Eindrücke vom Berliner Börsentag

Vorgestern besuchte ich den Berliner Börsentag im Ludwig-Erhard-Haus.

Bereits im vergangenen Jahr war ich auf dieser Anlegermesse zu Gast und meine Erwartungen waren im Vorfeld nicht besonders hoch. Das liegt vor allem daran, wie die Veranstaltung finanziert wird und welche Folgen dies hat.

Eintritt musste ich nicht zahlen. Die Finanzierung erfolgt über die Aussteller, zu denen vor allem Banken und Broker zählen. Und da diese ihr Geld mit dem permanenten Rein und Raus aus dem Aktienmarkt verdienen, steht bei dieser Veranstaltung leider das Trading im Vordergrund und weniger das Kaufen und Liegenlassen.

Ich ging also eher zur Unterhaltung als zur Informationsbeschaffung dorthin.

Bereits im vergangenen Jahr konnte ich nichts dazulernen. Das Highlight waren einige motivierende Sätze, Geld am Aktienmarkt anzulegen. Das im Nachhinein Lustigste (oder Traurigste?) war der Vortrag von German Pellets, die für ihre Unternehmensanleihen warben und ein paar Monate später insolvent waren. Außerdem stellte Alfred Maydorn vor allem Aktien mit unverschämt hohen Bewertungen vor. Dafür sorgte Robert Halver in seiner gewohnten Art für einige Lacher in der abschließenden Podiumsdiskussion.

Aber nun zur Veranstaltung von vorgestern. Hier findet ihr noch einmal das Vortragsprogramm:
http://www.boersentag-berlin.de/programm.html

Der 10-Uhr-Vortrag von Felix Herrmann hat mich schon gereizt – vor allem weil er von der „Aktion pro Aktie“ präsentiert wurde und weil der Herr bei BlackRock arbeitet: der vielleicht mächtigsten Firma der Welt. Allerdings fand zwischen 11 und 14 kein Vortrag statt, der mich ansprach und so erschien ich gerade pünktlich um 14 Uhr zu Stefan Riße, von dem ich mir in 2015 einige Webinare angesehen hatte.

Rocco Gräfe um 12 Uhr ließ ich ebenso aus wie den 10-Uhr-Vortrag von Felix Herrmann. Im Frühjahr/Sommer 2015 habe ich täglich an Gräfes Lippen gehangen. Heute ist Trading längst nichts mehr für mich.

Stefan Riße Berliner Börsentag 2016
Auf dem Foto seht ihr, wie voll es war. Ich kam aufgrund von Verkehrsproblemen erst um 14:08 Uhr an, als der Herr Riße noch mit technischen Problemen kämpfte, und musste im Gang sitzen, was aber völlig in Ordnung war. Nicht auf dem Bild zu sehen: Hinter mir gab es noch 6 bis 10 weitere Reihen und dahinter entschieden sich noch einige, zu stehen. Auch die Eingänge an den Seiten waren prall gefüllt.

Auf dem Foto sieht man bereits die Altersstruktur. Wie erwartet gehörte ich zu den jüngsten 15 Prozent. Wie wir herausfanden, war der jüngste Gast im Raum 17 Jahre jung. Einige Ü65-Teilnehmer gab es auch. Es freut mich, dass die Veranstaltung so gut besucht war und dass das Altersspektrum so hoch war.

Im Vortrag des Herrn Riße ging es um „Die irrationale Logik der Börse – Warum die eigene Psyche viele Anleger zu Verlierern macht“. Da ich im Vorfeld an einigen seiner Webinare teilnahm, waren mir seine interessanten Argumente bestens bekannt.

Wichtigster Punkt: Der eigene Einstiegskurs sollte einem nach dem Kauf egal sein. Die Börse nimmt darauf keine Rücksicht.

Lustigste Sprüche:

„Die Börse ist wie die Stimmung in einer Ehe: Jede Rose ist eine Aufwärtskorrektur im Abwärtstrend.“

„Als ich damals beim Bäcker während der Dotcom-Euphorie Musterportfolios in der BILD-Zeitung sah, habe ich meine Aktien verkauft. Ich wusste: Jetzt geht’s bergab.“

Im Folgenden seht ihr die beeindruckendste Grafik des Vortrags. Leider ist sie nicht so gut zu erkennen. Ich saß ziemlich weit hinten, und mit dem Smartphone zu zoomen ist ein Graus.

