Mein Gespräch mit Anna zu ihrem Kinderbuch über Geld

Heute habe ich Anna zu Gast, Co-Autorin des Blogs »Finanziell Frei mit 30«. Sie hat gerade mit 28 Jahren ihr erstes Buch veröffentlicht. Darüber wollte ich unbedingt mehr erfahren.

 

Hallo Anna! Es freut mich sehr, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Bitte erzähle meinen Lesern und mir zunächst etwas mehr über dich.

Anna: Hallo 🙂 Vielen Dank für diese Möglichkeit! Also, ich bin Anna, ich bin 28 Jahre alt und komme aus Heidelberg. Ich habe erfolgreich Mathematik studiert und arbeite momentan an einem Online-Service und schreibe Bücher 🙂 »Joscha Pietsch und das Geheimnis des Geldes« ist dabei mein Erstlingswerk. Im Sommer wird aber schon das nächste Buch erscheinen, diesmal allerdings reine Unterhaltungsliteratur.

 

Andere Finanzbloggerinnen und Finanzblogger haben bereits erfolgreich Bücher herausgebracht, darunter Natascha Wegelin, Gisela Enders, Albert Warnecke, Kolja Barghoorn, Daniel Korth, Christian Röhl, Lars Hattwig  und Christian Thiel. Du bist darunter die Jüngste und adressierst mit deinem ersten Buch eine ganz neue Zielgruppe. Wie ist es dazu gekommen und wovon handelt das Buch?

Anna: Ich lese ja schon seit einigen Jahren regelmäßig Finanzblogs und beschäftige mich mit Aktien, Börse, Geld und Finanzen. Warum? »Das steht hier«. Das Angebot zum Thema wächst ja stetig und es gibt viel Auswahl an Informationen, aber eben nur für Erwachsene. Mir ist aufgefallen, dass es für Kinder und Jugendliche fast nichts zu dem Thema gibt: nur ein oder zwei Bücher. Im englischsprachigen Raum sieht es schon besser aus, aber selbst da ist es recht mau. Das ist doch schade, oder? Außerdem macht es mir Spaß, mir Geschichten auszudenken und seit letztem Jahr beschäftige ich mich damit, wie man professionell gute Stories schreibt. Da dachte ich, dass ich in dieser Richtung einen Beitrag leisten könnte.

»Joscha Pietsch und das Geheimnis des Geldes« dreht sich um den gleichnamigen Helden Joscha, einen zwölfjährigen Waisenjungen, der aus dem Heim abhaut, weil er seinen zugelaufenen Hund nicht behalten darf. Er lebt jetzt auf der Straße, hat keinen einzigen Cent und sieht keine andere Möglichkeit als zu stehlen. Und obwohl er von allen aufgegeben oder gar beschimpft wird, fasst er den Entschluss: »Ich werde es eines Tages mal gut haben – ihr werdet schon sehen!« Ein tougher Junge, wenn du mich fragst! Aber wie jeder, der den ersten Schritt macht, muss er überhaupt verstehen, was es mit Geld auf sich hat, bevor er es bekommt.

Das Buch handelt also erst mal von den absoluten Basics bezüglich Geld: Dort wird die Frage behandelt, warum Geld existiert, wieso wir es brauchen, was als Geld überhaupt fungieren kann, was Inflation, was Deflation und was der Zins ist. Auch die Frage, wie der Preis einer Ware oder Dienstleistung zustande kommt, wird dort erörtert. Mir war es absolut wichtig, mit den Basics anzufangen.

 

Wow, ich bin beeindruckt! Und wo kann man dein Buch kaufen?

Anna: Momentan nur auf Amazon. Vom 15.04. – 22.04. wird das eBook €2,99 kosten, das Taschenbuch €6,90; danach erhöht sich der Preis dauerhaft auf €4,99 beim eBook und €12,90 für das Taschenbuch.

 

Wie sieht es bei dir aus: Wie haben dich deine Eltern, Lehrer und andere Autoren geprägt für deine heutigen Spar- und Konsumentscheidungen?

Anna: Also, meine Lehrer haben mich in der Hinsicht 0,00% geprägt, da ich mich nicht erinnern kann, in meiner Schullaufbahn je übers Sparen oder Geld geredet zu haben. Klar, in der Oberstufe spricht man über Wirtschaft, Konjunktur und diskutiert darüber, wie Armut entsteht. Aber darüber redet man eine Schulstunde lang und danach ist das Thema irgendwie wieder weg. Oder man kommt zu keinem Ergebnis. Ich kenne auch niemanden in Studium und Schule, der den »konventionellen« Weg (Schule, Studium, Arbeit bis 65) je in Frage gestellt hat. Im Nachhinein total verrückt, oder?

