Die Geldanlage der meisten Deutschen ist eine Katastrophe!

Darüber, wie die Deutschen ihr Geld anlegen, wollte ich schon seit längerem einen kritischen Artikel schreiben. Bislang fehlte mir die Muße für die aufwändige Recherche nach harten Zahlen und Fakten. Diese Aufgabe haben nun die Reporter des SPIEGEL für mich teilweise übernommen.

Die Titel-Story der aktuellen Print-Ausgabe wird betitelt mit: „Ohne Zins und Verstand – Warum die Deutschen ihr Geld falsch anlegen und wie sie es vermehren können“.

Ich freue mich, dass ein großes Magazin den Finger in die Wunde legt und versucht, die Leute wachzurütteln. Sparer, Banken und Politiker bekommen ihr Fett weg.

Auf 9 von 10 Seiten wird beschrieben, was die deutschen Sparer alles FALSCH machen. Verbesserungsvorschläge kommen leider zu kurz (das übernehme ich). Einige hochinteressante Fakten werden dennoch aufgetischt.

Fakt 1: Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ist das Nettovermögen eines durchschnittlichen Haushalts zwischen 2003 und 2013 um gerade einmal 300 Euro gewachsen. Inflationsbereinigt ist es stark zurückgegangen. 300 Euro in 10 Jahren – das sind 2,50 Euro pro Monat. Herzlichen Glückwunsch, liebe Sparer.

Daraus kann man bereits schließen, wie die meisten ihr Geld anlegen – nämlich dort, wo es keine oder nur minimale Zinsen gibt. Übrigens ist der DAX während dieser Zeit um 141% gestiegen, der MDAX um 265%, der TecDAX um 116% und der SDAX um 163%. Und das in einer 10-Jahres-Periode, in die einer der schlimmsten Aktienmarkteinbrüche der Geschichte fällt.

Dazu findet der Autor einen passenden Kommentar: „Der deutsche Sparer, so belegen es die Zahlen, ist ein Narr. Er spart sich nicht reicht, sondern arm. Er vernichtet Vermögen, anstatt es zu vermehren. Er wirft sein Geld praktisch weg. Ja, ist er denn verrückt geworden?

Fakt 2: Etwa 1,2 Billionen Euro liegen bar oder auf Girokonten herum. Das ergibt etwa 15.000 Euro pro Einwohner. Schockierend.

Dagobert DuckFakt 3: Es werden mehr Kapitallebensversicherungen bespart (93 Mio.), als es Einwohner gibt.

Der Spiegel bringt es auf den Punkt:

In Finanzkreisen hingegen wird schon länger über das „stupid german money“ gelästert, über die doofen Deutschen, die nicht mit Geld umgehen können. Die ihr Erspartes lieber den Banken ausliefern, als dem eigenen Urteil zu vertrauen. Die es viel seltener zu Wohneigentum bringen als Holländer, Franzosen oder Spanier. Und die sich von Börsenturbulenzen wie in den vergangenen Wochen darin bestärkt fühlen, von Aktien die Finger zu lassen – auch wenn die Kurse zuvor jahrelang gestiegen waren.
 
Man könnte das kollektive Sparversagen als eine verzeihliche Schwäche des deutschen Nationalcharakters abtun, wäre es nicht längst zum politischen Problem geworden. Das Unvermögen der Bundesbürger, sich ein Vermögen aufzubauen, verschärft die sozialen Spannungen im Land. Es wird dazu führen, dass in einigen Jahren Millionen Senioren dem Staat auf der Tasche liegen, weil ihre Rente nicht reicht.“

Besonders traurig: Der Artikel verweist auf eine repräsentative Umfrage des Bankenverbands, wonach 59% der 14- bis 24-Jährigen nicht wissen, was das Wort Rendite bedeutet.

