Meine wichtigste Excel-Tabelle

In meiner kleinen Leser-Umfrage von gestern (hier der Link zum aktuellen Stand) habt ihr mir klar gemacht, dass euch meine Unternehmensanalysen sehr gefallen.

Also gut. Reden wir über Unternehmensanalysen. 🙂

Schon Konfuzius wusste vor mehr als 2.500 Jahren, dass es besser ist, einem Menschen das Fischen zu lehren als ihm einen Fisch zu geben.

Ich bin im Blog bereits mehrfach darauf eingegangen, wie mein Entscheidungsprozess zum Kaufen oder Nicht-Kaufen aussieht. Heute möchte ich das weiter konkretisieren. Im Vergleich zum letzten Artikel habe ich den Prozess auch weiter optimiert.

Zentraler Bestandteil meiner Entscheidungen, welche Aktie ich kaufe (und wann), ist eine Excel-Tabelle. Dort trage ich die Daten ein, die mir am Wichtigsten sind. Um nicht von den Zahlen erschlagen zu werden, arbeite ich mit farblichen Hervorhebungen. Ansonsten würde ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen.

Mal erstelle ich diese Tabelle für die 3 bis 5 größten Wettbewerber in einem Markt, um meinen Favoriten zu identifizieren.

Mal erstelle ich sie für die Aktien, bei denen ich mich bereits für einen Kauf entschieden habe und wo es nur noch darum geht, welche ich als Nächste kaufe und wann ich einsteige.

Über den folgenden Link könnt ihr die Tabelle herunterladen (Größe: 0,016 MB).

Meine-wichtigste-Tabelle.xlsx

In Spalte G habe ich euch ein paar Hinweise gegeben, wie ihr die Daten ermitteln könnt. Die eingetragenen Zahlen sind Fantasie-Werte. Sie gehören nicht zu konkreten Unternehmen.

Es sieht auf den ersten Blick nach einem Haufen Arbeit aus, diese Zahlen zu ermitteln. Mittlerweile kenne ich meine Quellen aber so gut und mache das so oft, dass ich nur noch 20 bis 30 Minuten benötige, um alle Zahlen für ein Unternehmen zu ermitteln.

Ich freue mich, wenn ihr mir in einem Kommentar schreibt, was ihr von dieser Übersicht haltet.

Die Auswahl der Kennzahlen ist natürlich nicht in Stein gemeißelt. Jeder sollte selbst entscheiden, worauf er Wert legt.

Mitbringen sollte man ein gewisses betriebswirtschaftliches Grundverständnis. „Was steckt hinter dieser Kennzahl und warum ist sie so wichtig/unwichtig in der betrachteten Branche?“.

Aber das kommt mit der Zeit, wenn man sich damit ein wenig auseinandersetzt. Vor fünf Monaten war mir die Kapitalrendite völlig egal. Heute ist es für mich eine der wichtigsten Kennzahlen.

Bei dieser Excel-Tabelle hört es nicht auf. Ich informiere mich noch weit über diese Kennzahlen hinaus. Wenn ich Lust habe, sehe ich mir den letzten Jahresbericht an und die vollständige Bilanz. Nicht selten verstecken die Firmen dort Schweinereien.

Ich lese mir auch gern durch, was andere Analysten/Blogger schreiben. Meine Lieblingsseiten für fertige Unternehmensanalysen sind

Arbeiten mit morningstar.com
 
Wie sehen die ersten Minuten meiner Analysen konkret aus?

Kenne ich das Unternehmen nicht, dann informiere ich mich selbstverständlich zunächst über das Geschäftsmodell. Für ein erstes grobes Verständnis reicht mir Wikipedia völlig aus.

Interessiert mich das Geschäft und ist der Firmensitz nicht in Timbuktu, dann suche ich den Wert auf morningstar.com.

Hin und wieder kommt es vor, dass man auf der Beta-Version der neuen Seite landet. Die hasse ich. Klickt einfach oben rechts auf „Go to the Old Site“. Dort gibt es 2 Suchfelder. Sucht euren Wert nicht im „Search“-Feld, sondern im „Quote“-Feld.

Gebt ihr ein Unternehmen ein, erscheinen mehrere Vorschläge, da Aktien immer an verschiedenen Börsen gelistet sind. Auf die Anzeige der Bilanz-/GuV-Werte hat die Auswahl jedoch keinen Einfluss.

Dort lasse ich mir die „Key Ratios“ anzeigen. Diese Seite ist der Wahnsinn! Wäre sie nicht gratis, sondern würde 3 Euro pro Monat kosten – ich würde es zahlen! Vielen, vielen Dank an meinen Leser Sebastian dafür, dass du mir diese Seite empfohlen hast. Ich weiß wirklich nicht mehr, wie ich zuvor Aktien kaufen konnte ohne diese Seite.

Wie gesagt: Im Folgenden geht es nur darum, wie die ersten Minuten meiner Analyse ablaufen. Weitaus tiefere Analysen können folgen – das wisst ihr aus meinen Beiträgen zu den Käufen. Mein Beitrag zu Nike hatte mehr als 2.600 Wörter.

