Was würde Norbert Blüm tun?

Meine erste Begegnung mit dem Thema Politik war ein Gespräch mit meiner Mutter. Ich war damals noch sehr klein. Wenn ich mich recht erinnere, mochte sie Norbert Blüm und versuchte mir seine politischen Ansichten zu erklären.

„Denn eins ist sicher: Die Rente“ – so stand es in meinem Geburtsjahr 1986 auf 15.000 großen Plakaten. 28 Jahre später sagte Blüm:

„Wenn das Rentenniveau weiter so sinkt wie in den letzten Jahren, dann kommt man in die Nähe der Sozialhilfe, was die Rentenversicherung nicht nur um ihren guten Ruf bringt, sondern auch um ihre soziale Sicherungsfunktion.“

Der Rentenbeitrag beträgt derzeit 18,7% vom Bruttogehalt. Das durchschnittliche Bruttogehalt liegt bei 41.000 Euro. Was würde passieren, wenn es keinen Rentenbeitrag gäbe und jeder dieses Geld stattdessen in Aktien anlegen würde? Rechnen wir es aus.

Annahmen:

  • 7% Rendite zzgl. 2,5% Dividende, die reinvestiert wird
  • Abzug von 2% Inflation
  • 5 Euro pro Order bei 12 Orders pro Jahr

Nach 45 Jahren könnte man mit 2,7 Millionen Euro den Ruhestand genießen. Und wenn man einen genaueren Blick auf die Entwicklung der Aktienmärkte in den letzten Jahrzehnten wirft, sind 7% eher eine pessimistische Annahme.

Warum sollten die Märkte in Zukunft genauso stark steigen wie in der Vergangenheit? Durch neue Technologien, neue Möglichkeiten der Medizin, steigende Produktivität, Bevölkerungswachstum, bewusstere Ernährung. Der Wohlstand der Menschheit ist von Jahrhundert zu Jahrhundert immer weiter gewachsen. Warum sollte das in den nächsten 100 Jahren anders sein?

Update 13.01.: Ich hatte bei meiner Berechnung nicht bedacht, dass die Gehälter langfristig steigen. Damit würde der Endbetrag sehr viel höher ausfallen. Siehe Kommentare. Um keine Verwirrung in der Diskussion zu verursachen, lasse ich den Beitrag vorerst so wie er war.

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4 Gedanken zu „Was würde Norbert Blüm tun?

  1. Hallo Stefan,
    kann es sein, dass Du mit einem jährlichen Gesamtgewinn von 9,5% gerechnet hast, wovon Du dann 2% Inflation abziehst und damit eine Nettorendite von 7,5% erhältst?
    Falls ja, dann bedenke bitte, dass sich die Gesamtrendite durch Dividendenausschüttungen nicht erhöht werden. Die Nettorendite bei den oben genannten Zahlen sollte demnach 5% sein. Mit den Werten lande ich bei meiner Berechnung nur bei der Hälfte, also rund 1,3 Mio. Euro.

    Das Durchschnittsgehalt sollte auch eher niedriger in der Höhe von 35-36k€ liegen: https://de.wikipedia.org/wiki/Durchschnittsentgelt . Damit hätte man dann aber immer noch ein Vermögen von rund 1 Mio. Euro nach 45 Jahren angesammelt.

    Das nur als Anmerkung zur allgemeinen Berechnung – die Grundaussage „Da kommt ganz schön was zusammen“ stimmt natürlich weiterhin.

    Bei den 7% würde ich übrigens nicht sagen, dass das pessimistisch sei. Gerade die letzten Jahre waren extrem positiv und nicht gerade repräsentativ. Ich würde mir da langfristig (über 45(!) Jahre) keine übertriebenen Hoffnungen machen.

    Lieben Gruß
    Dummerchen

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  2. Hallo Dummerchen,

    das Durchschnittsgehalt beträgt 41k. Das Durchschnittsentgelt beträgt 35-36k. Ich denke, in die 2. Zahl gehen z.B. auch Studenten und Arbeitslose mit ein.

    Der Dow Jones ist seit 1900 um knapp 10% pro Jahr gestiegen (geometrisches Mittel). Im Gegensatz zum Dax ist der Dow kein Performance-Index, sondern ein Kursindex. Das heißt, unter der Annahme dass Dividenden reinvestiert werden, müssen die Dividenden zu diesen knapp 10% hinzu addiert werden. Ich bin in meiner Rechnung nicht vom Dow Jones ausgegangen, sondern eher vom MSCI World, der seit 45 Jahren um 7,4% pro Jahr steigt und habe auf 7% abgerundet.

