Aktien, die ich zuletzt fast gekauft hätte

Zwei Tage fehlen noch bis zum ersten Geburtstag meines Blogs.

Ihr, liebe Leser, hinterlasst hier bei 0,8% eurer Seitenaufrufe einen Kommentar. In 99,2% der Fälle weiß ich also nicht, was euch bewegt. Aus diesem Grund würde ich euch gern 2 kurze Fragen stellen und anschließend ein paar Aktien vorstellen.

 

Vor einem Jahr lag meine Motivation, diesen Blog ins Leben zu rufen, vor allem darin, Freunde, Bekannte und Kollegen davon zu überzeugen, dass Aktien eine tolle Sache sind und ein möglicher Baustein zum langfristigen Vermögensaufbau.

Mittlerweile wurde mein Blog von mehr als 16.000 Lesern aufgerufen. Die Anzahl der Aufrufe steuert auf die 60.000 zu. Google listet mich bei vielen Suchanfragen auf der ersten Seite. Der aktuelle Monat ist bereits jetzt der Monat mit den meisten Aufrufen und Besuchern.

In welche Richtung soll sich mein Blog bewegen? Die Umfrage wird dies möglicherweise beantworten.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass den meisten von euch meine Unternehmensanalysen am besten gefallen. Meine letzte Analyse zu Church & Dwight und der Haushaltswaren-Branche war bereits zwei Wochen nach Veröffentlichung auf Platz 5 der meistgeklickten Beiträge gerutscht (also beliebter als 115 andere Beiträge).

Dann will ich euch mal von den Unternehmen berichten, an denen ich mich zuletzt fast beteiligt hätte oder die es zumindest sehr weit geschafft haben in meinem Auswahlprozess. Vielleicht bringt ihr mehr Mut auf als ich und schlagt zu. Firmen, die ich bereits Anfang September in meinem Artikel „Das Haar in der Suppe“ erwähnte, lasse ich hier weg.

LVHM

LVHM fand ich klasse, bis ich auf den Konkurrenten Hermès gestoßen bin, der meiner Meinung nach in jeglicher Hinsicht die Nase vorn hat:

Hermès International

Meine Hermès-Analyse vom 17. September zeigte euch, wie überzeugt ich von diesem Luxus-Hersteller bin. In meinem Branchenvergleich ging Hermès als klarer Sieger hervor.

Natürlich dachte ich daran, Hermès für einen Nachkauf auf meine Watchlist zu setzen. Von diesem Gedanken habe ich mich allerdings aus zwei Gründen wieder verabschiedet.

Erstens ist Hermès in einem Geschäftsfeld tätig, in dem eine Marke mal „in“ und mal „out“ ist. Wenn die ersten Aushängeschilder (Top-Promis) erst mal auf eine andere Handtaschen-Marke umgeschwenkt sind, kann ein Dominoeffekt einsetzen.

Hermès Birkin Bag Celebrities

Zweitens frage ich mich: Wann merkt der Markt, dass das aktuelle KGV zwar im 10-Jahres-Vergleich in Ordnung aussieht, aber eigentlich Wahnsinn ist?

Meine Beteiligung ist felsenfest. Für einen Nachkauf reicht es derzeit allerdings nicht.

Stella-Jones

Stella-Jones ist eines von drei kanadischen Unternehmen, deren Geschäftsberichte ich mir zuletzt angesehen habe.

Eines ist mir hier sofort aufgefallen: Man bekommt das Gefühl, den kanadischen Unternehmen ist überaus wichtig, die Aktionäre am Erfolg teilhaben zu lassen. Häufig ist das Wort „Shareholder Value“ zu lesen. Diese Einstellung fehlt mir bei vielen deutschen Unternehmen.

Stella-Jones ist ein Wachstumsunternehmen aus der Holzverarbeitung. Hauptsächlich beliefert man Energieversorger (mit Strommasten) und Eisenbahngesellschaften (mit Schwellen).

