Die perfekte Portfolio-Struktur

Ich lese immer wieder, dass 90% der Rendite durch die Aufteilung der verschiedenen Anlageklassen in einem Portfolio erklärt wird und lediglich 10% durch die Strukturierung innerhalb einer Anlageklasse – also beispielsweise durch die Auswahl bestimmter Aktien(-ETFs).

Anlageklassen sind z.B. Aktien(-fonds), Anleihen, Immobilien, Edelmetalle und weitere Rohstoffe.

Weiterhin gilt es zu unterscheiden zwischen schwankungsarmer Geldanlage (z.B. Festgeld, Tagesgeld, kurz- bis mittelfristige Staatsanleihen von Staaten höchster Bonität) und schwankungsreicher Anlage (z.B. Aktien, Rohstoffe)

André Kostolany sagte: „Wer gut schlafen will, kauft Anleihen. Wer gut essen will, kauft Aktien“. Ich will aber beides: gut essen und gut schlafen.

Eines vorweg: Die perfekte Portfolio-Struktur für alle Anleger gibt es nicht. Es kommt immer auf die Ziele des einzelnen Anlegers an und darauf, wie er mit Schwankungen des Vermögens zurechtkommt.

Ich bin jedoch zuletzt auf eine Portfolio-Struktur gestoßen, deren Performance mich extrem beeindruckt hat (im „Backtest“ über 75 Jahre), und zwar nicht nur wegen der hohen Rendite, sondern aufgrund eines nahezu perfekten Gleichgewichts zwischen hoher Rendite und geringer Volatilität.

Darin spielen Staatsanleihen eine große Rolle.

Was sind Staatsanleihen?

Kaufe ich eine Staatsanleihe, dann leihe ich dem Staat Geld. Im Gegenzug verpflichtet sich der Staat, mir das Geld am Ende eines vereinbarten Zeitraums zurückzuzahlen. In der Zwischenzeit zahlt mir der Staat Zinsen.

Auch hier gilt, wie so oft: Je höher das Risiko, desto höher die Rendite. Bei griechischen Staatsanleihen mit 25 Jahren Laufzeit ist die Wahrscheinlichkeit höher, sein Geld nicht zurückzubekommen als bei US-Staatsanleihen mit 5-jähriger Laufzeit. Dementsprechend zahlt Griechenland höhere Zinsen.

Staatsanleihen

Anbei die jährlichen Renditen mittelfristiger deutscher Staatsanleihen (RexP) in verschiedenen Zeiträumen. Die Werte sind bereits inflationsbereinigt.
1970-2014: 3,8%
1975-2014: 4,3%
1988-2014: 4,0%
1995-2014: 4,3%
2000-2014: 3,5%
2005-2014: 2,9%
Quelle

Ray Dalio

Die Portfolio-Struktur, die ich euch vorstellen möchte, stammt von Ray Dalio.

Dalio ist der Gründer von Bridgewater – dem größten Hedgefonds der Welt, der Vermögen von mehr als 160 Milliarden Dollar verwaltet. Das verwaltete Vermögen ist so hoch, dass Dalio kein weiteres Geld mehr annimmt.

Um überhaupt in den Genuss seiner Dienste zu kommen, musste man ein Vermögen von mindestens 5 Milliarden Dollar besitzen und eine Anfangsinvestition von mindestens 100 Millionen Dollar tätigen.

Dalio selbst liegt in der Hitliste von Amerikas Superreichen auf Platz 13 mit einem Vermögen von rund 14 Milliarden Dollar.

Im Jahr 2007 warnte er, der Immobilienkredit-Boom würde ein schlechtes Ende nehmen. Später im selben Jahr warnte er die Regierung Bush, viele der größten Banken der Welt befänden sich am Rande der Insolvenz. Im Jahr 2008 – für viele Wettbewerber seines Unternehmens ein Katastrophenjahr – erzielte sein Fonds Pure Alpha einen Wertzuwachs von 9,5% nach Gebühren.

Ray Dalio

Dieser Fonds erzielte von 1991 bis 2014 eine Jahresrendite von 21% (vor Gebühren). Er kann auf 1500 Mitarbeiter und 40 Jahre Börsenerfahrung zurückgreifen.