Weiter heißt es: „Wenn es um Geldanlage geht, fehlt den Deutschen Maß und Mitte – und häufig auch das nötige Interesse. Sie lesen fünf Testhefte, um einen Toaster zu kaufen. Wenn es dagegen um eine zusätzliche Altersvorsorge im Wert von mehreren Zehntausend Euro geht, verlassen sie sich lieber auf den Staat oder die Finanzindustrie. Auch wenn sie ahnen, dass sie dabei bevormundet oder abgezockt werden.“

Der Autor trifft voll ins Schwarze. Dann geht es den Politikern an den Kragen. Es werden Beispiele genannt für das „gute Verhältnis“ von Spitzenpolitik und Versicherungsbranche – also denen, die von der Riester-Rente am meisten profitieren.

Beispiel 1: Walter Riester, der Erfinder der Riester-Rente, verdiente sich während seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter einiges hinzu, indem er Vorträge hielt auf Einladung von Versicherungskonzernen. So wurde er einer der Top-Verdiener im Bundestag. Später landete er im Aufsichtsrat der Union Asset Management Holding AG, die fast 2 Millionen Riester-Fondssparpläne verkauft hat.

Beispiel 2: Gerhard Schröder verbindet eine lange Freundschaft mit Carsten Maschmeyer, dem Gründer des Finanzvertriebs AWD.

Schröder MaschmeyerBeispiel 3: Reinfried Pohl, der Gründer der Deutschen Vermögensberatung, war Großspender der CDU und Vertrauter von Helmut Kohl.

Beispiel 4: Daniel Bahr, der frühere Bundesminister, macht gerade bei der Allianz eine zweite Karriere.

Beispiel 5: Gleiches gilt für den ehemaligen EU-Abgeordneten Peter Skinner, der in Straßburg zuvor für die Gesetzgebung der Branche zuständig war. Auch er landete bei der Allianz.

Beispiel 6: Harald Christ, Mitglied im Schattenkabinett vom damaligen Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier, ist Vertriebschef der Ergo-Versicherung.

Da wundert es auch nicht, dass 68 der 300 Angestellten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft für „politische Interessenvertretung“ zuständig sind.

Weiter schreibt der Spiegel, worauf ich im Blog mehrfach hingewiesen habe: „Bislang stärkt die Riester-Rente weniger die private Altersvorsorge als die Vorsorgekonzerne. Im Durchschnitt fließt jeder siebte Euro, den ein Sparer einzahlt, in Form von Provisionen und Gebühren in die Taschen der Unternehmen“.

Jeder siebte Euro, d.h. 14.3%! Übrigens liegen die Gebühren der meisten Aktien-ETFs zwischen 0.2 und 0.5%. Weitere Vorteile gegenüber dem Riester-Sparen könnt ihr in meinem Artikel „Aktiensparen vs. Riester-Rente“ nachlesen.

Im nächsten Teil des Artikels geraten die Banken ins Visier. Mario Coric, ehemaliger Postbank-Angestellter, berichtet von den Praktiken der Banken.

Seine Ausbildung zum „Finanzmanager“ war ein zweiwöchiger Crashkurs, den der gelernte KfZ-Mechaniker zusammen mit einem arbeitslosen Fitnesstrainer, einem Schlosser und einem Optiker absolvierte. Laut Coric konnten „einige von denen die EC- nicht von der Kreditkarte unterscheiden“.

Dennoch bestanden alle die Prüfung. Vielleicht half es, dass der Prüfer den Raum verließ, sodass laut Coric jeder von jedem abschrieb.

Nun waren alle Finanzmanager. Laut Spiegel ist der Begriff nicht geschützt. Es gibt weder gesetzliche Qualifikationsvorgaben, noch Kontrollen durch eine Behörde.

BankberaterCoric umschreibt, was Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bestätigt: Es handelt sich nicht um eine Beratung, sondern um provisionsgetriebenen Verkauf.

Laut der Postbank liegen keine konkreten Belege für Corics Vorwürfe vor. Aha.

Die Kunden haben Coric blind vertraut. Nie hat ihn jemand gefragt, was für eine Ausbildung er absolviert hat.

Den deutschen Unternehmen geht es blendend. Beteiligen wollen sich die deutschen Bundesbürger an deren Gewinnen aber scheinbar nicht. Der Anteil inländischer Aktionäre an DAX-Konzernen ist von 55% im Jahr 2005 auf zuletzt 41% zurückgegangen.

