Liebe ARD, diese Sendung war eine Enttäuschung!

Gestern wurde in der ARD bei „Hart aber fair“ 75 Minuten lang über das Thema Geldanlage debattiert. Die Chance, ein breites Publikum vernünftig aufzuklären, wurde leider vertan.

Die Formulierung des Themas lässt schon einiges erahnen: „Zocker belohnen, Sparer bestrafen – Zinspolitik gegen die Bürger?“

Das soll eine Anspielung darauf sein, dass die Aktienmärkte sich in den Jahren der Nullzinspolitik glänzend entwickelt haben. Leider werden Aktienbesitzer hier über einen Kamm geschert und als Zocker gebrandmarkt.

Es mag viele Trader geben, deren durchschnittliche Haltedauer nur Minuten, Stunden oder wenige Tage beträgt. Leute wie mich und meine Leser, bei denen Aktien ein Baustein der Altersvorsorge sind, als Zocker zu bezeichnen, ist jedoch Unsinn.

Die Sendung war leider eine ganz schwache Vorstellung.

Von Frau Wagenknecht, der Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei, war ohnehin wenig zu erwarten. Ihre Kernaussage war: Banken sind ganz fiese Fieslinge und EZB-Chef Draghi ist der größte Unhold von allen. Ginge es nach Frau Wagenknecht, würden vermutlich alle Aktienbesitzer enteignet werden.

Sahra Wagenknecht

Am meisten enttäuscht hat mich jedoch Michael Opoczynski, der Journalist und langjährige Moderator des ZDF-Verbrauchermagazins „WISO“. O-Ton: „Man kann jungen Leuten heute nicht sagen, sie sollen sparen, denn sie bekommen keine Zinsen“. Und weiter: „Früher konnte man sagen, leg was auf die hohe Kante und irgendwann kommt der Zins und dann der Zinseszins. Wer das heute sagt, der sagt die Unwahrheit“.

Ich bin schockiert. Gleichzeitig frage ich mich, wie ein – vermutlich recht vermögender – Mann wie Herr Opoczynski sein Geld anlegt. Hat er schon mal etwas von Aktien gehört? Spätestens nach seiner Aussage „Je risikoreicher die Investition, desto höher die Provision der Bank“ wurde mir klar: ETF ist ein Fremdwort für ihn, denn die Provision ist 0 und die Gebühren liegen bei 0,2 bis 0,5% – bei einer langfristigen Rendite von mehr als 7% pro Jahr.

Michael Opoczynski

Vor einem Millionenpublikum indirekt zu sagen, junge Menschen sollen nicht sparen, sondern ihr Geld aus dem Fenster werfen, da es ohnehin keine Zinsen mehr gibt, ist wirklich eine starkes Stück.

Zum Ende der Sendung fragt Moderator Frank Plasberg seine 5 Gäste, welchem Gast sie 15.000 Euro geben würden, damit er/sie es für sie anlegt. Zwei Gäste nennen tatsächlich den Herrn Opoczynski. Das war die Krönung einer unerträglichen Sendung.

Abgesehen von dieser kurzen Fragerunde fällt Moderator Plasberg wie immer nur dadurch auf, dass er seinen Gästen ins Wort fällt.

Zwischendurch geht es um German Pellets – ein Unternehmen, das im vergangenen Monat Insolvenz angemeldet hat. Viele Privatpersonen haben Anleihen von German Pellets gekauft, d.h. sie haben dem Unternehmen Geld geliehen, wofür ihnen ein Zinssatz von 4-6% garantiert wurde. Nach der Insolvenz ist dieses Geld wahrscheinlich futsch.

Eines solltet ihr euch klar machen: Eine Erhöhung der Rendite ist nur durch eine Erhöhung des Risikos möglich.

Auf dem Deutschen Börsentag in Berlin vor 3 Monaten habe ich mir selbst einen Vortrag von German Pellets angehört. Der Redner warb darum, dem Unternehmen Geld zu leihen.

German Pellets

Wenn mir ein Unternehmen 5% Rendite garantiert (!), dann sollten die Alarmglocken angehen. Warum geht das Unternehmen zu mir und nicht zur Bank? Ganz einfach: Keine Bank ist so dumm, einem Unternehmen das kurz vor der Insolvenz steht, einen Kredit zu gewähren (schon gar nicht mit einer Verzinsung von nur 5%!). Ich erinnere mich noch, wie stolz der Herr von German Pellets die Unternehmenszahlen präsentiert hat. 2 Monate vor der Insolvenz!

Entschuldigt, aber jemand, der auf diese Weise sein Geld verloren hat, tut mir nicht leid.

