Church & Dwight – Mein Defensiv-Champion auf dem Prüfstand

Hersteller von Haushaltswaren wie Waschmittel und Zahnpasta haben sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten als hervorragende Investments für Langfristanleger herausgestellt.

Das leuchtet ein. Jeder kauft diese Produkte – egal ob Millionär, Student, Rentner oder Arbeitsloser. Und zwar unabhängig von der Lage der Wirtschaft. Außerdem bleiben die Kunden in der Regel ihren Marken treu.

Wer sich nicht (oder nur wenig) mit dem Aktienmarkt beschäftigt, erwartet hier langweilige, langsam wachsende Unternehmen mit einem geringeren Shareholder Value als beispielsweise Automobilhersteller. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.

Heiko Aschoff stellt in seinem Blog gern die „Qualitätsaktien“ den „Verlierer-Aktien“ gegenüber, in Charts wie diesem.

Reckitt Benckiser Allianz TelekomQuelle

Auch Journalist Tim Schäfer setzt auf Qualitätsaktien, allen voran die großen Hersteller von Waschmittel, Zahnpasta und Toilettenpapier. Das folgende Video hat er in einem New Yorker Supermarkt gedreht. Es passt perfekt zu meinem Beitrag.

Doch welches Unternehmen ist in diesem Bereich die beste Wahl für die Anleger? Welches generiert den größten Shareholder Value? Dieser Frage möchte ich heute auf den Grund gehen.

Vor dieser Analyse sagt mir meine Intuition, dass Church & Dwight der Champion unter den Herstellern von Haushaltswaren ist.

Vor einigen Wochen wurde ich gefragt, in welche 3 Unternehmen ich investieren würde, wenn ich mich bis zum Ende meines Lebens auf 3 festlegen müsste. Für die ersten beiden musste ich keine fünf Sekunden überlegen: Johnson & Johnson und Church & Dwight.

Der folgende Chart vergleicht die Kurse von Church & Dwight und dem S&P 500 Index in den vergangenen 27 Jahren.

In den letzten zwei Jahren habe ich mehrere hundert Charts betrachtet. Dieser gehört zu denen, die mich am meisten beeindruckt haben. Wohlgemerkt: Es handelt sich um einen 169 Jahre alten Hersteller von Haushaltswaren, und nicht um eine Wachstumsrakete wie Google oder Facebook.

S&P 500: +600%
Church & Dwight: +6000%

Wahnsinn.

Church & Dwight S&P 500Quelle

In der nachfolgenden Analyse soll es um einen Peergroup Vergleich von Church & Dwight gehen.

Folgende Unternehmen habe ich dafür ausgewählt, in Klammern jeweils die in Deutschland bekanntesten Marken.

  • Procter & Gamble (Always, Ariel, blend-a-dent, blend-a-met, Braun, Charmin, Fairy, Gillette, Head & Shoulders, Herbal Essences, Lenor, Meister Proper, Oil of Olaz, Oral-B, Pampers, Pantene, Swiffer, Tide, Wick)
  • Colgate-Palmolive (Colgate, Dentagard, Palmolive, Ajax)
  • Reckitt-Beckiser (Calgonit, Cillit Bang, Clearasil, Durex, Lysol)
  • Henkel (Persil, Pril, Weißer Riese, Spee, Somat, Schwarzkopf, Fa, Schauma, Gliss Kur)
  • Clorox (Kosmetik und Reinigungsmittel von hierzulande eher unbekannten Marken)
  • Kimberly-Clark (Kleenex)
  • Unilever (Coral, Axe, duschdas – außerdem Lebensmittel wie Becel, Bertolli, BiFi, Du Darfst, Knorr, Langnese, Lätta, Lipton, Mazola, Pfanni, Rama, Sanella, Slim-Fast)

Auf Johnson & Johnson habe ich verzichtet, da nur etwa 20% des Umsatzes mit Konsumgütern erzielt werden. Außerdem nicht vertreten ist Beiersdorf, da es kaum Überschneidungen im Sortiment mit Church & Dwight gibt.

