Was uns der Staat aus der Tasche zieht

Ich weiß noch, wie wütend ich war, als ich im Geschichtsunterricht hörte, wie vor einigen hundert Jahren die Bauern ein Zehntel ihrer Ernte an ihren Lehnsherren oder die Kirche abgeben mussten – und wie froh, als es darum ging, wie die Bauern all ihren Mut fassten, sich zusammenschlossen und dagegen demonstrierten (trotz Todesangst).

Heute nimmt uns Vater Staat nicht mehr nur 10% weg, sondern selbst bei Normalverdienern über 50%, doch kaum jemand zuckt mit der Wimper. Die Ikea-Generation klebt mit dem Hintern an der Couch.

Max Mustermann lebt in Berlin, ist ledig, Angestellter, 30 Jahre alt, konfessionslos, verdient 45.000 Euro brutto im Jahr und der Zusatzbeitrag seiner Krankenkasse beträgt 1%.

Und hier geht die Trickserei der Politiker bereits los. Sein Arbeitgeber ist nämlich nicht nur bereit, seine Arbeit mit 45.000 Euro im Jahr zu entlohnen wie es in seinem Arbeitsvertrag und auf seiner Gehaltsabrechnung steht, sondern mit 53.741,25 Euro.

Nicht enthalten in dem „normalen Brutto“ ist nämlich der sogenannte „Arbeitgeberanteil“ an den Sozialabgaben.

Ich finde, diese Trickserei ist eine absolute Frechheit! Die Unterteilung in Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil ist völlig willkürlich. Genauso gut könnte ich sagen: 100% davon ist Arbeitgeberanteil. Oder: 100% davon ist Arbeitnehmeranteil.

Das Letztgenannte erscheint mir sogar am Sinnvollsten, denn die Musterfirma AG ist bereit, Max 53.741,25 Euro zu zahlen – völlig unabhängig davon, ob die Sozialabgaben 10% dessen ausmachen oder 70%.

Netto bleiben Max 27.623,49 Euro übrig. Das sind 51,4% von den 53.741,25 Euro.

Rund die Hälfte von Max‘ echtem Brutto reißt sich also der Staat unter den Nagel, um es nach eigenem Belieben zu verteilen (nachdem gigantische Summen im bürokratischen Verteilungsapparat versickert sind).

Und der gefräßige Staat ist noch lange nicht satt. Von den 51,4%, die Max bleiben, zahlt der gute Max ja noch Mehrwertsteuer, KfZ-Steuer, Stromsteuer, Ökosteuer, Tabaksteuer, Versicherungssteuer, Lotteriesteuer, Grunderwerbsteuer, Kapitalertragsteuer, Branntweinsteuer, GEZ-Gebühren und so weiter. Na so ein Glück, dass er aus der Kirche ausgetreten ist, um keine Kirchensteuer zahlen zu müssen!

Wenn wir davon ausgehen, (1.) dass Max 85% seiner Einkünfte für Konsum verwendet (15% spart er und legt es so an, dass es zunächst nicht den Sparer-Pauschbetrag übersteigt), (2.) dass 40% seiner Ausgaben nicht besteuert werden (z.B. Miete) und (3.) dass seine besteuerten Ausgaben mit durchschnittlich 10% besteuert werden (was wohl eher eine Unterschätzung bedeutet), dann kommen wir zu folgendem Ergebnis:

Von den 53.741,25 Euro, die Max‘ Arbeitgeber ihm zahlen möchte (im Volksmund  45.000 Euro brutto) holt sich Vater Staat 27.526,56 Euro. Max bleiben 48,8%. Ich finde das unmenschlich! Scheinbar ist die Würde des Menschen doch nicht so unantastbar.

Einige von euch (vermutlich überproportional viele Beamte) werden nun die Faust ballen und rufen: Ja, aber von den übrigen 51,2% werden ja Straßen und Schulen gebaut, Polizisten, Lehrer und Rentner bezahlt, Kranke und Arbeitslose versorgt, die innere und äußere Sicherheit gewährleistet und so weiter.

Alles richtig. Und doch kommen fast alle Nationen auf der Welt mit (teils deutlich) weniger aus.

Versteht mich nicht falsch: Einige Staatsausgaben würde ich sogar gern erhöhen, zum Beispiel für die Schulen. Außerdem würde ich eine Personalaufstockung und Gehaltserhöhung bei der Polizei um je 30% begrüßen. Einige Fragen stelle ich mir aber schon.

