Gedanken zum Krieg in der Ukraine

Seit 4 Tagen erleben wir Bilder, die sich wohl die wenigsten von uns vorstellen konnten. Russische Panzer rollen durch die Ukraine. Raketen treffen Wohnhäuser. Ein Land, nur 2 Flugstunden von Deutschland entfernt, wird von der viertgrößten Armee der Welt aus Norden, Süden und Osten angegriffen.

Es herrscht Krieg in Osteuropa. Er begann vor 8 Jahren und verschärft sich nun. Wladimir Putin hat sich als das Monster herausgestellt, für das ihn viele seit langem halten.

Frauen und Kinder verharren in Bunkern, Kellern, in eiskalten U-Bahnhöfen. Luftalarm ertönt. In Kiew herrscht Ausgangsperre. Wer auf die Straße geht, auf den wird geschossen. Glück hatten diejenigen, die sich über die polnische Grenze in Sicherheit bringen konnten.

Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen die Ukraine nicht verlassen. Sie verteidigen ihr Land, ihre Freiheit.

Präsident Selenskyj antwortete auf die Frage, ob er von Verbündete aus dem Land gebracht werden will, er brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit. Während andernorts Politiker häufig zu Clowns werden, wird ein ehemaliger Schauspieler und Komiker zur heldenhaften Führungskraft.

Selbst die millionenschweren Klitschko-Brüder bleiben in Kiew und kämpfen. Wie Selenskyj sollen sie auf russischen Todeslisten weit oben stehen.

Die Welt reagiert mit Wirtschaftssanktionen und Waffenlieferungen. In den osteuropäischen Nato-Ländern werden die ausländischen Truppen verstärkt. Putin will, so ist aus seinen krankhaften Worten herauszuhören, die Sowjetunion wieder aufbauen. Seine Atomstreitkräfte hat er in Alarmbereitschaft versetzt.

China, Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich den Maßnahmen gegen Putin nicht angeschlossen.

Deutschlands 5000 Helme, die vor 3-4 Wochen zugesagt wurden, sind wohl gestern angekommen. Die Welt lacht über uns.

Nachdem Deutschland in EU und NATO vollkommen isoliert war mit seiner Haltung, ist man gestern eingeknickt, liefert nun doch Waffen und hat dem Swift-Ausschluss „ausgewählter“ russischer Banken zugestimmt. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass selbst kleine Länder wie Dänemark oder Schweden mehr Waffen liefern als Deutschland.

Heute gab Bundeskanzler Olaf Scholz bekannt, 100 Milliarden Euro Schulden für die Stärkung der Bundeswehr ausgeben zu wollen, und 2% vom BIP jährlich für Verteidigung einzuplanen. Man kann nur hoffen, dass der Wirkungsgrad höher ist als bei den 47 Milliarden Euro aus dem Vorjahr.

Verteidigungsministerin ist derweil eine Anwältin, die schon in 3 anderen Ministerien (Justiz, Familie, Finanzen) ihre Runden drehte, und die mich immer an die nette Mrs. Doubtfire (das stachelige Kindermädchen) erinnert.

Und das russische Gas? Es fließt und fließt und fließt. Die Kosten fürs Heizen, Benzin & Strom explodieren weiter.

Die abgeschalteten Kernkraftwerke? Bleiben natürlich geschlossen. Man munkelt, aus einer nachfrageorientieren Energieversorgung werde eine angebotsorientierte gemacht. Als „world’s dumbest energy policy“ bezeichnete es das Wall Street Journal.

Doch zurück zum Krieg. Was können wir, also du und ich, tun? Ich weiß es nicht. Finanzielle Hilfen, die direkt in die Ukraine fließen, landen womöglich am Ende bei Putin. Teilt gern eure Ideen in den Kommentaren.

Mein ukrainischer Kollege rief vorgestern dazu auf, den ukrainischen Streikräften über ein von der ukrainischen Nationalbank eingerichtetes Konto Geld zu spenden.

Eine russische Freundin schrieb mir heute, es gibt ein neues Gesetz, wonach Russen die die Ukraine unterstützen – sei es finanziell oder nur durch Beiträge in den sozialen Medien – 20 Jahre Gefängnis drohen. Dennoch demonstrieren zig Tausende in Russland gegen Putins Krieg.

Man kann den mutigen Menschen in der Ukraine nur die Daumen drücken. Die Frauen, die in Luftschutzbunkern, U-Bahnhöfen und auf polnischen Bahnhöfen von deutschen und amerikanischen Reportern befragt wurden, weinten nicht. Sie glauben an ihr Land, ihren Präsidenten und ihre Soldaten.

Ich habe einige osteuropäische Kolleginnen und Kollegen, und staune immer wieder über ihre großartige Weltsicht. Ihre Eltern haben Diktatur und sozialistisches Leid überwunden – und daraus gelernt.

Wladimir Klitschko sagte gestern in Kiew, Putins stärkster Gegner ist der Wille der ukrainischen Männer und Frauen. Den werde Putin nie besiegen.

Ich war nie ein religiöser Mensch, doch in diesen Tagen bete ich für die mutigen Menschen in der Ukraine.

2 Gedanken zu „Gedanken zum Krieg in der Ukraine

  1. Ehrlich gesagt, bin ich jetzt erleichtert über diesen Post. Ich habe schon Schlimmes befürchtet, nachdem du in früheren Artikeln Sympathien für Trump durchblicken lassen hast und dieser Putin für einen ‚smart guy‘ hält und den verbrecherischen Angriffskrieg zunächst mal als genialen strategischen Schachzug gewertet hat.

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