38 unangenehme Wahrheiten übers Investieren

Morgan Housel schrieb von 2007 bis 2016 für die 1993 gegründete Plattform fool.com, die sich als Ziel gesetzt hat: „To make the world smarter, happier and richer“.

2012 veröffentlichte Housel dort den Beitrag „50 unfortunate truths about investing“, auf den ich vergangene Woche aufmerksam wurde.

2014 schrieb er „Why I love investing“. Diesen Beitrag hatte ich euch in übersetzter Fassung 2016 hier auf dem Blog zur Verfügung gestellt und habe ihn seitdem bestimmt zehnmal gelesen.

Ebenfalls in 2014 schrieb er den Beitrag „122 things everyone should know about investing and the economy“. Es war das Ende seiner 2013 geborenen Idee, ein Buch zu veröffentlichen unter dem geplanten Titel „500 things you need to know about investing“.

Housel ist ein Börsen-Poet, der eine Kolumne im Wall Street Journal hatte und dessen Twitter-Kanal ich täglich verfolge.

Im September wird sein erstes Buch erscheinen unter dem Titel „The psychology of money – timeless lessons on wealth, greed and happiness“. Darauf warte ich gespannt.

Links zu den Beiträgen sowie zum Buch und Twitter-Kanal findet ihr am Ende meines heutigen Beitrags.

Zuvor möchte ich euch meine 38 Highlights seiner „50 Wahrheiten“ und „122 Dinge“ in deutscher Übersetzung präsentieren. Wertvoll und zeitlos.

  1. Zu sagen „Ich werde gierig sein, wenn andere Angst haben“ ist viel einfacher als es tatsächlich zu tun.

  2. Die Kluft zwischen einem großartigen Unternehmen und einer großartigen Investition kann sehr groß ausfallen.

  3. Investieren erfordert, mehr als alles andere, Geduld und Disziplin. Aber es zieht gleichzeitig, mehr als alles andere, die Ungeduldigen und Impulsiven an. Dies verspricht eine großartige Show – ein Autounfall in Zeitlupe, den du dir immer wieder anschauen kannst.

  4. Im Bereich der Finanzfachleute gibt es praktisch keine Rechenschaftspflicht. Menschen, die sich jahrelang in allem geirrt haben, ziehen immer noch Menschenmassen an.

  5. Der Ökonom Alfred Cowles hat sich durch die Prognosen eines bekannten Analysten gewühlt, der im Wall Street Journal des frühen 20. Jahrhunderts als „besonders erfolgreich bei seinen Prognosen“ galt. Über einen Zeitraum von 30 Jahren waren von 90 Prognosen 45 richtig und 45 falsch. Und das passiert öfter als du denkst.

  6. Anleger wollen jemandem vertrauen. Und Experten wollen Geld verdienen. Eine dieser Gruppen wird eine ganz schöne Enttäuschung erleben. Rate mal, welche.

  7. Wie Erik Falkenstein sagt: „Im Profitennis werden 80% der Punkte gewonnen, während im Amateurtennis 80% verloren gehen. Gleiches gilt für Schach und Investieren: Anfänger sollten sich darauf konzentrieren, Fehler zu vermeiden.“

  8. Menschen sagen, dass sie Millionäre werden wollen – was sie aber eigentlich meinen ist, dass sie eine Million ausgeben wollen. Das ist das genaue Gegenteil vom Millionär-Sein.

  9. Zeitsparender Tipp: Anstatt Penny Stocks zu handeln, zünden Sie einfach Ihr Geld an. Gleiches gilt für gehebelte ETFs.

  10. Kein einziger Mensch auf der Welt weiß, wohin sich der Markt kurzfristig bewegen wird. Ende der Geschichte.

  11. Seit 1900 hat der S&P 500 circa 6,5 % jedes Jahr an Rendite abgeworfen. Aber die mittlere Differenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Kurs eines Jahres beträgt 23 %. Beherzige diese Tatsache das nächste Mal, wenn jemand dir erklären will, warum der Markt um ein paar Prozente gestiegen oder gesunken ist. Man will dir quasi erklären, warum Sommer auf Frühling folgt.