Ein kurzer Lichtblick in der Diskussion ist ein Satz von Ralph Brinkhaus von der CDU. Er wirbt dafür, die Verbraucher fit zu machen in Sachen Finanzwissen durch Schulen, Politik und Medien.

In 2-3 Sätzen geht es dann endlich auch um Aktien. Michael Kemmer vom Bankenverband empfiehlt, regelmäßig kleine Beträge in Aktien zu investieren und diese 20 bis 30 Jahre lang zu halten, um so eine ordentliche Rendite zu erzielen. Ansonsten fällt jedoch leider kein Wort über Aktien. Eine Schande!

Bei einem Thema sind fast alle Gäste einer Meinung: Die Beratung in den Banken ist provisionsgetrieben und das ist ein Problem.

Auch die Zuschauer kommen zu Wort, enttäuschen jedoch auf ganzer Linie. O-Ton: „Der Aufruf der Politik zu privater Altersvorsorge ist eine Subvention der Versicherungswirtschaft“. Bei der Riester-Rente mag das sogar stimmen, doch aus dem Kommentar höre ich heraus: Der Zuschauer möchte sich seine Altersvorsorge lieber von der Politik vorschreiben lassen, anstatt sie selbst nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Traurig.

Ein weiterer Zuschauer schreibt während der Sendung ins Online-Gästebuch: „Nullzinsen drängen Kleinsparer in die Armut“.

Ich weiß, was Leute in die Armut drängt. Sicher nicht die Nullzinsen. Es ist der Konsumwahn. Sie verplempern ihr Geld für nutzloses Zeug. Sie leben über ihre Verhältnisse.

Sie wollen unbedingt ein Haus bauen, obwohl sie fürs Abbezahlen 25 Jahre brauchen. Sie müssen ein Auto haben, das ein volles Jahresgehalt oder mehr kostet. Sie investieren Geld in Dinge, die rosten oder vergammeln, anstatt es renditebringend anzulegen. Sie nehmen Kredite auf, weil sie mehr Geld ausgeben wollen als sie verdienen. Sie kaufen Dinge, die sie nicht glücklicher machen, nur um irgendjemanden zu beeindrucken oder aus Langeweile.

Sie kaufen Wasser in Flaschen, das 100x so viel kostet wie das aus der Leitung. Sie rennen in 3 Läden, um einen Kühlschrank auszusuchen, wollen ihre Altersvorsorge aber anderen überlassen. Sie hetzen über die Profitgier der Unternehmen, wollen sich aber nicht an ihren Profiten beteiligen.

Leider sagt das in der Sendung niemand.

Kurs vor Schluss wird eine mögliche Bargeldabschaffung thematisiert. Das ist das Stichwort für Frau Wagenknecht. Sie hat Angst, dass der gläserne Bürger so noch gläserner wird. Als Beispiel führt sie an, dass eine Krankenkasse so ganz leicht herausfinden könnte, wer wie viele Zigaretten kauft.

Ich sage: wunderbar! Mich stört es schon lange, dass diejenigen die sich gesund ernähren, viel Sport treiben und so gut wie nie zum Arzt gehen, genauso kräftig zur Kasse (Krankenversicherungsbeitrag) gebeten werden wie diejenigen die ständig paffen, saufen und fettiges Zeug in sich reinschaufeln.

Alles in allem war die Sendung eine Enttäuschung. 75 Minuten lang wurde gemeckert über Banken, EZB, Politik und Unternehmen. Zu Vorschlägen, wie Sparer ihr Geld sinnvoll anlegen können, fielen lediglich 2 Sätze.

Zum Weiterlesen empfehle ich euch meinen Beitrag „Die Geldanlage der meisten Deutschen ist eine Katastrophe!“.

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6 Gedanken zu „Liebe ARD, diese Sendung war eine Enttäuschung!

  1. Vielen Dank für die Zusammenfassung.

    Dann kann ich mir die Sendung wohl sparen. Hatte ja etwas mehr von so einer Sendung erwartet. Aber damit lassen sich so gut Ängste entwickeln. Leider Traurig.

    Das Thema ist so essentiell und keiner will sich mich beschäftigen. Ist wirklich schon traurig. Für mich werden grade aus diesem Grund auch reiche immer reiche. Die Geldmenge bleibt schließlich relativ konstant. Wenn mehr mal sich damit beschäftigen würden, dann könnte man an einer Umverteilung mal arbeiten. Und sich nicht auf irgendwen verlassen.

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  2. Eine Sendung in der ARD mit Politikern und (ehemaligen) Angestellten des ZDF (WISO). Da sollte man immer bedenken, dass quasi alle Beteiligten niemals etwas mit der freien Wirtschaft zu tun hatten und dass sie immer in einem Milieu gelebt haben, in dem das Geld auf dem Konto jeden Monat wie durch ein Wunder (nämlich den Steuer- und Zwangsgebührenzahler) eintrifft.

