Private Städte als Modell der Zukunft?

Hin und wieder wird es hier im Blog einen Beitrag zu wirtschaftlichen, politischen oder gesellschaftlichen Themen geben. So auch heute.

Wenn ihr als Leser meines Blogs eines gemeinsam habt, dann das: Ihr wollt eure Finanzen selbst in die Hand nehmen. Für Vermögensaufbau und Altersvorsorge habt ihr eine Alternative gesucht und gefunden. Eine Alternative zu dem, was der Staat fördert und was der Großteil der Bankberater und Versicherungsvertreter empfiehlt.

Eine Alternative, auf die die meisten von uns nicht durch die Eltern, Lehrer oder Politiker aufmerksam wurden, sondern durch Eigeninitiative oder Zufälle. Vielleicht durch Freunde. Vielleicht durch einen Artikel in einer Zeitung oder einem Magazin. Vielleicht durch Google, Facebook oder Youtube. Bei mir war es das Mitarbeiter-Beteiligungsprogramm meines Arbeitgebers, das mich dazu veranlasste, Informationen über die Börse aufzusaugen.

Viele von euch werden sich in der Hängematte zurücklehnen und sagen: „Rentenlücke? Nicht bei mir!“. Während wir in der Hängematte liegen, steigt der Wert der Unternehmen, an denen wir beteiligt sind. Einige von uns setzen sich sogar das Ziel finanzieller Unabhängigkeit.

Ich möchte heute noch einen Schritt weiter gehen, was Freiheit und Selbstbestimmung angeht.

„Private Cities sind eine friedliche, freiwillige Alternative, die ohne Revolution und Gewalt entstehen kann und für die nicht erst die Mehrheit überzeugt werden muss. Die ersten dürften innerhalb der nächsten zehn Jahre entstehen.“ (Dr. Titus Gebel)

Im Folgenden ein Kommentar, der am 21.06.2016 in der Neuen Züricher Zeitung erschien. Der Autor – der deutsche Unternehmer Dr. Titus Gebel – versucht das Konzept privater Städte zu verbreiten, in Vorträgen und unter http://freeprivatecities.com/. Angekündigt hat er außerdem ein Buch zum Thema sowie einen detaillierten Businessplan. Eines der bereits in Planung befindlichen Projekte unterstützt er bei den Verhandlungen mit Regierungen.

Ich habe vor einigen Tagen erstmals von der Idee gehört und sie hat mich sofort gefesselt.

Dr. Titus Gebel

Bild-Quelle: smartinvestor.de

Sind Sie ein Untertan?

Die heutigen Staatsmodelle stammen aus dem 19. Jahrhundert – und basieren auf Zwang. Wann kommen Staatsmodelle auf den Markt, die auf Freiwilligkeit und Vertragstreue setzen? Ein Gedankenexperiment.

Stellen Sie sich vor, Sie lebten in einem System, in dem Sie zum Autokauf verpflichtet sind. Allerdings bestimmt einseitig der Verkäufer Modell, Ausstattung, Motorisierung und sogar den Preis! Sie als Käufer müssen seine Wahl in jedem Fall akzeptieren. Abwegig? Ersetzen Sie einfach die Worte «Verkäufer» durch «Regierung» und «Käufer» durch «Staatsbürger», und Sie werden merken, dass Sie sich genau in einem solchen System befinden.

Als Steuer zahlender Staatsbürger müssen Sie mitunter Subventionen für unwirtschaftliche Technologien mitfinanzieren, staatliche Fernsehsender, Lehrstühle für Gender-Studien und Theologie und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch militärische Auslandseinsätze, selbst wenn Sie all dies ablehnen. Sie werden weiter gezwungen, Renten-, Kranken- und Pflegeversicherungen zu vorgegebenen Konditionen abzuschließen, egal, ob Sie damit einverstanden sind oder nicht. Sie dürfen keine Glühbirnen, leistungsstarken Staubsauger, Plastiktüten oder Zigaretten ohne Warnhinweise erwerben. Mit anderen Worten: Sie sind kein Kunde, sondern Untertan.

Welcher Vertrag?

Verkauft wird Ihnen diese Zumutung als Ausfluss eines angeblichen «Gesellschaftsvertrages». Dieser soll zwischen Bürgern und Staat bestehen. Oder wenigstens sollen die Bürger untereinander einen solchen abgeschlossen haben, indem sie einen Teil ihrer Souveränität an den Staat abtreten.

Nach dem Zivilrecht der meisten Rechtsordnungen westlichen Zuschnitts wäre höchst fraglich, ob ein solches Konstrukt – nennen wir es einen Unterwerfungsvertrag – mangels Bestimmtheit seiner Leistungen und Gegenleistungen überhaupt als Vertrag angesehen werden kann. Überdies gilt nach bürgerlichem Recht eine Vereinbarung, bei der nicht Einigkeit über alle wichtigen Punkte besteht, im Zweifel wegen Einigungsmangel als nicht geschlossen. Ein Punkt ist in diesem Sinne wichtig, wenn auch nur eine von beiden Vertragsparteien ihn subjektiv als wichtig erachtet. All das spricht gegen das Vorliegen des behaupteten Gesellschaftsvertrages.

Warum sollte eine Gruppe von Menschen, nennen wir sie die politische Klasse, überhaupt darüber entscheiden, wie Sie Ihr Leben zu führen haben?

 Da diese Einwände nicht schlüssig ausgeräumt werden können, wird angeführt, durch physischen Verbleib des Bürgers in einem bestimmten Staat würde seine konkludente Zustimmung zur jeweils geltenden Gesellschaftsordnung erfolgen. Das ist ungefähr so, als ob man behaupten würde, ein Leibeigener, der nicht täglich zu fliehen versucht, stimme konkludent seinem Sklavendasein zu. Tatsächlich findet hier wie da eine Abwägung statt. Der Leibeigene wird sich überlegen, wohin er überhaupt fliehen könnte und ob die Gefahr einer versuchten Flucht nicht zu groß sei. Der Staatsbürger müsste seine Heimat, seine Arbeitsstelle, seine angestammte Umgebung aufgeben und möglicherweise sogar Teile der Familie zurücklassen. Daher kann in beiden Fällen die Entscheidung lauten, im jeweiligen System zu verbleiben. Dieses stellt lediglich das kleinere Übel da, eine Zustimmung ist damit nicht verbunden.