  12. Erinnere dich stets an das, was Nassim Taleb über den Zufall in den Märkten sagt: „Beim Würfeln weißt du, dass die Chancen eins zu sechs stehen, eine bestimmte Zahl zu bekommen. Das ist ein kalkulierbares Risiko. Im Aktienmarkt sind solche Statistiken Mist – du weißt nicht einmal, wie viele Seiten der Würfel hat!”

  13. Der Analyst, der über seine Fehler spricht, ist der Typ, dem Sie zuhören sollten. Meiden Sie den Kerl, der es nicht tut – seine Fehler waren viel größer.

  14. Sie werden die Bilanz einer Bank nicht verstehen. Die Leute, die die Bank leiten und ihre Buchhalter tun es auch nicht.

  15. In den nächsten 50 Jahren wird es sieben bis zehn Rezessionen geben. Seien Sie nicht überrascht, wenn sie kommen.

  16. Vor dreißig Jahren gab es eine Stunde Börsen-News pro Tag. Heute sind es mehr als 18 Stunden. Nicht das Nachrichtenvolumen hat sich erhöht, sondern das Geschwafel.

  17. Je häufiger jemand im Fernsehen auftritt, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass seine Börsen-Prognosen eintreffen. (Der Psychologe Phil Tetlock aus Berkeley hat Daten dazu).

  18. Die meisten Marktnachrichten sind nicht nur nutzlos, sondern auch schädlich für Ihre finanzielle Gesundheit.

  19. Der Rückgang der Handelskosten ist eines der schlimmsten Ereignisse für Anleger, da er häufigen Handel ermöglicht. Hohe Transaktionskosten führten dazu, dass die Leute lange nachdachten, bevor sie handelten.

  20. An den meisten Börsengängen werden Sie sich die Finger verbrennen. Menschen mit mehr Informationen als Sie möchten ihre Anteile loswerden.

  21. Wenn jemand Kursverläufe, gleitende Durchschnitte, Schulter-Kopf-Schulter-Formationen oder Widerstandslevel erwähnt, laufen Sie weg.

  22. Der Realzins für 20-jährige Staatsanleihen ist negativ, und die Anleger spülen Geld hinein. Angst kann eine viel stärkere Kraft sein als Mathematik.

  23. Das Buch „Wo sind die Jachten der Kunden“ wurde 1940 geschrieben und die meisten haben immer noch nicht herausgefunden, dass Finanzberater nicht ihr bestes Interesse im Herzen tragen.

  24. Was die Märkte morgen tun werden, wird überwiegend vom Zufall bestimmt. Abendliche Erklärungsversuche zum Marktgeschehen sind wie der Versuch, Lotteriezahlen zu erklären.

  25. Im Jahr 2000 war General Motors der umsatzstärkste Automobilhersteller und Apple wurde ausgelacht. Eine ähnliche Verschiebung wird in den nächsten zehn Jahren eintreten, aber niemand weiß, zu welchen Unternehmen.

  26. Die USA sind der einzige große Wirtschaftsraum, in dem der Anteil der arbeitenden Bevölkerung wächst. Das könnte sich als die wichtigste wirtschaftliche Variable der nächsten 50 Jahre herausstellen.

  27. Zwei Faktoren lassen die Wirtschaft wachsen: Bevölkerungszuwachs und Steigerung der Produktivität. Alles andere ist lediglich ein Resultat dieser beiden Faktoren.

  28. Firmen, die sich auf ihren Aktienkurs konzentrieren, werden schon bald ihre Kunden verlieren. Firmen, die sich auf ihre Kunden konzentrieren, werden an Wert zulegen. Ganz einfach, und dennoch von vielen Vorständen scheinbar vergessen.

  29. Apple hat zwischen 2002 und 2012 um 6.000 % an Wert zugelegt, aber an 48 % aller Handelstage an Wert verloren. Es gibt einfach keine gerade Linie nach oben.