Doch im Folgenden soll es nicht um eine Portfolio-Struktur gehen, mit der man 21% Rendite pro Jahr erzielen wird, sondern um eine Struktur, bei der das Gleichgewicht zwischen Rendite und Schwankung bzw. Risiko für Privatanleger nahezu perfekt zu sein scheint.

Die Allwetterstrategie

„Die Unbesiegbarkeit liegt in der Verteidigung.“
(Sun Tzu, Die Kunst des Krieges)
 
Das Portfolio, das ich euch gleich vorstellen werde, hat zwischen 1984 und 2013 eine Jahresrendite von 10% erzielt.

Im Jahr 2008, als die Märkte um knapp 40% eingebrochen waren, ist der Wert dieses Portfolios lediglich um knapp 4% gesunken.

Beides zusammen klingt unglaublich? Dachte ich auch.

Diese knapp 4% waren der höchste jährliche Wertrückgang in den 75 Jahren von 1938 bis 2013.

Das ist ein Grund dafür, dass Dalios Beobachtungen und Kommentare sowie seine täglichen Berichte von den mächtigsten Persönlichkeiten der Finanzwelt, den Präsidenten der großen Zentralbanken und sogar vom Präsidenten der Vereinigten Staaten gelesen werden. Die größten Investoren der Welt – von großen Pensionsfonds über ausländischen Staatsfonds bis hin zu einigen der reichsten Privatpersonen – vertrauen Dalio ihr Geld an.

Laut Dalio gibt es nur 4 Ereignisse, die die Preise von Vermögenswerten bewegen:

  • Inflation
  • Deflation
  • Wirtschaftswachstum
  • Wirtschaftsstagnation oder –rückgang

Bei Aktien und Anleihen sind die Erwartungen an die Zukunft immer eingepreist. Es können also 4 Wirtschaftslagen auftreten, auf die man mit seinem Portfolio vorbereitet sein sollte:

  • Inflation und Wirtschaftswachstum fallen höher als erwartet aus.
  • Inflation und Wirtschaftswachstum fallen geringer als erwartet aus.
  • Inflation fällt höher als erwartet aus, Wirtschaftswachstum geringer als erwartet.
  • Inflation fällt geringer als erwartet aus, Wirtschaftswachstum höher als erwartet.

Die 4 Wirtschaftslagen nennt er Jahreszeiten, deshalb: Allwetterstrategie.

Laut Dalio muss man sein Risiko gleichmäßig auf jede dieser 4 Wirtschaftslagen verteilen, denn niemand weiß genau, wann welche dieser Lagen eintrifft. Er sagt: „Ich weiß, dass es gute und schlechte Rahmenbedingungen für jede Anlageklasse gibt. Und ich weiß, dass die Rahmenbedingungen für jede dieser Anlageklassen einmal im Leben katastrophal sind.“

Dalio nennt im Interview mit Tony Robbins eine Portfolio-Struktur, die er weder für perfekt noch exakt hält, doch die der durchschnittliche Anleger umsetzen kann.

(Trommelwirbel)

30% in einem Aktienindex
15% in mittelfristige (US-)Staatsanleihen
40% in langfristige (US-)Staatsanleihen
7,5% Gold
7,5% weitere Rohstoffe

Die Probe aufs Exempel (mit S&P 500 als Aktienindex)

Bei einem Backtest erzielte diese Aufteilung in den 30 Jahren von 1984 bis 2013 eine Jahresrendite von knapp 10% nach Gebühren. Gebühren für eine jährliche Umverteilung (Wiederherstellung der ursprünglichen Aufteilung) sind dabei bereits berücksichtigt.

Testing. Keyboard

Nur 4 der 30 Jahre waren Verlustjahre, wobei der durchschnittliche Verlust dieser 4 Jahre lediglich bei knapp 2% liegt, mit dem schlechtesten Wert in 2008 mit knapp 4%. In diesem Jahr war der S&P 500 übrigens um 37% eingebrochen.

Mit einer Standardabweichung von knapp 8% waren die Wertschwankungen im Vergleich zum S&P 500 sehr gering.