Aber warum sollte eine Gruppe von Menschen, nennen wir sie die politische Klasse, überhaupt darüber entscheiden, wie Sie Ihr Leben zu führen haben? Das gilt zumal dann, wenn Sie diese Menschen weder im Einzelnen ausgesucht noch beauftragt haben noch diese besonders befähigt sind. Sie könnten etwa der Auffassung sein, dass Sie das Recht haben, Ihr Leben und Ihre Lebensumstände so zu gestalten, wie Sie dies für richtig halten und, wenn Sie von anderen etwas wollen, dies auf der Basis freiwilligen Leistungstausches zu tun. Sie wollen nicht Mitbestimmung, sondern Selbstbestimmung.

Daraus ergeben sich zwei allgemeine Prinzipien: erstens, dass derjenige, der anderen kein Leid zugefügt, Anrecht darauf hat, in Ruhe gelassen zu werden. Und zwar auch von der Regierung oder der Mehrheit. Und zweitens, dass die menschliche Interaktion nur auf freiwilliger Basis und nicht auf der Basis von Zwang stattfindet. Heutige Staaten, Demokratien eingeschlossen, können nicht nur keines der beiden Prinzipien garantieren. Sie basieren vielmehr auf der Verletzung derselben.

Zwei Fragen sind ausreichend, um diesen Befund zu belegen: Erstens, mit welchem Recht nehmen Sie anderen ihr rechtmäßig erworbenes Eigentum ab (etwa durch Einkommens- oder Vermögenssteuern)? Zweitens, was tun Sie, wenn die anderen nicht mehr zahlen wollen? Zwar sind die Antworten technisch gesehen einfach: Erstens, die Regierung / das Parlament / die Mehrheit hat so entschieden. Zweitens, die Regierung enteignet sie. Aber faktisch ist das nichts als Raub, gestützt auf das Recht des Stärkeren. Es macht moralisch keinen Unterschied, ob Sie Ihre Mitmenschen unter Androhung von Gewalt selbst ausplündern oder gewählte Repräsentanten damit beauftragen.

Clint Eastwood Libertarismus

Ein wie auch immer legitimiertes System, welches per Gesetz Enteignungen zugunsten Dritter vorsieht, kann auf Dauer weder ein friedliches noch ein berechenbares Miteinander schaffen. Stattdessen fördert es nie endende Verteilungskämpfe, sozialen Unfrieden und Missgunst. Solche Ordnungen haben keine Zukunft, sie sind Ancien Régimes.

Ein Staatsdienstleister

 Stellen Sie sich im Gegensatz dazu vor, ein privates Unternehmen biete Ihnen als Staatsdienstleister Schutz von Leben, Freiheit und Eigentum – nach der Formulierung von John Locke – in einem bestimmten Gebiet. Diese Leistung umfasst etwa Polizei, Feuerwehr, Notfallrettung, einen rechtlichen Rahmen sowie eine unabhängige Gerichtsbarkeit. Sie zahlen einen vertraglich fixierten Betrag für diese Leistungen pro Jahr. Der Staatsdienstleister als Betreiber des Gemeinwesens kann den Vertrag später nicht einseitig ändern. Sie haben einen Rechtsanspruch darauf, dass er eingehalten wird, und einen Schadenersatzanspruch bei Schlechterfüllung. Um alles andere kümmern Sie sich selbst, können aber auch machen, was sie wollen. Und Sie nehmen nur teil, wenn und solange Ihnen das Angebot zusagt. Streitigkeiten zwischen Ihnen und dem Staatsdienstleister werden vor unabhängigen Schiedsgerichten verhandelt, wie im internationalen Handelsrecht üblich. Ignoriert der Betreiber die Schiedssprüche oder missbraucht er seine Macht auf andere Weise, wandern seine Kunden ab, und er geht in die Insolvenz.

Alles, was wir vom Produkt- und Dienstleistungsmarkt her kennen, lässt sich auf unser Zusammenleben übertragen: die enorme Vielfalt des Angebotes (an Staatsdienstleistungen), das Recht, etwas nicht zu kaufen, was uns nicht gefällt, schließlich der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Anbietern, der dafür sorgt, dass deren Leistungen immer billiger und immer besser werden. Das gilt auch für die soziale Absicherung. Es gibt aus Vergangenheit und Gegenwart zahlreiche Beispiele, wie diese ohne Zwang erfolgreich funktionieren kann, beispielsweise mittels kollektiver Selbsthilfeeinrichtungen. Im Zeitalter der Online-Vernetzung könnten diese eine neue Blüte erleben. Übrigens suchen sich auch weniger Begüterte ihr Auto lieber selbst aus, anstatt eines zwangsweise vorgesetzt zu bekommen.

Der Staatsbürger wäre auf einmal umworbener Kunde, der jederzeit den Anbieter wechseln kann, anstelle einer stets verfügbaren Melkkuh, die sich den Weggang durch Wegzugsbesteuerung erkaufen muss. Anders als die Politiker des Ancien Régime, die Entscheidungen auf Kosten anderer treffen können, ohne den geringsten eigenen wirtschaftlichen Nachteil zu haben, wenn es schiefgeht, hat der private Staatsunternehmer skin in the game. Allein diese Tatsache diszipliniert ungemein.

Der Betreiber ist Dienstleister, der sich Mühe geben muss und nicht einfach die Regeln zulasten der Kunden ändern kann, wenn es ihm gerade in den Kram passt. Der Wettbewerb wird dafür sorgen, dass es zahlreiche unterschiedliche Modelle des Zusammenlebens geben wird, für jeden Geschmack etwas Passendes. Die Grade an Freiheit, Innovation und Selbstverantwortung werden durchweg hoch sein. Und wem dies alles zu viel wird, geht einfach in All-Inclusive-Systeme, die einem sämtliche Entscheidungen abnehmen. Nach spätestens einer Generation dürften solche privaten Systeme wohlhabender, freier und friedlicher sein als alles, was wir bisher kennen.

