Flatex, Trade Republic & Co. – Warum ich damit nichts zu tun haben will

Freunde, Leser & Kollegen fragen mich regelmäßig, warum ich mein Wertpapierdepot nicht bei einem Billig-Anbieter wie Flatex/Degiro, Onvista, Lynxbroker, Smartbroker, Trade Republic o.Ä. habe.

Zunächst mal: hier gibt es kein „richtig“ oder „falsch“. Es kommt auf die persönlichen Präferenzen an. Ich bin seit fünf Jahren höchst zufrieden bei der Consorsbank.

Was erwarte ich von einem Broker?

 

1) Ich erwarte einen guten Kundenservice.

Bei Consors habe ich bisher immer innerhalb kürzester Zeit eine zufriedenstellende Antwort auf meine Anfrage bekomme, und das sogar am Wochenende.

Der Finanzwesir schreibt über Billig-Anbieter Degiro: „Ich frage mich: Wo bleibt bei einem Tradepreis von 2 Euro die Compliance und der Support? Kann ‒ und vor allem will ‒ ein Broker, der seine Wurzeln in der professionellen Trader-Welt hat, sich mit dem ganzen Klein-klein-Papierkram und dem Endkunden-Geheule abgeben?“ (21.10.2015)

 

2) Ich erwarte, dass er den Steuer-Kram beherrscht und für mich abwickelt.

Dazu gehören:

  • Abführung der Abgeltungssteuer
  • Berücksichtigung des Sparer-Pauschbetrags
  • Berücksichtigung von Teilfreistellungen
  • Anrechnung von Quellensteuern bei Dividenden ausländischer Unternehmen
  • Jährliche Steuerbescheinigungen
  • Automatische Verlustverrechnung
  • Anpassung an neue Steuergesetze

Der Finanzwesir sagt: „Ich bin seit September 1998 bei Consors und habe nie daran gedacht zu wechseln. Warum? Weil ich mich bei Consors immer darauf verlassen konnte, dass der Papierkram sauber abgewickelt wird. Ich bekomme alle wesentlichen Schriftstücke unaufgefordert und korrekt ins Haus. Muss eine Abrechnung nachträglich korrigiert werden (kommt ab und zu vor), bekomme ich auch hier unverzüglich die korrigierte Version per Post. Mit anderen Worten: Es wird nicht nur gemacht, sondern das, was gemacht wird, wird auch kontrolliert. Warum ist mir das wichtiger, als tolles Tagesgeld oder ausgefuchste Ordermöglichkeiten? Weil ich hier richtig Zeit spare. Viele Zahlen, die ich von meinem Broker bekomme, kann ich nur sehr schwer bis gar nicht nachvollziehen. Für mich fallen die Zahlen einfach vom Himmel. Ich trage sie in die Steuererklärung ein und seit 1998 gibt das Finanzamt sein ok dazu. Deshalb vertraue ich der Consors-IT. Würde ich das nicht tun, müsste ich tagelang am Schreibtisch sitzen und die Transaktionen aufdröseln. Das will ich nicht, denn das ist kein passives Investieren. Für mich nur der Broker ein guter Broker, der den ganzen Steuer- und Compliance-Kram beherrscht. Auf diesem Gebiet suche ich einen verlässlichen Partner und ich bin auch bereit, das zu honorieren.“ (21.10.2015)

 

3) Ich erwarte ein übersichtliches Preisverzeichnis, bevor ich mich für einen Broker entscheide, um später keine bösen Überraschungen zu erleben, weil ich nicht jede Zeile Kleingedrucktes aller 20 Seiten des Preisverzeichnisses studiert habe.

Die Beantwortung der folgenden Fragen auf den ersten 2 Seiten des Preisverzeichnisses sollte nicht zu viel verlangt sein, ansonsten muss ich davon ausgehen, dass man mich übers Ohr hauen will.

