Wenn der Berg ruft (Urlaubsrückblick Tirol)

Ich liebe es, am Meer oder in den Bergen zu sein. In den letzten Jahren zog es mich für den Sommerurlaub eher ans Meer (Schweden, Italien, Kalifornien, New York). Mit einem zweiten Alpen-Urlaub hatte ich schon einige Jahre geliebäugelt – und dieses Jahr war es endlich so weit.

22 Jahre ist es her, dass ich zuletzt in den Alpen war, damals als Elfjähriger mit meinen Eltern. Abgesehen von den Ausflügen mit atemberaubendem Panorama sind mir aus dieser Woche vor allem einige erste Male in Erinnerung geblieben (erstes Händchenhalten, erster Kuss, erster Liebeskummer). Mein Tamagotchi wurde dabei ziemlich vernachlässigt.

Vorgestern kam ich aus Innsbruck zurück, wobei ich in den acht Tagen insgesamt nur etwa vier Stunden in der Stadt verbrachte. Innsbruck hatte ich mir rausgesucht, weil der Flughafen direkt in den Bergen liegt.

Meine vorherigen fünf Urlaube verreiste ich stets in Begleitung. Dieses Jahr musste ich keine Kompromisse eingehen 😉

An- und Abreise gingen problemlos vonstatten. Ich hatte Direktflüge über EasyJet gebucht. Auf dem Flughafen sprang ich direkt in den Mietwagen: einen schwarzen Audi A3 Sportback (später alles zu den Kosten).

 

Unterkunft

Das Sporthotel Igls liegt am Fuße des 2.246 Meter hohen Patscherkofel in einem beschaulichen Dorf mit 2.400 Einwohnern.

Mein erster Eindruck war die Parkplatzsituation. Perfekt! Das Hotel hat etwa 30 eigene Parkplätze und für mich war immer einer frei.

Mein zweiter Eindruck war die sehr, sehr freundliche Dame am Empfang, die mich beim Einchecken mit allen nötigen Informationen und Materialien versorgte. Diese Infos haben letztlich zu meinen beiden schönsten Urlaubserlebnissen geführt, auf die ich allein womöglich nicht gekommen wäre. Dazu später mehr.

Durch meinen 8-tägigen Aufenthalt bekam ich die „Welcome Card Plus“ mit vielen Preisnachlässen für Erlebnisse in der Umgebung sowie der Möglichkeit, zweimal täglich gratis mit dem Bus zu fahren.

Das 4-Sterne-Hotel hat einiges zu bieten: Pool, Whirlpool, Sauna, Solarium, Fitnessraum, Garten, Billard, Balkone mit Bergblick. Vermutlich habe ich noch Dinge übersehen, weil ich so viel unterwegs war. Sekt zur Begrüßung und eine Flasche Wein gab es obendrauf. Ach ja, auch drei Sky Sport Sender hatte ich, aber den Fernseher hab ich die Woche über nur 15 Minuten eingeschaltet, um Roger Federer bei der Arbeit zu beobachten.

Das Frühstück war ein absolutes Highlight. An ein grandioseres Hotelfrühstück kann ich mich nicht erinnern. Das ließ mich jeden morgen aus dem Bett springen.

Das Hotel konnte ich über TUI sehr günstig buchen (36% Ersparnis gegenüber Direktbuchung und 43% Ersparnis gegenüber Booking/Expedia), da TUI einige Zimmer 365 Tage im Jahr bucht, daher sehr günstig an die Zimmer kommt und den Kunden ein großes Stück dieses Kuchens abgibt.

 

Wetter

Tagsüber lagen die Temperaturen im Tal die Woche über bei 19 bis 27 Grad. Nur anderthalb Tage lang gab es tagsüber Regen/Gewitter, einen weiteren Tag lang blieb es dicht bewölkt, ansonsten gab es Sonne satt, nur nachts noch zweimal Regen.

 

Verkehr

913 Kilometer fuhr ich mit dem Audi, dazu zwei Kurzstrecken mit dem Bus. Dieses Jahr war ich ohne Schrittzähler unterwegs (letztes Jahr liefen wir in 8 Tagen in New York etwa 100 Kilometer zu Fuß). Es war auf jeden Fall genug, um am zweiten und dritten Urlaubstag Muskelkater in den Beinen zu bekommen.

Kurios: In Innsbruck habe ich für 1,22 Euro je Liter Super getankt, und in Italien auf der Brenner-Autobahn für unfassbare 1,97 Euro je Liter. (dort auch nur sieben Liter)

Der Audi hat 6,4 Liter Super je 100km geschluckt. Nicht schlecht fürs Hochgebirge.