Die neue Heimat

Die Heimat im 21. Jahrhundert wird Wahlheimat sein. Die Menschen haben heute schon unter unzähligen Warenangeboten die Auswahl, können zwischen verschiedensten Versicherungen für alle Lebensbereiche wählen und erhalten ständig neue technische Produkte. Warum sollten sie sich im Bereich des Zusammenlebens für die Beibehaltung einer Zwangslösung entscheiden, die teuer ist und insgesamt schlecht funktioniert?

Die Heimat im 21. Jahrhundert wird Wahlheimat sein.

 Wie schlecht sie funktioniert, zeigt sich mitunter daran, dass erfolgreiche Politik sich heutzutage auf Problembewirtschaftung und «Zeichen setzen» spezialisiert. Gerade die Leistungsträger aller Einkommensgruppen werden es sich jedoch nicht auf Dauer bieten lassen, von der jeweiligen politischen Klasse nach Strich und Faden ausgenommen und bevormundet zu werden, ohne dass sie irgendein relevantes Mitspracherecht haben. Private Gemeinwesen lösen dieses Problem, welche das Ancien Régime systembedingt nicht lösen kann. Daher werden sie früher oder später auch entstehen.

Neue Initiativen

 Sie halten das für ein bloßes Gedankenexperiment, eine theoretische Spinnerei? Sie könnten sich täuschen.

Seit einigen Jahren sind entsprechende Bestrebungen bereits im Gange. Im Jahre 2009 trat der Stanford-Professor Paul Romer mit seinem Vorschlag von «Chartered Cities» an die Öffentlichkeit. Die Idee war, in Entwicklungsländern vormals unbesiedelte Gebiete durch Industriestaaten mit deren Recht und deren Beamtenschaft zu entwickeln, um so vor Ort eine Wohlstandszone zu schaffen. Romer bezeichnete dies als «Kanada entwickelt ein Hongkong in Kuba»-Modell. In der Folge wurden solche Ansätze tatsächlich in Madagaskar und Honduras verfolgt, sie scheiterten aber daran, dass eine von Drittstaaten regierte Zone im eigenen Land von der dortigen Politik eher nicht erwünscht war.

Dabei stellte sich heraus, dass eine Verwaltung, die zumindest teilweise von Privatunternehmen durchgeführt wird, eine gangbare Alternative sein könnte. Die Schaffung von entsprechenden Sonderzonen wurde in Honduras per Verfassungsänderung zugelassen. Diese verwalten sich weitgehend nach eigenem Recht und mit eigenem Personal. Nach Jahren der Vorbereitung sieht es derzeit so aus, als ob in Honduras demnächst die erste derartige Zone eingerichtet wird.

Das von Patri Friedman, Enkel des Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman, im Jahre 2008 begründete Seasteading-Projekt sah ursprünglich vor, sogenannte Floating Cities außerhalb der Hoheitsgewässer von Staaten zu errichten. Nach technischen Machbarkeitsstudien ergab sich allerdings, dass schwimmende Städte auf hoher See aufgrund des Wellengangs mit so erheblichen Kosten verbunden sind, dass eine Umsetzung zurzeit nicht machbar ist. Stattdessen ist das Seasteading-Institut nun dazu übergegangen, solche unabhängigen Städte in geschützten Buchten innerhalb von Hoheitsgewässern zu konzipieren. Derzeit sind mit drei Staaten Verhandlungen im Gange.

Die ersten Unternehmen, die auf Gewinnbasis freie und unabhängige Private Cities an Land betreiben oder finanzieren wollen, sind in diesem oder im letzten Jahr gegründet worden, etwa NeWay Capital oder Free Private Cities Ltd. Mehrere Projekte werden bereits verhandelt. Die Lösung der politischen Probleme der Gegenwart könnte also aus einer ganz unerwarteten Ecke kommen: nämlich von Unternehmern, die dadurch Gewinn erzielen wollen, dass sie am Markt ein besseres Produkt anbieten.

 

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14 Gedanken zu „Private Städte als Modell der Zukunft?

  1. Die Idee ist zwar nett, jedoch jede mögliche Umsetzung- die ich mir vorstellen kann- eine schlechtere Welt als die im aktuellen System. Private Städte würden zwangsläufig zu einer Abschottung und Ausgrenzung führen. Städte mit hohen Eintrittsbarrieren wo die Oberschicht unter sich bleibt z.b.. Werden Zäune um die Städte gebaut, damit niemand rein kommt ohne Eintritt zu zahlen? Es entstünden freiheitsbarrieren a la Kleinstaaterei. Zölle wären wahrscheinlich, wer zahlt die Straßen zwischen den Städten? Sind die auch privat? Das sähe dann so aus wie Autobahn in Italien und bliebe einer Geld besitzenden Schicht als privileg diese Straßen zu nutzen. Wer zahlt und besitzt ein überregionales Bahnnetz usw? Rechtssystem: Man müsste die Gesetze jeder Stadt lernen bevor man diese betritt. Ich sehe da einfach zu viele Missbrauchsmöglichkeiten und den trotzdem vorhandenen Bedarf einer überordnung (a la Staat) der privaten Städte um willkür einiger Stadtunternehmen zu vermeiden.

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    • Hallo Pascal,

      „Private Städte würden zwangsläufig zu einer Abschottung und Ausgrenzung führen. Städte mit hohen Eintrittsbarrieren wo die Oberschicht unter sich bleibt z.b.. Werden Zäune um die Städte gebaut, damit niemand rein kommt ohne Eintritt zu zahlen?“

      Das Schöne daran ist ja, dass niemand dazu gezwungen wird. Gefällt dir das auf Zwang basierende System besser, dann bleibe dort. Es wird lediglich eine Alternative angeboten.

