Von Kühen und Kleinanlegern

Es war einmal ein Farmer namens Joe. Joe hatte eine Vorliebe für Kühe mit besonders dicken Eutern. Danach suchte er sein Vieh aus. Je größer der Euter, desto glücklicher war Joe.

Farmer
Joe war egal, wie viel die Kühe fraßen. Ihm war egal, ob sie auf einer saftigen, grünen Wiese standen oder mitten in der Wüste. Verhungerte eine Kuh, so kaufte er eine Neue. Selbstverständlich mit großem Euter.

WüstenkuhHauptsache, die Milch floss in Strömen. Alles andere war ihm egal.

Joe nahm zur Kenntnis, dass die Kühe beim Melken immer etwa ein Viertel der Milch auf den Boden spritzten. Das gute Zeug versickerte im Boden. Doch auch das war ihm egal.

Glaubt ihr, Joe wurde ein reicher Mann?

Nun stellt euch vor, Joe ist Kleinanleger. Die Kühe sind die Unternehmen, in die er investiert. Die Wiese ist die Steigerung der Gewinne. Die Milch sind die Dividenden.

Ich mache es anders als Joe. Ich lasse nicht die Kuh entscheiden, wann und wie viel Milch sie mir gibt. Mir ist auch nicht egal, ob sie etwas zu fressen hat. Und ich suche sie auch nicht danach aus, wie groß ihr Euter ist.

In kaufe nur nimmersatte Qualitätskühe, die ordentlich herumtollen auf endlosen grünen Wiesen. Die Milchproduktion wird zum Selbstläufer.

Glückliche Kühe
Es wird auch die eine oder andere Kuh dabei sein, die keine Milch geben möchte. Die kommt auf den Grill. Ein saftiges Steak ist eben auch was Feines.

Mit anderen Worten: Ich investiere in Geschäftsmodelle.

Warum dieser Artikel?

Ich lese immer wieder Aussagen von Autoren und Lesern anderer Finanzblogs, die etwa so lauten: „Die Kursentwicklung ist mir schnuppe. Ich schaue nur auf die Dividenden“.

Allen, die so denken, wünsche ich viel Erfolg!

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13 Gedanken zu „Von Kühen und Kleinanlegern

  1. Hallo Stefan,

    interessanter Artikel. Für mich als passiven Plain-Vanilla-Indexanleger ist diese Fixierung auf Dividendenausschüttungen noch viel weniger nachvollziehbar. Dabei verteufele ich Dividendenausschüttungen überhaupt nicht, aber das von Dir zitierte Credo „Kurse sind mir egal – mich interessieren nur die Dividenden“ irritiert mich auch jedes mal, wenn ich es in Blogartikeln oder -kommentaren lese.
    Spätestens wenn die Kurse im Keller sind und das Unternehmen die Dividendenzahlung einstellt oder reduziert – ja, das darf das – sind die Kurse dann doch wieder interessant. Und dann sind eben doch beide Komponenten einer Anlage, Dividendenausschüttungen UND Kursgewinne, von Relevanz gewesen, um den Erfolg einer Investition zu messen.
    Nun gibt es ja dann auch noch die Dividendenaristokraten mit ihrer 25-jährigen Serie von Dividendenerhöhungen und diese gelten ja als „Sure bet“, dass man auf die richtigen Unternehmen gesetzt hat. Dass dies natürlich auch immer ein Stuck weit dem Survivorship-Bias geschuldet ist, hat ChrisS in einem Gastartikel (http://finanziell-umdenken.blogspot.de/2015/11/uberlebens-rate-und-turnover-von.html) ganz anschaulich beleuchtet. Wer heute auf eine 25-jährige Dividendenerhöhung zurückblickt, konnte dies vor 25 Jahren schließlich nicht ahnen. Und dem Artikel nach ist auch der sichere Erhalt eines Aristokratenstatus in der bevorstehenden 25-jährigen Zukunft mehr als fraglich.

    Besonders spannend an dem Thema finde ich die „High-Five“-Jubelarien, wenn eine Dividendenausschüttung erfolgt ist und der Gesamtdepotwert doch unverändert geblieben ist. Das muss irgend ein Psycho-Ding sind. Wenn mein ausschüttender ETF im Kurs fällt und die Anzahl der Anteile wegen der Reinvestition ansteigt, hält sich meine Freude doch arg in Grenzen: Die Steuer wurde leider abgezogen und in der Summe habe ich weniger im Depot.