Der Spiegel schreibt dazu: „Es ist ein Witz: Die Deutschen arbeiten wie verrückt, sie sind die größte Wirtschaftsnation Europas und verkaufen ihre Autos und Maschinen in alle Welt. Doch von den Gewinnen, die ihre Konzerne dabei erzielen, profitieren vor allem Anteilseigner aus Großbritannien, Frankreich oder den USA.“

Die Deutschen wollen hohe Renditen erzielen, aber zu minimalem Risiko.

DAX langfristig

DAX, 1958 – 2012

In einem meiner ersten Blog-Beiträge verwies ich auf das DAX-Renditedreieck. Dort ist für jeden Zeitraum zwischen 1965 und 2015 die jährliche Rendite dargestellt.
Link

Schauen wir uns zunächst die 15-Jahres-Zeiträume an: 1965-1980, 1966-1981 usw.
Selbst wenn man den Schlechtesten dieser 36 Zeiträume erwischt hätte (1999-2014), dann wäre man noch auf eine jährliche Rendite von 2.3% gekommen. Bei 15 Jahren Haltedauer kann hier also von Verlustrisiko keine Rede sein.

Blicken wir nun auf die 20-Jahres-Zeiträume. Die geringste Rendite hätte man zwischen 1968 und 1987 erzielt: „mickrige“ 6 Prozent 😀
Das wäre der niedrigste (!) Wert dieser 31 Zeiträume gewesen – deutlich mehr, als ALLE anderen Anlageklassen abwerfen! Wer meinen letzten Beitrag gelesen hat, weiß, dass man für 5% Riester-Rendite, wenn man im Alter von 35 Jahren mit dem Riester-Sparen begonnen hat, 128 Jahre alt werden muss.

Zusammenfassend sage ich euch:

Lasst kein Geld auf Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonten jahrzehntelang verrotten. Alles an Geld, was ihr mindestens 15 Jahre lang nicht benötigt, gehört vernünftiger investiert.

Lasst die Finger von Anlageprodukten, von denen vor allem die Versicherungskonzerne profitieren.

Informiert euch. Informiert euch. Informiert euch. Vertraut nicht blind irgendeinem Bank-„Berater“.

Schiebt die Geldanlage und Altersvorsorge nicht auf die lange Bank. Kümmert euch darum – JETZT. Je früher ihr startet, desto mehr könnt ihr vom Wunder namens Zinseszins profitieren.

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16 Gedanken zu „Die Geldanlage der meisten Deutschen ist eine Katastrophe!

  1. Hallo,

    Wer sich nicht informiert bleibt Dumm, den Leuten ist es egal .
    Selber Schuld sage ich nur.

    Ich mache meinen Dividenden Marathon weiter, den er wird mich Reich machen,und niemanden anderes.

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  2. Bist du wieder gesund? Diese Woche haust du mal wieder einen Beitrag nach dem anderen raus^^

    Das Schlimme ist: Je mehr Leute im Schuldensumpf untergehen, desto mehr werden Leute wie wir zur Kasse gebeten. Der Staat kann bei verschuldeten Personen nichts holen, weswegen man immer versuchen wird, Steuern für Gutverdiener zu erhöhen und eine Vermögenssteuer einzuführen. Vorsorgen wird in Deutschland bestraft. Leg deinen Kindern ein Depot an und sie bekommen deswegen kein Bafög. Verdiene als Kind dir was dazu und deine Eltern bekommen es vom Hartz 4 abgezogen. Sollte es später zu einer hohen Altersarmut kommen, können die Kinder theoretisch beliebig zur Kasse gebeten werden. Ich spare nur, weil mir keine bessere Alternative einfällt. Dem Staat deswegen vertrauen tue ich lange nicht. Aber das Gute an Aktien: Sie sind im Zweifelsfall auch außerhalb von Deutschland etwas wert.

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    • Hi Jenny!

      Ja, ich bin wieder fit, danke dir! Ich hatte viel Zeit und Lust zum Schreiben. Vielleicht war es die Aussage von Lars bei unserem Blogger-Treffen, dass viele Blogger nach ca. 3 Monaten die Lust verlieren, weil sie bereits alles gesagt haben. Bei uns sind ja fast 4 Monate rum..