    Mit meinen Annahmen komme ich auf die 2,7 Mio. Euro. Meiner Berechnung liegt jedoch eine falsche Annahme zugrunde, nämlich dass das durchschnittliche Bruttogehalt in 45 Jahren immer noch bei 41.000 Euro liegt, was natürlich Unsinn ist.

    Unter folgenden Annahmen kommt man sogar auf 5,16 Mio. Euro:
    1.) 41.000 Bruttogehalt in 2016
    2.) Keine Unterbrechung (z.B. durch Arbeitslosigkeit)
    3.) Investition von 18,7% des Bruttogehalts und Reinvestition der Dividenden; 45 Jahre lang
    4.) 7 % Kurssteigerung zzgl. 2,5% Dividende
    5.) Gehaltssteigerung in Höhe der Inflation

    Dass man das bestehende System nicht einfach umstellen kann, sollte klar sein. Ich wollte nur den Fall eines anderen Systems durchrechnen.

    Ob es nun 4, 5 oder 6 Millionen werden würden – der Punkt ist: Ich halte Aktien für die beste Form der Altersvorsorge und es gefällt mir ganz und gar nicht, dass ich dafür mit hohen Steuern zur Kasse gebeten werde, wohingegen unrentable, unflexible Gebührenmonster wie die Riester-Rente staatlich gefördert werden. Lest dazu gern hier weiter: https://stefansboersenblog.com/2015/12/06/riester-rente/

    Gruß, Stefan

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    • Hallo Stefan!

      Ich denke nicht, dass Deine ursprüngliche Berechnung „falsch“ war. Du hast ja die Inflation bei der Renditeberechnung berücksichtigt (so vermute ich zumindest – Du hast diesen Teil meiner Nachfrage bezüglich der Nettorendite leider ausgeklammert). Dann sollte man auch generell mit inflationsbereinigten Größen rechnen und nicht die Gehälter inflationsbedingt erhöhen. Die Preise werden ja schließlich ebenfalls inflationsbedingt steigen.

      So wie Du es in Deinem Kommentar schreibst, ist es ja dann auch richtig formuliert: Kurssteigerung + Dividende. In Deinem Ursprungsbeitrag ist von Rendite + Dividende die Rede. Das war ja der eigentliche Aufhänger meines Kommentars.

      Dass Dir die Abgabe in eine Versicherung (nichts anderes ist die GRV) ggü. einer privaten Anlage nicht passt, kann ich gut nachvollziehen. Dass dieses System den „Vorteil“ hat, einige Mitbürger zur Altersvorsorge zu zwingen, sollte man allerdings nicht vergessen. Natürlich kann man da sagen „Was scheren mich die anderen?“, aber im Endeffekt wird unser Sozialstaat dann die Nicht-Sparer oder Suboptimal-Sparer doch wieder unterstützen.

      Bezüglich Riesterrente sehe ich es wie Du und lasse die Gebührenmonster links liegen – diesen Teil der Vorsorge übernehme ich auch lieber durch private Geldanlage. Die staatliche Förderung der Riesterrente halte ich übrigens eher für eine Milchmädchenrechnung. Heute spart man Steuern bei den Beiträgen aber im Alter darf man die Rente dann voll versteuern (und nicht nur die Gewinne). Ob der Steuersatz dann in der Rentenbezugsphase wirklich deutlich günstiger ist, wage ich nicht vorherzusehen. Von irgendwem muss das Geld kommen und die Zahl der Rentner wird weiter steigen.

      Lieben Gruß
      Dummerchen

      PS: Wäre cool, wenn Du solche Zahlen wie die 41k irgendwie mit einem Link belegst – Du hast wahrscheinlich recht mit der Zahl, denn ich habe tatsächlich auf das Durchschnittsentgelt geschaut. So wie Du das schreibst, fällt die Zahl irgendwie vom Himmel und ich vermute, dass Du die Zahl auch irgendwo online gefunden hast.

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      • Hallo nochmal,

        zu deiner Nachfrage: Mit 7,5% Verzinsung kam ich auf 2,7 Mio. und mit 9,5% auf 5,2 Mio.

        Wenn du „Durchschnittsgehalt Deutschland 2015“ bei Google eingibst, steht bei den ersten 3 Links jeweils rund 41k.

        VG Stefan

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