Ryanair und die öffentlich-rechtlichen Medien

Gestern lief ein 60-minütiger Beitrag auf Phoenix, der mich sehr aufgeregt hat. Es ging um die Frage, wie Ryanair es schafft, seine Tickets so günstig anzubieten und trotzdem profitabel zu sein.

Ich hatte mich auf eine objektive Berichterstattung gefreut. Phoenix gehört zu den Öffentlich-Rechtlichen. Wie naiv war ich, einen objektiven Bericht zu erwarten.

Der Beitrag stand exemplarisch für die typische Argumentation der linksgrünen Medien, von der ich mich mehr und mehr abwende.

In jedem Satz des Berichts war im Unterton herauszuhören: Wenn die deutschen Fluggesellschaften es nicht schaffen, profitabel zu arbeiten und gleichzeitig günstige Preise anzubieten, dann muss bei Ryanair irgendetwas Kriminelles vor sich gehen. Insbesondere vor dem Hintergrund der hohen Marge.

Einmal wurde sogar wortwörtlich gesagt: Die Preisdifferenz zwischen Ryanair und bspw. der Lufthansa müsse am Ende irgendjemand bezahlen – entweder die Ryanair-Kunden in Form von geringerer Sicherheit oder die Gesellschaft in Form von geringeren Steuereinnahmen – oder, oder, oder. Das ist die typische Argumentation der linksgrünen Medien. Wie kann ein Unternehmen es wagen, einen Nachsteuergewinn zu erzielen?

Vielen Deutschen ist es am liebsten, wenn Staat, Gewerkschaften und Sozialdemokraten großen Einfluss auf die Unternehmen haben. Dann geht alles fair, ehrlich, transparent und sozial gerecht vonstatten. Wie bei Volkswagen 😉

Aber zurück zum Beitrag.

Der Ryanair-CEO wurde als Clown dargestellt. Als böser Clown, nicht als lustiger. Einer, den es zu verachten gilt.

Was hat er getan?

Ryanair hat von seinen Piloten gefordert, eine eigene Firma zu gründen, von der aus sie dann ihre Dienste Ryanair anbieten, und zwar über eine weitere zwischengeschaltete Firma.

Dadurch spart Ryanair eine Menge Geld.

Ein Pilot jammerte über diese Praktiken. Es hat nur noch gefehlt, dass ihm eine Träne über das Gesicht läuft. Er wurde als armer Pilot dargestellt, der den kriminellen Machenschaften seiner Firma schutzlos ausgeliefert war.

Mit 70.000 Euro hatte er sich für seine Ausbildung verschuldet. Eine Absage an Ryanair kam für ihn somit nicht infrage, wie es hieß. Er war „gezwungen“, dort anzufangen.

Übrigens: Die Frage, wie viel Geld es die Steuerzahler gekostet hat, dass die Staatsanwaltschaften jahrelang gegen Ryanair ermittelten, wurde selbstverständlich nicht gestellt.

Ich sehe das folgendermaßen:

  1. Es ist Ryanairs gutes Recht, ja sogar seine Pflicht (gegenüber den Eigentümern, Mitarbeitern und Kunden), nach Möglichkeiten (nennt es von mir aus „Schlupflöcher“) zu suchen, um seine Kosten zu senken und somit den Kunden bessere Qualität/Preise bieten zu können, den Mitarbeitern bessere Arbeitsbedingungen und den Eigentümern höhere Profite. Ryanair-Miteigentümer kann übrigens jeder von uns werden – per Mausklick.
  2. In einer freien/sozialen Marktwirtschaft habe ich gottseidank die Möglichkeit, meinen Arbeitgeber frei zu wählen. Es gibt mehr als genug Fluggesellschaften, da es zum Glück kein staatliches Flug-Monopol gibt. Würden die Piloten nicht freiwillig mitziehen, würde Ryanair diese Praktiken selbst einstellen. Ohne jahrelange Ermittlungen auf Kosten der Steuerzahler. Wenn meine Noten nicht ausreichen, um bei der Lufthansa anzufangen, dann habe ich eben Pech gehabt und muss mich woanders bewerben. Ich musste auch etwa 110 Bewerbungen schreiben für 3 Einstellungen. Dafür bin ich mit der 110. Bewerbung bei meinem Traum-Unternehmen gelandet.
  3. Die öffentlich-rechtlichen Medien sind die allerletzten, die das Recht haben, sich über die Praktiken anderer Unternehmen zu beklagen. Ryanair zwingt wenigstens niemanden, für ihre Dienste zu bezahlen – ob man sie nutzt oder nicht.

media monkeys

Carlos Gebauer traf den Nagel – Stellung beziehend auf die Medienkritik Donals Trumps – zuletzt auf den Kopf: „Möglicherweise ist es so: Politiker werden alle paar Jahre in Wahlkabinen abgewählt, Presseleute inzwischen täglich, am Kiosk, mit dem Abo-Kündigungsschreiben und mit der Fernbedienung. Die „vierte Gewalt“ hat sich in weiten Teilen selbst entmachtet, weil sie lieber belehren und erziehen wollte als handwerklich saubere Pressearbeit abzuliefern. Nun wird ihr, nicht nur in den USA, die Quittung für diese Schlechtleistung präsentiert. Das ist schmerzhaft, wie jedes schlechte Zeugnis.“

Julian Reichelt erklärte kürzlich in einer TV-Doku, die Leitmedien hätten sich viel zu lange auf dem hohen Ross des Monopolisten ausgeruht. Man wäre wohl zu überzuckert gewesen von den Auflagenhöhen. Die allerdings fallen weiter rapide und verlangen den Medienschaffenden einen schmerzhaften Prozess ab hin zu einer Form von Journalismus, von der man einmal sagen konnte, sie basiere auf alten Idealen wie Unabhängigkeit, Objektivität, Unbestechlichkeit und der Idee, politische Missstände aufzudecken, der Regierung auf die Finger zu schauen, anstatt für sie Propaganda zu machen. (Quelle)

Wie ist eure Meinung?

