Herr Müller macht auf dicke Hose

„Dirk, wie ist die Luft dort oben?
Dirk, wie sieht es von dort oben aus?
Haben sie dich schon zurecht gebogen?
Oder hältst du dich aus Strategien raus?
Welches System wird bei euch gespielt?
Haben sie dich auch wirklich korrekt verdient?“

Dies fragten die Sportfreunde Stiller vor 15 Jahren in einem Song ihres dritten Studioalbums „Burli“. Die Platte liegt immer noch in meinem Auto.

Eben diese Frage stellte auch ich mir heute, denn Dirk Müller – besser bekannt als Mister DAX – hatte in einem kürzlich veröffentlichten Interview einen ziemlich großen Mund. Wie ist wohl die Luft dort oben auf seinem hohen Ross?

Konkret bezeichnete Herr Müller ETFs als „dummes Geld“ und preiste seinen „Dirk Müller Premium-Fonds“, selbstherrlich wie man ihn kennt.

Verneigen wir uns also gemeinsam vor der Lichtgestalt unter den deutschen Fondsmanagern.

Im Interview sagt er: „Wir sind besser als der Markt“ und lieferte sofort den Beweis: Er hat seinen selbst gewählten, nicht näher benannten Vergleichsindex im Jahr 2018 geschlagen.

Bravo, Herr Müller!

Das habe ich mir dann aber doch nochmal genauer angesehen.

Der Müller-Fonds (WKN:A111ZF) ist am 16.04.2015 bei 100€ gestartet und steht aktuell bei 101,04€. Bei einem Zeitraum von 3,9 Jahren entspricht das einer Performance (CAGR) von 0,27% pro Jahr. Dabei sollten die Verwaltungsgebühren von 1,6% pro Jahr bereits berücksichtigt sein – der Ausgabeaufschlag von 4% jedoch noch nicht.

Was wäre mit einem „dummen“ ETF auf den MSCI World möglich gewesen? Schauen wir auf den iShares Core MSCI World UCITS ETF (WKN: A0RPWH). Wie der Müller-Fonds ist er thesaurierend.

Der ETF stieg im selben Zeitraum von 40,36€ auf 47,61€. Die Performance (CAGR) beträgt also 4,33% pro Jahr, wobei auch hier die TER von 0,2% bereits berücksichtigt sein sollte. Ein Ausgabeaufschlag wird nicht verlangt.

Mit einer Underperformance von mehr als 4% pro Jahr gegenüber dem „dummen ETF“ kann man es sich meiner Meinung nach nicht erlauben, den Mund so weit aufzureißen.

Und wenn er im Interview behauptet, sein Fonds hätte seit Auflage den Vergleichsindex geschlagen, dann fragt man sich, was für einen unterirdischen Vergleichsindex Dirk Müller gewählt hat.

Was 4% pro Jahr langfristig selbst bei kleinen Beträgen für einen Unterschied machen können, zeigt ein Bild, das ich vor ca. zwei Jahren für euch erstellt hatte:

Zinsesszinseffekt

Damit wir uns richtig verstehen:
Herr Müller wird (hoffentlich) einen längeren Anlagehorizont haben als drei bis vier Jahre. Seine Rendite aus den ersten knapp vier Jahren ist somit wenig aussagekräftig.
Ich bestreite auch nicht, dass sein Fonds bis zum Jahr 2035 nach Abzug von Kosten einen einfachen MSCI-World-Sparplan outperformen könnte. Mir geht schlicht seine Überheblichkeit auf die Nerven. Hätte Berkshire Hathaway wie Müller performt, dann würden sich Buffett und Munger selbst auf die Schippe nehmen. Und ganz sicher würden sie ETFs nicht als „stupid money“ bezeichnen. Im Gegenteil.

 

 

 

Da wir über den MSCI World gesprochen haben, möchte ich euch noch auf ein Schmankerl aus der vergangenen Woche aufmerksam machen: eine der geilsten Grafiken der letzte Jahren in der deutschen Finanzblogwelt.

Sicher kennen die meisten von euch das DAX-Renditedreieck, vom Deutschen Aktieninstitut jährlich aktualisiert und veröffentlicht.

Dort kann man die DAX-Performance für jeden beliebigen Zeitraum zwischen 1968 und 2018 ablesen. Kaum eine Grafik wirbt besser für eine langfristige Anlage in Aktien.

Letzte Woche hat Christian Röhl ein Renditedreieck auf seinem Blog veröffentlicht, das mir sogar noch besser gefällt, und zwar weil

  • es den MSCI World als Grundlage nimmt – ein Index der über 1.600 statt nur über 30 Unternehmen streut bei vergleichbaren Kosten,
  • ein monatliches Besparen simuliert wird im Gegensatz zur Punkt-zu-Punkt-Betrachtung des Deutschen Aktieninstituts,
  • ETF-Kosten von 0,2% pro Jahr berücksichtigt werden,
  • in Euro bzw. D-Mark gerechnet wird, was man für den MSCI World für einen solch langen Zeitraum (1972 bis 2018) nicht häufig findet,
  • nach der IZF-Methode gerechnet wird, die sich hervorragend für die Performance-Messung der Geldanlage eignet
  • sogar Steuern auf Dividenden abgezogen wurden.

Hier geht es zum Beitrag (letzte Grafik).