Von Zuhause aus kenne ich den Umgang, der für die Mittelschicht »üblich« ist: Nicht viel sparen, Zeit gegen Geld tauschen. Es wurden klassische Fehler begangen, hohe Kredite aufgenommen und das Monatsgehalt war immer zügig weg. Ich dachte, es wäre »normal«, das Limit möglichst auszureizen, sogar immer ein Stückchen darüber hinaus. Alles raushauen. Konsumgüter auf Ratenzahlungen habe ich auch gemacht.

Das ging so, bis ich meinen Freund kennengelernt habe. Plötzlich waren mir Luxusartikel gar nicht mehr so wichtig. Plötzlich war es mir wichtig, die ganze Zeit mit ihm zu verbringen. Da habe ich das erste Mal gegoogelt, wie man reich wird und angefangen, mich damit zu beschäftigen. Da stieß ich dann schnell auf »Rich Dad, Poor Dad« und andere Klassiker, habe begonnen strikt zu sparen (da habe ich mich wie von alleine an meinen Freund »angepasst«, weil er ein sehr sparsamer Mensch ist) und das Geld anzulegen. Für all die Finanzblogs und Bücher zu dem Thema bin ich außerordentlich dankbar, sonst hätte ich es wohl nie kapiert.

 

Wie schätzt du das deutsche Bildungssystem ein, insbesondere beim Thema Geld? Wer ist hier mehr gefragt – die Eltern oder der Staat?

Anna: Sehr schlecht. Finanzbildung in Deutschland ist nahezu non-präsent. Ich hatte auch oft das Gefühl, dass es zwei Welten gibt: Die trockene Theorie in Schule und Studium und das »echte« Leben da draußen. Und eins hat mit dem anderem irgendwie nichts zu tun. Es gibt sehr viele Akademiker, bestens ausgebildet und die klügsten Köpfe, die trotzdem finanziell und wirtschaftlich nachteilige Entscheidungen treffen und dann z.B. nicht vorsorgen und nichts sparen. Das ist erschreckend. Man weiß zwar, wie die Organellen einer Pflanzenzelle funktionieren, aber man weiß nicht, wie man in schwierigen Zeiten mit Geld umgeht.

Aber die Menschen suchen immer mehr nach Antworten. Sie fragen sich nicht, wie ein Mitochondrium funktioniert, sondern: Wie werde ich glücklich? Wie schaffe ich, zu leben wie ich möchte? Finanzen und Geld spielen hier eine große Rolle. Der Markt für Selbsthilfe und Selbstfindung ist milliardenschwer. Dieses Angebot findet sich im Moment hauptsächlich außerhalb von Schule/Studium.

Bezüglich Geld und Finanzen sollten die Schulen/Universitäten also auf jeden Fall mehr tun und anbieten. Das fängt aber schon bei den Lehrern an, denn viele Erwachsene sehen es ja nicht mal ein, zu sparen und wenn doch, dann lassen sie ihr Geld von der Inflation auffressen und verteufeln Unternehmensbeteiligungen. Es gibt jedoch schon positive Schritte nach vorne, z.B. durch die Geldlehrer. Aber alles steht und fällt mit den Eltern, sie haben wahrscheinlich den größten Einfluss. Hier ist es vor allem wichtig, ein Vorbild zu sein, denke ich.

 

Wie definierst du Reichtum?

Anna: Reich ist, wem die Tür offen steht: Jemand, der sein Leben voll und ganz nach seinen Wünschen gestaltet, ist reich. Das geht mit großem Vermögen deutlich leichter. Aber Reichtum hat nicht nur etwas mit Geld zu tun. Junge Menschen sind z.B. »zeit-reich«, ältere Menschen »erfahrungs-reich« 😉 Beides ist wertvoller als Geld.

 

Zum Schluss noch einige schnelle Fragen.

Welches Wort beschreibt dich am besten? Ungeduldig 😀
Hund oder Katze? Katze!
Wein oder Bier? Wein.
ETF oder Einzelaktien? Einzelaktien.
Ausschüttend oder thesaurierend? Thesaurierend.
Könntest du nur in ein Unternehmen investieren über die nächsten 20 Jahre, welches wäre es? Apple 😉
Angela Merkel oder Sebastian Kurz? Christian Lindner! Der hat neulich mit Natascha von »Madame MoneyPenny« ein Interview geführt. Wie cool ist das denn?
Mit welchem Prominenten würdest du gern zu Abend essen? Jeff Bezos 😀
Welcher ist dein liebster Game of Thrones Charakter? Jon Snow 😀

Anna, herzlichen Dank für dieses tolle Interview und auch dafür, dass du mir eine signierte Ausgabe deines Buches geschenkt hast!

 

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Ein Gedanke zu „Mein Gespräch mit Anna zu ihrem Kinderbuch über Geld

  1. Als Lehrer kann ich das Unwissen meiner Kollegen über Geld und Börse bestätigen.

    Als Informatiker fehlt mir das Recht, Geldthemen anzusprechen. Wenn ich aber einen kleinen Vorstoß in dieser Richtung gemacht habe, bemerkte ich eigentlich nur ein großes Desinteresse meiner Schüler.

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