 

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9 Gedanken zu „Ryanair und die öffentlich-rechtlichen Medien

  1. Das Problem beschränkt sich aber nicht auf die öffentlich rechtlichen, da sind die privaten leider auch nicht besser. Berichterstattung unvoreingenommen, gibt es in meinen Augen nicht mehr.
    Nur das Ergebnis, dass man vor Sendungsbeginn schon eigentlich weiß, wird durch die Wahl des Senders vorgegeben.

    Aber woher soll objektive Berichterstattung auch kommen? Letzten Endes geht es bei allen, wie auch bei uns, ums Geld. Jeder Sender oder jede Zeitung hat seine bestimmte Zielgruppe, die über einen anderen Verlauf der Sendung sicher entrüstet wäre.
    Da ist traurig, gerade in anbetracht dessen, dass durch Rundfunkgebühren, die Beiträge unabhängig sein sollten. Paradoxerweise werden sie es genau dadurch ebenso wenig.

    Schlimm wird es dann, wenn Leute Aussagen in keinsterweise hinterfragen. Und mit dieser Meinung zur Wahlurne gehen.
    Dann kommen nämlich Aussagen wie „Die EZB enteignet Sparer“ raus. Selbst große Finanzseiten untermauern diese Aussage, obwohl sie Blödsinn ist und gerade diese Portale es besser wissen müssten. Aber das ist schwer greifbar, nicht so wie ein Zinssatz und daher nicht für jeden verständlich. Und noch wichtiger: Es bringt keine Leser und Klicks, dass Gegenteil zu behaupten.

    Was bleibt: Hoffen das die Menschen sich bilden und selber Meinungen skeptisch hinterfragen.

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  2. Leider ist die Objektivität des Zuschauers keinen Deut besser als die Berichterstattung selbst.
    Den Sender Phönix nur wegen einer einzigen Sendung als „linksgrün“ zu bezeichnen, spricht Bände.
    Ich nehme den Sender als eine hervorragende Plattform für sachliche Meinungsvielfalt wahr. Mag sein, dass hier eine „linksgrüne“ Meinung zum Zug gekommen ist.

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  3. Sehr schön analysiert! Ryanair macht mehr für die soziale Wohlfahrt und Lebensqualität von Geringverdienern als so manche Regierungsmaßnahme. Aufgrund dieser Firma können Hunderttausende Menschen sich einen Urlaub leisten und die Welt erkunden. Was wäre die Alternative? Flüge nur für diejenigen die es sich leisten können? Für die Elite und Parteikader? Genau das Beispiel Ryanair zeigt wie Kapitalismus funktioniert, nämlich dass Luxusprodukte und -dienstleistungen für Jedermann verfügbar werden. Welche Berufsaussichten hätten die Piloten gehabt, die sich auf eigene Kosten zertifiziert und damit sicher verschuldet haben? Hartz 4? Kellnerjobs? Ist die Alternative besser?

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  4. Pingback: Wie erkennt man Wettbewerbsvorteile und was sind Burggrabenaktien?

  5. Sicherlich sind die (Leit-) Medien nicht perfekt und manchmal auch von dem ein oder anderem etwas voreingenommen.
    Aufgrund einer einzigen Sendung die Objektivität eines ganzen Senders in Frage zu stellen, halte ich für auch nicht objektiv.
    Wieso Trump`s Twitter & Social-Media-Schwachsinn (& der nachweislich überproportional Lügen & Aufmerksamkeitsfalschmeldungen verbreitet) in manchen Blog`s als Quelle von Objektivität, Ehrlichkeit & Wissen herhalten muss… ist auch bemerkenswert. 😉

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  6. Egal wie die Meinung eines Bloggers auch ist. Wenn es Börsenblog heißt, dann fühle ich mich auf so einem Blog unwohl, wenn politisch aufgeladenen Meinungen kolportiert werden.

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  7. Bericht gesehen, von einseitiger Bericht Erstattung kann nicht die Rede sein!
    Freie Marktwirtschaft hin oder her, wenn Ryanair auf Kosten von Sicherheit (Spritmangel) und dabei noch Sozialabgaben auf dubiose Weise spart, ist das frech und asiozal. Sprich es ist ein einseitiges egoistisches Handeln auf Kosten der Allgemeinheit.

    Schade, das du in deinem Blog den Neid auf andere offen beschreiben musst. Das ist recht traurig.

    Ich selbst werde diese Airline nie benutzen. Kann ja jeder handhaben wie er will! Und es gibt genügend andere Airlines die auch günstig sind und dem vermeintlichen Schwächeren das Fliegen ermöglichen.

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