      Abschottung und Ausgrenzung haben wir heute nicht? Auch heute kann nicht einfach jeder in Deutschland, Großbritannien, die USA, Kanada oder Australien einreisen, sondern muss langwierige Verfahren durchlaufen. Selbst für den Urlaub werden Grenzen gesetzt. Eine sehr gute Freundin von mir ist Inderin. Sie hat in Deutschland ihren Master-Abschluss gemacht und lebt in Berlin. Sie ist eine der friedlichsten und intelligentesten Menschen, die ich kenne. Sie zahlt in diesem Jahr mehr Einkommensteuer an den deutschen Staat als mein deutscher Vater jemals in irgendeinem Jahr gezahlt hat. Dennoch darf sie, wenn sie beispielsweise in den Urlaub fliegt und in London zwischenlandet, den Londoner Flughafen nicht verlassen. Warum? Weil sie Inderin ist. Hat man einen deutschen Pass, dann vergisst man schnell, welch hohes Maß an Abschottung und Ausgrenzung es gibt.

      Auch in Deutschland kommt niemand rein, ohne „Eintritt zu zahlen“. Nur beträgt der Eintritt 50% dessen, was unserer Arbeitgeber uns zu zahlen bereit sind. Wenn man Einkommensteuer, Beiträge zu Renten-, Arbeitslosen-, Pflege-, Krankenversicherung, Soli, MwSt, GEZ usw. zusammenzählt.
      Nur haben wir diesem Eintritt nie zugestimmt und er kann jederzeit ohne unsere Zustimmung erhöht werden.

      „Zölle wären wahrscheinlich, wer zahlt die Straßen zwischen den Städten? Sind die auch privat? Das sähe dann so aus wie Autobahn in Italien und bliebe einer Geld besitzenden Schicht als privileg diese Straßen zu nutzen. Wer zahlt und besitzt ein überregionales Bahnnetz usw?“

      „Zwischen den Städten“ würde ja heißen in staatlicher Hand, sofern Herr Schäuble sie nicht privatisiert, was er jederzeit tun kann, aber ohne (!) deine Zustimmung.
      Bist du nicht froh über die Privatisierung des Busverkehrs? Heute kann jeder für ein paar Groschen durchs Land reisen.
      Die Nutzung der Infrastruktur innerhalb privater Städte wäre keiner Oberschicht vorbehalten, denn jeder zahlt eine feste, vertraglich vereinbarte Gebühr zur Nutzung. Dir hingegen schreibt der Staat vor, was du für staatliche Fernsehsender zu zahlen hast, selbst wenn du diese gar nicht nutzt.

      „Rechtssystem: Man müsste die Gesetze jeder Stadt lernen bevor man diese betritt.“

      Musst du das heute nicht? Schau mal in die USA. Da reist du von einem Bundesstaat in den nächsten und plötzlich steht die Todesstrafe auf Verbrechen, für die du im anderen Bundesstaat noch mit ein paar Jahren Gefängnis davon gekommen wärst.

      „Ich sehe da einfach zu viele Missbrauchsmöglichkeiten und den trotzdem vorhandenen Bedarf einer überordnung (a la Staat) der privaten Städte um willkür einiger Stadtunternehmen zu vermeiden.“

      Die Willkür im heutigen System ist weit größer, da kein Vertrag existiert. Wie Gebel schreibt: Missbraucht ein Betreiber privater Städte seine Macht, wandern seine Kunden ab und er geht in die Insolvenz.

      Viele Grüße, Stefan

      PS: Das staatliche, deutsche Gesundheitssystem gilt als eines der besten und fortschrittlichsten der Welt. Ich schätze, 50 bis 70% der Gelder, die in dieses System fließen, gehen nur für die Verwaltung drauf und für Leute, die mit einem Schnupfen zum Arzt gehen, weil sie einen Zettel für den Arbeitgeber brauchen.

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      • Vorweg: Stadtunternehmen bedeuten aus meiner Sicht, dass kein übergeordneter Staat mehr existiert, denn diesem würden die Staatsbürger fehlen (du schreibst ja, du willst deine Staatsabgaben selbst aussuchen). Die Folge ist, dass die Stadtunternehmen jeweils Souverräne Staaten darstellen. (Hier würde sich dann auch eine Währungsfrage stellen, dass Ufert jedoch zu sehr aus)

        „Das Schöne daran ist ja, dass niemand dazu gezwungen wird. Gefällt dir das auf Zwang basierende System besser, dann bleibe dort. Es wird lediglich eine Alternative angeboten.“

        In einer private Stadt gilt diese Garantie ja nun eben nicht, denn der Besitzer allein kann entscheiden, dass z.B sämtliche Zu- /Auswege geschlossen bleiben (z.B. weil er Angst hat, dass seine Kunden abhauen und er bankrott geht). Dass wäre ein Szenario nach DDR vorbild, nur dass es ein Unterschied ist, in einer Kleinstadt festzusitzen als in einem großen Staat.

        „Auch in Deutschland kommt niemand rein, ohne „Eintritt zu zahlen“. Nur beträgt der Eintritt 50% dessen, was unserer Arbeitgeber uns zu zahlen bereit sind.“

        Natürlich kommst du in Deutschland rein, ohne Eintritt zu zahlen. Was du beschreibst, ist das Sozialsystem, dass ist ein völlig anderes Paar Schuhe.
        Aber um bei deinem Beispiel zu bleiben: Das Dt. Sozialsystem richtet sich nach dem pers. Einkommen. Wenn der Betreiber einer privaten Stadt festlegt: „Hier kann man nur Wohnen für ein Eintrittsgeld von 1Mio Währungseinheiten“, dann wird schon ein Großteil der Menschen ausgeschlossen- nämlich alle denen diese Währung fehlt. Aktuell kann jeder in jeder Stadt leben, Einkommensunabhängig (Bsp: Sozialhilfe Empfänger).

