Riester-Rente oder Schäuble-Bonds? Aktiensparen!

Ich denke, du wirst mit mir übereinstimmen, dass der demografische Wandel eine der größten Baustellen darstellt, die wir in Deutschland in den kommenden Jahren und Jahrzehnten angehen müssen. Privat fürs Alter vorsorgen muss in meiner Generation jeder, der später nicht in Armut enden will. Doch wie sorgt man am besten fürs Alter vor?

Auf die Vorteile des Aktiensparens gegenüber der Riester-Rente bin ich bereits in meinem Artikel „Aktiensparen vs. Riester-Rente“ näher eingegangen.

Der Journalist Tim Schäfer machte mich vor kurzem auf eine Bundestagsrede von Gregor Gysi aus dem März 2013 aufmerksam (Youtube-Link), in der Herr Gysi die Probleme mit der Riester-Rente deutlich werden lässt.

Auch wenn ich die Linkspartei nie gewählt habe, so schätze ich Gregor Gysis brillante Rhetorik und er gehört für mich zu den wenigen Spitzenpolitikern, mit denen ich mich auf ein paar Bier treffen würde. Das wäre sicher ein lustiger Abend. Also, Herr Gysi, falls sie das lesen: Die Einladung steht! Weit haben sie es ja nicht bis auf meinen Kiez.

Gregor GysiGysi rechnet vor, dass jemand, der im Jahr 2003 im Alter von 35 Jahren mit dem Riester-Sparen begonnen hat, 90 Jahre alt werden muss, um auf eine Rendite von 2.5% zu kommen. Für eine Rendite von 5% muss ein Lebensalter von 128 Jahren erreicht werden. Absurd!

Beim Riestern fallen irrsinnige Gebühren an. Die Finanzwirtschaft freut sich. Dass die Linkspartei die einzige im Bundestag vertretene Partei ist, die sich kritisch zur Riester-Rente äußert – und gleichzeitig die einzige Bundestagspartei, die keine Spenden von der Allianz erhält, ist natürlich reiner Zufall.

Heute schreibt Spiegel Online: „Deutsche Sparmisere: Ökonomen fordern Abschaffung der Riester-Rente“ (Quelle). Unter anderem werden dort Teile eines Interviews mit dem bekannten Ökonomen Peter Bofinger zitiert, das die Mittelbadische Presse im Dezember veröffentlichte (Quelle).

Peter BofingerAuf die Frage, wie Sparer sich verhalten sollen, antwortet Bofinger: „Da gibt es keinen Königsweg. Sicher kann man sein Geld in Aktienmärkten anlegen. Das muss man auch tun.“ Bravo, Herr Bofinger!

Andere Teile des Interviews sind leider hanebüchen. Unter anderem schlägt er vor, die staatlichen Zulagen bei der Riester-Rente zu erhöhen und Staatsanleihen im Rahmen des Riester-Sparens mit einem Aufschlag von zwei Prozent über dem Marktzins auszugeben. Einen passenden Namen für seine Idee bringt er auch gleich mit: die „Schäuble-Bonds“.

Wie, frage ich mich, sollen diese Aufschläge finanziert werden? Aus den Pensionsansprüchen vom Herrn Schäuble?

Nein, besser noch: Wir nehmen neue Schulden auf. Die liegen ja schon bei 2.3 Billionen Euro – da kommt es auf ein paar weitere Milliarden auch nicht mehr an.
Quelle: http://www.staatsschuldenuhr.de/

Zurück zum Vorschlag vom Herrn Bofinger, sein Geld am Aktienmarkt anzulegen. Was wäre eigentlich, wenn wir auf die monatlichen Rentenbeiträge verzichten könnten und dieses Geld am Aktienmarkt anlegen würden?

Ich habe dazu eine Excel-Tabelle mit ein paar Zahlen gefüttert, die ihr hier einsehen könnt:
Aktien statt Rentenbeitrag

In meinem Modell komme ich auf ein Vermögen von 6 Millionen Euro nach 45 Arbeitsjahren. Ist der Zinseszinseffekt nicht atemberaubend? Ich ging von den folgenden Annahmen aus:

  • Rentenbeitragssatz: 18.7%
  • Brutto-Jahresgehalt zu Beginn: 41.000€ (aktueller Durchschnitt in Deutschland)
  • Jährliche Gehaltssteigerung: 2.5%
  • Jährlicher Kursgewinn nach Gebühren: 7%
  • Dividendenrendite nach Steuern: 1.8% (diese wird reinvestiert)

Diese 5 Werte könnt ihr in der Excel-Tabelle gern anpassen und sehen, was dabei herauskommt.

RenditeAuf drei Dinge möchte ich noch hinweisen:

1.) Aufgrund der Inflation wird die Kaufkraft von 6 Millionen Euro in 45 Jahren deutlich geringer sein als heute. Falls ihr das berücksichtigen wollt, könnt ihr bspw. die jährliche Gehaltssteigerung nach unten korrigieren.