      Du hast so Recht!
      Höhere Spitzensteuersätze und die Wiedereinführung der Vermögenssteuer würden mich nicht überraschen.

      Wie du schon sagst: Wenn wir die Nase voll haben, können wir wegziehen und unsere Aktien mitnehmen.

      Grüße, Stefan

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  3. Hallo zusammen,

    Vielleicht sollten wir alle gemeinsam mehr Aufklärungsarbeit in diese Richtung leisten. Ich habe wirklich Angst vor dem Gedanken, dass ich mir meinen Erfolg hart erarbeite, und später wieder viel davon abdrücken muss, weil die Mehrheit der Bevölkerung zu dumm oder zu faul ist, sich um ihre Geldangelegenheiten zu kümmern.

    Ich überlege gerade ob ich demnächst einmal einen Antwortbeitrag zu diesem Artikel hier verfasse. Stefan, du hast doch nichts dagegen, wenn ich deinen Beitrag verlinke oder?

    mfG Christopher

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    • Hi Christopher,

      nein, ich würde mich sogar sehr darüber freuen!

      Wir können viel schreiben. Wir können unsere Meinungen im Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis verbreiten. Wir können SEO für unsere Blogs betreiben. Dennoch denke ich, der Großteil der Bevölkerung ist kaum zugänglich für Argumente pro Aktien, egal wie gut sie sind. Das betrifft meiner Erfahrung nach selbst Akademiker.

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  4. Hallo,
    ich glaube hier passt das Zitat aus Der Tag, an dem die Erde stillstand. „Erst wenn der Mensch unmittelbar vor seinem Abgrund steht, entwickelt er sich weiter“ Ich denke bis jetzt lief halt alles noch zu reibungslos beim sparen. Nicht super, aber relativ passabel.

    Die Leute müssen endlich mal aufwachen. In welche Richtung es gehen sollte man zusammen entscheiden. Aber jeder sollte sich dort mal seine Gedanken machen. Von daher finde ich die ganzen Finanzblogs gut, welche das Thema mal etwas wachrütteln.

    Sonst kommt der Abgrund vielleicht schneller als viele Denken.

    Gruß,
    mafis

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  9. Nun, dein Blog oder Blog von Tim Schäfer werden nix gegen die allgemeine Dummheit machen können, denn die 80 Millionen Deutschen lesen es nicht. Die 80 Millionen Deutschen werden täglich von TV, Radio, Zeitungen, Magazinen und Bücher belogen, dass die Anleger von 2000 bis 2010 nix verdient haben, nervös sind, auf die FED warten, täglich Kurse kontrollieren müssen, alle Aktien mit Stop Loss Order absichern müssen. Und wegen diesen Lügen die Deutschen Angst vor Aktien haben. Uns, die Buffettology studiert haben, hilft es aber, denn wegen der Dummheit und Angst können wir in jedem Jahr die Aktien von BMW, BASF, Munich RE u.a. billig kaufen.

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  10. Jemand, mit dem ich vor wenigen Jahren noch gut befreundet war, arbeitet seit einiger Zeit bei MLP. Wie ich vermute, wird er schöne Provisionen einstreichen, wenn er jemandem einen Riester-Vertrag aufgeschwatzt hat.

    Vorgestern hat er auf seiner privaten Facebook-Chronik einen Riester-Tarifvergleich gelobt. Das war eine etwa 5-seitige PDF-Datei. In diesem Tarifvergleich fehlten alle wichtigen Informationen. Es ging in keinem Wort um Gebühren, Rendite oder wenigstens um die Asset Allokation, die hinter dem jeweiligen Produkt steckte.

    Diesen Makel merkte ich als Kommentar an. Außerdem schrieb ich ganz allgemein, aus welchen Gründen ich wenig vom Riestern halte.

    Es dauerte nur 2 Stunden, bis er seinen Beitrag löschte – und damit auch meinen Kommentar. Das bestätigt mich in meinem Denken über Riester und seine Verkäufer.

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