    Liebe Grüße
    Dummerchen

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  2. Ich bin auch so einer, den die Kursentwicklung nicht interessiert.

    Ich schaue aber sehr wohl darauf, dass meine Kühe gutes Futter haben, eine schöne Weide zum Rumtollen kriegen und die Milch nicht daneben geht.

    Warum interessiert mich die Kursentwicklung nicht? Ich möchte von den Dividenden eines Tages einen bestimmten Betrag X im Monat zur Verfügung haben. Ich möchte nicht dem investierten Kapital etwas entnehmen. Wenn ich dieses Ziel erreicht habe, dann ist es doch egal, ob der Buchwert 500k oder 1,5 Mio ist? Wenn jemand ein Mietshaus in guter Lage hat und jeden Monat seine 30 Wohnungen ordentliche Mieteinkünfte bringen, fragt der nach dem Wert oder verkauft er, weil aktuell die Immobilienpreise oben sind? Eher nicht.

    Habe ich das Ziel, einen bestimmten Betrag zu einem festen Zeitpunkt zu haben, dann sind Kursgewinne sehr wohl interessant. Oder plane ich neben den Dividenden einen Kapitalverbrauch, auch dann ist der Depotwert interessant.

    Ich frage mich auch, ob sich eine Frau Klatten Gedanken um den BMW-Kurs macht? Sie bekommt zig Millionen im Jahr Dividende. Spielt es da eine Rolle, ob ihr Aktienpaket aktuell 6 Mrd. oder 8 Mrd. Wert hat?

    Ich denke, es kommt auf das Ziel und die Voraussetzungen an.

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    • Hallo Alexander,

      du weißt sicherlich, dass, wenn du 1.000 Euro an (Brutto-)Dividenden erhältst, dein Depotwert um 1.000 Euro sinkt. 263,75 von den 1.000 Euro fließen an Vater Staat. Dein Vermögen sinkt also um 263,75 Euro.

      Ein Vorschlag: Du richtest morgen zwei Daueraufträge ein. Einen, der monatlich 736,25 Euro (1000 minus 263,75) von deinem Girokonto auf dein Tagesgeldkonto überweist. Und noch einen, der monatlich 263,75 Euro von deinem Girokonto auf MEIN Konto transferiert. Das hätte für dich denselben Effekt.

      Linke Tasche, rechte Tasche, Loch in der Tasche.

      Ohne Kurssteigerung langfristig keine Dividende, denn der Kurs sinkt nach Ausschüttung in Höhe der Dividende. Kurssteigerungen sollten dich also interessieren. Ansonsten laufen deine Aktien alle in Richtung 0 Euro und dann ist auch Schluss mit Dividenden.

      Viele Grüße, Stefan

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      • Hallo Stefan,

        Natürlich sind langfristige Kurssteigerung wichtig, aber ich denke, dass hier ein Kommunikationsproblem vorliegt.
        Ich suche mir zum Beispiel Aktien, die ihre Gewinne stetig steigern, somit die Dividenden erhöhen können. Die Dividenden werden aus dem Gewinn bezahlt.

        Ich glaube ich spreche für viele wenn ich sage: Kurzfristige Kurseinbrüche sind uninteressant, wenn ich nicht gerade nachkaufen will.
        Wenn der Gewinn über Jahrzehnte hinweg gesteigert werden kann, wird auch der Kurs steigen.

        Wenn ich ein Unternehmen gefunden habe, welches die Gewinne immer wieder steigert, und ich meine Dividende erhalte, ist es mir wirklich komplett egal wo der Kurs steht. Von Buchverlusten oder Buchgewinnen habe ich nichts. Ich kaufe lieber nach um mehr Einkommen zu generieren. Wenn die Gewinne passen, wird langfristig auch der Kurs wieder steigen.

        Ich hoffe ich habe dich jetzt nicht auf dem falschen Fuß erwischt 😉

        Schöne Geschichte mit den Kühen!

        mfG Chri

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        • Hallo Christopher,

          ein Fokus auf langfristige Erwirtschaftung und Steigerung der Gewinne ist ja in Ordnung.

          Dabei kann man auf Geschäftsmodell, Marktaussichten, Marktanteil, Markteintrittsbarrieren, Management, Eigenkapitalquote, EBIT-Marge, Eigenkapitalrendite, liquide Mittel, Besitzverhältnisse und vieles mehr schauen.