  30. Egal wie viel Geld Sie glauben für den Ruhestand zu benötigen, verdoppeln Sie es. Jetzt sind Sie näher an der Realität.

  31. Die nächste Rezession ist niemals wie die letzte.

  32. Denken Sie daran, was Buffett über den Fortschritt sagt: „Zuerst kommen die Innovatoren, dann die Nachahmer, dann die Idioten.“

  33. Nimm dir erfolgreiche Investoren zum Vorbild, und du wirst eine Gemeinsamkeit feststellen: Sie sind allesamt Meister der Psychologie. Den Markt können sie nicht kontrollieren. Aber das, was zwischen ihren beiden Ohren ist, das schon.

  34. Je größer eine Fusion ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit dass sie floppt. CEOs lieben den Aufbau von Imperien, indem sie für Unternehmen zu viel bezahlen.

  35. 1909 gab es 272 Autohersteller. Durch Zusammenlegung und Bankrotte gab es letztlich nur noch drei, von denen zwei dann bankrott gingen. Es sind also zwei Paar Schuhe, vielversprechende Trends zu erkennen und ein sicheres Investment zu haben.

  36. Langweilige Unternehmen – Zahnpasta, Lebensmittel, Schrauben – können einige der besten langfristigen Investitionen sein. Innovative Unternehmen können zu den schlechtesten gehören.

  37. Nehmen wir zwei Investoren. Einer ist ein Genie vom MIT, der mit Zahlen jongliert als wäre es nichts. Er handelt mehrmals pro Woche, nutzt sein Hirn dazu, den Markt zu überlisten, indem er einsteigt und wieder rausgeht. Der andere ist ein Hinterwäldler ohne Schulabschluss. Er spart und investiert jeden Monat in einen kostengünstigen ETF. Den Markt schlagen? Ist ihm völlig gleichgültig. Wer hat am Ende die Nase vorn? Ich würde auf den Hinterwäldler setzen, immer und immer wieder. Buffett sagt: „Investieren ist kein Spiel, bei dem einer mit einem IQ von 160 den mit einem IQ von 130 schlägt.” Erfolgreiche Investoren kennen ihre Schwächen, bleiben cool und diszipliniert. Dem kann man gar nicht genug Gewicht beimessen.

  38. Die klügsten Leute der Welt wurden von der Börse erniedrigt. Idioten sind reich geworden. Investieren vollbringt Wunder für dich, wenn du es lässt. Es zerstört dich, wenn du es erlaubst. Und es ist für jeden möglich mitzuspielen, der ein paar Hundert Euro übrig hat. Es macht Spaß! Ich liebe es.

 

Links:

• Morgan Housels Buch: https://www.amazon.de/Psychology-Money-Timeless-lessons-happiness-ebook/dp/B084HJSJJ2/

• Housels Twitter-Account: https://twitter.com/morganhousel

• Meine Übersetzung von Housels Beitrag „Why I love investing“: https://stefansboersenblog.com/2016/10/12/warum-ich-investieren-liebe/

• Housels Beitrag „50 unfortunate truths about investing“: https://www.fool.com/investing/general/2012/11/14/50-unfortunate-truths-about-investing.aspx

• Housels Beitrag „122 things everyone should know about investing and the economy“: https://www.fool.com/investing/general/2014/12/12/122-things-everyone-should-know-about-investing-an.aspx

 

8 Gedanken zu „38 unangenehme Wahrheiten übers Investieren

  1. Pingback: Das wurde woanders geschrieben – Woche 14/2020 – Fuseboroto.info

  2. In den Wahrheiten steckt in der Tat sehr viel wahres drin. Vermutlich sollte man sie sich regelmäßig durchlesen um sich immer wieder daran zu erinnern. Damit wäre schon viel geholfen und auch viel gewonnen.

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  3. das sind „unforced“ Errors .. in diesem Tennis Beispiel. Ich glaub der Erik hat es von jemanden „geklaut“, falls der Erik aus der Finanzbranche kommt. —> Charles Ellis, winning the losers Game.

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