Geht man noch weiter zurück, nämlich 75 Jahre ausgehend von 2013, so bleibt es beim schlechtesten Jahr 2008 mit knapp 4% Wertrückgang. Unglaublich!

Viele Kritiker wenden ein, wer eine hohe Risikotoleranz und damit eine höhere Aktienquote besitzt, könnte die Allwetterstrategie womöglich sogar schlagen. Und da haben sie Recht. Allerdings geht es bei dieser Strategie nicht darum, die Märkte zu schlagen, sondern die Volatilität und die damit einhergehenden Risiken soweit wie möglich zu senken und gleichzeitig eine hohe Rendite zu erzielen.

Für Anleger, die nicht mehr als ein paar Prozentpunkte an Wertrückgang aushalten, scheint es eine hervorragende Aufteilung zu sein und lässt sich kostengünstig mit nur 5 ETFs erstellen.

Die Informationen über Ray Dalio und seine Allwetterstrategie stammen aus dem hervorragenden Buch „Money“ von Tony Robbins, das ich jedem wärmstens ans Herz lege.
 
Money Tony Robbins

Vergleich mit dem „Weltportfolio“ von Gerd Kommer

Gerd Kommer beschreibt in seinem Buch „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“ ein Portfolio, das er als Weltportfolio bezeichnet. In deutschen Finanzblogs ist dieses Portfolio sehr viel bekannter als Ray Dalios Allwetter-Portfolio.

Sehen wir  uns an, wie Kommers Weltportfolio abschneidet (bei einer 60:40 Aufteilung von schwankungsreich zu schwankungsarm). Die Angaben sind inflationsbereinigt und die Werte sind über Euro- bzw. DM-Kurse berechnet.

Rendite 1975-2014: 8%
Rendite 1988-2014: 7%
Verlust im schlechtesten Jahr: 24%
Standardabweichung Jahresrendite 1988-2014: 13%

Aufteilung:
40% kurzfristige Staatsanleihen
6% Rohstoffe
6% Immobilienaktien global
15% Aktien Schwellenländer global (large, mid, small)
16,5% Aktien Industrieländer global (large value)
16,5% Aktien Industrieländer global (small)
(jeweils 40% Nordamerika, 44% Westeuropa, 16% Pazifik)

Quelle

Abschließend

Wie ich eingangs schrieb: Das perfekte Portfolio für alle Anleger gibt es nicht. Werde dir im Klaren über deine Ziele und dein Risikoprofil und stelle dir dann ein Portfolio zusammen, das für dich perfekt ist.

You

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30 Gedanken zu „Die perfekte Portfolio-Struktur

  1. Hey,
    als ich das Buch gelesen hatte dachte ich immer das kann doch nicht sein. Aber irgendwie scheint es doch zu passen. Kein Wunder, wenn man fast keine Verluste macht.

    Ich bin für nächste Jahr, wenn ich richtig mit dem investieren beginne, noch etwas gespalten. Zum einem denke ich mit Aktien muss es doch besser gehen. Aber beweisen kann man das ja nicht.

    Daher werde ich vielleicht wirklich so ein Portfolio aufbauen.

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  2. Hallo Stefan,

    das schöne an diesen „All Weather“-, „All Season“-, Permanent-, oderWieSieAuchImmerHeißen-Portfolios ist ja, dass sie irgendwie alle zu sehr ähnlichen Ergebnissen führen. Meb Faber hat sich ja mal die Mühe gemacht und unter anderem die Portfolios von Ray Dalio, William Bernstein, Harry Browne, David Swensen mit einem 60/40-Portfolio verglichen. Das erstaunliche und für den Kleinanleger beruhigende ist: Im Endeffekt sind die Unterschiede klein.
    http://mebfaber.com/2013/07/31/asset-allocation-strategies-2/ und der Nachtrag
    http://mebfaber.com/2014/10/24/the-all-seasons-portfolio-aka-the-tony-robbins-portfolio/
    zeigen das ganz schön.
    Die Wachstumsrate lag bei allen um 9-10% und die Standardabweichung zwischen 6,5% und 12%. Das Dalio’sche Portfolio ist tatsächlich bemerkenswert, wenn es um den maximalen Wertrückgang geht. Man sieht: Viele Wege führen nach Rom.

