer Markt, in dem Fahrgäste tatsächlich ohne Sicherheitsfahrer unterwegs sein konnten.
2026: Der Rollout beschleunigt sich
2026 ist bislang das dynamischste Jahr der Robotaxi-Geschichte.
Waymo expandierte innerhalb weniger Monate in zahlreiche neue US-Städte. Zu den bereits etablierten Märkten Phoenix, San Francisco und Los Angeles kamen unter anderem Miami, Dallas, Houston, San Antonio, Orlando, Nashville, Denver, San Diego, Tampa und Las Vegas.
Damit ist Waymo inzwischen in 15 US-Städten mit vollständig autonomen Fahrten vertreten. Allein Anfang September kamen Denver, San Diego und Tampa hinzu. Am 14. September folgte Las Vegas.
Besonders beeindruckend ist dabei die Nutzung. Waymo berichtet mittlerweile von mehr als 500.000 bezahlten Fahrten pro Woche.
Damit verändert sich die Diskussion. Es geht nicht mehr nur darum, ob ein Robotaxi technisch funktioniert. Es geht um Flottengröße, Auslastung, Kosten pro Kilometer und Profitabilität.
Tesla und Zoox erhöhen den Wettbewerb
2026 ist außerdem das Jahr, in dem neben Waymo weitere US-Anbieter sichtbar in den kommerziellen Markt eintreten.
Tesla bietet inzwischen vollständig autonome Robotaxi-Fahrten in Austin, Dallas, Houston, Miami, Orlando und Tampa über die eigene Robotaxi-App an.
Damit existieren bereits Städte, in denen unterschiedliche autonome Systeme miteinander konkurrieren.
Auch Amazon-Tochter Zoox ist inzwischen kommerziell aktiv. In Las Vegas können Kunden seit 2026 kostenpflichtige fahrerlose Fahrten buchen. Das Unternehmen verfolgt dabei einen anderen Ansatz als Waymo und Tesla: Das Fahrzeug wurde von Beginn an speziell als Robotaxi entwickelt.
China entwickelt sich zum Multi-Anbieter-Markt
Noch größer ist die Dynamik in China.
Baidu beziehungsweise Apollo Go arbeitet inzwischen in Beijing, Shanghai, Shenzhen, Wuhan, Chengdu, Chongqing, Haikou und Sanya vollständig fahrerlos. Baidu gibt an, seit Februar 2025 in sämtlichen chinesischen Städten seines Apollo-Go-Netzes vollständig fahrerlos zu operieren.
Hinzu kommt Pony.ai. Das Unternehmen betreibt vollständig fahrerlose kommerzielle Robotaxis in Beijing, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen.
Damit gibt es in mehreren chinesischen Metropolen bereits mehrere Anbieter gleichzeitig.
Auch WeRide ist inzwischen in Beijing und Guangzhou sowie in Abu Dhabi und Dubai vollständig fahrerlos aktiv.
Pony.ai meldete im zweiten Quartal 2026 bereits eine weltweite Robotaxi-Flotte von 1.975 Fahrzeugen. Bis Ende 2026 soll die Zahl auf mehr als 3.500 steigen.
WeRide verfügte Ende Juli über rund 1.800 Robotaxis innerhalb einer deutlich größeren L4-Flotte.
China zeigt damit, wie schnell sich aus einzelnen Pilotprojekten ein echter Flottenmarkt entwickeln kann.
Dubai wird zum internationalen Schaufenster
In Dubai sind inzwischen sowohl WeRide als auch Baidu Apollo Go mit vollständig fahrerlosen Fahrzeugen aktiv. Baidu wurde im August 2026 zusätzlich über die Uber-Plattform integriert.
Damit entsteht erstmals ein bemerkenswertes Multi-Anbieter-Modell: Verschiedene Entwickler stellen die autonome Technologie und Fahrzeuge bereit, während Plattformen und Apps den Zugang zum Kunden organisieren. Uber bezeichnet Dubai deshalb als erstes globales Beispiel seines Multi-Partner-Ansatzes.
Insgesamt 25 Städte
Unter einer strengen Definition komme ich damit aktuell auf 25 Städte mit kommerziellen Robotaxi-Fahrten ohne Sicherheitsfahrer.
Dazu zählen auf der US-Seite die 15 Waymo-Märkte: Phoenix, San Francisco, Los Angeles, Austin, Atlanta, Miami, Dallas, Houston, San Antonio, Orlando, Nashville, Denver, San Diego, Tampa und Las Vegas.
In China kommen Beijing, Shanghai, Shenzhen, Guangzhou, Wuhan, Chongqing, Chengdu, Haikou und Sanya hinzu.
