DLocal Limited – ein Mid Cap aus Uruguay

(Lesezeit: 3 Minuten)

Aus irgendeinem Grund werden mir in letzter Zeit regelmäßig südamerikanische Fintech-Unternehmen vorgeschlagen, die sich schnell als so interessant herausstellen, dass ich immer tiefer eintauche.

Zuerst Mercado Pago (via MercadoLibre), dann Nubank (via Nu Holdings), jetzt DLocal Limited.

Aus Zeitmangel wird der heutige Beitrag eher ein Teaser als eine ausführliche Unternehmensanalyse.

Zu den Fakten:

  • Hauptquartier: Montevideo, Uruguay
  • Rechtlicher Sitz: Cayman Islands
  • Börsenlisting: Nasdaq USA
  • Ticker: DLO
  • Gründung: 2016
  • Börsengang: 2021
  • Branche: Fintech
  • Länder: 40+
  • Kunden: 1000+
  • Merchants: 700+
  • Zahlungsmethoden: 900+
  • Mitarbeiter: 1095
  • Umsatz: 1,05 Mrd. USD (dabei Q4 auf Basis von Schätzungen)
  • Marktkapitalisierung: 4,3 Mrd. USD
  • Wachstum Total Payment Volume Q3: 59%
  • Wachstum Umsatz Q3: 52%
  • Wachstum Bruttogewinn Q3: 32%
  • Wachstum Nettogewinn Q3: 93%
  • EBIT-Marge: 19-21%
  • Nettomarge: 16-19%
  • Return on Equity: 26-37%
  • Return on Assets: 11-14%
  • Capex/Umsatz: 3%
  • Return on Invested Capital: 104-114%
  • Normalized ROIC: 41%
  • ROIC 3Y Durchschnitt: 27%
  • WACC: 10-11%
  • Forward KGV: 17 (auf Basis Gewinnprognose 2026)

Kunden von DLocal

Die Liste an Kunden könnte kaum geiler aussehen:

Google, Microsoft, Netflix, Uber, SpaceX, Spotify, Shopify, Booking, Expedia, Tripadvisor, Dropbox, Tencent, Temu, Shein, DiDi etc.

Was macht DLocal?

Stell dir vor, du bist Netflix, und möchtest in ein Schwellenland expandieren. Die Hälfte der Menschen dort hat aber weder ein Bankkonto, noch eine Kreditkarte oder PayPal. Es gibt zahlreiche lokale Zahlungsmethoden (wie etwa PIX in Brasilien, Yape in Peru, M-Pesa in Kenia), von denen du noch nie gehört hast, und die es in (nahezu) keinem anderen Land gibt.

Kämpft du dich monatelang durch Regulierung, Lizenzen und Anbindung?

Nein. Du suchst dir ein Unternehmen wie DLocal, welches das alles hinter sich hat, nutzt deren API, und zahlst ihnen einen kleinen Teil von jeder Transaktion.

Falls alles gut läuft, setzt du im nächsten Schwellenland ebenfalls auf DLocal.

Geografisch sind die Umsätze wie folgt verteilt (Jan-Sep 2025):

  • 23 % Brasilien
  • 13 % Argentinien
  • 13 % Ägypten
  • 11 % Mexiko
  • 27 % Sonst. Lateinamerika
  • 12 % Sonst. Afrika und Asien

Im Schnitt der Top-50-Kunden begleitet DLocal jeden Kunden in 11 Ländern, bei 49 Zahlungsmethoden pro Kunde.

Management

Die Gründer Sergio Fogel und Andrés Bzurovski kontrollieren die Stimmen-Mehrheit und sitzen im Vorstand bzw. Board of Directors.

CEO ist Pedro Arnt, der zuvor viele Jahre CFO von MercadoLibre war. Der Mann weiß, wie man ein Fintech in Südamerika aufbaut.

Kapitalallokation

Der Fokus liegt 10 Jahre nach Gründung natürlich auf dem Ausbau des Geschäfts, aber ähnlich wie Visa/Mastercard sind die Cashflows so enorm, dass man unmöglich 100% sinnvoll reinvestieren kann.

Man hat mit Aktienrückkäufen experimentiert, aber im vergangenen Jahr eingesehen, dass die Handelsvolumen noch so gering sind, dass man damit den Kurs bewegt.

Daher entschied man sich für eine Sonderdividende in 2025, und wird ab diesem Jahr 30% des Free Cashflow ausschütten.