  • Was nützen 36 Mrd. Euro pro Jahr für eine schlecht ausgerüstete Bundeswehr, die nicht mal zu Hilfe kommen darf, wenn der linke Mob Hamburgs Straßen und Geschäfte zum G20-Gipfel in Schutt und Asche legt?
  • Wären echte Reformen und/oder ein Euro-Austritt nicht langfristig besser für die Griechen als die Zahlung von zig Milliarden deutscher Steuergelder, die wir nie wiedersehen? (Übrigens ist das mittlere Nettovermögen der Griechen deutlich höher als das der Deutschen.)
  • Brauchen wir wirklich 180.000 Krankenkassen-Mitarbeiter, um die Arbeit von 160.000 Ärzten zu verwalten?
  • Warum ist die Anzahl der „Verwalter der Arbeitslosigkeit“ in der Bundesagentur für Arbeit und den Jobcentern seit 2005 etwa gleich geblieben, obwohl die Anzahl der Arbeitslosen sich halbierte?
  • Mussten wir so viele Staatsschulden anhäufen, um 20 Mrd. Euro Zinsen pro Jahr zu zahlen?
  • Was für ein unfassbar geiles Unternehmen könnte die Deutsche Bahn nach einer Privatisierung werden?
  • Sind 217.000 Euro, die jemand jährlich bekommt, weil er früher einmal Bundespräsident war, nicht ein bisschen viel?
  • Mussten wir die Zahl der Bundestagsabgeordneten kürzlich von 631 auf 709 erhöhen oder würden vielleicht auch 300 bis 400 reichen?
  • Braucht jeder Bundestagsabgeordnete 12 Mitarbeiter, die vom Steuerzahler mit durchgefüttert werden? (Summiert man Diäten, Kostenpauschale, Reisekosten, Sachleistungen und Mitarbeiterpauschale, dann kostet jeder Bundestagsabgeordnete die Steuerzahler rund 30.000 Euro im Monat)
  • Müssen Abgeordnete solch hohe Pensionsansprüche haben, dass sie nach 2 Legislaturperioden ausgesorgt haben für den Rest ihres Lebens?
  • Wie viele Billionen Euro könnten wir langfristig sparen, wenn wir den Mut der Chilenen aufbringen, von einem umlagefinanzierten Rentensystem auf ein kapitalgedecktes Rentensystem umzustellen?

Die Liste ließe sich nahezu endlos fortsetzen. Was allein die Themen Subventionen, Energiewende, Feinstaub und BER-Flughafen für Potential für weitere Punkte hätten!

Übrigens: Wenn Max einmal 60.000 statt 45.000 Euro brutto verdient, dann bleiben ihm unter den genannten Bedingungen nicht 48,8%, sondern lediglich 46,8%.

 

„Bei 50% Abgaben müssten die Angestellten und Gewerkschaften eigentlich vor dem Finanzamt streiken und nicht vor den Firmen.“ (Werner Bahlsen)

 

„(Staatlich) Erzwungene Solidarität ist keine Solidarität.“ (Titus Gebel)

 

„Deutschland ist das Eichhörnchen der Weltwirtschaft. Es sammelt von früh bis spät Eicheln, um für schlechte Zeiten vorzusorgen, und vergräbt sie dann an Orten, wo es sie nie mehr wiederfindet.“ (Markus Krall)

 

„Stellen Sie sich vor, Sie lebten in einem System, in dem Sie zum Autokauf verpflichtet sind. Allerdings bestimmt einseitig der Verkäufer Modell, Ausstattung, Motorisierung und sogar den Preis! Sie als Käufer müssen seine Wahl in jedem Fall akzeptieren. Abwegig? Ersetzen Sie einfach die Worte «Verkäufer» durch «Regierung» und «Käufer» durch «Staatsbürger», und Sie werden merken, dass Sie sich genau in einem solchen System befinden.“ (Titus Gebel)

 

„Wenn die Benzinpreise weiter stark ansteigen, dann sagen die klugen Leute: Senkt doch einfach die Mineralölsteuer, denn dann sinken die Preise. Das wird aber nie passieren! Stattdessen würde sich eine Regierung folgendes ausdenken: Die Armen bekommen eine Sonderunterstützung. Denen wird etwas ausbezahlt. Da wird es nämlich eine neue Behörde geben, die das verteilen darf. Und der Staat wird mächtiger und hat das Problem vermeintlich gelöst.“ (Titus Gebel)