Im Nahen Osten sind Abu Dhabi und Dubai bereits vollständig fahrerlos kommerziell aktiv.
Diese 25 Städte sind geografisch betrachtet noch keine Weltkarte der autonomen Mobilität. Aber sie zeigen, dass die Technologie inzwischen mehrere Kontinente und völlig unterschiedliche Verkehrs- und Regulierungssysteme erreicht hat.
Europa bleibt der Nachzügler
Besonders auffällig ist der Rückstand Europas.
In Städten wie Zagreb laufen inzwischen vollständig fahrerlose Testfahrten mit Passagieren. Das ist ein wichtiger Schritt, aber noch kein frei zugänglicher kommerzieller Robotaxi-Service wie in Phoenix oder San Francisco.
Auch in anderen europäischen Städten befinden sich die Projekte noch in Pilot- oder Vorbereitungsphasen.
Das ist bemerkenswert, denn Europa verfügt über einige der weltweit größten Automobilkonzerne. Bei der kommerziellen Robotaxi-Infrastruktur liegen derzeit jedoch vor allem USA, China und der Nahe Osten vorne.
Was kommt bis Ende 2026?
Der Rest des Jahres dürfte vor allem von der Skalierung bestehender Systeme geprägt sein.
Waymo wird die neuen US-Märkte weiter ausbauen und größere Flotten einsetzen. Tesla dürfte seine bestehenden Robotaxi-Gebiete erweitern. Zoox muss zeigen, wie gut sich sein speziell entwickeltes Robotaxi wirtschaftlich skalieren lässt.
In China dürfte die Zahl der Fahrzeuge deutlich schneller wachsen als die Zahl der Städte. Genau das ist ein wichtiger Unterschied zur bisherigen Entwicklung: Die nächste Phase besteht nicht mehr primär darin, neue Städte zu eröffnen, sondern innerhalb der bestehenden Städte tausende Fahrzeuge einzusetzen.
Auch der Nahe Osten dürfte weiter expandieren.
2027: Die Wirtschaftlichkeit wird entscheidend
2027 dürfte die Frage nach der reinen technischen Machbarkeit zunehmend in den Hintergrund treten. Entscheidend wird sein, ob ein Robotaxi wirtschaftlich attraktiver betrieben werden kann als ein herkömmliches Taxi. Dafür zählen vor allem drei Kennzahlen:
Fahrzeugkosten, Auslastung und Kosten pro Kilometer.
Je länger ein Fahrzeug täglich eingesetzt werden kann und je weniger menschliche Arbeitskosten anfallen, desto größer wird der wirtschaftliche Hebel.
Ein wichtiger nächster Markt könnte Tokio werden. Waymo plant dort für 2027 gemeinsam mit der japanischen Taxi-App GO und Nihon Kotsu einen fahrerlosen Ride-Hailing-Dienst.
2028: Massenmarkt oder Nische?
2028 dürfte sich zunehmend zeigen, ob Robotaxis tatsächlich zu einem bedeutenden Bestandteil des urbanen Verkehrs werden. Bis dahin sollten die Kosten für Sensorik, Computer und andere autonome Hardware weiter sinken. Gleichzeitig werden die Anbieter ihre Algorithmen verbessern und ihre Fahrzeuge stärker standardisieren.
Der entscheidende Punkt ist die Skalierbarkeit. Ein einzelnes Robotaxi ist technologisch faszinierend. 100.000 Robotaxis, die jeden Tag Millionen von Fahrten durchführen, wären ein neues Transportmodell.
Fazit
Seit 2019 hat sich die Robotaxi-Revolution von einem faszinierenden Forschungsprojekt zu einem echten kommerziellen Markt entwickelt.
2020 war Phoenix ein Einzelereignis. 2022 folgten Wuhan und Chongqing. 2023 und 2024 kamen weitere chinesische und US-amerikanische Großstädte hinzu. 2025 beschleunigte sich die internationale Expansion. Und 2026 ist der Rollout endgültig in eine neue Phase eingetreten.
Stand September 2026 können in 25 Städten weltweit kommerzielle Robotaxis ohne Sicherheitsfahrer gebucht werden.
Noch bemerkenswerter ist die Entstehung mehrerer konkurrierender Ökosysteme. Waymo, Baidu, Pony.ai, WeRide, Tesla und Zoox verfolgen unterschiedliche technologische und wirtschaftliche Modelle.
Damit ist die große Frage nicht mehr: „Werden Robotaxis kommen?“
Die interessantere Frage lautet: „Wie schnell können sie skalieren – und wie groß wird der wirtschaftliche Anteil autonomer Fahrzeuge am weltweiten Mobilitätsmarkt?“
2027 und 2028 könnten darauf bereits wesentlich klarere Antworten liefern.