          Möchte man in gute Unternehmen investieren, kommt man nicht drum herum, dass Dividendenzahler dabei sind. Das eine schließt das andere nicht aus, bedingt es jedoch auch nicht. Ich lege meinen Fokus auf die oben genannten Kriterien. In die vielen Dividendenzahler in meinem Portfolio habe ich nicht wegen der Dividenden investiert, sondern trotz der Dividenden.

          Ich verstehe nicht, warum so viele Dividendeninvestoren ein falsches Bild von Gewinnausschüttungen haben.

          Alexander vergleicht mit einem Hausbesitzer, der Miete erhält.
          Gestern verglich Matthias mit einem Baum, der Früchte abwirft: http://timschaefermedia.com/erst-die-arbeit-dann-die-belohnung/#comment-18468

          Vielleicht liegt es daran, dass Dividenden auf den ersten Blick so aussehen, als wäre der Prozess mit der Zinszahlung einer Bank vergleichbar.

          Der Vergleich mit Mieteinnahmen, Obstbäumen und Zinszahlungen ist aber falsch. Bei Dividenden wird nicht aus dem Nichts Zusätzliches geschaffen. Siehe meine Antwort auf Alexanders Kommentar.

          Natürlich sollte man mit 55 Jahren sein Portfolio anders zusammenstellen als mit 30 Jahren. Nur finde ich es schade, dass so viele erfahrene Dividendenanhänger es verpassen, ihre jungen Leser vernünftig über Dividenden aufzuklären.

          Viele Grüße, Stefan

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          • Hallo Stefan,

            Beziehst du dich vielleicht sogar auf meinen letzten Artikel, in dem ich folgendes geschrieben habe:

            „Du wirst zusehen, wie sich der Preis der Aktie rauf und runter bewegt, und später draufkommen, dass dich das eigentlich gar nicht interessieren muss, weil du ja an den Dividenden verdienen willst.“

            Wenn ja, hast du vielleicht recht, dass ich hier noch klarstellen sollte, dass man nicht stur in irgendwelche Dividendenaktien investiert, sondern sich die relavanten Unternehmenskennzahlen ansieht.

            mfG Christopher

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            • Hi Christopher,

              deinen Beitrag hab ich noch nicht gelesen.

              Fakt ist, wie beschrieben: Eine Dividendenzahlung senkt das Anlegervermögen. Der Verlust kann (!) in den Folgewochen wieder aufgeholt werden. Aber nur durch Kurssteigerungen. Durch nichts anderes.

              Ich wünsche mir, dass Dividendenfans in Blogs nicht so tun, als wäre das nicht der Fall. Ich finde das unverantwortlich gegenüber unerfahreneren Lesern.

              Viele Grüße, Stefan

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              • Hallo Stefan!
                Leider kenne ich mich mit Dividenen und deren Wirkung auf den AKtienkurs nicht gut aus. Deine Beschreibung klingt aber einleuchtend und hat zumindest bei mir zu einem ‚OHA Aufpassen Effekt‘ geführt. Bei wem es das nicht tut, sollte sich zumindest fargen, ob er bei diesem Thema nicht vielleicht vergessen hat, die Scheuklappen abzunehmen.

                Ich werde mir diese Thematik jetzt genau angucken. Danke für diese hoffentlich fundierten Aussagen 😉

                Als erfahrener hochgehebelter Futures Trader, zwickt mich auch noch eine Sache, die anscheinend nicht wenige Dividenstartegien STrategen auf die leichte Schulter nehmen: Buchgewinne/Verluste.

                Kurzfristiges hochgehebeltes Trading ist nicht mit langfristigem ungehebeltem Invetsieren zu vegleichen. Dito. Wer alledrings beim Trading in Buchgewinne/verluste denkt, läuft Gefahr, sein Risiko nicht mehr gut kontrollieren zu können. Nicht selten werden sie genutzt, um sich Positionen schönzureden.

                Und einige behaupten auch, gute Dividendenzahlungen sind grundsätzlich ein Zeichen der Stärke eines Geschäftsmodells. Nun ja. Das kann so sein, aber ein Muss ist das glaub ich auch nicht.

                Ich meine schon gehört zu haben,d ass Firmen billige Kredite aufgenommen haben, nur um die Dividende weiter hochhalten zu können.

                ALso eine gesunde Portion Skepsis ist allemal angebracht.