Risiken

Wenn alles so toll ist, warum bewertet der Markt das Unternehmen nur mit einem 17er Forward KGV, und weshalb notiert die Aktie 80 Prozent unter Allzeithoch? Und wieso war der operative Cashflow in 2024 negativ?

1. Schwellenländer unterliegen erheblicher Unsicherheit hinsichtlich Politik, Regulierung, Währung und Wirtschaft.

2. Die Kundenkonzentration ist hoch. Die Top-10-Kunden sorgen für 61% des Umsatzes.

3. Google, Microsoft und andere Kunden sind erheblich größer als DLocal, und verhandeln regelmäßig neu über die Take Rate (den Anteil am Transaktionsvolumen, den DLocal einstreichen darf).

4. Auch wenn die Umsätze und Gewinne von DLocal noch sehr gering sind, so werden internationale Player wie Stripe, Adyen oder PayPal ein Auge auf die Märkte werfen, in denen DLocal aktiv ist. Sollten die ernst machen, dann wird es gefährlich.

5. Wenn DLocal einen neuen Markt betritt, fallen zuerst hohe Kosten an.

6. Das Handelsvolumen der Aktie ist ziemlich gering, d.h. eine große Anzahl an Spielern kann den Kurs manipulieren.

Fazit

Die Kundenliste, die Profitabilität sowie das Verhältnis von Wachstum zu Bewertung sehen hervorragend aus.

Außerdem ist das Unternehmen noch weitgehend unbekannt. Ich habe keinen deutschsprachingen Blogbeitrag und kein deutschsprachiges Video zu DLocal gefunden.

Allerdings unterliegt ein Investment in DLO erheblichen Risiken.

Weitere Infos findet ihr hier:

5 Gedanken zu „DLocal Limited – ein Mid Cap aus Uruguay

  1. Man müsste sich mal die Entwicklung der Kundenliste genauer ansehen.

    Amazon wird auf der Webseite aufgeführt, aber nicht in der Unternehmenspräsentation vom November.

    Meta wurde in einem Podcast als Kunde genannt, aber dazu steht weder etwas auf der Webseite, noch in der aktuellen Präsentation. Dasselbe bei Nike.

    (Daher habe ich Amazon, Meta, Nike auch im Beitrag nicht erwähnt.)

    Falls sie abgesprungen sind, müsste man da tiefer eintauchen. Vielleicht ist das ein Red Flag.

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    • Laut Gemini sind Amazon und Nike Kunden von DLocal, und das Verhältnis zu Meta ist „nuanced“ 😀

      Ich nehme die 3 dennoch nicht in die Kundenliste des Beitrags auf, da mir die neueste Unternehmenspräsentation die sicherste Quelle zu sein scheint.

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  2. Die Switching Costs der Kunden dürften nicht besonders hoch sein, gerade weil DLocal es seinen Kunden so leicht macht.

    Generell würde ich sagen, bleibt kein großartiges Unternehmen übrig, wenn man DLocal nach den „Seven Powers“ von Hamilton Helmer bewertet:

    Scale Economies: As your volume increases, your per-unit cost decreases, making it impossible for smaller rivals to compete on price.

      Network Effects: The value of your service increases for every user as more people join the network.

      Counter-Positioning: A newcomer adopts a superior business model that the incumbent can’t mimic without damaging its existing business.

      Switching Costs: The loss (financial, time, or emotional) a customer incurs by moving to a competitor is too high.

      Cornered Resource: Preferential access to a coveted asset that rivals cannot get (talent, patents, or raw materials).

      Brand: The objective „feeling“ or trust a consumer has, which allows you to charge a premium for a functionally identical product.

      Process Power: Embedded organizational knowledge or complex processes that result in lower costs or superior quality that can’t be easily copied.

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      • Laut Gemini steht DLocal in 2 der 7 Bereiche gut da (Laut Helmer ist mind. 1 von 7 nötig, um langfristig profitabel zu bleiben):

        Power: Switching Costs

        Rating: High

        Analysis: Integrating a payment processor into an enterprise stack (like Amazon or Microsoft) is a massive undertaking. Once dLocal is the „pipe“ connecting a merchant to 600+ local payment methods across 40 countries, the cost and risk of ripping it out for a competitor are extremely high. This is reflected in their 149% Net Revenue Retention (NRR).

        Power: Process Power

        Rating: High

        Analysis: dLocal possesses „Institutional Muscle“ in navigating the regulatory, tax, and currency „nightmare“ of the Global South. This isn’t just software; it’s a deeply embedded knowledge of local banking rails and compliance that global giants like Stripe often prefer to partner with rather than build themselves.

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