Eisenbahnschwellen

Die Zahlen sehen wirklich klasse aus. Doch ich frage mich: Wie hoch wird die Nachfrage nach Holz in 15 Jahren sein? Benötigen wir dann noch Strommasten? Werden die Bahnschwellen dann noch aus Holz sein? Das sind mir zu viele Unsicherheiten.

North West Company

North West Company ist ein weiterer Wert aus Kanada, der mehrere Supermarktketten betreibt, und zwar in abgelegenen Gegenden Kanadas und Alaskas sowie auf Inseln im Südpazifik und der Karibik.

Keine schlechte Idee, denn wo wenig Konkurrenz ist, sind hohe Margen üblich.

Giant Tiger Market North West Company

Auch hier: Tolle Zahlen, aber eine Beteiligung an Supermarktketten ist irgendwie nicht mein Ding. Supermärkte sind 1:1 gegeneinander austauschbar. Es findet keine echte Kundenbindung statt und die Rentabilität ist nicht so hoch wie bei den Produzenten.

In Gegenden, in denen es weit und breit nur einen Markt gibt, ist das etwas anderes. Doch wo die Margen hoch sind, dort will die Konkurrenz vielleicht eines Tages hin. Und ohne eine hohe persönliche Kundenbindung ist die Wechselwahrscheinlichkeit hoch.

Beispiele für eine hohe Kundenbindung und eine geringe Wechselwahrscheinlichkeit sind Google, Apple, Microsoft, Amazon, Facebook, Altria, Oracle, SAP oder Deutsche Post.

Die Auflistung führt mich zu einer guten Idee: im nächsten Crash einen ETF auf den Nasdaq-100 zu kaufen. Die Gewichtung sieht derzeit so aus: Apple 10%, Google 9, Microsoft 8, Amazon 7, Facebook 5, Intel 3, Cisco 3, Comcast 2, Amgen 2 usw. und das Beste ist: Es sind keine Aktien von Banken oder Versicherungen enthalten.

J.B. Hunt

J.B. Hunt Transport Services ist nach eigenen Angaben eines der größten Transportunternehmen Nordamerikas und hat eine eigene, recht große LKW-Flotte.

JB Hunt Truck

Ein gesundes, profitables, wachstumsstarkes Unternehmen. Das Geschäft ist allerdings nichts für mich.

Walt Disney

Walt Disney ist seit Jahrzehnten nicht wegzudenken aus den Top 20 der beliebtesten und wertvollsten Marken der Welt. Eine tolle Aktie, um sie bis zum Ruhestand zu halten.

Ich denke aber, aktuell ist nicht der beste Zeitpunkt für einen Kauf. Vor einem Monat schrieb ich in einem Kommentar hier im Blog:

Das „Kerngeschäft“ finde ich großartig: die Kinofilme, Freizeitparks, Spielzeug, Kinderbücher.
45% vom Umsatz werden jedoch mit Fernseh- und Radiosendern verdient wie ESPN, ABC, Disney Channel. Da bin ich mir unsicher, was das Wachstumspotenzial angeht.

Walt Disney Characters

Hinzu kommt, dass der Geschäftsführer Robert Iger im Juni 2018 aufhören wird. Bisher weiß man nicht, wer der neue Mann an der Spitze sein wird.

Zuletzt wurde spekuliert, dass Disney ein Übernahmeangebot für Twitter prüft. Grundsätzlich finde ich es nicht verkehrt, wenn ein Unternehmen, an dem ich beteiligt bin, versucht durch Übernahmen zu wachsen. Aber Übernahmen sind recht teuer. In der Regel zahlt man deutlich mehr als den „fairen Wert“. Wenn es sich nicht um einen Konkurrenten handelt, erwarte ich da zumindest Synergieeffekte mit dem bisherigen Geschäft. Und bei Disney und Twitter fehlt mir die Fantasie, mögliche Synergien zu entdecken.

Fresenius Medical Care

Sieht man sich Bilanz, GuV und die Entwicklung der Zahlen und des Aktienkurses in den letzten 10 Jahren an, so ist FMC für mich eine der Top 10 Aktien in Deutschland.