    Liebe Grüße
    Dummerchen

    Gefällt 1 Person

    • Da muss ich doch mal glatt fragen: umso höher der Verlust, um höher muss doch auch wieder der Gewinn sein. (z.B. bei 50% Verlust benötigt man ja wieder 200% Gewinn, um bei 0 zu sein.) Hinkt da nicht etwas der Vergleich mit der durchschnittl. Rendite aller Portfolios? D.h. das schwankungsarme von Dalio liefert doch am Ende trotzdem mehr Ertrag, oder?
      Grüße, Benjamin

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      • Hallo Benjamin,
        hast Du Dir die verlinkten Tabellen mal angesehen? Die Wachstumsrate ist beim All-Weather-Portfolio 9,56% und bei den anderen Portfolios zwischen 8,88% und 10,49%. (Die 10,49% wurden mit dem Portfolio erzielt, das die größte Standardabweichung hatte, also die stärksten Schwankungen.)
        Ein schwankungsarmes Portfolio liefert nicht automatisch höhere Erträge, bloß weil es weniger starke Schwankungen aufholen muss. Die geringeren Rückgänge kommen ja vor allem daher, dass man Assetklassen mit im Depot hat, die einen geringeren Rendite-Turbo haben (um es mal flapsig auszudrücken). Die brechen dann zwar nicht so stark ein, performen aber auch nicht so doll.
        Eines der schwankungsärmsten Portfolios wäre ja eine 100%-Tagesgeld-Variante. Damit wird man ggü. der Inflation langfristig eine Rendite von knapp über 0% haben. 😦
        Ein 100%-Aktien-Portfolio geht die Börsenschwankungen voll mit, hat aber auch eine deutlich höhere langfristige Rendite (zumindest über längere Zeitspannen innerhalb der letzten 200 Jahre).
        Irgendwo zwischen diesen beiden Extremen mischt sich daher jeder Anleger sein eigenes Süppchen, reduziert damit die Schwankungen durch geschickte Mischung der Asset-Klassen aufgrund unterschiedlichem Verhalten in verschiedenen Marktphasen und hofft, dass die Werte aus der Vergangenheit auch für die Zukunft ähnliche Ergebnisse liefern.
        Idealerweise schreibt man dann ein Buch über das Thema, baut irgendwo den Begriff „Heiliger Gral gefunden“ ein und hofft auf gute Verkaufszahlen.
        Ich finde es, wie erwähnt, ganz beruhigend zu sehen, dass sehr unterschiedliche Mischungen gerade mal rund 1,5% auseinander lagen. Und welche dieser Mischungen für die nächsten 30 Jahre die beste sein wird, wird man erst dann sehen – ich glaube nicht, dass man das heute auch nur ahnen kann.
        Liebe Grüße
        Dummerchen

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        • Hallo,

          ja, ich habe mir die Tabelle angeschaut. Ist beruhigend zu sehen, dass sich die Portfolios über lange Zeit so gleichen. Da muss ich gleich noch was zu fragen: Wenn die Portfolios über längere Zeit ähnliche Rendite bringen, dann kann ich doch gleich in ein schwankungsärmeres Portfoio á la Dalio investieren. Oder sehe ich das falsch?
          Mehr Rendite gibt’s ja dann auch nicht in den anderen vorgestellten Portfolios, sondern nur mehr Schwankungen, oder? Es sei denn ich gehe nur in Aktien und habe viiiiiiieeel Zeit.

          Grüße, Benjamin

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          • „Mehr Rendite gibt’s ja dann auch nicht in den anderen vorgestellten Portfolios, sondern nur mehr Schwankungen, oder?“

            Gab es. Das sind Betrachtungen der Vergangenheit. Wie die Zukunft aussehen wird, weiß kein Mensch. Du klingst so, als würdest Du glauben, dass diese Zahlen in Stein gemeißelt und auf die Zukunft prognostizierbar wären.
            Mehr Rendite gab es übrigens schon – bis zu 1,5%, aber das hast Du ja in den Tabellen gesehen.

            Für mich wäre das Portfolio nichts, aber jeder hat andere Ziele, eine andere Risikobereitschaft usw. usf.