 

 

12 Gedanken zu „Herr Müller macht auf dicke Hose

  1. Schöner Artikel – Komisch, dass Müller so agiert, in seinen Büchern findet er ETFs ganz gut.

    keine Ahnung, ob der World eine richtige Benchmark für seinen Fonds ist, ich glaube aber schon. Und da sind die Ergebnisse natürlich nicht so pralle.

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  2. Interessanter Artikel und super Hinweis auf das Renditedreieck von CR. In einem Detail muss ich Dir aber widersprechen. Dirk Müller verweist auf das Jahr 2018 und da hat sein Fonds tatsächlich den MSCI World geschlagen. Ansonsten bin ich vollkommen bei Dir. Ich würde auch immer einen MSCI World ETF dem Fonds von DM vorziehen.

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    • Hallo Thomas,

      vielen Dank! Deinem Widerspruch muss ich aber widersprechen 🙂 Bei Minute 5:47 hörst du wie er sagt, sein Fonds hätte den Vergleichsindex (welchen auch immer) über die gesamte Laufzeit geschlagen.

      Viele Grüße
      Stefan

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  3. Hi Stefan,

    Schön dumm, dass die Fakten hier so schön aufbereitet sind. Wäre gespannt, wie Hr. Müller auf Deine Analyse reagiert. Vielleicht magst Du ihm ja den Link zu Deinem Artikel zuschicken, dass er kommentieren kann. Fände ich spannend!

    Viele Grüße
    MFF

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  4. Ohje, dieses Interview mit Dirk Müller ist ja mal Fremdscham pur. Diese Mischung aus Arroganz und hinkenden Vergleichen sucht wirklich ihres Gleichen… Danke fürs Zusammenfassen der Fakten!

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  5. Hallo Stefan,

    Schon mal in die Fondsdaten reingeschaut? 🙂 Der Vergleichsindex der offiziell genannt wird ist der »MSCI World Value (EUR)«. Anlagesansatz: Equal Weight. Hab jetzt aber nicht versucht den Vergleich anzustellen. Vielleicht hast du ja Lust 😉

    Viele Grüße,
    Sacha

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  6. Ja, Müller hat Unrecht.

    ABER: Schlecht recherchiert das Ganze hier!

    Ich habe das ganze Youtube-Interview mit Müller gesehen und eigene Nachforschungen angestellt. Vergleichsindex ist laut Jahresbericht der „MSCI World Value“. Erster Treffer bei Google dazu ist https://www.msci.com/documents/10199/25465a5a-d52c-4bec-b5ed-a7b56eca8e0d. Ratlosigkeit macht sich breit, wie Müller auf eine angebliche Outperformance kommt. Vielleicht in Euro? Dazu bin ich zu faul, das umzurechnen.

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    • Ein Benchmark ist etwas Subjektives, was jeder für sich selbst festlegen muss. Das kann einem niemand abnehmen.

      Mein Benchmark meiner Einzelaktien-Investitionen ist der Vanguard S&P 500 UCITS ETF, denn dort würde ich mein Geld investieren, wenn ich von Einzelaktien-Investments Abstand nehmen würde.

      Berkshire Hathaway hat in den frühen Jahresberichten den Dow Jones als Benchmark angegeben. Mittlerweile ist man auf den S&P 500 umgeschwenkt.

      Herr Müller hat sich laut deinem Vorredner Sacha für einen gleichgewichteten MSCI World Value in Euro entschieden. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass dies auch der Benchmark all derer ist, die in den Müller-Fonds investieren.

      Wenn sich ein Müller-Fonds-Anleger sagt: „Es gibt für mich nur zwei Optionen: Entweder ich investiere in den Müller-Fonds oder ich stecke das Geld in mein Kopfkissen“, dann ist das Kopfkissen der Benchmark. Und wie mein Beitrag gezeigt hat, hat das Kopfkissen bisher gewonnen, denn in den 0,27% pro Jahr ist der Ausgabeaufschlag von 4% noch nicht berücksichtigt. Diesen Aufschlag verlangt das Kopfkissen nicht.

      In meinem Beitrag habe ich mich für einen Vergleich mit dem iShares Core MSCI World UCITS ETF entschieden, weil ich glaube dass das für die Mehrheit meiner Leser ein vernünftiger Benchmark ist. Hätte ich den Beitrag nicht für euch, sondern für mich allein verfasst, dann hätte ich natürlich meine eigenen Investitionen als Benchmark verwendet.

      Lange Rede, kurzer Sinn: Müllers Benchmark-Entscheidung ist für uns irrelevant.

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  7. Sorry, kann im Interview nichts arrogantes oder selbstherrliches finden.
    Dumm wird hier wohl falsch verstanden. Dumm meint im Video: „keine weitere Intelligenz wird benötigt um nach einer Regel“ – hinter jedem ETF steckt eine solche Regel – investiertes Geld zu investieren. Egal, ob hinter der Regel, die der ETF abbildet, auch zeitweilig „schlechte“ Unternehmen enthalten sind. Das Fondsmanagement entscheidet bei diesem aktiv gemanagten Fonds, aktiv, ob welche Aktien aufgenommen werden. So habe ich das Video verstanden.

    Wenn jemand den Aussagen zum Vergleichsindex nicht glaubt, dann schlage ich vor, die Frage im Forum des Fonds stellen – dort scheint man sehr transparent mit Fragen und Antworten zum Fonds umzugehen.

    Meine 5 cents,

    ~ Markus

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