    Da wundern einen dann diese realitätsfernen Äußerungen nicht. Und warum sollten sie auch etwas anderes erzählen? IHRE Rente / Pension ist ja schließlich sicher!

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  3. Ich fand die Sendung auch ziemlich schwach, allerdings vor einem ganz anderen Hintergrund.

    Deine „Argumente“ finde ich jedoch reichlich daneben. Was ist denn Deine Empfehlung? Aktien für alle? Fakt ist, dass das derzeitige Zinsniveau tatsächlich ein Problem ist.
    Konkreter Fall: Meine Mutter (78 J.) hat eine kleine Erbschaft erhalten. Was fängt sie damit an? Sie war immer sparsam und hat nie auf großem Fuss gelebt. Soll Sie jetzt in ETFs investieren? Mit knapp 80Jahren? Nicht im Ernst, oder?
    Stichwort Bargeldabschaffung. Hier ist schon viel geschrieben worden. Eine gute Zusammenfassung findest Du hier:
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-03/bargeld-abschaffung-zinsen-konsumverhalten-oekonomie

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    • Hallo Dello,

      danke für deinen Kommentar und Link.

      Die Zentralbanken haben durch ihre Niedrigzinspolitik eine jahrelange wirtschaftliche Depression verhindert. Eine ausführliche Stellungnahme der EZB zu der Kritik findest du hier: http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/luftfahrt-100.html

      Empfehlungen findest du in meinem Blog und in vielen anderen Finanzblogs, aber ich kann sie dir auch in einigen Schlagworten zusammenfassen. Dabei solltest du bedenken, dass meine Zielgruppe etwa 18 bis 50 Jahre alt ist.

      – Ausgaben kontrollieren
      – in Bildung investieren
      – sich Gedanken zur Geldanlage/Altersvorsorge machen und sich darüber in Blogs und Büchern informieren
      – mit anderen darüber sprechen
      – ein Risikoprofil erstellen, um die individuelle Asset-Allokation zu bestimmen (für manche ist eine 20:80 Aufteilung von risikobehaftet zu risikolos ratsam, für andere vielleicht 70:30)
      Mögliche Asset-Klassen können Aktien sein, Immobilien, Gold, Rohstoff-Futures, Staatsanleihen, REITs, Tagesgeld, Festgeld usw.

      Man muss zunächst lesen, lesen, lesen. Einige investieren in Gold, ohne sich über die langfristige Wertentwicklung und Schwankung informiert zu haben. Der Goldpreis ist schon mal um 74% gefallen.

      Auf den Aktien-Teil bezogen:
      – Niemals einen großen Betrag auf einen Schlag investieren, sondern monatlich oder quartalsweise kleine Beträge. Man kann auch einen ETF-Sparplan mit 25€ im Monat einrichten, der nur minimale Gebühren verlangt (0,2 bis 0,5%).
      – nur Geld investieren, auf das man in den kommenden 5 Jahren keinesfalls zugreifen muss
      – breit streuen
      – Nerven behalten

      Darüber, was man im Alter von 78 Jahren mit einer Erbschaft anstellt, habe ich mir bisher keine Gedanken gemacht. Ist deine Mutter fit genug für eine schöne Kreuzfahrt?

      Es gibt immer noch Banken, die auf 5 Jahre angelegtes Festgeld 1,5% Zinsen geben. Bei einer aktuellen Inflationsrate von 0,25% sind das höhere Realzinsen als in den meisten der letzten 40 Jahre. Und dieses Geld unterliegt der Einlagensicherung bis 100.000 Euro.

      Grüße, Stefan

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  4. Sehr guter Beitrag!

    Bitte per e-mail an das Team von Hart aber Fair senden, auch wenn dieser Kommentar wahrscheinlich wenig oder keine Beachtung finden wird.Wirklich traurig, das Thema so einem Millionenpublikum darzulegen!

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  5. @ Dello, die Frage ist, ob jemand mit 78 überhaupt noch „investieren“ soll/muss…
    Das Thema Geldanlage beginnt bereits in jungen Jahren und hier führt zumindest derzeit kaum ein Weg an Aktien/ETFs vorbei. Zumindest sind Sie ein sehr großer Baustein in einer vernünftigen Planung zur Altersvorsorge, wenn man die Angelegenheit mit etwas Verstand und Ruhe angeht. Und gerade dieses Thema wurde bei Hart aber Fair nicht oder nur sehr unzureichend beleuchtet.

    Somit finde ich die Argumente von Stefan überhaupt nicht daneben sondern angebracht.

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