        „„Zwischen den Städten“ würde ja heißen in staatlicher Hand, sofern Herr Schäuble sie nicht privatisiert, was er jederzeit tun kann, aber ohne (!) deine Zustimmung.“

        Das ist ja die Frage, was bedeutet „zwischen den Städten“? Einen Staat gibt es ja nicht (da die Menschen in privaten Städten leben) aufgrund der Stadtunternehmen. Was passiert also auf dem Raum zwischen den Städten? Die Folge von einer komplett Privatisierung allen Landes (aller Straßen) wäre, dass Zölle erhoben würden sobald ich (auf Straßen) das Land eines anderen Besitzers betrete. Dies schränkt eine wirtschaftliche Weiterentwicklung enorm ein -> Kleinstaaterei

        „Musst du das heute nicht? Schau mal in die USA. Da reist du von einem Bundesstaat in den nächsten und plötzlich steht die Todesstrafe auf Verbrechen, für die du im anderen Bundesstaat noch mit ein paar Jahren Gefängnis davon gekommen wärst.“

        Das ist doch wieder ein Äpfel mit Birnen Vergleich. Es ist sehr wohl ein Unterschied, ob ich mich von einem Staat zum anderen bewege (100e Km) oder ob ich von meiner Kleinstadt in die nächste Wandere (z.B. aufgrund des Arbeitgebers oder zum Einkaufen oder Freunde besuche oder einfach Wandere (im Sinne von 5 km). Und dann ist das sehr wohl eine Einschränkung, denn ich muss bei Kleinen Stadtunternehmen jede Gesetzeslage im Umkreis von 10-20 km kennen (ich bewege mich ja an und zu mal (joggen, Fahrrad fahren usw))

        Beispiel zum Thema Krankenkassen: Du wohnst in Stadtunternehmen A und besuchst Freunde in 50 km Entfernung in Stadt B. Du bist im System A´s versichert und wirst während deines Aufenthalts in B akut Krank (wirklich akut), sodass schnellstens Hilfe geleistet werden sollte. Der Krankenwagen in B Checkt nach Eintreffen zuerst deine Versicherung und Stellt fest, dass du nicht bei B versichert bist. Er lässt dich wohl zurück (kein Surreales Beispiel, in Amerika vor einigen Jahren gängige Praxis)

        Wäre das wirklich besser?
        MFG

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        • „du schreibst ja, du willst deine Staatsabgaben selbst aussuchen“

          Nein. Ich schreibe von einem Vertrag, den zwei Parteien miteinander schließen.

          „der Besitzer allein kann entscheiden, dass z.B sämtliche Zu- /Auswege geschlossen bleiben“

          Bürger einzusperren ist genau das Gegenteil dieser Idee.

          „Aktuell kann jeder in jeder Stadt leben“

          Ich hatte ja ein Beispiel genannt: Als in Deutschland lebender und Steuern zahlender Inder darf man nicht ohne weiteres einen Fuß auf englischen Boden setzen.
          Wenn du in Deutschland einen Wohnsitz anmeldest, ist der erste Brief den du bekommst der von der GEZ. Du zahlst für staatliche Fernsehsender, auch wenn du diese nicht nutzt.

          „Bsp: Sozialhilfe Empfänger“

          Um Sozialhilfe zu beantragen, darfst du dich erst mal nackig machen – mit Vorlage der Kontoauszüge der letzten 90 Tage usw.
          Und selbst wenn kein Arbeitgeber für dich Steuern und Sozialabgaben abführt: Du zahlst Mehrwertsteuer. Diese kann jederzeit ohne Zustimmung der Mehrheit erhöht werden.

          „Hier kann man nur Wohnen für ein Eintrittsgeld von 1Mio Währungseinheiten“

          Von Eintrittsgeldern habe ich nichts gelesen, sondern von einer regelmäßigen Gebühr bspw. für Polizei, Justiz und Infrastruktur. Diese bedarf deiner Zustimmung und darf nicht ohne weiteres geändert werden, wie es aktuell der Fall ist.

          „Einen Staat gibt es ja nicht (da die Menschen in privaten Städten leben)“

          Nochmal: Es soll eine Alternative sein, kein Ersatz.

          Es werden auch nicht auf einen Schlag hunderttausende dieser Städte entstehen. Es startet mit einer. Dann kommt eine weitere hinzu. Dann noch eine. Dann wird man sehen, wer dort wohnen möchte. Und nach 5, 10 oder 15 Jahren werden auch andere ein Gefühl dafür haben, wie es ist, dort zu leben und können sich frei dafür oder dagegen entscheiden. Genauso wie du heute eine ungefähre Vorstellung davon hast, wie es ist, in Frankreich oder der Schweiz zu leben.

          „Der Krankenwagen in B Checkt nach Eintreffen zuerst deine Versicherung und Stellt fest, dass du nicht bei B versichert bist. Er lässt dich wohl zurück“

          Ich weiß nicht, auf was für ein Gesundheitssystem sich Unternehmen und Bürger einigen werden. Aber es wird wahrscheinlich keines sein, in dem solche Fehlanreize wie jetzt in Deutschland bestehen werden.

          „Wäre das wirklich besser?“

          Wir brauchen nicht darüber streiten, was besser ist. Ich streite auch mit niemandem darüber, ob VW oder Opel besser ist. Ich lasse ihn seinen VW fahren und fahre meinen Opel.

          Viele Grüße, Stefan

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  2. Du kannst dir nicht vorstellen, wie glücklich mich dein Beitrag macht! Liberale und Libertäre lieben ja aus ähnlichen Gründen die deutsche Hanse und allgemein kleinteiligere Staatsgebilde. Der Wettbewerb unter Staaten führt logischerweise zu einem höheren Bestreben der Regierungen, den Bürgern ein gutes Leben zu ermöglichen. Ansonsten haut man eben ab 🙂
    Titus Gebel macht es so unglaublich sympathisch!
    Freut mich, dass du deine Reichweite dafür nutzt!
    So ein System führt selbstverständlich zu weniger Abschottung, da Handel noch wichtiger wird.
    Auch Armut kann natürlich nicht besser bekämpft werden, als in einem solchen System und wenn man die Vollversorgung möchte zieht man eben in eine grüne oder kommunistische Stadt 🙂

