Das Haar in der Suppe

Mehr als sechs Monate sind vergangen seit der Veröffentlichung meines Artikels: Tolle Unternehmen – und warum ich ihre Aktien (noch) nicht kaufe.

Ihr würdet nicht glauben, wie viele Unternehmen ich seitdem analysiert habe. Das läuft mittlerweile  ganz automatisch: Ich sehe ein Produkt – egal ob auf der Straße, im Büro, im Supermarkt oder in der Glotze – und stelle mir zwei Fragen: 1.) Welches Unternehmen? 2.) Könnte eine Beteiligung an diesem Unternehmen eine gute Investition sein? Dann beginnt die eigentliche Analyse.

Und so habe ich inzwischen genug Material für einen zweiten Teil des eingangs erwähnten Beitrags, der sich großer Beliebtheit erfreute.

Wo ist der Mehrwert für euch?

Zunächst möchte ich damit aufzeigen, wie vielfältig die Gründe sein können, nicht in ein bestimmtes Unternehmen zu investieren.

Noch wichtiger ist der zweite Punkt: Einige von euch mögen auf ETFs setzen, doch ich denke der Großteil setzt auf einzelne Unternehmen und giert ebenso danach wie ich, Firmen als potentielle Investitionen zu entdecken.
Die Firmen, die ich hier aufzählen werde, glänzen allesamt durch überragende Zahlen. Doch bei allen war es letzten Endes eine Kleinigkeit, die mich bisher vom Investieren abgehalten hat – das Haar in der Suppe sozusagen.

In einigen Punkten werdet ihr nicht mit mir übereinstimmen. In anderen vielleicht schon, doch sie würden euch nicht vom Kauf abhalten. Und genau darin liegt der Sinn des Beitrags: euch eine Reihe hervorragend aufgestellter, teils wenig bekannter Firmen aufzuzählen, die meine kritische Analyse überstanden haben (bis auf eine Kleinigkeit). Vielleicht seid ihr mutiger als ich.

Und los geht’s!

Mastercard

Unsicherheit: Werden wir in zehn Jahren noch immer mit Plastikkarten bezahlen?

Inditex

Das spanische Unternehmen, das mit Marken wie Zara, Bershka und Massimo Dutti zu den größten Textilunternehmen der Welt zählt, nahm ich bereits mehrfach unter die Lupe – gestern noch einmal genauer. Die Zahlen sind wirklich beeindruckend.

Wo sehe ich hier das Haar in der Suppe? Den Rückgang des unverschämt hohen KGV könnte man abwarten. Doch ich las von einer „neuen“ Strategie: dem Online-Business. Bis Ende des Jahres sollen alle Marken in ganz Europa einen Online-Auftritt haben.

Ich musste an den Satz von Angela Merkel denken: „Das Internet ist für uns alle Neuland“. Nachdem Zalando in Europa mehr als 10 Milliarden Euro umgesetzt hat, kommt nun also auch das Unternehmen um den zweitreichsten Menschen der Welt – Amancio Ortega – auf die glorreiche Idee, man könnte online Geld mit Mode verdienen. Mir ist das zu schnarchnasig. Die letzten 150 Jahre haben gezeigt: Unternehmen, die Trends verschlafen, fallen nicht selten böse auf die Nase.

Mit Fielmann und Ross Stores stehen zwei weitere Top-Unternehmen nur am Seitenrand und sehen der Konkurrenz dabei zu, wie sie online Geld verdient.

Zara Sydney
Alexion Pharmaceuticals

Auch Alexion hat Zahlen in Bilanz und GuV, die Anlegerherzen höher schlagen lassen. Man hat allerdings erst drei Medikamente auf dem Markt. Das ist mir zu riskant. Von dieser Aktie lasse ich die Finger.

Fuchs Petrolub

Fuchs Petrolub scheint mir ein tolles Familienunternehmen aus dem deutschen Mittelstand zu sein. Ich wäre nicht überrascht, wenn Warren Buffett hier schon angeklopft hätte. In solch zyklische Geschäfte will ich in der derzeitigen Konjunkturphase jedoch lieber nicht investieren. Neidisch und achtungsvoll schaue ich auf alle, die hier 2008/09 zugeschlagen haben.

Fuchs Petrolub
Alphabet

Unsicherheit: Womit wird Alphabet in zehn Jahren sein Geld verdienen?

Under Armour

Das KGV ist jenseits von Gut und Böse.

Under Armour Stephen Curry
Reckitt Benckiser

Auch hier: Die Bewertung. Das KGV liegt mehr als 40% über dem 5-Jahres-Schnitt. Irre.

Roper Technologies

Der CEO Brian D. Jellison ist 70 Jahre alt. Ich investiere gern in Unternehmen, bei denen die Handschrift des Managements abzulesen ist und bei denen die Geschäftsführung voraussichtlich noch einige Jahre im Amt bleibt und den eingeschlagenen Weg fortsetzt.

Coloplast / Novo Nordisk

Die dänische Quellensteuer ist mir zu hoch. Bei Novo Nordisk erscheint mir der Fokus auf eine einzige Krankheit auch zu riskant.