Ich möchte jedoch nur in Geschäfte investieren, die ich verstehe und bei denen ich die Aussichten zumindest einigermaßen gut einschätzen kann.

Fresenius Medical Care

Von Nieren-Dialyse habe ich absolut keine Ahnung. Wie stark werden die Dienste, die FMC anbietet, in 15 Jahren nachgefragt werden? Ist der Burggraben des Marktführers eher groß oder klein? Ich kann es nicht einschätzen und deswegen lasse ich die Finger davon.

Fielmann

Zu Fielmann schrieb ich bereits vorgestern in einem anderen Blog etwas:

Neben der sportlichen Bewertung ist der Hauptgrund für mich, nicht bei Fielmann einzusteigen, die Wir-brauchen-keinen-Onlineshop-Haltung.

Wenn man der Konkurrenz dabei zusehen will, wie sie einem Marktanteile durchs Online-Business wegschnappt, bitte, aber dann ohne mich. Ich setze lieber auf Unternehmen, die keine Trends verschlafen. Es gibt ja genug Unternehmen auf der Welt.

Ich habe keinen Plan vom Brillengeschäft. Habe nur gehört, dass es wichtig ist, eine Vermessung vor Ort durchzuführen. Mag sein. Ich könnte mir aber vorstellen, viele tätigen dann den Zweitkauf, Drittkauf usw. gern online bei der Konkurrenz.

Ein weiterer Risiko-Faktor ist die Tatsache, dass Geschäftsführer Günther Fielmann bereits 77 Jahre alt ist. Niemand weiß, wann und wie sein Sohn Marc die Geschäfte weiterführen wird.

Günther Fielmann Marc Fielmann

Abgesehen von diesen 3 Punkten (Preis, Trends, Führung) sieht alles andere aber hervorragend aus für mich.

Glaubt man, dass Fielmann bei der (nicht vorhandenen) Online-Strategie alles richtig macht, dann ist das ein Top-Wert, um sich für eine günstigere Bewertung auf die Lauer zu legen.

Vielleicht wiedersetzt sich CEO-Nachfolger Marc Fielmann weniger stark den neuen Trends. Ob er ein guter Geschäftsmann ist, muss sich erst noch zeigen.

Ergebnis der letzten Umfrage

Zu Umfragen gehört auch, dass man hinterher die Ergebnisse veröffentlicht. Hier nun also das Ergebnis meiner letzten User-Umfrage vom 7. Februar. Es wurden 98 Stimmen abgegeben. Das Resultat überraschte mich positiv.

Frage: „Du erbst 100.000€. Wie viel davon legst du am Aktienmarkt an?“

53% von euch sagten: 81 bis 100 Prozent
28% von euch sagten: 61 bis 80 Prozent
13% von euch sagten: 41 bis 60 Prozent
5% von euch sagten: 21 bis 40 Prozent
1% von euch sagten: 0 bis 20 Prozent

Ausblick

In meinem nächsten Beitrag, der schon fast vollständig ausformuliert ist und in den kommenden Tagen veröffentlicht wird, erfahrt ihr, wie die ersten 5 Minuten meiner Unternehmensanalysen konkret aussehen.

90% der Unternehmen überstehen diese ersten Minuten nicht und haben somit keine Chance, mich als Aktionär zu bekommen.

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12 Gedanken zu „Aktien, die ich zuletzt fast gekauft hätte

  1. Hallo Stefan,

    „Das Resultat überraschte mich positiv.
    53% von euch sagten: 81 bis 100 Prozent“

    Ich vermute, Dich hat hohe Aktienquote überrascht. Man darf nicht vergessen, dass die Leser Deines Blogs eine nicht repräsentative Teilmenge der Bevölkerung darstellen. Wer diesen Blog gefunden hat, hat (vermutlich) nach Anlageempfehlungen oder -strategien gesucht. Da ist der Investitionsschwerpunkt naturgemäß ein anderer.
    Wobei ich anmerken möchte, dass eine hohe Aktienquote für mich per se nicht die bessere Entscheidung darstellt. Die Quote muss zum Anleger passen und im Moment scheinen mir viele Börsenneulinge auch durch das Niedrigzinsumfeld(*) mehr Risiko gehen, als sie vielleicht beim ersten richtigen Crash durchhalten werden. Viele kennen ja nur den Weg nach oben.