 

Essen

Kulinarisch erwähnenswert sind vor allem meine fünf abendlichen Besuche im „Landgasthaus Ägidihof“ auf der anderen Straßenseite vom Hotel.

  • Dienstag hatte ich Kalbsschnitzel mit Kartoffelsalat, dazu ein Zillertaler Hefe dunkel, später ein Whiskey Sour.
  • Mittwoch hatte ich Käsespätzle, dazu ein „Skiwasser“ (Himbeer-Soda), später einen Quittenbrand.
  • Freitag hatte ich Rindergulasch mit Semmelknödel, dazu wieder das Skiwasser.
  • Samstag hatte ich Schweineschnitzel mit Kartoffelsalat und das Zillertaler Hefe dunkel.
  • Montag hatte ich nochmal Käsespätzle und einen Orangensaft.

Definitiv eines der besten Restaurants, in denen ich je gewesen bin! Fünfmal perfektes Essen zum fairen Preis mit hervorragendem Service und den Bergen vor der Tür – was will man mehr?

 

Menschen

Egal ob im Hotel, in der Gastronomie oder beim Wandern: Die Österreicher sind sehr freundlich und offen. Unterwegs in der Natur kommt man ständig mit Einheimischen und Touristen ins Gespräch, doch in Erinnerung bleiben mir wohl vor allem die Gespräche mit dem Kellner im erwähnten Ägidihof: ein großer, schlanker, witziger Engländer, der seit elf Jahren in Tirol lebt.

 

Tagesablauf

An einem typischen Tag bin ich 07:30-08:00 Uhr aufgestanden, habe geduscht, 45-60min gefrühstückt, mich fertiggemacht und ins Auto gesetzt, um in eine traumhafte Ecke zu fahren und dort so lange zu wandern, wie mich meine Füße tragen. Wieder zurück, bin ich in Pool oder Whirlpool (je nach Wetter) gehüpft und habe ein wenig die Seele baumeln lassen, bevor es zum Duschen und Abendessen ging und danach je nach Laune nochmal spazieren oder netflixen.

 

Aktivitäten

Ich war unter anderem im Kaunertal, am Piburger See, auf dem Timmelsjoch (2.474m), auf dem Hahntennjoch (1.894m), in Bozen/Italien, auf dem Patscherkofel (2.246m), auf dem Hafelekar (2.334m) sowie in der Innsbrucker Altstadt. Dabei habe ich auf dem Weg zum angesteuerten Ziel unterwegs immer wieder anhalten „müssen“ um zu wandern oder einfach für ein paar schöne Fotos.

Auf drei Highlights möchte ich näher eingehen.

Am zweiten Tag machte ich auf dem Weg zum Timmelsjoch einen geplanten Halt im kleinen Örtchen Habichen, um von dort zum Piburger See zu laufen – ein Geheimtipp, denn die Einheimischen haben große Augen gemacht, als ich berichtete, diesen See von Innsbruck aus angesteuert zu haben. Dabei war er nur 45 Minuten entfernt.

Bei Google waren die Fotos zuvor wirklich klasse und ich dachte mir: Fährst du mit dem Auto so nah wie möglich ran, machst ein paar schöne Fotos am See und weiter geht‘s zum Timmelsjoch. Aber weit gefehlt! Es ging zu Fuß über einen Waldweg, und zwar einige Zeit steil bergauf, sodass ich nach 30 bis 40 Minuten schon schweißgebadet war und am nächsten Morgen mit Muskelkater in den Waden zu kämpfen hatte. An einem Schild nahm ich aus Versehen die falsche Richtung, doch nach mehreren Gesprächen mit anderen Wanderern fand ich schließlich den See – und er war traumhaft schön.

Am sechsten Tag wanderte ich von der Bergstation des Patscherkofel (1.951m) auf den Gipfel (2.246m), trank einen Cappuccino in der Gipfelstube und wanderte auf der anderen Seite wieder runter, wo ich einen riesigen Kaiserschmarrn verputzte. Der 3-stündige Fußmarsch über den Wolken war ein tolles Erlebnis!

Am siebten und letzten vollen Tag vor dem Rückflug wurde das bisherige Highlight – die Tour auf den Patscherkofel – noch einmal übertroffen. Das „Top of Innsbruck“, die Hafelekar-Spitze in 2.334 Metern, ist einer der schönsten Orte, an denen ich je gewesen bin. Dabei war die Entscheidung dafür ganz spontan gegen die Zugspitze ausgefallen.

Von der Talstation in Hungerburg (860m Höhe) aus bin ich über die mittlere Station Seegrube (1.905m Höhe) jeweils mit der Seilbahn (genannt Nordkettenbahn) auf die Bergstation (ca. 2.250m Höhe) gefahren. Man kann an allen drei Orten auch wunderbar anfangen zu wandern.