            (Ich investiere z.B. nicht in Rohstoffe und in Gold schon zweimal nicht. Auch erscheinen mir 55% Anleihen für mich zu konservativ. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld damit auch nur halbwegs eine annehmbare Rendite erreichen will.)

            Aber wie gesagt, jeder hat da andere Vorstellungen und Wünsche. Wenn Dir die Assets zusagen, passt das vielleicht für Dich.

            Liebe Grüße
            Dummerchen

            Gefällt mir

            • Hi,
              danke für deine weitere Antwort.
              Natürlich kenne auch ich die Zukunft nicht, aber man will ja gerüstet sein. 🙂
              Und da ich bei dem Thema noch neu bin, taucht die ein oder andere Frage auf.
              Zum Thema Zinsen und Anleihen – ist es nicht gerade so, dass Anleihen interessant werden, wenn Zinsen fallen/niedrig sind? Das Problem ist doch erst, wenn die Zinsen wieder steigen. Dann wird es problematisch mit den bestehenden Anleihen.

              Grüße, Benjamin

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              • „Zum Thema Zinsen und Anleihen – ist es nicht gerade so, dass Anleihen interessant werden, wenn Zinsen fallen/niedrig sind? Das Problem ist doch erst, wenn die Zinsen wieder steigen. Dann wird es problematisch mit den bestehenden Anleihen.“

                Das hast du halb richtig verstanden. Gewinne können bei Anleihen auf zwei Arten erzielt werden:
                1. Der Zins (Kupon) wird regelmäßig (meist jährlich) an den Gläubiger gezahlt. Das ist das gleiche Prinzip wie bei einem Festgeld. Sind die Zinsen (wie im Moment) im Keller gibt es also hier nicht viel zu holen. Natürlich hängt der Zins davon ab, wie gut das Rating des Schuldners ist. Argentinien muss deutlich höhere Zinsen anbieten, um einen Gläubiger zu finden als Deutschland.
                2. Über Kursgewinne. Kauft man eine Anleihe zum Beispiel zum Preis von 100 Euro mit einem Zins von 2% und einer Restlaufzeit von 5 Jahren, so erhält man somit insgesamt 10 Euro Zinsen in dieser Zeitspanne. Sinkt nun das allgemeine Zinsniveau und man erhält neue Anleihen mit gleicher 5-Jahreslaufzeit nur noch mit einem Zins von 1,5%, so werden die alten Anleihen im Vergleich attraktiver. Man würde ja für die neuen Anleihen nur noch 5×1,50 Euro, also 7,50 Euro erhalten. Also steigt die alte 2%-Anleihe um einen Wert bzw. Kurs von 2,50 also auf 102,50 an. Man erhält beim Verkauf also Kursgewinne.
                Der umgekehrte Fall tritt ein, wenn das Zinsniveau steigt. Dann werden alte Anleihen unattraktiver und fallen im Kurs.

                Ergo: wenn der Zins „sicherer“ Anleihen bei etwa 0% steht, erhält man keine Zinsen und hat im Moment steigender Zinsen zudem einen fallenden Kurs. (Der Kurs steigt bis zur Endfälligkeit wieder auf 100 an – warum kannst du dir sicher denken – falls es sich allerdings um einen Anleihen-ETF handelt, der die Anleihen nicht bis zur Endfälligkeit hält, macht man Verluste. Anleihen-ETFs mit bestimmten Restlaufzeiten wie „2 Jahre bis 6 Monate“ sind nicht gerade eine Seltenheit.)
                Das sollte man bei der Auswahl von Anleihen-ETFs unbedingt beachten. (Anleihen sind komplizierter als man gemeinhin denkt.)
                Liebe Grüße
                Dummerchen

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      • Hallo Benjamin,

        nach einem Rückgang von 50% benötigt man anschließend eine Steigerung von 100%, um wieder am Ausgangspunkt zu landen.