    Liebe Grüße
    Dummerchen

    (*) „Die Medien“ übertreiben maßlos, da oftmals der Unterschied zwischen Real- und Nominalrendite überhaupt nicht in Betracht gezogen wird.

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    • Hallo Dummerchen,

      klar: repräsentativ für die deutsche Gesamtbevölkerung ist das nicht. Da würde der Anteil derer, die 81-100% angeben, vermutlich unter 5% liegen.

      Ich stimme dir zu: Bei der Aktienquote gibt es kein richtig oder falsch, kein gut oder schlecht. Es muss zum Alter des Anlegers, zu seiner Zielsetzung und zu seiner Risikoeinstellung passen.

      Meinen Eltern (57 und 54) rate ich beispielsweise von Aktien(-fonds) ab, weil mein Gefühl mir sagt, dass das kein gutes Ende nehmen würde. Diese Anlageform passt einfach nicht zu ihnen.

      Beim Zins gebe ich dir auch Recht. Man sollte Realzinsen betrachten, keine Nominalzinsen. Allerdings sind auch die Realzinsen im historischen Vergleich eher niedrig: http://blog.zeit.de/herdentrieb/files/2015/10/Realzinsen_Deutschland_seit_1973.gif

      Schöne Grüße, Stefan

      PS: Ich bin auch schon sehr gespannt auf die Stimmung in den deutschen Finanzblogs, wenn die Indizes sich wieder 40-50% von ihren Hochs entfernt haben.

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  2. hi Stefan,
    Fresenius ist durchaus breiter aufgestellt als nur Dialyse (Tendenz bei uns im Spital steigend!) , wir verwenden sämtliche Produkte für die parenterale Ernährung unserer Patienten, schau mal hier…http://www.fresenius.ch/de/kabi
    ich hätte diese Aktie sehr gerne!

    Ich selber bin ja nun 58 und bin um die 80% in Aktien / ETF’s investiert, daneben eine gute Cashreserve und eine ETW und neu auch bisschen phys. Gold, also eher breit gestreut. Ich bin froh um meine ETF’s da diese eine stabilisierende Wirkung auf mein Depot haben, meine Novo Nordisk Aktie ist letzte Woche ja nochmal ziemlich abgestürzt, da sind die ETFs eben viel robuster, was ja nicht heisst dass die nicht verlieren bei Börsencrashs.

    Schönes Wochenende,
    Dein blog gefällt mir sehr gut, schätze natürlich die ausführlichen Analysen der einzelnen Aktienwerte.
    Annabella

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    • Hi Annabella,

      danke fürs Lob.
      Du hättest die Aktie gern, d.h. du darfst sie nicht kaufen?

      Wenn ich’s richtig verstehe, ist die Fresenius Kabi AG eine hundertprozentige Tochter der Fresenius SE & Co. KGaA.

      Die von mir genannte Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA ist jedoch ein eigenständiges Unternehmen. Die Fresenius SE & Co. KGaA hält (nur) etwa 30% der Aktien der Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA. Und wenn ich richtig informiert bin, geht es bei der Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA (fast) nur um Dialyse, anders als bei Fresenius SE & Co. KGaA.

      Beides sind sicher gute Unternehmen. Im Bereich Gesundheit fühle ich mich schon gut aufgestellt. Mit Johnson & Johnson, Cerner und Stericycle decke ich 4 Bereiche ab: Medikamente, medizinische Geräte, Healthcare-IT und Entsorgung medizinischer Abfälle.

      Dir auch einen schönen Sonntag!

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