Von der Bergstation bis zum höchsten Punkt waren es dann nur noch 20 Minuten zu Fuß. Da gibt es allerdings so viel zu sehen, dass ich 4 Stunden dort verbracht habe!

Auf anderen Gipfeln trinkt oder isst man kurz etwas, schaut sich um, schießt ein paar Fotos und dann geht’s wieder runter. Aber die Hafelekar-Spitze ist so vielfältig. Es gibt grüne Ecken, wo man sich auf die Wiese legen kann. Daneben gibt es verschneite Ecken, in denen jetzt Ende Juni noch genug Schnee liegt, dass ein Kind neben mir einen Schneemann gebaut hat. Ein paar Meter weiter laufen Schafe frei herum. In einer anderen Ecke startete ein Paraglider seinen Flug, der uns alle den Atem anhalten ließ. Es gibt dort Wege, auf die ich meine Omas schicken würde, und auf einen anderen Pfad hab ich mich mit Sneakern nicht hingetraut aus Angst vor einem Absturz. Man kommt mit zahlreichen Leuten ins Gespräch oder kann witzige Selfie-Versuche beobachten. Und das alles auf 2.334 Metern mit dem perfekten 360-Grad-Blick auf Innsbruck und die Alpen.

Man muss allerdings auch Glück mit dem Wetter haben, oder anders gesagt: Ist man eine Woche in Tirol, empfehle ich, den Tag mit dem schönsten Wetter für den Hafelekar zu nutzen. Während ich am Vortag auf dem Patscherkofel mit Shirt, Kapuzenpullover und Sommerjacke bekleidet war und fast nur Wolken gesehen habe, konnte man es am Folgetag in ähnlicher Höhe auf dem Hafelekar stundenlang mit T-Shirt aushalten.

 

Was hätte ich lieber anders gemacht und was habe ich bewusst nicht gemacht?

Bei 8 Tagen in Tirol hätte es mir auch gereicht, den Mietwagen nur 5 Tage lang zu haben und nicht die ganze Zeit über, aber hinterher ist man immer schlauer.

Außerdem nicht empfehlen kann ich die Fahrt über die Brenner-Autobahn nach Bozen. Ich stand lange im Stau, zahlte 31 Euro Maut, den mit Abstand höchsten Benzinpreis von dem ich je gehört habe (1.97 Euro je Liter), in Bozen waren die Leute in der Gastronomie unfreundlich, die Pasta schmeckte nicht (in Italien!) und in der Stadt ist auch nicht viel los.

Von Innsbruck aus hätte man noch einige Orte ansteuern können, die ich ausgelassen habe (Zugspitze, Achensee, Walchensee, Neuschwanstein, Chiemsee, Meran, Bodensee, München, Salzburg, Zeller See etc), aber man muss halt Prioritäten setzen 😉

 

Kosten

  • 96 EUR für die Flüge
  • 371 EUR für 7 Übernachtungen, 7x Frühstück, Kurtaxe und das Trinkgeld fürs Zimmermädchen
  • 544 EUR fürs Auto (428€ Miete, 33€ Maut, 5€ Parkgebühren, 78€ Benzin)
  • 210 EUR für Verpflegung (Restaurants, Cafés, Supermärkte)
  • 50 EUR für die Fahrten mit der Seilbahn auf die Bergstationen von Patscherkofel und Hafelekar
  • 30 EUR für die Taxifahrt vom Flughafen nach Hause, da ich bei 36 Grad nicht in den überfüllten Bus steigen wollte mit dem großen Koffer

Damit komme ich auf 1.300 Euro. Das Blöde beim Allein-Reisen (für mich eine Premiere) ist, dass man sich die Kosten für Hotelzimmer und Auto mit niemandem teilen kann, aber der Urlaub war jeden Euro wert und wird mir noch lange in guter Erinnerung bleiben.

 

Video

Wer noch nicht genug hat, kann HIER mein Urlaubsvideo streamen. Dort habe ich kurze Videos und Fotos mit der passenden Musik hinterlegt.

 

 

Ein Gedanke zu „Wenn der Berg ruft (Urlaubsrückblick Tirol)

  1. Super Fotos, Stefan!

    Da werden Erinnerungen an meine Schulskifahrt wach. Das Gebirge am Horizont sieht immer aus wie gemalt. Respekt für deine Wanderleistungen. Da hast du ja ordentlich „gemetert“. Freut mich, dass es dir so gut gefallen hat.

    Irgendwann buchst du mich mal als Urlaubs- und Wandergenosse (der Begriff muß in diesem Kontext erlaubt sein) 😉 .

    Alles Gute und bis bald!

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