Novo Nordisk
Cognizant

Auf Unternehmen, deren Aktien in Rezessionen mehr als 70% ihres Wertes verlieren, möchte ich derzeit nicht setzen.

Hormel Foods

Das Wort Frühstücksfleisch löst bei mir einen leichten Brechreiz aus. Beim Frühstück bin ich eher ein Freund von Müsli, Nutella, Marmelade, Obst, evtl. gekochten Eiern und Käse, in seltenen Fällen Salami. Wenn ich selbst nicht nachvollziehen kann, dass sich jemand morgens Fleisch aus der Dose reinziehen kann (der weder Hund noch Katze ist), dann fehlt mir auch der Glaube an einen wachsenden Markt.

Chipotle Mexican Grill / Buffalo Wild Wings / Texas Roadhouse

Mittelgroße US-Restaurantketten sind in den letzten Jahren gewachsen wie Unkraut – häufig mit erfreulich hohen Eigenkapitalquoten. Doch hier frage ich mich: Wo ist der Wettbewerbsvorteil? Einen Burggraben, wie ihn sich Warren Buffett wünscht, kann ich hier nicht erkennen.

Buffalo Wild Wings

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8 Gedanken zu „Das Haar in der Suppe

  1. Tolle, sehr interessante Serie.
    Das ideale Unternehmen, denke ich, wird es aber eben so wenig geben wie den idealen Menschen. D.h., eine Kröte muss man in der Regel schlucken. Ich habe einige der genannten Unternehmen schon längere Zeit. Novo hat einen deutliche Dämpfer erhalten; ich stehe immer noch 500 % im Plus, mein bestes Pferd im Stall. Auch Spitzenunternehmen machen Schwächephasen durch.
    Gut bei mir im Depot sind auch Essilior, Danaher, Xylem, SAP, Microsoft, Nike, McD
    Schlecht: Telefonica, Eon, Santander, Vale

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  2. Ich finde Mastercard und Visa sind tolle Investitionen. Selbst wenn wir irgendwann nicht mehr mit Karte zahlen, sondern mit dem Handy o.Ä. werden diese beiden dabei die Nase vor haben, weil sie über die Infrastruktur verfügen und dadurch kaum vedrängt werden können. Bargeldloses Bezahlen -in welcher Art auch immer- wird meiner Meinung nach auch weiterhin zunehmen, so dass man als Investor mit Mastercard und Visa noch viel Freude haben kann.

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  3. tolle Serie, Hut ab!
    Bei Dir steht bei einigen Unternehmen als Bedenken „wo steht das Unternehmen in 10 Jahren“. So weit in die Zukunft würde ich nicht schauen, sondern meinen Fokus auf die nächsten 3-5 Jahre legen. Wenn Du dann der Meinung bist, für die nächsten 3-5 Jahre hat die Aktie noch Entwicklungspotential, dann würde ich sie kaufen und nach 3-5 Jahren wieder schauen, wie dann die Zukunftsprognose ist. Und ggf. mit Kursgewinn verkaufen. Ich bin ja sowieso kein Investor, der glaubt, Aktien ein Leben lang behalten zu müssen, dafür entwickelt sich die Wirtschaft einfach zu rasant. Meine Überlegungen kommen aus meiner Tätigkeit: Ich habe viel mit produzierenden Firmen zu tun, die mir auch mitteilen, wie sie ihr Unternehmen in der Zukunft sehen. Eine gute Prognose kann ich höchstens für die nächsten 3 Jahre erhalten, einen weiteren Blick in die Zukunft haben die wenigsten.

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  4. Hallo Stefan,

    eine tolle Seite hast du hier aufgebaut. Alle Achtung. Zu diesem Beitrag zwei kurze Anmerkungen. Zum einen würde ich das Geschäft von Fuchs Petrolub nicht unbedingt als zyklisch bezeichnen. Sicher ist das Unternehmen stärker von den Rohstoffpreisen abhängig als andere Branchen. Durch die Konzentration auf den Nischenmarkt der Spezialschmierstoffe, welche trotz Trend hin zum Elektromotor wohl noch eine Weile benötigt werden, ist für eine stabile Nachfrage gesorgt, zumal das Unternehmen an verschiedenste Branchen liefert. An verschiedenen Stellen wurde zudem darauf hingewiesen, dass das Schmierstoffgeschäft für die großen Förderer mutmaßlich zu klein ist, sodass die Gefahr von zusätzlichen Markteintritten durch Vorwärtsintegration begrenzt erscheint. Selbst wenn hier mal wieder ein größerer Einbruch kommt, wird die Gelegenheit eben zum Nachkauf genutzt ;-).

    Tyson Food kannte ich bisher noch nicht. Daher erstmal danke für den Hinweis. Werde mich da mal einlesen. Hormel (welche hierzulande ja auch eher wenig bekannt sind) beobachte ich hingegen schon eine ganze Weile. Hier fand ich deine Kritik am Unternehmen etwas befremdlich, da sie letztlich auf persönlichen Befindlichkeiten beruht. Konnte die Zahlen bisher nur kurz überfliegen und habe festgestellt, dass es zumindest von der Performance her ein Kopf an Kopf Rennen ist innerhalb der letzten 10 Jahre. Vielleicht könntest du dazu noch etwas schreiben.