2.) Es ist selbstverständlich utopisch, dass der Zwang zum Rentenbeitrag aufgehoben wird. Mein Beispiel soll verdeutlichen, was dadurch möglich wäre. Ersetzt die 18.7% gern durch den Prozentsatz, den ihr von eurem Bruttogehalt in Aktien investieren wollt – und seht, was dabei am Ende herausspringt.

3.) Im Modell werden zwar Steuern auf Dividenden berücksichtigt, jedoch nicht die Steuern auf die Kursgewinne. Diese habe ich weggelassen, weil es hier ganz auf euch ankommt: Wollt ihr eure Aktien niemals verkaufen, sondern vererben und im Rentenalter allein von den Dividenden leben? Wollt ihr zum Zeitpunkt X eine größere Investition tätigen, die ihr aus Aktienverkäufen finanzieren möchtet? Oder wollt ihr vom Alter X an Stück für Stück Aktien verkaufen, um davon zu leben? Erweitert mein kleines Rechenbeispiel gern nach euren Vorstellungen.

Ein Traum würde wahr werden, wenn unser Staat diejenigen belohnen würde, die mit Aktien für die Rente vorsorgen, anstatt sie mit hohen Steuern zu bestrafen. Vor nicht allzu langer Zeit war es ja so, dass Kursgewinne ab einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei blieben.

Was muss das für eine herrliche Zeit gewesen sein! Ich erwarte leider von keiner der großen Parteien, dass sie uns wieder dorthin zurückbringen wird. Im Gegenteil: Die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass Steuern auf Kapitalerträge vielleicht bald wieder mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern sind, selbst wenn dieser oberhalb von 25% liegt.

Aber auch in diesem Fall würde das Aktiensparen für mich noch immer mit weitem Abstand die beste Art bleiben, Vermögen aufzubauen und fürs Alter vorzusorgen.

Update: In der Rechnung liegt ein Fehler vor. Siehe Kommentare.

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6 Gedanken zu „Riester-Rente oder Schäuble-Bonds? Aktiensparen!

  1. Sowas habe ich mir auch schon mal ausgerechnet: Statt Rentenversicherung investiere ich das Geld in Aktien zusätzlich zu dem, was ich ohnehin schon investiere. Die prozentuale Steuerlast würde steigen, aber man hätte vielleicht auch ein höhere Gehalt, weil der Arbeitgeber ja auch keine Arbeitgeberbeitrag mehr zahlen müsste. In Grund genommen kann man 1:1 den eigenen Rentenbeitrag nehmen.

    Wenn ich das könnte, würde ich das machen und ich wäre in wenigen Jahren finanziell frei, da ich problemlos über 30000 € jährlich in Aktien investieren würde. Die Politik verbrät das Geld nur.

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  2. Pingback: Auf dem Weg zur finanziellen Freiheit | Stefans Börsenblog

  3. Ist ja krass, wieviel ihr bezahlt. Aber haben Sie tatsächlich 160427 Euro im Jahr Netto?

    Also mit einem guten Job und 18,7% vom Gehalt kann man Millionär werden? Das kann doch nicht sein. Das würde dann doch jeder nebenher noch machen. Ich meine ich komme mit 1000 Euro im Monat gut aus – darf aber nicht soviel ausgeben, sonst werde ich dicker.

    Also er hat nur 3500 Brutto im Monat? Bzw. der Durchschnitt? Davon rund 700 Euro anlegen in Aktien. Das sind so 2000 Netto – schätze ich jetzt – arbeite nicht so, dass ich steuern bezahle oder nur 6 Monate lang (Rückzahlung).

    Ich kenne Leute, die bezahlen monatlich soviel an ihre Sekte. Und haben tierisch Angst rauszufliegen. Sind voll erpreßbar.

    Das hätte ich viel früher wissen müssen. Jetzt bin ich zu alt.

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  4. Hallo Stefan,

    die Dividendenrendite darfst Du nicht als Wertsteigerung in Deiner Rechnung berücksichtigen. Der Kurs sinkt um jenen Wert ab, Du reinvestierst die Dividenden und daher bleibt das Gesamtvermögen auf dem gleichen Wert.
    Daher hast Du nach 45 Jahren „nur“ ein Vermögen in Höhe von 3,5 Mio. (vor Steuern).

    LG
    Dummerchen

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    • Hallo Dummerchen,

      dass ich mit 7 + 1,8 = 8,8% verzinse, ist falsch. Da gebe ich dir Recht.

      Die Frage ist, ob die 7% Kurssteigerung den Kursverlust vom Ex-Dividenden-Tag mit einschließen. In diesem Fall müsste die Ausschüttung zu den übrigen Investitionen addiert werden (Annahme: Reinvestition der Dividenden) und weiter mit 7% verzinst werden. Dann liegt die Wahrheit zwischen 3,5 und 6 Mio.

      Grüße, Stefan

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  5. Pingback: Herr Gabriel vergreift sich im Ton | Stefans Börsenblog

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