  • Gibt es Depotgebühren, wenn ja, in welcher Höhe?
  • Wie hoch sind die Ordergebühren in Abhängigkeit von Ordervolumen und Handelsplatz?
  • Gibt es Negativzinsen auf dem Verrechnungskonto, wenn ja, in welcher Höhe?
  • Ist eine Übertragung von Aktien aus einem anderen Depot bzw. in ein anderes Depot möglich, wenn ja, was kostet das?
  • Gibt es Gebühren für Dividenden, wenn ja, in welcher Höhe?
  • Sind ETF-Sparpläne möglich, wenn ja, zu welchen Kosten?
  • Was gibt es sonst noch für „pay-per-use Gebühren“?

 

Von Kunden der anfangs genannten Billig-Anbieter habe ich die wildesten Geschichten gehört, wie etwa:

  • Depotgebühren
  • Negativzinsen fürs Verrechnungskonto
  • Gebühren für Auslandsdividenden
  • keine Sparpläne möglich
  • keine Depotübertragung möglich
  • keine Steuer-Berechnung und -Abführung
  • Gebührenangaben sind nicht brutto, sondern netto
  • bei Ordereingabe werden die aktuellen Spreads nicht angezeigt
  • Aktien waren erst 3 bis 5 Tage nach erfolgreicher Orderausführung im Depot zu sehen
  • Online Banking nur auf Smartphone-App möglich, nicht im Browser

Von all diesen 10 Punkten hat mich die Consorsbank in den vergangenen 5 Jahren verschont.

 

4) Ich vertraue mein Vermögen, das ich über Jahrzehnte mühsam aufgebaut habe, nicht der IT-Abteilung einer 60-Mitarbeiter-Bude an, die kaum Einnahmen erzielt weil „alles gratis“ ist.

 

9 Gedanken zu „Flatex, Trade Republic & Co. – Warum ich damit nichts zu tun haben will

  1. Hallo Stefan,

    warum probierst du es nicht einfach mal aus ?
    Ich habe mein Hauptdepot auch nach wie vor bei der comdirect und bin zufrieden.

    Aber DeGiro (immerhin über 150 MA) habe ich für bestimmte Trades einfach mal ausprobiert und selbst die Steuer-Geschichte hat ohne Probleme geklappt. Klar würde ich dort nicht mein Hauptdepot mit ETF-Sparplänen hinverlegen aber wenn mir die Konditionen bei Degiro nicht mehr zusagen bin ich weg.

    LG, Tobias

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  2. Hallo Stefan,

    es scheint, als hättest du dir keinen der „Billig“-Broker wirklich angeschaut, sondern dir deine Meinung per „Hören-Sagen“ gebildet. Mag anders sein, wird in deinem Post nicht deutlich und läßt einen Mehrwert für den Leser missen.

    Gruß,
    Erick

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    • Hallo Erick,

      welchen Mehrwert bietet dein Kommentar den Lesern?

      Aufgabe eines Finanzblogs ist es nicht, dir wie im Schlaraffenland die gebratenen Entenkeulen in den Mund fliegen zu lassen, sondern dir meine Entenkeulen-Zubereitung vorzustellen.

      5.000 Leser haben 5.000 unterschiedliche Erwartungshaltungen an einen Broker. Ich habe beschrieben,
      – wie MEINE Erwartungen aussehen,
      – dass meine Erwartungen von Consors seit Jahren erfüllt werden und von keinem der Billig-Anbieter erfüllt werden,
      – dass die Entscheidung, welchen Broker man wählen sollte, weit über „Der mit den niedrigsten Ordergebühren“ hinausgeht,
      – wie die negative Seite der Billig-Anbieter aussieht, wobei ich als Quelle der 10 letztgenannten Punkte die Webseiten der Anbieter sowie Erfahrungsberichte von Freunden verwendet habe.