90% der Unternehmen „überleben“ allerdings nicht mal die ersten 5 Minuten meiner Analyse.

Die Seite zu den „Key Ratios“ auf Morningstar kann einen erschlagen. Dort stehen verdammt viele Zahlen. Im Folgenden zeige ich euch, auf welche Stellen sich mein Blick anfangs richtet, um einen ersten Eindruck über ein Unternehmen zu gewinnen.

1.) Revenue (TTM)

Wie hoch ist der Umsatz? Dort sind die Werte für die vergangenen 10 Jahre aufgeführt sowie der TTM-Wert. TTM bedeutet, die letzten 4 Quartalsberichte werden zusammengenommen.
Alles zwischen 1,5 und 2,5 Milliarden USD/EUR an Umsatz muss mich bei anderen Kennzahlen schon sehr überzeugen, damit ich anbeiße. Alles unter 1,5 Milliarden USD/EUR sehe ich mir gar nicht weiter an.

Umsatz Nike

2.) Total Stockholder’s Equity (im unteren Bereich unter „Financial Health“)

Lag die Eigenkapitalquote in den letzten 3 Jahren nicht immer über 30%, dann hat das Unternehmen bei mir keine Chance. Da bin ich pingelig. Es gibt wenig Dinge, die ich so sehr hasse wie eine hohe Verschuldung. Übrigens habe ich in meinem ganzen Leben noch keinen einzigen Cent für Zinsen ausgegeben.

Eigenkapitalquote Nike

3.) Return on Assets % (im unteren Bereich unter „Profitability“)

Hier sehe ich mir die Entwicklung der letzten 10 Jahre an. In den letzten Monaten schafften es nur Unternehmen auf meine Watchlist, bei denen die Gesamtkapitalrendite nie unter 6% gefallen ist. Optimal ist, wenn das Unternehmen die Werte in den letzten Jahren gesteigert hat. (kurz nach Rezessionen ist dies natürlich unwahrscheinlich und auch nicht nötig)

Die Kennzahl sagt aus, wie effizient das Unternehmen sein Kapital einsetzt. Sehr wichtig! Aussagekräftiger wird diese Kennzahl (wie alle anderen) natürlich durch den Vergleich mit der Konkurrenz, aber hier soll es erst mal nur um das betrachtete Unternehmen gehen.

Gesamtkapitalrendite Nike

4.) EBT Margin (im unteren Bereich unter „Profitability“)

Vorsteuergewinn geteilt durch Umsatz.
Hier schaue ich zunächst auf den aktuellen Wert und die letzten 3 Jahre.
Blog-Kollege Jasper Quast formulierte es so: „Hohe Umsatzrenditen erwirtschaften Unternehmen mit wenig Konkurrenz, Wettbewerbsvorteilen, Innovationsvorsprüngen, Alleinstellungsmerkmalen und/oder einem guten Image.“ – also alles, was das Anlegerherz begehrt.
Vergleiche sind nur innerhalb einer Branche sinnvoll.

EBT Marge Nike

5.) Revenue % 10-Year-Average, Net Income % 10-Year-Average (im unteren Bereich unter „Growth“)

Hier werdet ihr von 164 Zahlen erschlagen. Ihr seht die Mittelwerte der Entwicklung von Umsatz und Gewinn für verschiedene Zeiträume.
Ich achte vor allem auf den Zeitraum „letzte 10 Jahre“ sowie auf die kleinsten Werte in den 1-Jahres-Zeiträumen. So sehe ich sowohl die langfristige Entwicklung als auch die Höhe des Einbruchs in der letzten Rezession.

Umsatzwachstum Gewinnwachstum Nike

 

Zum Verständnis der Zahlen

Hierzu hat Christian vom Hamsterrad-Blog 4 hochwertige Beiträge verfasst:

http://www.hamsterradblog.com/geschaftsberichte-verstehen/

 

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6 Gedanken zu „Meine wichtigste Excel-Tabelle

  1. Vielen Dank für die Infos. Bei Morningstar kann man die Gewinne pro Aktie (Earnings Per Share) für die letzten Jahre sehen. Bei OnVista kann man zusätzlich auch noch eine Schätzung des nächstes Geschäftsjahres sehen, siehe z.B. hier: http://www.onvista.de/aktien/fundamental/ThyssenKrupp-Aktie-DE0007500001

    Börse-Online hat sowas ebenfalls. Weißt du, woher man sonst außer bei OnVista und Börse-Online an diese Info kommen kann? Speziell bei ausländischen Aktienseiten?

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  2. Deine Webseite ist toll, vielen Dank! Zum obigen Beitrag hab ich eine passende Frage. Ich analysiere zurzeit eine Aktie und stosse beim bestimen des KVG-Wertes für 2016 auf folgendes Problem: Beinahe jede Finanz-Webseite gibt mir einen anderen Wert an. Ich arbeite gerne mit guidants.com, doch der KGV stimmt nicht mit onvista oder Moringstar überein. Weshalb ist das so und was kann ich tun? Lieben Dank für deine Antwort.

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