        Zu deiner Frage:
        Es kommt unter anderem darauf an, ob man die Jahresrendite arithmetisch oder geometrisch berechnet. Arithmetisch bedeutet: Mittelwert der einzelnen Jahre. Geometrisch bedeutet: jährliches Wachstum (mit konstanter Rate), um von Punkt 1 zu Punkt 2 zu gelangen – was zwischen diesen Punkten passiert, interessiert nicht.
        Geometrisch wären es in deinem Beispiel 0% pro Jahr, arithmetisch 25% pro Jahr.
        99% derer, die ich kenne, berechnen Aktienkursentwicklungen geometrisch und so mache ich das auch.

        Oder bin ich 8 Monate nach Veröffentlichung des Beitrags zu weit vom Thema entfernt, um deine Frage richtig zu verstehen?

        Viele Grüße, Stefan

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        • Hallo Stefan,

          da hast du Recht. Ich habe mich kräftig verrechnet. 🙂
          Mit geometrischem und arithmetischem Wachstum habe ich mich noch nicht beschäftigt. Das sollte ich wohl mal machen.

          Danke und Grüße,

          Benjamin

          Gefällt mir

  3. Klasse! Danke für die Links!

    Über Anleihen muss ich noch weit mehr Informationen sammeln, bevor ich einen Anleihen-ETF kaufe.

    Momentan fühle ich mich mit meinen 2 Anlageklassen Tagesgeld und Industrieländeraktien pudelwohl.

    Doch wer 2008 noch nicht am Aktienmarkt investiert warm, kann sein Risikoprofil nicht exakt einschätzen. Wenn der Wert unserer Aktien um 50% sinkt, kann ich mir gut vorstellen, dass unsere schweißnassen, zitternden Finger dicht über dem Verkaufsknopf schweben – egal ob Aktien nun 30% oder 60% vom Portfolio ausmachen. Dazu werden die Medien leider einen Großteil beitragen. Ich bin gespannt, was dann in den Blogs los sein wird.

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    • Hallo Stefan,
      ja die vermeintlich so einfachen Anleihen sind mitunter gar nicht so einfach zu verstehen. Im „Der Finanzwesir rockt“-Podcast gab es schon eine ganz nette Folge zu dem Thema.
      Ich mache ja zur Zeit einen weiten Bogen um Anleihen, insbesondere Staatsanleihen höchster Bonität und bleibe lieber bei Festgeld und Tagesgeld. Die grundlegenden Prinzipien zwischen Kurs und Zins muss man halt einmal verstanden haben, aber das sollte Dir nicht schwer fallen. Das Problem ist halt, dass die sinkenden Zinsen die Kurse in den letzten Jahren immer noch gestützt haben – das ist in der Zukunft nicht mehr zu erwarten.

      Ich bin auch schon total auf den nächsten Crash und seine Auswirkungen gespannt. Ich habe zwar auch schon die letzten beiden 2001 und 2008 miterlebt, aber das Vermögen ist heute natürlich auch schon wieder deutlich gewachsen. Ich bin aber ganz zuversichtlich, dass all diejenigen, die sich vorher Gedanken gemacht haben, eher nicht panisch werden. In den Blogs werden auf jeden Fall all die „Ich habe es doch schon immer gewusst – Aktien sind böse!“-Rufer auftauchen und ihre Sicht der Welt erklären. Das kann heiter werden – einfach mal Spiegel-Online-Kommentare zu Börsenmeldungen lesen 😉

      LG
      Dummerchen

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  4. Erstmal ein grosses Lob für Deinen Blog!
    Ich frage mich ob das auch mit europäischen Anlagen so möglich wäre. Bin auf der Suche nach einem Anleihen – ETF, aber ob auf Euro / USD oder CHF bin ich nicht so schlüssig, finde ich schwierig, zumal ich ja in der Schweiz lebe und nicht nur das Risiko sinkender Zinsen habe sondern auch das Fremdwährungsrisiko beachten muss.
    Allerdings finde ich dass ein Teil des Portfolios durchaus in Anleihen angelegt sein soll.