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  3. Ich fände das wunderbar, wenn es realistisch wäre. In Nordafrika, am Mittelmeer, könnte man solche Städte bauen: teilweise dünn besiedeltes Gebiet, Anziehungspunkt für Migranten, die jetzt im Mittelmeer untergehen und die dort ihr Auskommen finden könnten, schönes Wetter, Solarenergie, in Flugnähe europäischer Zentren usw. Könnte ein Kalifornien des Mittelmeers werden.
    Aber wie sieht die Realität aus: Israel, das freieste Land des Nahen Osten, wird seit Jahrzehnten mit Auslöschung und Tilgung von der Landkarte bedroht. Kein friedliches Nebeneinander – das glatte Gegenteil! Rundum islamische Staaten, die in mittelalterlichen Strukturen und Geisteszuständen leben. Ständiger Alarmzustand, Mauern, Stacheldraht, Leben in einem Gefängnis. Das ist die Realität.
    Sobald in einem abgelegenen Niemandsland eine prosperierende Stadt entstehen würde, wäre sie dem Neid, der Missgunst der umliegenden, darbenden Bevölkerung ausgesetzt, müsste sich zu Hochsicherheitstrakt gegen die Umgebung entwickeln. Kein wirklich erbaulicher Zustand.
    Ich denke Singapur geht in diese Richtung. Ich weiß aber nicht wie die politische Macht organisiert ist. Hat wohl eher polizeistaatliche Strukturen, unter denen man dann ziemlich frei leben und entscheiden kann.
    Ich weiß auch nicht, wie es mit dem Gewaltmonopol in diesen Städten aussähe. Gäbe es keines, würden sich Mafiastrukturen und Familienclans bilden, wie in Italien oder Afganistan. Gäbe es eines, wie wird es legitimiert, wer hat es inne.

    Ich denke, es ist doch wohl eher ein Luftschloss. Bleiben wir lieber bei unserem demokratischen Staatsgebilde mit all seinen Mängeln. Insbesondere mit den Wahlgeschenken der Parteien zu Lasten dritter.

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  4. @ Jasper: Könntest du ausführen warum Armut in einem solchen System besser bekämpft werden kann?
    Die Städte wären ja eigene kleine Wirtschaftssysteme, in denen sich Arbeitsplätze, Lohn- und Preisniveau sowie das Bildungsniveau unterschiedlich entwickeln. Es würde Städte geben, die viel Industrie und Arbeitsplätze hätten (Bsp. Stadt A) und welche mit weniger Möglichkeiten (vorrangig Kleinstädte, B). Ohne Querausgleich entwickeln sich die Städte dann extrem auseinander. (Postulat: gleiche Währung)
    Ein Kind wächst in Stadt B auf und besucht die nicht so guten (billigeren) Bildungseinrichtungen in B (da ja alle Bildungseinrichtungen privat sind) und möchte die Stadt wechseln. Ihm gefällt das Steuersystem in Stadt A und die Stadt an sich ist auch schöner als B. Nur existiert das Problem unterschiedlicher Preisniveaus: durch die Industrie und Lohnentwicklung in A kann sich das Kind aus B kein Grundstück und keinen Wohnraum in A leisten. Nicht mal die Eintrittsbarriere kann es zahlen. Es schreibt deshalb Bewerbungen an Unternehmen um ein Stipendium zu erhalten. Leider ist der Abschluss aus B in A nichts Wert, sodass das Kind in B bleiben muss.
    Ein Wechsel zwischen den Städten ist also ebenfalls nicht einfach, aufgrund der zwangsläufig Unterschiedlichen Lohn- und Preisniveau Entwicklung. Dass ist, als wollte jemand von Bremerhaven nach Monaco auswandern mit 20€ im Handgepäck.

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    • Hey Pascal,

      sorry falls meine Antwort etwas wirr sein sollte, ich musste sie schnell runtertippen, da ich aktuell sehr im Stress bin, aber große Spaß an einem solchen Gedankenaustausch habe!

      Arbeitslosigkeit und Armut werden zum größten Teil von Sozialstaaten geschaffen. Du erkennst, dass freiere Länder wie die Schweiz oder Deutschland Ende der 70er zur Vollbeschäftigung tendieren. Jede Regulierung erhöht Kosten und macht es damit unattraktiver Waren und Dienstleistungen zu produzieren und zu erwerben –> Wohlstand sinkt und Armut steigt. Das gilt auch für Arbeitsschutz, Mindestlohn etc.. Abgesehen davon sind in Deutschland lebende Menschen ja meist erst nach Abzug der Steuern und Sozialabgaben „armutsgefährdet“. Jeder Staat, der sich zumindest stellenweise auf den Kapitalismus eingelassen hat, hat reale Armut quasi ausgelöscht! Relative Armut existiert natürlich weiterhin, wird sie aber auch immer.

      Warum sollten günstigere Bildungseinrichtungen schlechter sein? Die günstigsten PC´s, Autos, Handys etc. sind immernoch besser oder zumindest gleichwertig zu dem, was der Staat uns anbieten könnte. Bildung ist wie auch Gesundheit ein perfektes Beispiel. Es ist interessant, dass immer Beispiele kommen, die zwar zeigen sollen, dass der Kapitalismus etwas nicht schaffen würde, aber eigentlich illustrieren sie nur, dass diese Bereiche schon jetzt problematisch sind, gerade weil der Staat hier entweder zu stark eingreift oder die Kontrolle bereits hat. Rentensystem, Gesundheitssystem, Bildungssystem, Bankensystem, Währungssystem(!), Wohnungsmarkt und so weiter. Natürlich werden keine Bereiche genannt, die größtenteils kapitalistisch organisiert sind, weil man dort ja sieht, dass stets bessere Produkte zu günstigere Preisen erzeugt werden. Auch Gesundheit und Bildung sind Produkte.
      Der Kapitalismus verteilt automatisch. Aus Bauerngesellschaften werden Industriegesellschaften, die dann wiederum die Industrieproduktion in ärmere Länder verlegen, weil diese günstiger sind, während die Industriegesellschaften zu Dienstleistungsgesellschaften werden.