    An weiterem Austausch offen interessiert grüßt

    Philipp

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    • Hi Philipp,

      vielen Dank für das Lob.

      Du hast Recht. Ich habe gerade einen genaueren Blick auf Fuchs Petrolub geworfen. Das Geschäft ist weniger konjunktursensibel als ich dachte. Zwar ist die Aktie in der letzten Rezession um 70% eingebrochen, hat sich jedoch sehr schnell erholt (im April 2010 schon wieder ein neues Allzeithoch erreicht). Der Umsatz ging nur um 10% zurück, lag 2010 bereits wieder über dem Niveau von 2006 und 2007. Die Gewinne gingen um 8-10% zurück, erreichten auch 2010 schon wieder neue Hochs. Auch Umsatzrendite und Kapitalrendite haben sich wacker gehalten. Die hohe Volatilität der Aktie hatte also wohl eher etwas mit der Entwicklung des Ölpreises zu tun (von 50 auf 145 auf 35 in kurzer Zeit) und heftigen Änderungen der Erwartungen an die künftige Geschäftsentwicklung.
      Leider sind einige Bewertungskennziffern derzeit recht hoch im historischen Vergleich: http://financials.morningstar.com/valuation/price-ratio.html?t=XETR:FPE&region=deu&culture=en-US
      Ich warte mit einem möglichen Kauf lieber ab.

      Auch bei Hormel Foods gebe ich dir Recht. „Mag kein Frühstücksfleisch“ sollte eigentlich kein Grund sein, sich nicht an Hormel zu beteiligen. Mir ist es jedoch wichtig, dass ich mich mit meinem Investment wohl fühle. Der Trend geht (in den kommenden Jahren möglicherweise noch verstärkt) in Richtung gesünderer/bewusster Ernährung, auch wenn Hormel 2016 einen Rekordumsatz erzielte.

      Nun kann man dieses Argument auch gegen Tyson Foods verwenden. Tyson-Produkte kauft man jedoch größtenteils in Fast Foods Restaurants, also wenn man schnell/günstig unterwegs essen möchte/muss. Für Hormel-Produkte kann man sich nur in Supermärkten entscheiden, wo es tonnenweise gesündere Produkte gibt (die auch nicht grundsätzlich teurer sind).
      Jetzt kannst du natürlich sagen, dass auch eine Entwicklung hin zu gesünderem Fast Food möglich ist bzw. bereits läuft. 🙂

      Ich habe beim Tyson-Sortiment einfach ein besseres Bauchgefühl als bei Hormel.

      Aussagen des Nestlé-CEO und des Tyson-CEO zeigen, dass diese beiden Unternehmen den Trend zu gesünderer Ernährung sehen und ggf. einlenken wollen. Bei Nestlé läuft dieser Prozess bereits.

      Was sagst du?

      Viele Grüße, Stefan

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      • Hallo Stefan,

        ich sage mal so, bei Hormel ist ja die Tochter Jennie-O-Turkey für einen relativ hohen Teil des Gesamtumsatzes verantwortlich. Übrigens auch der Grund, dass das Papier aktuell nicht so richtig aus den Puschen kommt, da Truthähne wohl etwas teurer geworden sind. Jedenfalls hätte ich jetzt den Griff zu Geflügelfleisch unter dem Trend zur gesunden Ernährung subsumiert (ungeachtet der Tatsache ob das ernährungsphysiologisch stimmt – entscheidend für die Anleger ist mithin das, was Verbraucher glauben).

        Was halt an Tyson Foods noch überzeugt, ist die Tatsache, dass sie globaler aufgestellt sind als Hormel. Das könnte bei irgendwelchen Regulierungen (Mindestlohn, Haltungsbedingungen,…) die die Erzeugung von Fleisch betreffen noch von Bedeutung sein.

        Wenn man voll und ganz auf die gesunde und ökologische Schiene setzen möchte, bietet sich ja auch noch Whole Foods an. Ich bin mir selbst jedoch nicht so sicher, inwieweit dieser Trend zu Bioprodukten tatsächlich jemals massenkompatibel sein wird. Rein vom Bauchgefühl her ist es bisher so, dass dort hauptsächlich eine „Schickeria“ aus den alternativ geprägten Vierteln der Großstädte einkaufen geht. Zudem hat die Branche mindestens partiell ein Glaubwürdigkeitsproblem. Ich denke da an den Handel mit allerlei Siegeln, womit ein regelrechtes „greenwashing“ betrieben wird und keiner mehr ernsthaft durchschaut. Darüber hinaus werden Teile der ökologisch nachhaltig produzierten Lebensmittel in Betrieben hergestellt, die in anderen Bereichen auch „normale“ Lebensmittel unter „normalen“ Bedingungen produzieren. Das alles ist für ein Investment eher abschreckend.

        Bestens

        Philipp

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