                Schöne Seite übrigens…

                Gruß
                IF

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      • Der Kursabschlag wird überbewertet. Der dient nur dazu, die Orderbücher zu bereinigen, weil sich Limits sich auf den Kurs vor der Ausschüttung beziehen. Angenommen, der Kurs ist 50 €. Jemand setzt sein Limit bei 49 €. Dann wird Dividende ausgeschüttet, z. B. 2 €. Dann kann ja jemand ganz schlaues herkommen und die Aktien für 49 € am Tag nach der Ausschüttung verkaufen. Das ist aber nicht möglich, weil die alten Ordern automatisch ungültig werden und gleichzeitig wird der Kurs nach unten korrigiert, sodass dadurch niemand übervorteilt werden kann. Mir ist es selber passiert, dass eine meiner Kaufordern am Ex-Tag gestrichen wurde.

        Wenn ein Unternehmen pro Aktie 2 € Dividende ausschüttet, wird der Kurs um 2 € nach unten korrigiert, d.h. der Barwert der Aktie wird um 2 € bereinigt. Der Wert des Unternehmens hat sich dadurch nicht geändert.

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        • Willst du mir erzählen, dass, wenn ein Zahlungsfluss stattfindet von einem Unternehmen auf die privaten Bankkonten seiner Eigentümer sowie auf das „Konto“ von Vater Staat, der Wert dieses Unternehmens nicht in Höhe dieses Zahlungsbetrages sinkt?

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  3. Hallo Stefan,

    sehr schöner Artikel, sehe ich genau so wie du. Das ganze Thema Dividenden ist im Moment total over hyped z.B: „Dividenden sind die neuen Zinsen“ usw. Frag mich ob die ganzen Dividenden Investoren immer noch dabei sein werden wenn die Zinsen eines Tages wieder steigen und das Tagesgeld mehr Geld abwirft als die Dividenden?

    Das einzig gute was ich an dem Thema Dividende im Moment abgewinnen kann, ist die Tatsache dass das wenigstens etwas die deutsche Aktienkultur fördert und das es die Menschen dazu bringt ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. In den USA besitzt jeder zweite Aktien und in D. sind es ca.10 – 15%.

    Und obwohl die Dividende für mich nicht ausschlaggebend ist, habe ich mir diesen Monat Daimler (WKN: 710000) ins Depot geholt. Die Dividenden Rendite liegt im Moment bei 6%. Bei der Kaufentscheidung spielte die Dividende keine Rolle, sondern es war mir wichtig das ich weiß womit das Unternehmen sein Geld verdient (Autos), das ich weiß dass das Unternehmen gutes Geld verdient und das die deutschen Luxuskarossen im Ausland DAS Statussymbol schlechthin sind. Wie du schon gesagt hast, das Unternehmen soll in 20 Jahren immer noch da sein.

    Das aller schlimmste für mich sind jedoch Unternehmen die in die Verlustzone kommen und dann immer noch Dividende zahlen. Das geht mal gar nicht. Dividende aus der Substanz. Das muss man sich mal Vorstellen. Oder Unternehmen deren Dividendenzahlungen größer sind als ihr Gewinn, so wie der „Dividenden Aristokrat“ AT&T dessen Dividendenzahlung 2012 und 2014 größer waren als sein Gewinn. Aber Hauptsache die Dividenden jedes Jahr anheben.

    Sorry das der Kommentar so lang geworden ist, aber es ist halt so ein Emotionales Thema 😉

    LG Bukki

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  4. Hallo Stefan,

    guter Artikel. Warum man nicht stur auf Dividenden schauen sollte, zeigt auch ein aktuelles Beispiel der hiesigen Versorger. Ich sag nur RWE. Vor der Finanzkrise lag der Kurs bei 100 Euro je Aktie, bis 2015 fiel der Kurs unter 10 Euro je Aktie und dümpelt nun in den niederen Gefilden vor sich hin. Wie sich die Dividendenzahlung in diesem Zeitraum entwickelt hat, darf jeder mal selbst gerne nachprüfen. So viel sei gesagt, für 2015 erhalten Stammaktionäre keine mehr. Und dabei galt der Wert als Dividendenpapier schlechthin. Man nannte sie Witwen und Waisen-Papiere. 1/4 der Anteile halten Kommunen und Städte, denen nun Einnahmen in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe im Haushalt fehlen.

    Gruß
    David

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  5. Super Anekdote! Die höchste Dividendenrendite ist eben gar nichts wert, wenn sie keine Nachhaltigkeit besitzt und/oder aus der Substanz bezahlt wird..;-)

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