      Die von die angesprochenen Querausgleiche zementieren doch den aktuellen Zustand lediglich. Ob Ostdeutschland, Berlin oder Griechenland ist dabei vollkommen egal. Jeder Euro, der nach Griechenland fließt erschwert den Transformationsprozess, weil er Fehlanreize schafft. Sachsen hat es beispielsweise aufgrund der Leistungen (ausnahmsweise) guter Politiker geschafft in den letzten 10 Jahren einen gigantischen Sprung nach vorne zu machen. Subventionen sind logischerweise Unsinn und ein Mittel der Wählerbindung. Sie haben durchgehend negative Folgen. Ich habe darüber einen kleinen Beitrag geschrieben, der vielleicht anregend sein könnte: http://jasperquast.de/umverteilung/

      Es ist auch nicht nötig darüber zu streiten, wie am besten gleiche bzw. gute Chancen für alle erreicht werden können. Das was du beschreibst ist „Anmaßung von Wissen“ gepaart mit Enteignung und Zwang. https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_August_von_Hayek#Die_Anma.C3.9Fung_von_Wissen_.281974.29
      Ich verstehe deine Gedanken! Ich hatte sie ja anfangs selbst, bevor ich mich ausgiebig mit freiheitlichen Gedanken auseinandergesetzt habe.

      Das was du mit den höheren Kosten beschreibst ist ein natürlicher Prozess, den du auch aktuell in Deutschland hast, wenn du von Eisenhüttenstadt nach München ziehst.
      Abgesehen davon, dass du auf freien Märkten generell mehr verdienst (Bürokratiewegfall, keine Verschwendung in den Sozialkassen, keine Steuern, weniger Regulierungen), ziehst du ja in eine Stadt um dort zu leben und selbst, wenn du an der Kasse bei Aldi arbeitest wirst du vor Ort leben können. Allein der Mietpreisverfall durch staatliche Energieeinsparverordnungen, Stromsteuern, Bauregulierungen und den logischerweise einsetzenden Bauboom wirkt sich positiv auf die Lebenssituation aus. Städte, die Interesse an neuen Mitbürgern haben werden selbst Möglichkeiten entwickeln in Kooperation mit Arbeitgebern Menschen zu sich zu locken. Auch könnten sie im Wettbewerb um Kunden/Bürger damit werben, dass das erste Jahr z.B. gebührenfrei ist. Städte konkurrieren dann miteinander um das beste System und Wettbewerb ist die Quelle besserer Lebensumstände.

      Das mit dem Abschluss kannst du dir sicher selbst herleiten: Wer erwirbt Zertifikate, die nicht anerkannt sind? Natürlich gibt es so wie wir die IHK und andere Verbände haben auch ohne staatliche Eingriffe Verbände und Zertifikate, die einen Wert haben. Dafür braucht es keinen Staat, siehe DIN-Normen.

      Grundlegend gilt, dass ein freier Wettbewerb der Ideen in jedem Lebensbereich logischerweise die besten Ergebnisse fördert, weil Verzerrungen vermieden werden. Alles was der Staat tut kann privatwirtschaftlich besser organisiert werden und mir fällt kein Bereich ein in dem es nicht so wäre.
      Es sind weite Themen und bei konkreten Fragen freue ich mich über einen Austausch!

      Ich hänge hier mal eines meiner Lieblingszitate (vom durchaus streitbaren Roland Baader) an:
      „Stellen wir einmal Deutschland vor diesen Hintergrund und betrachten es mit “kapitalistischen Augen”. Wir erkennen ein Land mit einem staatlichen (sprich: sozialistischen) Rentensystem, mit einem staatlichen Gesundheitswesen, einem staatlichen Bildungswesen, mit staatlich und gewerkschaftlich gefesselten Arbeitsmärkten, einem konfiskatorischen Steuersystem, einer Staatsquote am Sozialprodukt von 50%, mit einem erheblich regulierten Wohnungsmarkt, einem massiv subventionierten und regulierten Agrarsektor und einer in ein kompliziertes Geflecht zwischen Markt und Staat eingebundenen Energiewirtschaft, mit mindestens hunderttausend Betrieben in “kommunalem Eigentum” ( = Camouflage-Wort für Verstaatlichung) und einem staatlichen Papiergeldmonopol, ja sogar mit einem Staatsfernsehen samt Zwangsgebühren. Wir erkennen ein Land, in dem fast 40% der Bevölkerung ganz oder überwiegend von Staatsleistungen lebt und in welchem das gesamte Leben der Bürger von staatlichen Regelungen überwuchert ist. Wer diesen 80%-Sozialismus als Kapitalismus bezeichnet, muss mit ideologischer Blindheit geschlagen sein. Und wer gar von Turbo- oder Raubtierkapitalismus redet, den muss der Verstand ganz verlassen haben (oder die panische Angst vor dem Machtverlust zu verbalen Veitstänzen getrieben haben).
      Wir haben es also bei dem, was hierzulande (und auch in anderen Ländern) als Kapitalismus bezeichnet wird, in Wirklichkeit mit einem staatsverkrüppelten Rumpfkapitalismus und mit einem vom Sozialismus durchseuchten Schein-Kapitalismus zu tun. Walter Eucken, der Vater des (echten) Neoliberalismus, hat schon in den 50er Jahren von einem “staatlich versumpften Kapitalismus” gesprochen und die permanente Gleichsetzung dieser Karikatur mit “dem Kapitalismus” als die wirksamste Waffe der Antikapitalisten ausgemacht. Man sollte das deutsche Modell also realistischer als Sozialismus mit kapitalistischem Hilfsmotor bezeichnen. Erstaunlicherweise vollbringt dieser Hilfsmotor seit mindestens sechzig Jahren das Kunststück, den sozialistischen Schrottkarren voranzutreiben. Erst jetzt scheint ihm vom Übergewicht des maroden Gefährts allmählich die Puste auszugehen.“