    LG
    Annabella

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Annabella,
      die US-Autoren neigen dazu, ihre Portfolios mit einer US-Brille zu betrachten. Da die USA in den großen Indizes wie MSCI World oder MSCI ACWI, in denen alle entwickelten Wirtschaftsnationen enthalten sind, ein Gewicht von rund 50% ausmachen, kann man ihnen die Sichtweise nicht verübeln. Für Deutschland oder die Schweiz lässt sich das auf jeden Fall nicht so verallgemeinern. Da halte ich ein breite Aktienstreuung schon für sehr wichtig.
      Da Du aber gerade von Anleihen sprichst – dort würde ich versuchen, Fremdwährungsrisiken zu vermeiden. Während der Aktienanteil ja eher der Renditeturbo sein soll, sollen Anleihen das Portfolio eher stabilisieren. Der Finanzblogger „Finanzwesir“ spricht von der „Petrus“-Komponente (auf dessen Fels alles erbaut werden soll). Daher würde ich an Deiner Stelle nur auf CHF-Anleihen setzen. Allerdings sind die Renditen von CHF-Staatsanleihen wie in Deutschland im Keller:
      http://de.investing.com/rates-bonds/switzerland-government-bonds
      Positive Renditen (von 0,045% – Wow!) gibt es z.Z. erst bei 20-jährigen Anleihen. Erschwerend kommt das Risiko STEIGENDER Zinsen hinzu. Kaufst Du nämlich heute eine Anleihe und die Zinsen steigen wieder leicht an, so sinken die Kurse der von dir gekauften Anleihe. Sie wird für den Markt weniger attraktiv. Nur wenn Du sie bis zur Endfälligkeit hältst (also 20 Jahre), wird der Kurs wieder auf den Grundwert ansteigen.
      Jedem deutschen Anleger würde ich daher zu Festgeldanlagen anstelle von Anleihen raten. Die bringen zwar auch nur 1-2%p.a., aber die Inflation gleicht das halbwegs aus. Ich kenne die Schweizer Bankenlandschaft nicht, befürchte aber dort ein ähnliches Trauerspiel. Ich fürchte, man muss in diesen sauren Apfel beißen – auch in vergangenen Zeiten konnte man mit Bankprodukten (Tagesgeld/Festgeld) keine großen Gewinne erzielen – insbesondere nach Abzug der Inflation.

      Hilft Dir das weiter?

      Liebe Grüße
      Dummerchen

      Gefällt 1 Person

      • hallo Dummerchen,
        vielen Dank für Deine ausführliche Antwort, meine Aktienanlagen finde ich wesentlich einfacher als die Anlage in Anleihen (ETF’s), ich stimme Dir völlig zu dass ich hier eher auf CHF-Anleihen setzen werde, für sichere sog. Kassenobligationen bekomme ich für Laufzeit 4 Jahre 0.4%, allerdings können die Titel nicht vor Ablauf der 4 Jahre gekündigt werden.
        Spannend fände ich noch so einen Global Aggregate Fund als Beimischung, mein Portfolio besteht zu 75% aus Aktien (Einzeltitel des SMI sowie ETF’s auf Weltindices, 25% halte ich derzeit cash.
        Bei den Renten-ETF’s fallen ja jährliche Gebühren zwischen mindestens 0.15-0.3% an, dazu teils ordentliche spreads, also auch nicht zu vernachlässigen die Kostenseite.

        Sobald ich etwas mehr Zeit habe werde ich mal so eine Art Dalio Portfolio sozusagen „back-testen“, ob ich einen Gold ETF und Commodities wirklich möchte weiss ich auch nicht, ich bin gespannt was Stefan dazu noch rausfinden wird.
        Auf jeden Fall finde ich es toll dass auch mal dieses Thema der Asset Allocation aufgegriffen wurde, wird meines Erachtens sträflich vernachlässigt in der deutschen bloggerszene, Danke dafür.

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  5. Ich weiß nicht si recht, was ich davon halten soll, wenn ein Guru den Stein des Weisen gefunden zu meinen glaubt. Da scheint mir eine wissenschaftlich einigermaßen abgesicherte Theorie wie die Portfoliotheorie aussichtsreicher. Insgesamt sollte man natürlich unterschiedliche Asetts haben, die möglichst wenig miteinander korrelieren. Das ist ja wohl die Idee der Hedgefonds.
    Der neues Trend scheinen ja Absolut-Return-Fonds zu sein, die unabhängig vom Markt einen positiven Ertrag erzielen sollen.