Ansonsten denke ich, dass so ziemlich jeder langfristig orientierte Kleinanleger zumindest eines oder zwei der genannten Unternehmen in seinem Portfolio hat.

Church & Dwight bietet Waschmittel, Zahnpasta, Katzenstreu, Fleckentferner, Deos, Shampoos, Kondome, Schwangerschaftstests und Vitaminpräparate an, und zwar seit dem Jahr 1847, mit Marken wie OxiClean, Trojan oder Arm&Hammer. In den USA kennt jedes Kind das Traditionslogo mit Arm und Hammer. Außerhalb Nordamerikas ist man in Europa, Asien, Südamerika und Australien vertreten – zusammen mit einem Umsatzanteil von rund 20 Prozent. Das Unternehmen tritt also hauptsächlich in Nordamerika auf.

Church & Dwight Marken

 

Church & Dwight hat zahlreiche #1 Marken.

Church & Dwight Nummer Eins MarkenQuelle

In der Umsatzentwicklung ist die Finanzkrise nicht zu erkennen. Ich liebe solche Unternehmen!
Church & Dwight Umsatz
Aber nun zum Peergroup Vergleich.

Umsatz

Procter & Gamble ist das Größte, Church & Dwight das Kleinste der betrachteten Unternehmen.

Umsatz Church & Dwight Peergroup
Nachfolgend seht ihr, dass Reckitt-Benckiser und Church & Dwight mit Abstand am Schnellsten gewachsen sind in den vergangenen 10 Jahren. Procter & Gamble hingegen tritt auf der Stelle. Ein Umsatzrückgang in einem Zeitraum von immerhin 10 Jahren ist ein Armutszeugnis, wenn ich mir das Wachstum der Peergroup ansehe.

Für Henkel habe ich leider keine Zahlen für den Beginn des Zeitraumes gefunden.

Umsatzwachstum Church & Dwight Peergroup

Profitabilität

Für die nächste Grafik habe ich die versteuerten Gewinne der letzten fünf Jahre durch die Umsätze geteilt.

Man sieht, wie viel von einem Euro an Umsatz als Reingewinn im Unternehmen erhalten bleibt. Dieses Geld kann verwendet werden, um Dividenden auszuschütten, eigene Aktien zurückzukaufen, die Kriegskasse für Übernahmen zu füllen oder Investitionen in weiteres Wachstum zu tätigen.

Reckitt-Benckiser spielt hier in einer eigenen Liga. In der zweiten Reihe tummeln sich Procter & Gamble, Colgate-Palmolive und Church & Dwight.

Marge Church & Dwight Peergroup
Eine der wichtigsten Bilanz/GuV-Kennzahlen für Aktionäre ist die Gesamtkapitalrendite, also der versteuerte Gewinn geteilt durch die Bilanzsumme (Vermögenswerte plus offene Forderungen) .

Auch hier hat Reckitt-Benckiser die Nase vorn, dicht gefolgt von Colgate-Palmolive. Abgeschlagen: Procter & Gamble.

Gesamtkapitalrendite Church & Dwight Peergroup

Eigenkapitalquote

Wie stark sind die Unternehmen verschuldet?

Henkel glänzt mit der höchsten Eigenkapitalquote.

Bei Clorox, Colgate-Palmolive und Kimberly-Clark sind die Schulden jedoch so hoch wie die Vermögenswerte. Kurioserweise handelt es sich um Unternehmen, die bei Kleinanlegern äußerst beliebt sind, was mir sagt dass eine gesunde Bilanz den meisten egal ist.

Eigenkapitalquote Church & Dwight Peergroup
Die nächste Rezession wird kommen. Mal sehen, wie knauserig die Banken dann bei der Kreditvergabe sein werden.

Würdet ihr einem Bekannten, dessen Schulden sein Vermögen übersteigen, 3000 Euro leihen?

Meiner Meinung nach ist die Auswahl an Unternehmen als mögliche Investments groß genug, dass man nicht auf den faulen Äpfeln herumkauen muss.