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      • Ich kann deine Argumente durchaus nachvollziehen, im Grunde resultieren sie ja aus der Hegel’schen Dialektik. Auch müsste sich nach Hegel auf lange sicht das kapitalistische System durchsetzen. Jedoch stützt diese Theorie auf der falschen annahme, dass der durch dieses System (durch Wettbewerb) entstandene Fortschritt allen gleichermaßen nützt (den Arbeitern wie den Unternehmern). Real ist dies aber nicht so, da diese Parteien in einem Konflikt zueinander stehen. Die Folge ist natürlich, dass wie du schreibst eine „absolute armut“ ausradiert wird. Das Problem dieses Systems ist jedoch, dass die Arbeitnehmende Schicht dann zum Großteil nur minimal darüber gehalten wird (Stichwort Leiharbeit, Mindestlohnsektor). Die Vollbeschäftigung ist nutzlos, wenn der großteil Mindestlohn empfängt. Den Kapitalismus (in Reinform) würde Ich deshalb auch nicht als „das beste System“ ansehen.
        Das Wirtschaftssystem aufgrund des Renten- und Gesundheitssystem als sozialismus zu bezeichnen ist auch relativ weit hergeholt. Gesamtwirtschaftlich gesehen ist unser System doch eher dem Kapitalismus zuzuordnen. Einige Branchen sind nunmal ohne Staatseingriffe nicht Konkurrenzfähig im Internationalen (kapitalistischen) Markt. Wie der von dir angesprochene Agrarsektor. Ohne Subvention würde der auf dem Internationalen Markt untergehen (da in Deutschland produzieren nunmal teurer ist als in den meisten anderen Regionen). Deutschland hat auch viele Ländliche Regionen in denen die Landwirtschaft quasi der einzige Arbeitgeber ist. Ein wegfall der Subventionen würde zu einer selbstregulierung durch den Nationalen Markt führen-> es fallen viele Betriebe Weg -> In vielen Dörfern hohe Arbeitslosigkeit -> Menschen müssen (gegen ihren Willen) in Industriegebiete ziehen um wieder beschäftigt zu werden.
        Kapitalismus kann eben auch Freiheit nehmen („Ist der Arbeiter zu Hause, ist er nicht auf Arbeit und ist auf Arbeit, ist er nicht zu Hause“)
        So gesehen hat die aktuelle Mischform schon ihre daseinsberechtigung.

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  5. @ jasperquast
    Ja, ich finde den Gedanken-Austausch auch spannend. Es bleibt aber schon die Frage, warum sich das bessere System, der Kapitalismus, nicht durchsetzt. Nach liberaler Lesart müsste sich doch im Wettbewerb das bessere System etablieren.
    Ist es nicht vielmehr so, dass staatlicherseits immer eingegriffen wird (werden muss), wenn der Markt eben nicht funktioniert. Der Manchesterkapitalismus war eben auch nicht das Wahre für die meisten Menschen. Ein anderes, harmloseres Beispiel ist das Privatfernsehen; es ist die Überbietung der Niveaulosigkeit, die die Quote macht.
    Der graue, nichtregulierte Kapitalmarkt ist auch so ein Ding, wo man ganz schnell mal sein Vermögen einbüßen kann; bei der Sparkasse ist das si nicht der Fall.
    Viele weiter Beispiele ließen sich anfügen.

    Was ist so das grundlegende Buch, das man dazu gelesen haben sollte. Ich habe mich durch Ayn Rand „Der Streik“ (1200 Seiten) gequält; sie stilisiert den Industriellen zum Hero, was wohl auch nicht immer so stimmt. Aber es ist so ein Heldenepos, das das Spiegelbild zum sowjetischen Arbeiterhelden darstellt. Deshalb nicht so ganz mein Fall.

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  6. „There is no more need to argue with others about politics. There will also be no further need to find compromises between ideas which are incompatible.
    Instead, specialized cities offering social security or catering to specific religious or ideological concerns are conceivable. Everybody can go into the system that best matches his or her convictions and personality.“ Quelle: http://freeprivatecities.com/#why

    Für mich ist das Abschottung und Parallelgesellschaft par excellence. Dabei bräuchten wir doch grade mehr Austausch und Dialog…

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  7. Das beste System… na ja, ich bin immer skeptisch mit Superlativen und Glorifizierungen. Der Kapitalismus hat seine Vor- und Nachteile, seine Gewinner und Verlierer.
    Ob er z. B. weniger Verlierer produziert hat, wie die soziale Marktwirtschaft in Deutschland (welche laut manchen Befürwortern ziemlich am Boden liegt) ist sehr schwer korrekt zu differenzieren bzw. objektiv zu bewerten.
    Die Zeiten ändern sich, die Bedingungen ändern sich, Systeme ändern sich.
    Punkte wie Ethik, die Rahmenbedingungen für`s Spiel um immer noch mehr Gewinn, Deregulierung im Finanzsystem (Subprime… der verschmähte Staat hat das Finanzsystem am laufen gehalten, dass laut kapitalistischer Logik vermutlich in die Insolvenz gehen musste), Wettbewerb mit besser werdenden Robotern, erfolgshungrigen und gut ausgebildeten jungen Menschen in den emergings, die für einen kleinen Teil unserer Gehälter arbeiten, Künstliche Intelligenz, Umweltschutz und Standards, Projekte die evtl. erst Generationen später Gewinn (Gesamtgesellschaftlichen oder monetären) abwerfen…
    Auch die Schweiz als perfektes Vorbild für den Kapitalismus… Begrenzung von Managergehältern, Debatte um 4000 Franken Mindestlohn, solidarisches Rentensystem, ein Land, dass Steuerhinterzieher angezogen und Nazigold gerne angenommen hat und mitunter auch deswegen sehr reich wurde…
    Korrekt zu differenzieren, was alles objektiv richtig ist, ist verdammt schwierig.

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  8. Hallo Stefan,
    Ein interessanter Ansatz. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies bald Realität wird – gated communities sind ja bereits der erste Schritt in diese Richtung. Ich fürchte allerdings, dass sich diese private cities nicht aus purerer Selbstbestimmung ergeben werden sondern aus Notwendigkeiten heraus entstehen werden. Durch Digitalisierung und Automatisierung wird das kapitalistische System eine weitere Beschleunigung erfahren, die eine große Zahl an Menschen als Verlierer nach sich ziehen wird. Die Gewinner werden versuchen sich zusehends abzuschotten und eine entsprechend heile Welt zu schaffen – ein düsterer Ausblick, der allerdings nicht so unrealistisch sein dürfte.
    Finanzielle Freiheit zu suchen wird dann wohl auch bedeuten, dass man sicherstellt auf der Seite der Gewinner dieses Prozesses zu stehen.
    Viele Grüße,
    FF

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