      Wenn du dir eine Übersicht zu jedem einzelnen Aspekt jedes einzelnen Anbieters wünschst, dann erstelle diese doch. Die Preis- und Leistungsverzeichnisse von 20 Anbietern zu durchforsten und auf einer A4-Seite vergleichend zusammenzufassen, kann nicht die Aufgabe von Finanzblogs sein. Schon gar nicht von Finanzbloggern, die Informationen gratis bereitstellen und nebenbei noch einen richtigen Job haben.

      Viele Grüße
      Stefan

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      • Hallo Stefan,

        danke für deine ausführliche Anwort. Du fragst nach den Mehrwehrt meines Kommentares für den Leser. Ich kommentiere ja nicht FÜR den Leser ( ich betreibe auch keinen Blog ), sondern sehe es vielmehr als Möglichkeit, mit dem Verfasser, sprich dir, und anderen in Kontakt und Austausch zu treten.
        Mein Eindruck war eben jener, dem ich auch »es scheint« vorangestellt habe, dass du dir deine Meinung ( in diesem Artikel ) auf die Erfahrungen anderer bildest: »Der Finanzwesir sagt … der Finanzwesir schreibt … «

        Vielleicht geht es anderen Lesern ähnlich ( und nehmen sich nicht die Zeit, deinen Artikel zu kommentieren ) – oder ganz anders; ich bin da diesbezüglich offen und neugierig.

        Ich wünsche keine eine auf dem Silbertablett servierte Liste über Aspekte aller Anbieter; aber die in deiner Überschrift erwähnten Broker tauchen, nicht mal als Beispiel in deinem Post auf z.B. dass bei Trade Republic traden nur über die App, nicht über den Browser möglich ist. Damit fände ich deine Meinung besser vertreten als unter mit »… wilde Geschichten von Kunden gehört…«

        Wie gesagt: das ist mein Eindruck, nochmals danke für deine Rückmeldung.

        Gruß,
        Erick

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      • Ich denke, dass muss man auch mal einstecken können. Der Artikel liesst sich tatsächlich eher wie eine Werbung für Consors. Ich finde den Kommentar von Erick sachlich genug, um diesen nicht unsachlich angreifen zu müssen. z.B. „welchen Mehrwert bietet Dein Kommentar den Lesern?“.

        Gefällt 1 Person

  3. Hi Stefan,
    ich lese gerne deine Artikel hier.
    Aber sorry, ich finde diesen Beitrag etwas zu oberflächlich und muss den anderen Kommentatoren zustimmen. Ich bin sowohl bei der Comdirect, Consors als auch bei Trade Republic Kunde. Jeder Anbieter hat seine Vor- und Nachteile, aber gravierende Probleme gibt es bei keinen.
    Grüße, Dani

    Gefällt 1 Person

    • Naja, war jahrelang Flatexkunde. Die fiesen Gebühren steckten im Kleingedruckten und wurden ebenso im Kleingedruckten geändert. Dann gab’s hohe Kosten für die Einbuchung von Auslandsdividenden, Negativzinsen für Guthaben und hohe Zinsen für Negativbeträge. Die Krönung waren zum Schluss Gebühren auf den Depotwert, was aber keine Depotkosten sind. Flatex wirbt immer noch mit einem kostenlosen Depot.

      Nach dieser versuchten Verarsche bin ich vollständig zur Comdirect umgezogen, wo ich schon immer mein Hauptdepot hatte.

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  4. Moin Stefan,

    hast du gar nicht Alberts Consors-Sinn-Krise mitbekommen?
    https://www.finanzwesir.com/blog/wochenueberblick-kw43-2019

    Oder handelst du strikt nach Filterblase: „nur Fakten, die meine Meinung bestaetigen werden wahrgenommen(zitiert)“?

    Allerdings: Albert(der Berg) kreiste und kreiste und kreiste und gebar ein ???

    Tan-Generator(Maeuschen)?

    tja, der Teil fehlt ja noch in Alberts Geschichte, vermutlich immer noch bei Consors?

    LG Joerg

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  5. Pingback: Das wurde woanders geschrieben – Woche 8/2020 – Fuseboroto.info

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