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.

Maximum Drawdown

Sehr gern sehe ich mir an, wie stark die Aktie eines Unternehmens in der letzten Rezession gefallen ist. Nachfolgend seht ihr die Maximum Drawdowns zwischen 2005 und heute – also den höchsten Kursverlust im Anschluss an einen nach dem 01.01.2005 erreichten Höhepunkt.

Ich schätze, ich habe diesen Wert inzwischen für etwa 100 Unternehmen ermittelt. Church & Dwight ist die Nummer Eins.

Henkel als größten Verlierer hatte ich erwartet, da ein Teil des Geschäfts recht zyklisch ist, nämlich die Klebstoffe für die Industrie.

Alle übrigen Unternehmen haben sich besser behauptet als die großen Indizes MSCI World, S&P 500 und DAX mit jeweils etwa 55%.

Maximum Drawdown Church & Dwight Peergroup

Shareholder Value

Nun zum großen Finale und der Frage: Was kommt letztlich bei den Aktionären an?

Dafür habe ich das jährliche geometrische Mittel der Kurssteigerungen vom 31.12.2005 bis 31.12.2015 genommen und die durchschnittliche Dividendenrendite hinzuaddiert.

Kein Unternehmen kann Church & Dwight hier das Wasser reichen.
Ebenfalls stark: Reckitt-Benckiser und Henkel
Letzter, deutlich abgeschlagen: Procter & Gamble

Shareholder Value Church & Dwight Peergroup

Bei der Betrachtung des Chart gilt es, Folgendes zu bedenken: Der Kauf einer Aktie ist eine Beteiligung am Erfolg der Wirtschaft. In den betrachteten 10-Jahres-Zeitraum fällt die schlimmste Wirtschaftskrise der vergangenen 40 Jahre. Dennoch hätte man sogar mit dem Achtplatzierten – Procter & Gamble – deutlich mehr Geld verdient als mit Tagesgeld, Festgeld, Bausparen, Kapitallebensversicherung oder Riester-Rente.

Zwischenfazit

Auf meine Watchlist schaffen es lediglich Church & Dwight und Reckitt-Benckiser. Der Rest ist mir entweder zu hoch verschuldet oder nicht profitabel genug oder wächst nicht oder bietet einen zu geringen Shareholder Value.

KGV

So viel zur Qualität. Nun zur Frage nach dem Preis. Nachfolgend die aktuellen 2016er KGVs.

Meine Watchlist-Aktien Church & Dwight und Reckitt-Benckiser sind derzeit recht teuer.

KGV Church & Dwight PeergroupQuelle: finanztreff.de

[weitere Quellen: Morningstar, Finanzen.net, Guidants, Unternehmen]

Sieht man sich den 6-Jahres-KGV-Schnitt der beiden Unternehmen auf de.4-traders.com an, so wird Reckitt-Benckiser derzeit mit einem unfassbaren Aufschlag von 47% gehandelt (Church & Dwight: 13%).

Urteil und Kritik

Meine persönliche Devise lautet:  Abwarten. Church & Dwight befindet sich seit Februar/März auf meiner Watchlist für einen Nachkauf, war mir aber bisher zu teuer.

Ein besonderes Schmankerl für Dividenden-Fans ist übrigens die Tatsache, dass Church & Dwight in jedem der vergangenen 462 Quartale eine Dividende ausgeschüttet hat.

Viele Kleinanleger versteifen sich zu sehr auf Marken und Dividendenrendite. Sie übersehen die erheblichen Unterschiede in Wachstum, Profitabilität, Verschuldung und Shareholder Value, die ich hier aufgezeigt habe.

Nur Unternehmen, die wachsen, profitabel wirtschaften und eine gesunde Bilanz vorweisen, können auch langfristig eine erfreuliche Wertschöpfung für uns Aktionäre generieren.

Weil er so schön ist, abschließend noch einmal der Chart.

Church & Dwight S&P 500

 

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3 Gedanken zu „Church & Dwight – Mein Defensiv-Champion auf dem Prüfstand

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