MSTR Analyse

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34 Beiträge schrieb ich zu Bitcoin seit Mai 2021, aber keinen einzigen über Strategy, ex MicroStrategy. Das möchte ich heute ändern.

Zunächst einige grundlegende Statements.

  • Ich habe mich schätzungsweise 2.000 Stunden mit Bitcoin beschäftigt, was vermutlich nur etwa 10.000 bis 100.000 Menschen von sich behaupten können, d.h. höchstens 0,0012% der Weltbevölkerung.
  • Mit MSTR kommt man dabei zwangsläufig von Zeit zu Zeit in Berührung. Michael Saylor selbst habe ich 50 bis 100 Stunden zugehört.
  • Mit der Software von MSTR arbeite ich seit knapp 12 Jahren. Meine Erfahrung damit ist für die Unternehmensanalyse allerdings irrelevant, da das Softwaregeschäft nur 4-5% des Unternehmenswertes ausmacht.
  • Von den 500 bis 1000 Menschen, die ich über Bitcoin habe sprechen hören, gehört Saylor für mich zu den Top-3, wenn es darum geht, die Vorzüge von Bitcoin zu erklären. Eine absolute Maschine!
  • Unabhängig davon wie man zu Bitcoin und Saylor steht, sollte man den Hut davor ziehen, dass MSTR es geschafft hat, 57 Milliarden Dollar aufzutreiben um sie in Bitcoin zu investieren seit August 2020. Das ganze Unternehmen war damals nur 1,4 Milliarden USD wert.
  • Ich bin nicht in MSTR investiert.

Das MSTR- und Saylor-Konzept lässt sich auf einige simple Punkte herunterbrechen:

Erstens: Wenn die Bitcoin auf der Bilanz den Großteil des Enterprise Value ausmachen, und die Bitcoin je Aktie („BTC Yield“) stetig gesteigert werden, dann wird die Aktie des Unternehmens Bitcoin outperformen (solange es keinen Vertrauensverlust gibt). Und alles was gut für BTC ist, ist automatisch gut für das Unternehmen.

Zweitens: 0,26% des weltweiten Vermögens sind in BTC investiert. Ein sicherer Weg für Bitcoin, weiterhin alle anderen Anlageklassen outzuperformen, wäre, die Halter der übrigen 99,74% zu überzeugen, Teile in BTC umzuschichten – auf direktem oder indirektem Weg.

Das führt zu dem Pfad, den MSTR zuletzt beschritten hat. Anfangs hat man nämlich noch über Kapitalerhöhungen (womit es schwer wird, die Bitcoin je Aktie zu steigern) und (Wandel-)Anleihen (womit es schwer wird, das Geld zurückzuzahlen ohne Bitcoin verkaufen zu müssen) Kapital eingesammelt.

Inzwischen hat man einen besseren Weg gefunden, und zwar die Ausgabe von Preferred Shares. (Anmerkung: Das was man in Deutschland „Vorzugsaktien“ nennt, ist nicht 100% dasselbe, aber belassen wir es heute mal bei dieser Bezeichnung.)

Dazu zählen STRD, STRK, STRF und STRC.

Auf STRC (ausgesprochen „stretch“), die übrigens auch in Deutschland handelbar sind, möchte ich genauer eingehen.

Der Gedanke dahinter ist: Große Teile des etwa 900 Billionen Dollar schweren globalen Vermögens wollen gar nicht zu hohen Renditen und hohen Volatilitäten investiert werden; und es gibt viele Marktteilnehmer die an Bitcoin glauben, aber aufgrund der enormen Volatilität nur sehr geringe Vermögensanteile in BTC halten.

Hier kommt STRC ins Spiel: eine Vorzugsaktie mit einer monatlich ausgeschütteten Dividende von ca. 10%, deren Preis bei 99-101 Dollar gehalten wird. Steigt die Nachfrage und treibt diese den Preis darüber, gibt Strategy neue Aktien aus (Verwässerung) um den Preis zu drücken. Sinkt die Nachfrage und treibt diese den Preis unter $99, wird die Dividende erhöht um Käufer anzulocken.

Ein paar Zahlen dazu:

  • bislang 5 Mrd. USD über STRC eingesammelt
  • aktuell 11,5% Dividende bei STRC
  • 1,08 Mrd. USD Dividendenversprechen für die kommenden 12 Monate (über STRC, STRD, STRK, STRF) stehen 2,25 Mrd. USD Cash und 54,52 Mrd. USD Bitcoin gegenüber
  • etwa 8 Mrd. USD an Schulden aus Wandelanleihen müssen bis 2032 zurückgezahlt werden (MSTR ist sehr gering verschuldet mit einem Net Leverage von 11%)

Volatilität letzte 30 Tage:

  • BTC: 50%
  • MSTR Stammaktien: 70%
  • STRC Vorzugsaktien: 1,5%
  • S&P 500: 24%
  • Gold: 29% (Ausnahmesituation)

Von MSTR zu STRC senkt man also die Volatilität um knapp 98%.

Klar ist: Wer in MSTR oder STRC investiert, muss sowohl an Bitcoin als auch an das Strategy-Management glauben.

Die MSTR-Bitcoin je MSTR-Aktie dürften seit Ende 2020 um über 20% pro Jahr gestiegen sein, wenn ich mich nicht verrechnet habe. Entsprechend hat die MSTR-Aktie auch Bitcoin outperformt, seitdem das Unternehmen Bitcoin kauft.

Sollte das Konzept aufgehen, könnte ich mir vorstellen dass die MSTR-Stammaktie 25-35% pro Jahr über die nächsten 20 Jahre steigen kann.

Doch das Vertrauen in MSTR steht meiner Meinung nach auf wackligeren Beinen als das Vertrauen in Bitcoin.

Sinkt das Vertrauen in MSTR aus irgendeinem Grund, kann dies einen Dominoeffekt auslösen, der das Modell zum Einsturz bringt. (Dasselbe könnte man übrigens über jede Bank sowie über jede Währung auf der Welt sagen.)

Eine Unmenge an Zahlen findet ihr auf https://www.strategy.com/

Persönlich schaue ich mir MSTR und STRC vorerst weiter von der Seitenlinie an.

Unabhängig davon bin ich Michael Saylor unendlich dankbar, denn ich weiß nicht, ob ich den letzten Bitcoin-Bärenmarkt ohne dutzende Stunden Saylor-Videos überstanden hätte.

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