Berliner Börsentag 2016
Das Bild zeigt:

1.) Im Sommer 2014, als sich der DAX an einem Tiefpunkt befand, titelte Focus Money: „Sie müssen jetzt alle Aktien verkaufen!“
2.) Dann stieg der DAX in einem halben Jahr von 8.350 auf 12.400 Punkte. Focus Money titelte: „Der DAX kann nicht fallen!“. Börse Online titelte „DAX 20000“.
3.) Als der DAX dann wieder von 12.400 auf 9.660 gefallen war, titelte Focus Money wieder: „Sie sollten alle Aktien verkaufen.“
4.) Von da an ging es wieder rauf auf 11.400, und wieder runter auf 9.300. Focus Money titelte: „Soll ich wirklich alle meine Aktien verkaufen?“. Es ging weiter runter auf 8.700 und wieder rauf auf 10.800.

Immer genau das Gegenteil von dem zu machen, was bei Focus Money auf der Titelseite steht, scheint die perfekte Strategie zu sein 🙂

Mein persönliches Highlight der gesamten Veranstaltung war das Ende von Stefan Rißes Vortrag. Nicht, weil er so schlecht war, sondern weil er etwa 300 Zuhörer aufforderte, aufzustehen und beide Hände an den eigenen Hintern zu halten.

20 Sekunden lang passierte nichts. Ich fragte mich: „Was soll der Mist?“.

Dann sagte Herr Riße: „Damit verdient man Geld an der Börse – indem man mit seinem Hintern auf seinen Aktien sitzen bleibt“. Großartig! Warren Buffett hätte es nicht besser auf den Punkt bringen können.

Anschließend folgte der Vortrag von Joachim Brandmaier: „Jeder Tag ist Kauftag“. Auch hierzu ein Bild.

Joachim Brandmaier Berliner Börsentag 2016

Der Schwabe mit 30-jähriger Börsenerfahrung ist ein lustiger Kauz. Die Gruppe mit der weitesten Anreise (Dänemark) bekam erst mal eine gute Flasche Rotwein von ihm geschenkt.

Er stellte einige Unternehmen/Aktien vor, darunter Beiersdorf, Stryker, Essilor sowie Procter & Gamble. Defensive Aktien. Das gefiel mir. Dass sich die Dame neben mir den Namen „Procter & Gamble“ notierte, brachte mich zum Schmunzeln. Vermutlich hat sie 10 bis 20 Produkte des Unternehmens in ihrem Haushalt.

Der „Lineal-Trick“ des Herrn Brandmaier ist auch nicht übel. Er schaut sich den Kursverlauf einer Aktie für einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren an und legt ein Lineal an – vom Anfang bis zum Ende. Zeigt das Lineal nicht nach rechts oben, kauft er nicht.

Diesen Trick sollte man mal den Daimler-, Allianz- oder Telekom-Aktionären verraten. 😉

Lustigste Sprüche des Herrn Brandmaier:

„Wir Schwaben sagen: Hätt’scht den Hedgefonds nicht gekauft, dann hätt’scht dein Geld noch!“

„In Rezessionen hört man immer den Witz: Wie bekommt man einen Börsianer vom Baum? – Indem man den Strick abschneidet.“

Danach schlenderte ich hauptsächlich zur Belustigung in den Vortrag „So schlagen Sie den Markt: Ansätze aus Wissenschaft und Praxis“. Ich dachte mir schon, dass es mehr um charttechnische und weniger um fundamentale Ansätze gehen würde.

Der Vortragende wollte vor allem das eigene Produkt vermarkten, von dem ich wenig überzeugt war. Es hielt mich also nicht lange auf meinem Stuhl.

Mit den Ausstellern sprach ich nicht. Das reizte mich nicht so wirklich.

Alles in allem war es ein unterhaltsamer Samstagnachmittag im Ludwig-Erhard-Haus.

Es ist toll, dass die Veranstalter und Aussteller es ermöglichen, die Besucher kostenlos auf die Messe zu lassen. Doch ich würde lieber 20 Euro zahlen, wenn dafür der Fokus auf Buy & Hold gelegt werden würde.

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2 Gedanken zu „Eindrücke vom Berliner Börsentag

  1. Klasse Stefan, Danke fürs teilhaben lassen.

    PS, der Brandmaier ist schon eine Nummer, den habe ich mir schon in München und Stuttgart mit seiner Truppe angehört . . . . . . nix, was wir als B&H Anleger nicht schon wüssten aber immer fröhlich und optimistisch. Nebenbei empfiehlt auch er nur Qualitätsaktien zu kaufen und die niemals wieder zu verkaufen.

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