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  6. Ich denke, dass man bei Anleihen, insbesondere bei Staatsanleihen, alle historischen Vergleiche in die Tonne treten kann, weil es keine Zinsen mehr gibt, zumindest bei den als sicher geltenden Länder.
    Insofern halte ich die Backtests mit seit 30 Jahren sinkenden Zinsen und entsprechenden Kursgewinnen bei Staatsanleihen für nicht wiederholbar, weil die Zinsen bereits bei Null bzw. schon darunter sind. Zudem mussten wir lernen, dass auch Staaten pleite gehen können bzw. gerettet werden mussten.
    Aktien werden weiter steigen, weil sie momentan eine alternativlose Assetklasse sind. Und ob Schwankungsanfälligkeit gleibedeutend mit Risiko ist, ist auch zu hinterfragen; ich meine es ist eher gleichbedeutend mit Chance.

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      • Hallo Stefan,
        ich habe beide Crashs erlebt, nix verkauft und liegengelassen, aber auch nicht nachinvestiert, nach 2007-2009 hat es mich nicht mehr interessiert da andere Dinge mir wichtiger erschienen, ein Fehler den ich jetzt bereue, ich könnte viel weiter sein, sicher fühlt es sich nicht gut an 50% von hart erspartem Geld zu verlieren, aber solange man jung ist und die Möglichkeit hat weiter zu investieren sollte man das tun, ist man schon ein wenig älter so wie ich und ist das Depot schon etwas grösser dann denke ich sollte man tatsächlich nicht mehr 100% in Aktien gehen, es kann Jahre dauern bis die Kurse sich erholen.

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      • Ich bin seit 20 Jahren an der Börse dabei. Anfänglich natürlich mit kleineren Beträgen, inzwischen jedoch mit für meine Verhältnisse erheblichen. Ich habe 20 % Tagesgeld für 0,5 % (sinkt ständig) als CAshreserve und 80 % Aktien. Dein Blog gefällt mir, weil er so schön rational an die Sache herangeht.
        Bei der dot.com-Blase war ich zu paralysiert und habe einfach nichts gemacht, ähnlich 2003. 2008/09 habe ich erheblich gekauft, nicht so sehr wegen des Crashs, sondern wegen der Abgeldungssteuer. Die Kursgewinne der dort gekauften Aktien kann ich steuerfrei realisieren. Und da habe ich mir einige Perlen ins Depot geholt wie BASF, McDonalds, NovoNordisk, Danaher, …, die sich z.T. verfielfacht haben. Das war die Grundlage meines heutigen Depots, von dem ich jetzt leben könnte.
        Inzwischen bin ich abgebrüht und erfahren genug, um nur noch bei Krisenszenarien nachzukaufen. Wenn in der ARD ein Brennpunkt läuft wegen Weltuntergang, dann kaufe ich Aktien von meiner Watchliste.

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  7. Es ist wie mit jeder anderen Aktienstratekie auch. Das wichtigste ist der lange Atem. Wenn man sich einmal für eine Aktienstrategie entschieden hat (und es gibt so einige gute), dann sollte man auch dabei bleiben und diese über einen längeren Zeitraum durchziehen.

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  8. Pingback: Literatur-Empfehlungen | Stefans Börsenblog

  9. Am besten das Portfolio zu 100% in Bluechips Aktien mit guten Dividenden halten! Ganz egal, ob man 30 oder 87 Jahre alt ist. Denn nach dem 87 Jahre alten Anleger werden die Aktien seine 25-jährlige Kinder erben. Zu keiner Zeit sollte man die Rendite mit Anleihen oder Gold bremsen und der Fall des Wertes 2000-2003 und 2007-2009 sollte man auch nicht mit Anleihen oder Gold bremsen, denn auch 2000-2003 stiegen die Dividenden und 2016 sind solide Aktien längst über dem Kurs von 2000 oder 2007. Für die Ewigkeit sollte man aber nur Aktien von DAX, Dow Jones, Eurostoxx50 und Stoxx50 wählen. Keine Aktien von MDAX – diese kleinen Firmen werden von China gekauft oder von größeren Unternehmen übernommen.

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