 

„Bill Bonner erklärte das Grundproblem staatlichen Wirkens wie folgt. Erstens: Nahezu alle Menschen wollen ihren Lebensstandard erhöhen. Zweitens: Sie wollen es auf möglichst einfache Art und Weise erreichen. Man nimmt 100 Euro lieber geschenkt, als 8 Stunden dafür zu arbeiten. Drittens: Der leichteste Weg, seinen Lebensstandard zu erhöhen, ist anderen etwas wegzunehmen. Daher wendeten sich die Menschen an den Staat, denn der Staat ist die einzige Institution, die anderen ungestraft die Früchte ihrer Arbeit wegnehmen darf. Viertens: Nach und nach finden immer mehr gesellschaftliche Gruppen heraus, wie man die Macht des Staates für eigene Zwecke einsetzt. Und schließlich wird für viele der Staat und nicht die wirtschaftliche Aktivität zur Hauptquelle zur Erhöhung des Lebensstandards.“ (Titus Gebel)

 

„Private Unternehmen können immer effizienter arbeiten als Staatsbetriebe, und zwar nicht weil sie klüger oder geschickter sind, sondern weil sie die besseren Anreize haben: nach oben hin Profite und nach unten die Pleite.“ (Titus Gebel)

 

„Wer etwas über echte soziale Gerechtigkeit lernen möchte, der sollte einen Blick in die Geschichte Englands werfen. Die Antwort des Marktes, nicht des Staates, war gegenseitige Hilfe. Anfang 1800 gab es in England etwa 9.000 sogenannte „Friendly Societies“ mit zusammen 700.000 Mitgliedern bei einer Gesamtbevölkerung von damals 9 Millionen. Die (meist armen) Mitglieder schlossen sich freiwillig (!) zusammen und zahlten Geld an diejenigen Mitglieder, die krank wurden oder deren Familienangehörige starben. 1897 hatte die Mitgliedschaft der Tausenden freiwilligen Zusammenschlüsse knapp 5 Millionen erreicht. Als der Staat die Friendly Societies durch eine staatliche Pflichtversicherung ersetzte, hatte die Mitgliederzahl knapp 7 Millionen erreicht und weitere 2 Millionen waren in unregistrierten Vereinen organisiert. Der Staat hatte Angst, dass ihm die Macht entgleitet. Er wollte die Kontrolle über die Arbeiter wiedererlangen.“ (Titus Gebel)

 

„Die Frage ist nicht, ob wir einen Mindestlohn brauchen. Die Frage ist, warum viele Schulabgänger nach mindestens einem Jahrzehnt staatlicher Bildung nur ein paar Euro die Stunde auf dem Arbeitsmarkt wert sind.“

 

Und mein persönlicher Lieblingssatz des Jahres 2017:

„Wäre das Staatsunternehmen „Die Bahn“ nicht solch ein monopolistischer, verwöhnter und subventionsgepuderter Schienenknilch mit angeschlossenen Versorgungsposten für Politik-Darsteller im Abklingbecken, sondern ein im echten Wettbewerb stehender Markt-Konkurrent des innerdeutschen Luftverkehrs, dann gäbe es spätestens seit einigen Wochen Non-Stop-Direktverbindungen, die mit den schnellsten ICE-Zügen von München, Frankfurt und Düsseldorf in Richtung Hauptstadt unter dem Namen „Rail Berlin“ unterwegs wären und ehemalige, enttäuschte Air Berlin Kunden hätten 20 Prozent Rabatt und ein kostenloses Upgrade in die erste Klasse.“ (Roger Letsch)

 

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45 Gedanken zu „Was uns der Staat aus der Tasche zieht

  1. Klasse Beitrag! Das musste mal gesagt werden. 100% Zustimmung! Leider berichten die Medien viel zu selten darüber und Max Mustermann ist politisch uninteressiert. Hauptsache Dschungel Camp und Fußball laufen im TV. Alles andere und vor allem Politik sind sekundär. Sehr schade, wie ich finde. Danke für deinen Artikel.
    Grüße aus den Staaten.
    Michael (ursprünglich aus Magdeburg übrigens)

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